Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

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Donnerstag, 25. Oktober 2012

suchmaschinen-wunder

kurze maßnahme no 28

mein „Büro für besondere Maßnahmen“ ist im grunde ein ziemliches nischenprodukt.

kein mainstream, keine werbung, keine gutscheine, (fast) keine verlosungen, nur ausnahmsweise produkttests ...

statt dessen viel herz auf der tastatur, ehrliches frauen-leben, erfundene phantasien, höhen und tiefen, feinsinniges, humorvolles, freud und leid, philosophisches, kulturhaltiges, alltägliches, schönes, häßliches, ja sogar katzencontent - kurz: frauen und gedöns.

von allem etwas, aber für spezialinteressierte und suchmaschinen viel zu breit gefächert - so wie ich eben auch als frau und als mensch bin.


umso erstaunter war ich vorgestern, als die statistik mir anzeigte, dass mein blog bei google auf rang 12 steht, wenn man - irgendwo in der nähe von Hannover - das allerwelts-stichwort „Büro“ ins suchfeld eingibt. yeah!

hier im südwesten der republik sehe ich mich bei google nicht mal unter den ersten fünfhundert der ungefähr 230 millionen ergebnisse, geschweige denn unter den top twenty.

Hannover muss ein ganz besonderer ort sein! denn gugle irrt sich nicht. niemals.


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Sonntag, 1. April 2012

sonnenschirm „sun on screen“

kurze maßnahme no. 27

ganz neu von der CeBIT 2012
exklusiv im büro für besondere maßnahmen:

sonnenschirm "sun on screen"

das display mit UV-strahlung!

damit nerds und nerdas, geeks, geek girls und geekessen nicht mehr so entsetzlich blass sind, weil sie immer nur im dunklen keller vor dem bildschirm ihrer rechner hocken. jetzt können auch 24/7-computerfreaks so aussehen, als ob sie am realen leben in 3D teilhätten:

unser einzigartiger sunscreen i-Sun (wahlweise auch in der günstigen aldi-version MEDI-sun) zaubert eine sportliche bräune in jedes gamerface!

erhältlich als homescreen für den stationären monitor oder mobil für notebook und netbook.

technische details:
  • sonnenstrahlung stufenlos zu regulieren
  • UVA, UVB oder UV-breitband wahlweise zuschaltbar
  • ionisierend und hautfreundlich transmittiert
  • für empfindlichen teint geeignet
  • quecksilberfrei
demnächst auch erhältlich für kleinere screens wie kindle, notepad und smartphones

preis auf anfrage



nachtrag am 2. april 2012:
bevor jetzt noch weitere irritierte anfragen kommen, ob ich wohl das fach gewechselt habe und in zukunft nur noch so hochkompliziertes technikzeugs schreiben will:
april april!



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Sonntag, 11. März 2012

stilles gedenken

kurze maßnahme no. 26

aus gegebenem anlass
ein foto aus dem weinberg
irgendwo im kaiserstuhl

ohne worte

"erdbeben verboten"
bis fessenheim keine 20 km
da hilft auch kein aufkleber


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Sonntag, 6. November 2011

honig sei dank!

kurze maßnahme no. 24

da ich alleine lebe, passiert in meinem alltag nur selten etwas, das ich nicht selbst geplant und vorbereitet habe. noch seltener passiert es, dass sich in meiner wohnung dinge befinden, die ich nicht selbst hereingetragen habe.


genau ein solches ding aber fand sich vor einer woche bei meiner rückkehr aus dem krankenhaus auf meinem großen tafeltisch: ein hübsches kleines päckchen, eingewickelt wie früher in glänzendes braunes packpapier und sorgfältig von hand beschriftet.

was das wohl sein konnte? und von wem? ich kramte in meinem hochkarätigen kombinierkästchen nach möglichkeiten: hatte ich etwas bestellt oder bei ebay ersteigert, das noch nicht angekommen war? auch geburtstag hatte ich nicht, hochzeitstag habe ich keinen und pulitzerpreise kommen nicht mit der post.

ich liebe geheimnisvolle pakete, dann bin ich wie ein kind: ritschratsch runter mit dem papier und reingeguckt!

ein honig war drin, von maltesischen bienchen im thymian gesammelt, den mir eine treue leserin von ihrer ferienreise mitgebracht und quer durch die republik geschickt hat. dazu ein paar schnuckels für den katzebutz und ein handgeschriebener brief.

sehr geehrte Frau Dinktoc, mit diesem geschenk haben Sie mich zu tränen gerührt. zum einen, weil ich honig so sehr liebe. zum anderen, weil es gar nicht anders sein kann, als dass Sie die ganze zeit an mich gedacht haben: vor dem einkauf, beim aussuchen, bezahlen, transportieren, verpacken, zur post bringen. so viel zuwendung! zum dritten, weil ausgerechnet honig so schwer(wiegend) ist im koffer und heikel. nichts ist trauriger als klebrig süße scherben im gepäck.

der honig ist köstlich und kostbar – und stillt meine unterschwellige sehnsucht nach südlicher zuwendung.

ich freue mich sehr und sende ein herzliches DANKE!!! welch eine besondere maßnahme! dafür hätten Sie glatt noch einen preis verdient!

möge das gute, das Sie aussenden, in vielfacher weise zu Ihnen zurückkehren.


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Mittwoch, 13. Juli 2011

spießige geranien?

kurze maßnahme no. 23

hier in meiner südwestdeutschen wahlheimat fallen mir jedes jahr im sommer die vielen geranien auf den balkonen und vor den fenstern ins auge. egal, ob ich in meinem kleinen winzerdorf oder sonstewo unterwegs bin.

gasse in burkheim am kaiserstuhl

nicht, dass ich in meiner westdeutschen jugend oder später in berlin keine geranien gekannt hätte. mein auge freut sich immer sehr über die bunten farbtupfer im deutschgrauen einerlei.

aber ständig habe ich die stimme eines längst verflossenen verliebten im ohr, der einmal sagte: „geranien sind spießig. geh blooß nicht nach süddeutschland. da hängen tonnenweise geranien von den balkonen!“

also freut sich mein auge ein bißchen weniger. leider. denn eigentlich sind ja nicht die blumen spießig, sondern die menschen, die hinter diesen blumenkästen leben. angeblich. und mit spießigen leuten will ich lieber nichts zu tun haben. da bin ich wie mein alter freund.

aber meinen südwesten mag ich doch. die – meist – freundlichen bewohner mag ich auch. sie wehren sich gegen kernkraftwerke und gegen laute eisenbahnstrecken. da sind wir einer meinung.

im grunde mag ich auch geranien. ich hätte sogar selbst welche, wenn sie denn auf meinem schattenbalkon gedeihen würden. alles habe ich versucht, aber es ist zwecklos: das vorgezogene dach und der große blauglockenbaum vor dem südfenster lassen im sommer kaum licht durch. ich sehe hier eine pflanze nach der anderen eingehen. nicht einmal nachtschattengewächse wollen hier gedeihen.

„geranien stinken wie nasse türklinken. kauf die blooß nicht!“ hatte der berliner freund mir meine balkonbepflanzung madig gemacht. ehrlich gesagt, ich weiß bis heute nicht, wie nasse türklinken stinken. damals habe ich trotzdem ein paar geranien gekauft. weil sie fast von alleine wachsen und so schön bunt sind. außerdem schützen sie mit ihrem geruch meine wohnung vor mücken - und damit vor allem mich!

aber spießig wollte ich deswegen nicht geschimpft werden. wer will das schon? nicht mal spießer wollen das. aber lässt man deswegen seine geranien vertrocknen? keineswegs. die können doch nichts dafür!

statt dessen frage ich mich, woran mein freund die gesinnung der leute im winter erkennen will, wenn die geranien von den balkonen verschwunden sind.


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Mittwoch, 22. Dezember 2010

weihnachtskuchen

zwischen marzipanstollen und dominolebkuchen mal schnell mein lieblingsobst: apfelkuchen habe ich gebacken zur feier der wintersonnenwende. weil ab heute die tage nicht mehr kürzer werden. mehr als dreißig kerzen leuchten mir die dunkelste nacht des jahres, hell und warm.


wegen der optik nehme ich für meinen weihnachtskuchen ungeschälte rote äpfel. innen gelb, das macht den kuchen sonnig. für den teig feines dinkelmehl, ein freilaufendes hühnerei und gute butter, etwas zucker und sonst nix.

frohes fest!


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Sonntag, 19. Dezember 2010

keine kraft mehr

kurz nach der eröffnung meines büros für besondere maßnahmen (juli 2009) machte ich mir gedanken, wieviel output ich hier produzieren möchte und kann. eine kolumne in der woche, war mein fazit.

ministövchen: o-ton berlin
rosentasse mit goldrand: nathalija dolenc


das ging lange gut. zwischendurch gab es zusätzlich zu den ‚besonderen‘ sogar ‚kurze maßnahmen‘. weil mir die zeit zwischen zwei längeren texten zu lang wurde. weil so viel raus wollte ins WeltWeiteWeibernetz.

seit dem sommer an der see schaffe ich meine wöchentlichen maßnahmen nur noch mit mühe. dieser klinikaufenthalt liegt nun schon mehr als ein vierteljahr zurück. immer noch bin ich nur damit beschäftigt, irgendwie wieder festen boden unter die füße zu kriegen.

es gelingt mir nicht. ich fühle mich entsetzlich verloren. genau jetzt sollte ich aber fleißig texte produzieren. mein blog steht wieder auf der vorschlagsliste der mädchenmannschaft zur bloggerin des jahres.

es ehrt mich, dass mich wer vorgeschlagen hat. ich freu mich. das tut gut. schmeichelt mir ein bißchen. die mädchenmannschaft ist eine wichtige seite, macht gute arbeit, ist unverzichtbare informationsquelle und diskussionsplattform geworden.

gleichzeitig setzt es mich unter druck, besonders attraktive, gute und womöglich ‚publikumswirksame‘ maßnahmen produzieren zu müssen. das war schon im frühjahr so, als ich auf der vorschlagsliste stand für den grimme online award 2010.

nun ist so eine vorschlagsliste ja noch sehr weit entfernt von einer nominierung. die ehre, den preis dann auch zu erhalten, ist erst recht noch lange nicht in sicht. trotzdem fühle ich mich verpflichtet, dem vorschlag gerecht zu werden und die erwartungen – von wem auch immer – nicht zu enttäuschen.

das gefällt mir nicht. es nimmt mir die unbefangenheit, jetzt auch einfach mal in aller ruhe nichts zu produzieren. ausgerechnet jetzt, wo ich mich am liebsten in den winterschlaf kuscheln möchte. na ja. irgend was is‘ eben immer.

als kind hatte ich ein buch über die mumins von tove jansson. was habe ich diese kleinen wesen damals geliebt! und ich habe sie sehr beneidet: mumins dürfen sich kurz vor dem einbruch des winters den bauch kugelrund voll futtern mit tannennadeln. dann suchen sie sich ein weiches warmes dunkles plätzchen irgendwo im haus, legen sich schlafen und werden erst im frühling wieder wach, wenn draußen die ersten blümchen blühen.

ich beneide sie immer noch, meine mumins. von jahr zu jahr mehr. von jahr zu jahr erscheint mir der winter dunkler. länger. kälter. feindseliger. schwieriger auszuhalten.

in dieser jahreszeit stelle ich meinen geliebten, meinen heiligen milchkaffee auf ein kleines stövchen, damit er nicht zu schnell kalt wird. trotzdem muss ich ihn schneller trinken als sonst. stövchenkaffee schmeckt bitter, wenn er zu lange auf der flamme steht.

ihr seht, ich trinke weiter milchkaffee und halte mich wach – obwohl ich mir viel lieber auch den bauch mit tannennadeln vollschlagen, mich in eine dunkle warme ecke zurückziehen und meine nase erst dann wieder unter der bettdecke rausstecken möchte, wenn draußen frühling ist und die krokusse blühen und die primeln.

leider ist es mir nicht gelungen, mich von den mumins adoptieren zu lassen. also muss ich da durch. bei lebendigem leib. jahr für jahr.

dieses jahr fällt es mir besonders schwer. es ist die kälte, die von innen kommt. der frühe winter lässt mich umso mehr von außen frieren.

mein zwanzigzehn war entsetzlich anstrengend. dabei hatte ich mich - ganz tigresse - so gefreut auf das jahr des tigers und war mit großem mut gestartet.

ab neujahr die neue arbeitsstelle als sekretärin an der hochschule – die ich dann ende juli aufgeben musste, weil ich es schier nicht ausgehalten habe dort und weil es mich so sehr belastet, so sehr krank gemacht hat.

danach sechs wochen reha, um die ich mehr als drei jahre gekämpft und auf die ich mich so sehr gefreut hatte: es war alles falsch. ich kam kranker zurück als ich hingefahren bin und habe seither meine mitte nicht wieder gefunden. i feel so lost. und so durcheinander.

nicht einmal einen abschlussbericht habe ich hingekriegt über diese seltsamen sechs wochen in der ostseeklinik und poste seither nur noch petitessen. so vieles purzelt mir im kopf herum und in der seele. aber nix scheint geordnet rauszuwollen. es ist, als ob ich innerlich ersticke an meinen eigenen gedanken und gefühlen. wir drehen uns im kreis.

ich schleppe mich durch meinen prekären alltag, alles kostet so viel kraft. keine ahnung, wie das jemals wieder besser werden soll. kein mut mehr. keine hoffnung. ich bin schon froh, wenn ich nur meinen haushalt einigermaßen ‚gedingelt‘ kriege.

an manchen tagen ist schon das zähneputzen so dermaßen anstrengend, dass ich mich danach gleich wieder hinlegen möchte. das erlaube ich mir allerdings selten und hänge statt dessen unproduktiv vor dem pc. das sieht wenigstens so aus, als ob ich arbeite.

nur der katzencontent gelingt regelmäßig. könnte nicht mal wer diese seite für einen preis vorschlagen? das äuglein ist ja auch ein mädchen, immerhin. ein sehr flauschiges nämlich.

2011 wird das jahr der katze. so viel steht schon mal fest.


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Freitag, 10. Dezember 2010

karamelengel in freiburg

wenn über nacht alle gullideckel zugeschweisst und absperrgitter quer durch die fußgängerzone der mitteralterlichen altstadt gezogen werden, wenn die wurstbraterInnen auf dem münsterplatz ihre traditionelle rote nur noch an polizistInnen verkaufen, wenn straßenbahnen nicht mehr fahren und das volk nicht mehr durchkommt, dann ist gipfeltreffen in freiburg!

duftende orchidee: ornithorhynchum

es treffen sich die höchsten gewählten volksvertreterInnen des eigenen und des befreundeten nachbarlandes, karamelengel* meets croissant auf dem weihnachtsmarkt der selbsternannten breisgaumetropole – neudeutsch für "mitten in der provinz".

sie heißen angela merkel und nicolas sarkozy. warum sie ausgerechnet in freiburg über ihre wirtschaftliche zusammenarbeit reden müssen, wird nicht mitgeteilt. die beiden allein wären ja noch auszuhalten. aber beide haben ganze säcke voller pickeliger pfefferkuchenmänner im schlepptau.

hoffnung ist angesagt, denn das schmelzhochwasser der dreisam „will düstere woge“* sein und eitle aussenminister einfach fortspülen. mögen sie allesamt auf dem schlüpfrigen kopfsteinpflaster, das über nacht frisch mit schnee bepudert, aber rechtzeitig und mehrmals am frühen morgen und späten vormittag flott wieder sauber gefegt wurde, nicht allzusehr ausrutschen - weder physisch noch diplomatisch.

ich selbst habe von dem sogenannten hohen besuch in der stadt nur den stau mitbekommen, den ich glimpflich umschiffen konnte: alle termine pünktlich absolviert.

aber mittenrein ins getümmel, ständig den pass vorzeigen und womöglich mehrfach durchsuchen lassen, um eine „krücke im faulen arsch“* und andere „klare mängel“* zu besichtigen? das tu ich mir nicht an. deswegen gibt es von mir an dieser stelle auch kein beweis-, sondern ein duftiges blümchenfoto.

heute also weder politik noch prominenz im büro für für besondere maßnahmen.


*
„karamelengel“, „klare mängel“, „will düstere woge“ und “crook in lazy ass“ sind anagramme. bitte selbst auflösen.


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Freitag, 12. November 2010

letzte rose im herbst 2010

ende oktober oder anfang november - es ist jedes jahr ähnlich: mit großer wehmut verabschiede ich mich vom rosenduft, der meinen sommer begleitet hat.

Ikebana-Keramik: B. Weiß

in diesem jahr ist friesia die (vermutlich) letzte blühende duftrose von meinen zwölf dornen-feen, die auf dem garagendach wohnen. friesia, die so frisch nach zitronen duftet; die besonders frostharte, unermüdlich blühende, die auch im mai die erste war nach dem winterschlaf.

in der vergangenen woche habe ich diese eine nachzüglerblüte vom strauch geschnitten. innerhalb eines tages ist sie auf meinem schreibtisch verduftet und hat sich fallen lassen. seitdem liegen ihre petalen da herum und trocknen vor sich hin. sonnengelb. ich mag sie gar nicht wegräumen. draußen ist es grau.

herr de saint-exupéry ließ seinen kleinen prinzen sagen: „ce qu'ils (les hommes) cherchent pourrait être trouvé dans une seule rose …“ - „was der mensch sucht, kann er in einer einzigen rose finden.“

das finde ich zwar etwas übertrieben und plakativ, denn es gibt ne menge, was mir fehlen würde, wenn ich im leben nur diese eine rose hätte und keine mietzekatze, zum beispiel. oder all das andere zeug und erst die menschen, die mir wichtig sind. da gibt es durchaus einiges, wonach ich in meiner rose vergeblich suchen könnte.

aber es steckt schon eine menge wunder in jeder einzelnen von ihnen: nicht nur schönheit und duft der blüten. auch das wehrhafte der stacheln, das nährende der hagebutten. dass sie sorgfalt lehrt und verantwortungsgefühl, aufmerksamkeit fordert und pflege. weil sie mir vormacht, wie das geht: pause machen! weil sie hoffnung macht, zuversicht und die gewißheit, dass sie im nächsten sommer wiederkommt.

auf all das möchte ich keinesfalls verzichten - alors je suis responsable de la rose....


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Donnerstag, 7. Oktober 2010

vertrauenssache

es hat ein bißchen was von schlaraffenland. ich gehe im dorf spazieren oder bin mit dem rad unterwegs im markgräflerland. immer wieder sehe ich da unterwegs ein tischlein-deck-dich - am straßenrand, an der hausecke, vor einer gartenmauer ....

weinbeeren: gutedel

je nach jahreszeit frisch bestückt mit allem, was der private garten gerade so hergibt – und was die gärtnerin im augenblick selbst nicht verwerten kann.

jetzt im herbst sind das weinbeeren, kürbisse, äpfel, nüsse. im frühjahr spargel, erdbeeren oder kirschen. blumen der saison aus dem bauerngarten. im sommer gemüse und kräuter, frisch gekochte marmeladen und gelees, manchmal in abenteuerlichen kombinationen wie zum beispiel birne-rosmarin.

früchte und gemüse: markgräflerland

immer liegt eine preisliste dabei. oder es kleben kleine schilder auf der ware. eine kasse steht auf dem tisch, manchmal eine kaffeedose mit schlitz im deckel oder ein sparschwein. kein mensch weit und breit. das bißchen, was der garten übrig hat, reicht nicht für einen eigenen laden, geschweige denn für den verkauf irgendwo anders.

die ernte teilen: herbst 2010

die dorfbewohner teilen ihre ernte mit den nachbarn. wie ich das liebe! ich nehme, was mir gerade in den speiseplan passt, freue mich riesig über frische ware, zudem meist noch bio – und zähle mein kleingeld passend ab.

dieses vertrauen rührt mich so sehr an, dass ich es mit dem herzen kaum fassen kann. und nie, aber auch wirklich niemals käme ich auf die idee, an einem solchen ort die zeche zu prellen.


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Mittwoch, 25. August 2010

reizklima II

offiziell bin ich hier in einer gegend mit absolut guter reiner frischer luft, meistens vom meer her. die klinik ist bekannt für ihre lungenheilabteilung mit bester sauerstoff-therapie.

heiligendamm: seebrücke und grandhotel

seit gestern stinkt es allüberall nach frischer gülle, im ort und um den ort herum: im klinikgarten, in der klinik selbst und auch in meinem zimmer. es stinkt nach frischer gülle im kurwald und auf der kurwiese und auf der strandpromenade und trotz stürmischen winds stinkt die brühe von den feldern ringsum sogar bis auf die seebrücke hinaus.

der geruch will mir gar nicht mehr aus der nase. das ist echt eklig. ich bitte um eine große portion mitleid. für mich. aber auch und vor allem für die gäste des grandhotels, die trotz eines preises ab 300 euro für ein zimmer mit seeblick diesen duft der großen weiten welt nicht einfach abschalten können.


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Sonntag, 8. August 2010

hafenratte

was meerwasser angeht, so gehöre ich eher zu den leuten, die hauptsächlich darin herum plantschen.

es gibt andere, die bauen mit stoffbahnen überspannte hohlkörper, um sich auf und über das wasser zu bewegen.

warnemünde: leuchtturm / hanse sail 2010

das findet die meeressüchtige landratte in mir spannend. also bin ich gestern nach warnemünde geradelt und habe mir das große segelboot-meeting angesehen, die hanse sail 2010 in rostock.

ich war beeindruckt. stundenlang konnte ich auf der kaimauer am hafen sitzen, mit den beinen baumeln und schiffe gucken. das war gigantisch schön! etwas so erhabenes und erhebendes habe ich selten erlebt. so viele so große segelschiffe auf einmal habe ich sowieso noch nie gesehen.

wie ein kind habe ich gestaunt, habe mich sehr frei gefühlt, leicht und heiter - und konnte diesen therapiepausensamstag so richtig genießen.

von dem klinik-alltag hier mag ich zur zeit noch nicht erzählen. nur so viel, dass ich es sehr sehr anstrengend finde. die öffentlichen mahlzeiten zu eng gesteckten zeiten, wenn ich weder appetit noch hunger habe. die vielen fremden menschen, immer und überall. ich passe mich ein, so gut es geht.


ps.
die acht ist meine glückszahl. dass ich ausgerechnet am 08. august meinen 88. post veröffentliche, freut mich. es war nicht geplant.


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Mittwoch, 4. August 2010

4HfM

die kurze maßnahme no. 19 hat das rote eichhörnchen im haselstrauch mir beschert, als es mir vier noch grüne zaubernüsse vor die füße warf, gleich an meinem ersten tag hier.



nun spiele ich „vier haselnüsse für mo jour“: jedes mal, wenn ich ein kleines wunder brauche, nehme ich davon eine, kneife die augen ganz fest zu und werfe die nuss über die rechte schulter hinter mich.

nuss no. 1 hatte ich gleich eingesetzt, um in ein luftigeres zimmer umziehen zu dürfen. das hat hervorragend geklappt.

nuss no. 2 habe ich heute verbraucht, weil es im großen speisesaal mit 240 leuten so dermaßen unerträglich laut war, dass mein tinnitus verrückt gespielt hat und ich das essen nicht mehr geschmeckt habe. die mahlzeiten waren eine riesige belastung für mich. seit heute habe ich einen ruhigeren platz.

vier wunder für sechs wochen: das ist sehr viel. ich freu' mich schon auf die nächsten zwei!

…. alles ist, wie es soll.


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Mittwoch, 28. Juli 2010

neue aussicht

nur mal schnell eine kurze maßnahme, um euch mitzuteilen, dass mein büro die aussicht gewechselt hat.

grand hotel heiligendamm: rückansicht I

die sommersendungen kommen nun aus dem sanatoriums-büro. das ist nicht annähernd so schön wie mein home-office, es gibt auch keine katze. die aussicht ist garstig und deutschgrau, ein schnöder hinterinnenhof. das wage ich euch gar nicht zu zeigen.

für das foto bin ich fast aufs dach geklettert. ihr seht schon: ich wohne in der zweiten reihe. in der ersten reihe steht das grand hotel, und das zeigt allen anderen sehr genau, wo sie hingehören: nach vorne nämlich nicht.

der zugang zum strand ist kilometerweise abgezäunt: gerade so, als ob da immer noch wer gipfeln täte und dringend vom volke abgeschirmt werden müsse.

weil die feinen herr- und damenschaften in den weißen villen nicht wollen, dass frau kunz und herr hinz zu nah an ihrem hotelzimmer vorbeilatschen, werden aus dreihundert metern luftlinie mal eben zwei kilometer. nicht einmal das kurhaus ist öffentlich zugänglich.

für unsereins krankes tränenhuhn ist das nun sehr beschwerlich, immer den großen doofen umweg laufen zu müssen. wo ich doch das meer so liebe.

schon brecht hat seinen galilei sagen lassen: „angesichts von hindernissen mag die kürzeste verbindung zwischen zwei punkten die krumme sein.“

so ist das leben
außerdem regnet es hier
ich bin indigniert


ps am 30.07.2010
hier zum anschauen ein aktuelles spiegel-video


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Samstag, 17. Juli 2010

abschiedsschmerz

gestern habe ich die schwiegerkatze wieder abgegeben. ungefähr sieben wochen hatten wir miteinander. es war oft lustig, noch öfter zärtlich und sehr verspielt.


das katzebutz hat eine katzentransportkorbphobie. es war nicht einfach, sie in das kistchen zu setzen, so sehr hat sie sich gewehrt mit zähnen und krallen.

jetzt tut‘s weh, und ich bin fast dankbar für die blutende kratzspur. der schmerz in meinem leben ist selten so sichtbar:

die katze kommt in zwei monaten zurück. die freundin, der sie gehört, werde ich für viel viel längere zeit nicht sehen.

aua.


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Sonntag, 11. Juli 2010

keep cool

kurze maßnahme no 16: mindestens zwei tage lang in aller ruhe und ausführlichkeit NICHTS tun. überhaupt GAR nichts.

landleben: bregenzerwald

es ist wissenschaftlich* erwiesen, dass die leistungsfähigkeit des gehirns - ausgehend von 100 % bei einer außentemperatur von 19 °C - mit zunehmender hitze kontinuierlich abnimmt und bei 33 °C nur noch ca. 50 % beträgt.

gähnen, übrigens, kühlt das gehirn. auch das ist wissenschaftlich* erwiesen.

also: take it easy, hang loose - and keep cool!


*
entsprechende links zu belegenden quellen für diese behauptungen werden nachgeliefert, sobald mein gehirn wieder auf 100% ist. derzeit ist das nicht der fall.


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Samstag, 3. Juli 2010

einen rosengarten? versprochen!

kurze maßnahme no 15 ist mein alljährlicher ausflug in den spektakulärsten park der umgebung. immer im juni oder juli, wenn die rosen am schönsten blühen! landhaus ettenbühl  heißt der zaubergarten, in dem ich am liebsten ganz und gar verduften möchte, alles alltagsgrau vergessen kann und die schnöden gerüche der zuvielisation ebenso.


hier, wo rosen die bäume hinauf wachsen bis in den himmel, ist tatsächlich alles rosenduft wie sonst nie in meinem leben. ein paar stunden lang, mitten in den sanften hügeln des markgräflerlands: im milden schatten sitzen, bienen summen und brunnen plätschern hören. den duft von rosen und lavendel in der nase.

erholung für meine sinne wie selten. in diesem jahr schon sommerhitze, manche blüten morbide welk und erschöpft von sonne und regen. es gibt keine schönheit ohne den wandel!


gewandelt bin ich auch durch das neue labyrinth, erst kürzlich eröffnet. dichte hecken über augenhöhe, kein ausweg in sicht. der imaginäre faden immer in meiner hand - wie ich es von ariadne in knossos lernte – hat mich sicher geleitet.


am ende der reise durch den majestätischen schattenschutz der mammutbaumallee geschritten wie die kaiserin auf dem weg zum festmahl.


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Sonntag, 13. Juni 2010

zeit der kirschen

jedes jahr im juni treffen die ersten kirschen auf den letzten spargel. das ist eine ganz besondere zeit, die nur eine woche dauert, zehn tage vielleicht. denn der spargel wird hier im markgräflerland traditionell bis mittsommer geerntet. allerlängstens bis zum johannitag. danach nicht mehr, und der spargel „schießt ins kraut“.


die ersten kirschen sind regelmäßig reif am zweiten juniwochenende. trotz des langen winters haben sie das auch in diesem jahr wieder geschafft. nun gibt es eine gute woche lang beides: spargel und kirschen!

das zweite juniwochenende ist auch aus einem anderen grund eines meiner liebsten: der alljährliche keramikmarkt in breisach ist einer der schönsten, die ich kenne: unter großen alten bäumen auf der festwiese, zwischen rheinufer und alter stadtmauer treffen sich hier keramikkünstler von nah und fern.

soo schöne dinge bringen sie mit, dass ich mich gar nicht sattsehen kann. davon ernähre ich mich optisch für eine ganze weile. den kitsch übersehe ich geflissentlich! ich kaufe auch immer was – obwohl ich zu hause schon längst keinen platz mehr habe und meine kostbarkeiten – wie in einem museum – nur abwechselnd ausstellen kann.

für den marktbesuch nehme ich mir immer viel zeit, setze mich auch bisweilen zum plaudern an den stand einer freundin, schaue das volk an und lausche verkaufsgesprächen.

der letzte kunde gestern erwarb zwei sehr schwere und sehr schöne gefäße. er gab sich erst nach kompliziertem, kapriziösen und langwierigen hin und her über ausstattung, rabatt und zugaben zufrieden. dann, im gehen und schon ein paar meter vom stand entfernt, drehte er sich noch einmal um:

„vielen dank. sie haben mir ein sehr schönes erlebnis bereitet.“

meine keramikfreundin und ich, wir sahen uns grinsend an. das hatte geklungen, als ob er sich von einer hure verabschiedet.


ps.
die schöne keramik ist eine arbeit von beate weiß


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Mittwoch, 26. Mai 2010

schwiegerkatze

kurze maßnahme no 12 ist eine neue mitbewohnerin, zeitweilig. einäuglein kommt von der anderen seite des großen flusses, aus dem nahen westen.


eine sehr geliebte freundin hat mir heute ihre katze gebracht. die gute geht fort, in die weite ferne nach osten. womöglich für länger. ich werde sie sehr vermissen. die freundin.

nun schauen einäuglein und ich, ob wir solange miteinander auskommen. während die gute freundin im fernen osten ist.

das sieht schon ganz gut aus. einäuglein frisst und trinkt, schlendert durch die wohnung und gähnt auf meinem sofa, als wäre es niemals anders gewesen.

es ist ganz wunderbar, ein schnurrendes wesen im haus zu haben. endlich ist dies wieder ein miezhaus! wenn die sehnsucht nach der guten freundin zu groß wird, dann fernschnurren wir im duett bis china.


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Mittwoch, 19. Mai 2010

sandstrandsand-sammlung

in der kurzen maßnahme no 11 dreht sich alles um den mandelkern. oder wie auch immer dieses kleine fitzelchen im limbischen system meines gehirns heißt, wo durch düfte gefühle ausgelöst werden:



das ist quasi ein positiver trigger, der auch für das schreiben von lebendigen texten gilt: schreibe ich statt des allgemeinen wortes „rote blume“ das konkretere wort „duftende rote rose“ hier hin, dann wird in den gehirnen meiner geneigten leserInnen dasselbe hirnareal angeregt, als ob sie tatsächlich an einer rose schnuppern! genial, oder?!

leider gilt das anders herum auch für ‚gülle‘ – aber nur so lange, bis ich mir wieder in erinnerung rufe, dass ‚gül‘ das türkische wort für rose ist.

so trickse ich in meinem kleinen landleben mir das eine oder andere alltagsgraue bunt und lecker. das funktioniert nicht nur mit gerüchen, sondern auch mit anderen schönen erinnerungen.

meine schönsten erinnerungen habe ich in kleinen einweckgläsern konserviert - lange bevor irgendwer vom mandelkern genaueres wusste: von den stränden der letzten zwanzig jahre habe ich sandproben mitgebracht. die stehen etikettiert in reih und glied. ohne verfallsdatum. wenn ich mal fernweh habe, dann suche ich mir mein traumziel aus und streue davon eine prise in die mit meersalzwasser gefüllte badewanne.

das kribbelt so schön. und duftet nach ganz weit weg!


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