eine buchbesprechung
als ich vor knapp fünf jahren endlich den offiziellen iq-test bei mensa in deutschland machte, war ich ziemlich aufgeregt. es dauerte gefühlte monate, bis das ergebnis eintraf: die von mir erzielte sehr hohe hausnummer bestätigte meine heimliche vermutung aus schulmädchenzeiten und überraschte mich nicht wirklich.
das ergebnis schwarz auf weiß zu sehen, von einem psychologen unterschrieben, beruhigte mich ein bißchen. hatte ich meine intelligenz zumindest nicht versoffen in all den jahren.
die beigefügte einladung, dem verein der superschlauen doch bitte beizutreten, schmeichelte mir. ich folgte ihr nicht, weil a) das geld für den jahresbeitrag für hartz-IV-empfängerInnen im regelbedarf nicht vorgesehen ist und b) ich wenig sinn darin sehe, einem verein beizutreten, dessen aufnahmekriterium einzig ein IQ jenseits der 130 ist.
für meinen IQ kann ich nix. ich bilde mir nichts drauf ein. das ist kein 'besser oder schlechter', allenfalls ein wertfreies 'anders': angeboren wie meine grünen augen. ich kann weder das eine noch das andere ändern. höchstens kaschieren. es ist wie es ist. ich gehe damit um.
der brief mit dem ergebnis verschwand in einem ordner. ich hatte immer noch keine ahnung, was es mit der diagnose „hochbegabung“ tatsächlich auf sich hat – mal abgesehen von der tatsache, dass man dann vielleicht schneller rechnen kann.
erst durch mein blog und speziell eine meiner leserinnen entdeckte ich vor rund zwei jahren das thema für mich neu. ich las „Jenseits der Norm – hochbegabt und hochsensibel“ von Andrea Brackmann. das buch war eine offenbarung für mich. eine buchbesprechung habe ich damals im begabungsblog von Nathalie Bromberger veröffentlicht.
der klett-cotta verlag mochte meinen beitrag und war so nett, mir auch das zweite buch von Andrea Brackmann zuzusenden: „Ganz normal hochbegabt – Leben als hochbegabter Erwachsener“. so rasch nach dem ersten gelesen stand da für mich nicht viel neues drin. durch meine anstrengende situation als hochschulsekretärin war ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. für die einzelnen schicksale anderer „betroffener“ hatte ich damals weder kopf noch nerven.
als ich mich neulich dabei ertappte, dass ich im zusammenhang mit einer anderen diagnose an die hiesige universitätsklinik schrieb „im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass ich an einer hochbegabung 'leide'“ - habe ich mich an Brackmanns buch wieder erinnert und zog es von ziemlich tief unten aus dem bücherstapel auf meinem nachttisch hervor.
erstens darf es doch nun wirklich nicht sein, dass ich an meiner brillanz leide. zweitens tue ich auch Frau Brackmann damit unrecht und all den autorInnen in ihrem buch, die so offen von den freuden und qualen ihrer eigenen intelligenz berichten.
manchmal brauche ich einfach gleichgesinnte mit ähnlichen erfahrungen, um mich selbst wieder ins lot zu rücken. das ist wie mit der selbsthilfegruppe für trockene alkoholikerInnen. es hilft.
es hilft, darüber zu lesen, dass auch andere 'superhirne' nicht zwangsläufig erfolgreiche überflieger sind. damit hadere ich ja sehr: dass mein potential so brachliegt, weder gefordert noch gefördert (und vor allem: nicht angemessen honoriert) wird. dass ich andererseits ganz oft die schnauze voll habe davon, ständig 'denken' zu müssen und niemals abschalten zu können. bisweilen würde ich am liebsten auf einem niveau von, sagen wir: IQ 78 dahindümpeln. ruhe haben im kopf. nicht ständig alles hinterfragen und auch noch dem letzten i-tüpfelchen auf den grund gehen müssen; statt dessen die welt und das leben nehmen wie es kommt. zwar leicht debil sein, aber zufrieden.
die mit einem hohen IQ einhergehende hohe empfindsamkeit, von der ich niemals pause habe, erklärt auch – zum teil – meinen hohen alkoholkonsum über jahrzehnte hinweg: wenn es mir zu viel wurde, habe ich meine sinne mit alkohol betäubt, die immer grellen wahrnehmungen gedämpft und weichgespült. das erklärt auch, warum es mir jetzt, auch nach jahren ohne droge – in dieser hinsicht schlechter geht als vorher: meine wache belastbarkeit beträgt nur einen bruchteil von der im betäubten zustand. ich 'funktioniere' nicht mehr so 'gut' wie früher; musste lernen und lerne immer noch, meine eigenen grenzen überhaupt erst wahrzunehmen, sehr viel enger zu stecken als ich es mir für mich selbst wünschen würde – und mich damit abzufinden, dass ich meinen eigenen hohen ansprüchen niemals mehr werde gerecht werden können.
Andrea Brackmanns buch hilft mir also sehr, noch einmal aus verschiedenen blickwinkeln beleuchtet zu erfahren, dass hochbegabte z.b. nicht nur 'schneller denken' können, sondern auch ein vielfaches an informationen aufnehmen und dieses viele obendrein auch noch heftiger empfinden: dadurch mehr verarbeiten müssen und in manchen bereichen leichter überfordert und auch oft langsamer sind als 'normal begabte'.
außerdem wäre frau Brackmann nicht sie selbst, wenn sie das runde dutzend sehr berührender lebensgeschichten von hochbegabten erwachsenen einfach nur kommentarlos aneinandergereiht hätte.
während hochbegabte kinder immer häufiger frühzeitig als solche erkannt werden und eine angemessene förderung erhalten, geht man bei erwachsenen scheinbar immer noch davon aus, dass es sich 'irgendwann auswächst'. das tut es jedoch nicht. es bleibt uns erhalten!
ebenfalls im buch zu finden sind daher hinweise zum aktuellen stand der forschung, tipps und anlaufstellen; dazu eine übersicht samt kritischer bemerkungen zu den gängigen IQ-tests und – für mich mit das wichtigste: eine sehr einfühlsame zusammenstellung der wichtigsten merkmale von hochbegabung mit den allerschönsten verhaltensempfehlungen, damit umzugehen, ohne ständig sich selbst zu zerfleischen.
meine lieblingsstelle kommt fast am schluss: die liste der sogenannten 'häßlichen wörter'. dabei handelt es sich um eine beliebig erweiterbare aufzählung von meist 'sozialen' situationen, die für menschen mit hochbegabung oft nur schwer auszuhalten sind. ich zitiere: „Betriebsausflug, Großputz, Stuhlkreis, geselliges Beisammensein, Supermarktmusik, Schützenfest, runde Geburtstage, Höflichkeitsfloskel, Schwimmbad, Großraumbüro ....“
ich empfinde es als sehr wohltuend, mich zu solcherlei nicht mehr zwingen zu müssen, nur weil alle anderen das normal finden; statt dessen nun endlich sagen zu dürfen „nein danke, das ist nichts für mich“ und mich an derlei aktivitäten nur noch zu beteiligen, wenn es überhaupt gar nicht anders geht. oder früher zu gehen, wenn es mir zu viel wird und für danach ausreichend pause zum kräftesammeln einzuplanen.
ebenfalls wohltuend die erkenntnis, dass solcherlei 'hochbegabte empfindlichkeiten' weder durch therapie noch durch mehr selbstdisziplin kurierbar sind. ich bin und bleibe eine empfindliche zicke. das erleben der eigenen hochbegabung und der umgang damit sind täglich neue herausforderungen, vermutlich bis an mein lebensende und ohne pause.
diese aussicht ist nicht gerade beruhigend. aber mit meinem kreativen hochleistungsgehirn dürfte auch das zu schaffen sein.
Andrea Brackmann
Ganz normal hochbegabt
Leben als hochbegabter Erwachsener
Klett-Cotta Leben!
ISBN 978-3608860061
derzeit 14,95 €
--------
Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!
Januar 2021
Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de
Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)
Posts mit dem Label intelligenz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label intelligenz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 21. August 2011
Sonntag, 11. Juli 2010
keep cool
kurze maßnahme no 16: mindestens zwei tage lang in aller ruhe und ausführlichkeit NICHTS tun. überhaupt GAR nichts.
es ist wissenschaftlich* erwiesen, dass die leistungsfähigkeit des gehirns - ausgehend von 100 % bei einer außentemperatur von 19 °C - mit zunehmender hitze kontinuierlich abnimmt und bei 33 °C nur noch ca. 50 % beträgt.
gähnen, übrigens, kühlt das gehirn. auch das ist wissenschaftlich* erwiesen.
also: take it easy, hang loose - and keep cool!
*
entsprechende links zu belegenden quellen für diese behauptungen werden nachgeliefert, sobald mein gehirn wieder auf 100% ist. derzeit ist das nicht der fall.
--------
![]() |
| landleben: bregenzerwald |
es ist wissenschaftlich* erwiesen, dass die leistungsfähigkeit des gehirns - ausgehend von 100 % bei einer außentemperatur von 19 °C - mit zunehmender hitze kontinuierlich abnimmt und bei 33 °C nur noch ca. 50 % beträgt.
gähnen, übrigens, kühlt das gehirn. auch das ist wissenschaftlich* erwiesen.
also: take it easy, hang loose - and keep cool!
*
entsprechende links zu belegenden quellen für diese behauptungen werden nachgeliefert, sobald mein gehirn wieder auf 100% ist. derzeit ist das nicht der fall.
--------
Mittwoch, 5. Mai 2010
büro für besondere maßnahmen im außendienst
kurze maßnahme no. 9: mo jour schreibt fremd!
und zwar eine buchbesprechung bei begabung/blog
dass ich eine intelligenzbestie bin, habe ich ja neulich schon einmal erwähnt. dabei geht es um viel mehr als um einen besonders klugen kopf: hochbegabung mit einem iq jenseits der 130 ist ein vielschichtiges thema, das noch gar nicht lange beforscht wird. mehr iq – das bedeutet neben „schneller denken“ in den meisten fällen auch entsprechend mehr gefühl und entsprechend mehr wahrnehmung.
umso erleichterter war ich, zu diesem thema ein ganz wunderbares buch zu finden, das mir sehr dabei geholfen hat, mich selbst besser zu verstehen und auch einige meiner ‚marotten‘ besser annehmen und selbstbewusster damit umgehen zu können.
es ist das buch „Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?“ von Andrea Brackmann. „da muss ich unbedingt mal eine buchbesprechung machen“ - war einer meiner ersten gedanken dazu. der zweite war dann – typisch hochbegabter selbstzweifel und perfektionismus: „ach nee, das buch ist ja schon fünf jahre alt, da bin ich ja viel zu spät dran. es gibt schon rezensionen zu hauf und meine wird da nicht auch noch gebraucht!“
doch. wird sie! und zwar im begabung/blog von nathalie, wo sie seit heute nachzulesen ist.
geht doch mal rüber!
--------
und zwar eine buchbesprechung bei begabung/blog
dass ich eine intelligenzbestie bin, habe ich ja neulich schon einmal erwähnt. dabei geht es um viel mehr als um einen besonders klugen kopf: hochbegabung mit einem iq jenseits der 130 ist ein vielschichtiges thema, das noch gar nicht lange beforscht wird. mehr iq – das bedeutet neben „schneller denken“ in den meisten fällen auch entsprechend mehr gefühl und entsprechend mehr wahrnehmung.
umso erleichterter war ich, zu diesem thema ein ganz wunderbares buch zu finden, das mir sehr dabei geholfen hat, mich selbst besser zu verstehen und auch einige meiner ‚marotten‘ besser annehmen und selbstbewusster damit umgehen zu können.
es ist das buch „Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?“ von Andrea Brackmann. „da muss ich unbedingt mal eine buchbesprechung machen“ - war einer meiner ersten gedanken dazu. der zweite war dann – typisch hochbegabter selbstzweifel und perfektionismus: „ach nee, das buch ist ja schon fünf jahre alt, da bin ich ja viel zu spät dran. es gibt schon rezensionen zu hauf und meine wird da nicht auch noch gebraucht!“
doch. wird sie! und zwar im begabung/blog von nathalie, wo sie seit heute nachzulesen ist.
geht doch mal rüber!
--------
Sonntag, 25. April 2010
long distance call
manchmal hätte ich gerne ein tonband für meine gedanken nach mitternacht. da passieren häufig die seltsamsten dinge in meinem krausen kopf. nach den himmlischen sonnenuntergängen der vergangenen woche, bei denen die sonne sich schüchtern und geradezu zärtlich in die vulkanaschewolke aus island hüllte, zum beispiel:
die wanderung der aschewolke nach dem ausbruch des islandischen vulkans eyjafjallajökull verlief über ganz europa und fand ihr ende in einem konzentrierten niedergang ausgerechnet im einzugsbereich des BfbM (*) in südbaden. das umweltbundesamt hats ausgerechnet.
alle rätseln und sind verwirrt, warum ausgerechnet hier? mich wundert das nicht, denn die antwort liegt auf der hand: der noch junge vulkan eyjafjallajökull hat neuerdings die öffentlichkeitsarbeit für die vulkane übernommen, und er kommuniziert über aschewolken. wie sonst?! lateinisch favilla bedeutet asche. es wird doch wohl niemand bestreiten, dass dieses wort eindeutig in seinem namen steckt. mit ein bißchen isländischem zungenschlag, versteht sich.
wenn wir nun diese information - die bislang von allen human made medien übersehen wurde, da diese nicht fähig sind, in aschewolken zu lesen - zugrundelegen, dann ist der aschefall in südbaden sonnenklar:
gerade mal zwanzig kilometer weg von mir ist der kaiserstuhl. das ist ein kleines gebirgsmassiv vulkanischen ursprungs und immer noch bekannt als wärmster obst- und weinberg deutschlands – und das, obwohl er schon seit mehr als 10 millionen jahren nicht mehr aktiv ist! was die vulkanische tätigkeit angeht, ist unser kaiserstuhl also ein fauler alter sack (davon gibt es hier in südbaden mehrere).
weil der kaiserstuhl so lange nicht von sich hat reden machen, hat der eyjafjallajökull im isländischen vulkankommunikationskonpetenzzentrum also mal eben eine kurze anfrage geschickt: „ey alter, schläfst du noch?!“.
damit so eine asche-sms von vulkan zu vulkan auch richtig ankommt, muss am himmel absolute stille herrschen. winde und meeresströmungen wollen exakt koordiniert sein. das ist eine großartige vulkanlogistische meisterleistung, die enormer konzentration bedarf.
deswegen war es absolut wichtig – und das haben die europäer ja auch eingesehen – dass für die zeit der vulkanischen nachrichtenübermittlung absolute ruhe herrscht am himmel, die nicht von kondensstreifen aus düsentriebwerken durchkreuzt werden darf.
wie wir erfahren haben, bestand die aschenachricht aus island hauptsächlich aus silicium, aluminium, eisen, magnesium und kalzium sowie ein paar schwefeldioxiden. das sind alles stoffe, die wir menschen ohnehin als spurenelemente und konservierungsstoffe über die nahrung oder teure tabletten aus der apotheke zu uns nehmen.
die vom ejyafjallajökull versandte nachricht war also umweltfreundlich und so präzise getimed, dass sie genau rechtzeitig eintraf, um nebenbei den südbadischen spargel zu düngen, dessen saison hier soeben begonnen hat - und den ich soo sehr liebe!
daraus können wir schließen, dass vulkane über eine immanente intelligenz verfügen. der vulkanier spock hat das zwar schon immer behauptet, aber nun haben wir auch einen terrestrischen beweis dafür.
besonders interessant ist die tatsache, dass vulkane nicht nur unterirdisch miteinander kommunizieren (was ja der kürzere weg wäre) - sondern auch long distance über die erdatmosphäre. vielleicht, weil ihnen das untenrum manchmal einfach zu heiß ist?
die nachricht aus island ist jedenfalls beim kaiserstuhl angekommen. dessen antwort bleibt abzuwarten.
ps.
eyjafjallajökull könnte zu meinem lieblingswort des jahres werden.
die richtige aussprache üben wir hier
BfbM* = Büro für besondere Maßnahmen
--------
die wanderung der aschewolke nach dem ausbruch des islandischen vulkans eyjafjallajökull verlief über ganz europa und fand ihr ende in einem konzentrierten niedergang ausgerechnet im einzugsbereich des BfbM (*) in südbaden. das umweltbundesamt hats ausgerechnet.
alle rätseln und sind verwirrt, warum ausgerechnet hier? mich wundert das nicht, denn die antwort liegt auf der hand: der noch junge vulkan eyjafjallajökull hat neuerdings die öffentlichkeitsarbeit für die vulkane übernommen, und er kommuniziert über aschewolken. wie sonst?! lateinisch favilla bedeutet asche. es wird doch wohl niemand bestreiten, dass dieses wort eindeutig in seinem namen steckt. mit ein bißchen isländischem zungenschlag, versteht sich.
wenn wir nun diese information - die bislang von allen human made medien übersehen wurde, da diese nicht fähig sind, in aschewolken zu lesen - zugrundelegen, dann ist der aschefall in südbaden sonnenklar:
gerade mal zwanzig kilometer weg von mir ist der kaiserstuhl. das ist ein kleines gebirgsmassiv vulkanischen ursprungs und immer noch bekannt als wärmster obst- und weinberg deutschlands – und das, obwohl er schon seit mehr als 10 millionen jahren nicht mehr aktiv ist! was die vulkanische tätigkeit angeht, ist unser kaiserstuhl also ein fauler alter sack (davon gibt es hier in südbaden mehrere).
weil der kaiserstuhl so lange nicht von sich hat reden machen, hat der eyjafjallajökull im isländischen vulkankommunikationskonpetenzzentrum also mal eben eine kurze anfrage geschickt: „ey alter, schläfst du noch?!“.
damit so eine asche-sms von vulkan zu vulkan auch richtig ankommt, muss am himmel absolute stille herrschen. winde und meeresströmungen wollen exakt koordiniert sein. das ist eine großartige vulkanlogistische meisterleistung, die enormer konzentration bedarf.
deswegen war es absolut wichtig – und das haben die europäer ja auch eingesehen – dass für die zeit der vulkanischen nachrichtenübermittlung absolute ruhe herrscht am himmel, die nicht von kondensstreifen aus düsentriebwerken durchkreuzt werden darf.
wie wir erfahren haben, bestand die aschenachricht aus island hauptsächlich aus silicium, aluminium, eisen, magnesium und kalzium sowie ein paar schwefeldioxiden. das sind alles stoffe, die wir menschen ohnehin als spurenelemente und konservierungsstoffe über die nahrung oder teure tabletten aus der apotheke zu uns nehmen.
die vom ejyafjallajökull versandte nachricht war also umweltfreundlich und so präzise getimed, dass sie genau rechtzeitig eintraf, um nebenbei den südbadischen spargel zu düngen, dessen saison hier soeben begonnen hat - und den ich soo sehr liebe!
daraus können wir schließen, dass vulkane über eine immanente intelligenz verfügen. der vulkanier spock hat das zwar schon immer behauptet, aber nun haben wir auch einen terrestrischen beweis dafür.
besonders interessant ist die tatsache, dass vulkane nicht nur unterirdisch miteinander kommunizieren (was ja der kürzere weg wäre) - sondern auch long distance über die erdatmosphäre. vielleicht, weil ihnen das untenrum manchmal einfach zu heiß ist?
die nachricht aus island ist jedenfalls beim kaiserstuhl angekommen. dessen antwort bleibt abzuwarten.
ps.
eyjafjallajökull könnte zu meinem lieblingswort des jahres werden.
die richtige aussprache üben wir hier
BfbM* = Büro für besondere Maßnahmen
--------
Sonntag, 14. Februar 2010
goldene maßnahme no 1
als ich das „büro für besondere maßnahmen“ im juli vergangenen jahres eröffnete, tat ich dies in der absicht, mir ein eigenes kleines forum zu schaffen für die vielen krausen geschichten und gedanken, die mir aus dem kopf purzeln, wenn ich ihn nicht ausquetsche wie eine zitrone, sondern einfach mal gucke, was da so kommt; wenn ich mir die zeit nehme und texte so schreibe, wie andere leute fahrrad fahren: einfach aus spaß an der (inneren) bewegung und ohne jeglichen ehrgeiz, dass dabei jemals etwas vorzeigbares herauskommen müsse.
die möglichkeit, dass mein büro für besondere maßnahmen nicht nur produziert und (her-)ausgibt, sondern dass auch etwas hereinkommen könnte, daran habe ich damals nicht im entferntesten gedacht. das ist dann einfach passiert!
da habe ich gelernt, dass es im internet sein kann wie überall im leben: ich bewege mich, gebe einen impuls, stupfe das mobile an – das ganze bewegt sich, kommt in einem neuen gleichgewicht zur ruhe. meine kleine welt ändert sich, und auch ich sortiere mich neu.
so stelle ich fest: mein output kommt hier und da an, ohne dass ich ‚everybody‘s darling‘ sein muss. es kommen rückmeldungen, rückhalt und unterstützung. ich begegne neuen menschen, meinungen, seinsweisen. digital und in echt. es wachsen (ver-)bindungen in alle welten, die ohne dieses weblog gar nicht hätten entstehen können. das ist inter-net. das ist untereinander vernetzt. ich bin verblüfft. ich bin entzückt!
ich schreibe nicht nur, sondern ich schau auch zu, was andere machen. ohne werten zu müssen, ohne kopieren zu wollen. einfach: erst mal gucken, was und wie die das machen - dann mal sehen! und siehe da: „aha! so kann es also auch gehen. darauf war ich allein noch gar nicht gekommen.“ das ist spannend!
hin und wieder stolpere ich bei meinen virtuellen streifzügen durchs WeltWeiteWeibernetz über echte kronjuwelen. die berühren mein herz, die helfen mir weiter, die begleiten meinen lebensweg. die tun mir gut, die machen mich manchmal sogar glücklich. denen möchte ich gerne danke sagen.
deswegen habe ich eine ganz besondere maßnahme erfunden: die goldene!
was mache ich jetzt damit? werde ich meine goldene maßnahme verleihen? anordnen? durchführen? soll ich goldene maßnahmen treffen, ergreifen oder verschenken?
nix da. keine bedingungen! die goldene maßnahme gibt es ab sofort in unregelmäßigen abständen. wie ich sie vergebe, entscheide ich jedes mal aufs neue. spontan und subjektiv. ich bin jury, ich bestimme adressatin und zeitpunkt. ich halte die laudatio. oder auch nicht. je nach dem ….
so. jetzt aber endlich …. das büro für besondere maßnahmen proudly presents …. tataaaa ….. trommelwirbel …. große fanfare …. tuschschsch
hier ist die goldene maßnahme no. 1 ….
für nathalie bromberger und ihr begabung/blog!
von nathalie habe ich so viel gelernt über intelligenz, über hochbegabung und so vieles, was damit zusammenhängt, dass ich mir selbst ein großes, ein sehr großes stück näher gekommen bin. ganz oft, wenn ich ihre texte lese, dann fließen tränen der erleichterung und hören gar nicht mehr auf, weil so viel alter schmerz noch da ist und weggespült sein will: endlich einmal schreibt da jemand, wie es mir seit sooo vielen jahren geht – und dass das völlig ‚normal‘ sei, wie ich bin. auch wenn andere das ‚komisch‘ finden oder ‚unheimlich‘.
weil hochbegabung eben nicht nur ein hoher iq ist, sondern noch ganz viele andere facetten hat. eine hohe empfindsamkeit anderer sinne, zum beispiel. das wurde von meinem umfeld aber nie nicht als besondere fähigkeit gesehen, sondern war den anderen eher lästig: „sei doch nicht immer so empfindlich, du zickige mimose!“
oder dass ich ganz ganz viel zeit für mich brauche, in aller ruhe – weil ich oft mehr eindrücke aufnehme als andere von außen und mehr zeit brauche, um all das zu verarbeiten. während andere denken, dass ich „unproduktiv“ sei und nix zustande bringe: „du stiers‘ immer nur löcher in die luft.“ oder „du träumst!“
oder auch, dass ich ganz begeistert tausenderlei zeugs anfange, weil ich neu-gierig bin. und es überhaupt nicht schlimm finde, das irgendwann auch wieder sein zu lassen, ohne damit besonders erfolgreich gewesen sein zu müssen. es interessiert mich einfach nicht mehr. etwas anderes ist plötzlich spannender. dann heißt es gerne mal „du bringst nix zu ende. was man anfängt, muss man auch fertig machen!“ ähem. wieso?! ich muss doch erst einmal etwas kennenlernen dürfen, bevor ich wissen kann, ob ich mich intensiver/länger damit beschäftigen will oder nicht?! außerdem habe ich mich natürlich sehr wohl einigen gesellschaftlichen anforderungen angepasst und durchaus vieles fertig gebracht in meinem leben, das wird dann nur gerne übersehen ….
jedenfalls hatte ich diese alten botschaften „sei eine andere!“ - „du bist nicht gut genug!“ - „du bist immer so …. /du bist zu …. !“ „du bist so kompliziert.“ - „du bist unerträglich. ich halte es mit dir nicht mehr aus!“ sehr verinnerlicht – und habe es immer noch.
irgendwie ist immer krieg in meiner seele, weil so viele menschen von mir woll(t)en, dass ich gegen mich selbst ankämpfe und eine andere bin. das geht natürlich nicht, und das macht mich sehr unglücklich.
von nathalie habe ich nun gelernt, dass einige meiner „eigenarten“, genau so in mir angelegt sind wie meine haarfarbe oder meine schuhgröße. dass ich mir das nicht ‚abgewöhnen‘ kann noch muss – und dass ich das genau so wenig wegtherapieren kann wie die grübchen in meinen wangen. seit dem ich das weiß, kann ich anders damit umgehen. das lässt mich sehr viel friedlicher sein mit mir selbst – und das wiederum empfinde ich als großes geschenk.
das lesen im begabung/blog hat sich erwiesen als goldene maßnahme für mich selbst. und deswegen verschenke ich selbige jetzt an die, die‘s erfunden hat. merci, nathalie!
--------
die möglichkeit, dass mein büro für besondere maßnahmen nicht nur produziert und (her-)ausgibt, sondern dass auch etwas hereinkommen könnte, daran habe ich damals nicht im entferntesten gedacht. das ist dann einfach passiert!
da habe ich gelernt, dass es im internet sein kann wie überall im leben: ich bewege mich, gebe einen impuls, stupfe das mobile an – das ganze bewegt sich, kommt in einem neuen gleichgewicht zur ruhe. meine kleine welt ändert sich, und auch ich sortiere mich neu.
so stelle ich fest: mein output kommt hier und da an, ohne dass ich ‚everybody‘s darling‘ sein muss. es kommen rückmeldungen, rückhalt und unterstützung. ich begegne neuen menschen, meinungen, seinsweisen. digital und in echt. es wachsen (ver-)bindungen in alle welten, die ohne dieses weblog gar nicht hätten entstehen können. das ist inter-net. das ist untereinander vernetzt. ich bin verblüfft. ich bin entzückt!
ich schreibe nicht nur, sondern ich schau auch zu, was andere machen. ohne werten zu müssen, ohne kopieren zu wollen. einfach: erst mal gucken, was und wie die das machen - dann mal sehen! und siehe da: „aha! so kann es also auch gehen. darauf war ich allein noch gar nicht gekommen.“ das ist spannend!
hin und wieder stolpere ich bei meinen virtuellen streifzügen durchs WeltWeiteWeibernetz über echte kronjuwelen. die berühren mein herz, die helfen mir weiter, die begleiten meinen lebensweg. die tun mir gut, die machen mich manchmal sogar glücklich. denen möchte ich gerne danke sagen.
deswegen habe ich eine ganz besondere maßnahme erfunden: die goldene!
was mache ich jetzt damit? werde ich meine goldene maßnahme verleihen? anordnen? durchführen? soll ich goldene maßnahmen treffen, ergreifen oder verschenken?
nix da. keine bedingungen! die goldene maßnahme gibt es ab sofort in unregelmäßigen abständen. wie ich sie vergebe, entscheide ich jedes mal aufs neue. spontan und subjektiv. ich bin jury, ich bestimme adressatin und zeitpunkt. ich halte die laudatio. oder auch nicht. je nach dem ….
so. jetzt aber endlich …. das büro für besondere maßnahmen proudly presents …. tataaaa ….. trommelwirbel …. große fanfare …. tuschschsch
hier ist die goldene maßnahme no. 1 ….
für nathalie bromberger und ihr begabung/blog!
von nathalie habe ich so viel gelernt über intelligenz, über hochbegabung und so vieles, was damit zusammenhängt, dass ich mir selbst ein großes, ein sehr großes stück näher gekommen bin. ganz oft, wenn ich ihre texte lese, dann fließen tränen der erleichterung und hören gar nicht mehr auf, weil so viel alter schmerz noch da ist und weggespült sein will: endlich einmal schreibt da jemand, wie es mir seit sooo vielen jahren geht – und dass das völlig ‚normal‘ sei, wie ich bin. auch wenn andere das ‚komisch‘ finden oder ‚unheimlich‘.
weil hochbegabung eben nicht nur ein hoher iq ist, sondern noch ganz viele andere facetten hat. eine hohe empfindsamkeit anderer sinne, zum beispiel. das wurde von meinem umfeld aber nie nicht als besondere fähigkeit gesehen, sondern war den anderen eher lästig: „sei doch nicht immer so empfindlich, du zickige mimose!“
oder dass ich ganz ganz viel zeit für mich brauche, in aller ruhe – weil ich oft mehr eindrücke aufnehme als andere von außen und mehr zeit brauche, um all das zu verarbeiten. während andere denken, dass ich „unproduktiv“ sei und nix zustande bringe: „du stiers‘ immer nur löcher in die luft.“ oder „du träumst!“
oder auch, dass ich ganz begeistert tausenderlei zeugs anfange, weil ich neu-gierig bin. und es überhaupt nicht schlimm finde, das irgendwann auch wieder sein zu lassen, ohne damit besonders erfolgreich gewesen sein zu müssen. es interessiert mich einfach nicht mehr. etwas anderes ist plötzlich spannender. dann heißt es gerne mal „du bringst nix zu ende. was man anfängt, muss man auch fertig machen!“ ähem. wieso?! ich muss doch erst einmal etwas kennenlernen dürfen, bevor ich wissen kann, ob ich mich intensiver/länger damit beschäftigen will oder nicht?! außerdem habe ich mich natürlich sehr wohl einigen gesellschaftlichen anforderungen angepasst und durchaus vieles fertig gebracht in meinem leben, das wird dann nur gerne übersehen ….
jedenfalls hatte ich diese alten botschaften „sei eine andere!“ - „du bist nicht gut genug!“ - „du bist immer so …. /du bist zu …. !“ „du bist so kompliziert.“ - „du bist unerträglich. ich halte es mit dir nicht mehr aus!“ sehr verinnerlicht – und habe es immer noch.
irgendwie ist immer krieg in meiner seele, weil so viele menschen von mir woll(t)en, dass ich gegen mich selbst ankämpfe und eine andere bin. das geht natürlich nicht, und das macht mich sehr unglücklich.
von nathalie habe ich nun gelernt, dass einige meiner „eigenarten“, genau so in mir angelegt sind wie meine haarfarbe oder meine schuhgröße. dass ich mir das nicht ‚abgewöhnen‘ kann noch muss – und dass ich das genau so wenig wegtherapieren kann wie die grübchen in meinen wangen. seit dem ich das weiß, kann ich anders damit umgehen. das lässt mich sehr viel friedlicher sein mit mir selbst – und das wiederum empfinde ich als großes geschenk.
das lesen im begabung/blog hat sich erwiesen als goldene maßnahme für mich selbst. und deswegen verschenke ich selbige jetzt an die, die‘s erfunden hat. merci, nathalie!
--------
Samstag, 6. Februar 2010
intelligenzbestie
„do bess ene intelijenzbestije!“ noch heute höre ich die mutter fauchen, wenn ich mit unschlagbarer logik eines ihrer fadenscheinigen argumente widerlegt oder ihre autoritären anweisungen blitzgescheit als pädagogisch wertlos entlarvt hatte.
sie war sauer auf mich. meine intelligenz passte ihr nicht ins konzept. intelligent sein bedeutete für mich, nicht liebenswert sein. die mutter empfand meine klugheit als bedrohung. bei mir zu hause war das so. also wurde ich dafür geschimpft. oder man machte sich darüber lustig. die unterschwellige botschaft war: „sei eine andere!“ genauso hätte sie von mir verlangen können, nicht immer so grüne augen zu haben, sondern besser blaue.
schrieb ich mit meiner intelligenzbestie hingegen gute noten in der schule, dann war ihr das ganz recht. nicht, dass der inhalt meiner klassenarbeiten sie irgendwie interessiert hätte. aber dann konnte sie sich brüsten vor ihren freundinnen, weil sie so eine schlaue tochter hatte: „die intelligenz hat sie natürlich von mir.“
die mutter lebte das, was ich einen ‚verlängerten narzissmus‘ nenne. sie fühlt sich nur dann als ‚gute mutter‘ wenn ihre tochter erfolgreich ist. es ist, als hätte sie kein eigenes selbstwertgefühl. wenn es mir nicht gut geht, dann geht es ihr schlecht. was dann früher öfter mal dazu geführt hat, dass – wenn ich ihr am telefon von einem meiner (geringeren) probleme erzählte - sie laut seufzte und anfing zu weinen. was dann wiederum mich in die schreckliche situation brachte, nicht nur mit meinem eigenen problem fertig zu werden, sondern auch noch die mutter zu trösten, dass ich überhaupt ein problem hatte.
irgendwann habe ich aufgehört, ihr irgend etwas für mich wirklich wichtiges von mir zu erzählen.
erzählt habe ich dann nur noch erfolgserlebnisse, da konnte sie was mit anfangen. damit brüstete sie sich wiederum vor ihren freundinnen und fühlte sich wohl, weil sie sich für eine gute mutter halten konnte, die eine erfolgreiche tochter produziert hat.
leider übersah sie dabei völlig, dass – trotz meiner ‚intelligenz‘ ich auch immer viel zeit mit lernen und experimentieren und lesen und neugierig alles mögliche herausfinden verbrachte. sehr viel zeit, um genau zu sein. statt dessen berichtete die mutter ihrem entzückenden damenkränzchen entzückt, dass mir ja immer alles zuflöge und unglaublich leicht fiele.
mich hat sie übrigens nie gelobt für meine guten noten. statt dessen gab es einen zuverdienst zum mageren taschengeld: zwei mark für eine eins, eine mark für eine zwei und fünfzig pfennig für eine drei lagen wortlos auf dem küchentisch neben dem von der erziehungsberechtigen unterschriebenen klassenarbeitsheft.
im allgemeinen lagen bei mir ein- und zwei-markstücke. das mit den silberlingen hatten sie nur eingeführt, damit die schwester - die mit ihren noten weniger glück hatte als ich - nicht völlig verarmte. als ich einmal eine zwei-minus nach hause brachte – das war ein ausrutscher in latein - hieß es „das ist doch nicht so schlimm.“
meine guten noten hielt ich tatsächlich immer nur für glück. nie war ich mir der qualität meiner leistung sicher. wie sollte ich auch. die mutter war ja davon überzeugt, dass mir immer alles ‚zuflog‘. niemals war eine eins in mathe das resultat meiner guten vorbereitung. was also, wenn das zufällige talent einfach mal zufällig an mir vorbeiflöge? ich verbrachte nächtelange alpträume damit, eine fünf oder sechs nach der anderen zu schreiben und war jedes mal aufs neue überrascht über eine gute note im richtigen leben. gleichzeitig fühlte ich mich wie eine betrügerin, die eine solche gar nicht verdient hatte.
für die guten leistungen wurde ich zwar in der schule durchaus gelobt – das war dann allerdings eine eher ambivalente angelegenheit. ich wurde mehrmals zur klassensprecherin gewählt mit der begründung, dass ich es mir schließlich leisten könne, auch mal kritik zu üben, weil die lehrerinnen mich wegen meiner guten noten mochten und mich nicht sitzenbleiben lassen konnten, weil ich dafür zu gut war.
klassensprecherin sein war ein undankbarer job. ich mochte das nicht. wegen meiner guten noten war ich auch immer eine beliebte nachbarin in klassenarbeiten oder zum abschreiben der hausaufgaben vor der stunde.
freundinnen hatte ich hingegen wenige. den klassenkameradinnen waren meine guten noten suspekt. ich war nicht nur praktische intelligenzbestie zum abschreiben und um der strengen klassenlehrerin mal die meinung zu sagen, sondern gleichzeitig auch mit dem label ‚streberin‘ versehen. zwangsläufig. denn wer gute noten hat, muss ja streberin sein. das tat weh. ich versuchte, absichtlich fehler einzubauen. das schadete meinen gesamtnoten nicht. statt dessen waren diejenigen sauer, die dann versehentlich die fehler von mir abschrieben. sie fühlten sich von mir hereingelegt.
irgendwann mit fünfzehn oder sechzehn wollte ich wissen, was tatsächlich dran war an den sticheleien. denn ich schämte mich für meine guten noten. ich machte einen langen, komplizierten intelligenztest. heimlich. mit einem buch, das ich mir aus der psychologieabteilung der stadtbücherei ausgeliehen hatte. ich hielt mich genau an die anweisungen. mit stoppuhr. schummelte nicht. nahm mir eher weniger zeit, als erlaubt war zum lösen der aufgaben. 136. intelligenzbestie. tatsächlich.
// cut //
vor gut zwei jahren wollte ich es noch einmal ganz genau wissen: war mein testergebnis von damals richtig? immerhin lag mein sicher stümperhafter selbsttest schon mehr als 30 jahre zurück. nimmt die intelligenz mit dem alter ab? in den wechseljahren? oder hatte ich mir gar den einen oder anderen bunten punkt in der zwischenzeit versoffen? erholt sich das gehirn bei längerer abstinenz?
also machte ich einen ‚offiziellen‘ intelligenztest. beim club der superschlauen. mein ergebnis lag ein stück über dem von damals: hochbegabt. mein krauser kopf ist bestens mensatauglich.
hilft es mir, das zu wissen? schwer zu sagen. dieses ergebnis beantwortet noch lange nicht all meine fragen. aber es erklärt ein bißchen, warum mir zum beispiel das lernen von sprachen nicht nur spaß macht, sondern auch immer sehr leicht fiel.
ob ich jetzt eingebildet werde und arrogant? klar. im sinne von ‚selbst-bewusst-sein‘, weil ich mir meiner selbst und meiner fähigkeiten noch ein bißchen mehr bewusst bin.
stolz drauf? nicht wirklich. intelligenz ist eine anlage, wie grüne oder blaue augen. ich kann es nicht ändern, und ich kann es auch nicht einfach abstellen. obwohl ich das manchmal sehr gerne möchte. das denken abstellen. zur erholung des kopfes. auf einem iq von 84 gemütlich dahindümpeln. hang loose.
es ist wie es ist. es ist nicht immer nur gut, nicht immer nur schön, nicht immer nur ein vorteil, erst recht nicht für eine frau. auch eine garantie für erfolg im leben ist ein hoher IQ ganz sicher nicht. dazu ein ander mal mehr.
--------
sie war sauer auf mich. meine intelligenz passte ihr nicht ins konzept. intelligent sein bedeutete für mich, nicht liebenswert sein. die mutter empfand meine klugheit als bedrohung. bei mir zu hause war das so. also wurde ich dafür geschimpft. oder man machte sich darüber lustig. die unterschwellige botschaft war: „sei eine andere!“ genauso hätte sie von mir verlangen können, nicht immer so grüne augen zu haben, sondern besser blaue.
schrieb ich mit meiner intelligenzbestie hingegen gute noten in der schule, dann war ihr das ganz recht. nicht, dass der inhalt meiner klassenarbeiten sie irgendwie interessiert hätte. aber dann konnte sie sich brüsten vor ihren freundinnen, weil sie so eine schlaue tochter hatte: „die intelligenz hat sie natürlich von mir.“
die mutter lebte das, was ich einen ‚verlängerten narzissmus‘ nenne. sie fühlt sich nur dann als ‚gute mutter‘ wenn ihre tochter erfolgreich ist. es ist, als hätte sie kein eigenes selbstwertgefühl. wenn es mir nicht gut geht, dann geht es ihr schlecht. was dann früher öfter mal dazu geführt hat, dass – wenn ich ihr am telefon von einem meiner (geringeren) probleme erzählte - sie laut seufzte und anfing zu weinen. was dann wiederum mich in die schreckliche situation brachte, nicht nur mit meinem eigenen problem fertig zu werden, sondern auch noch die mutter zu trösten, dass ich überhaupt ein problem hatte.
irgendwann habe ich aufgehört, ihr irgend etwas für mich wirklich wichtiges von mir zu erzählen.
erzählt habe ich dann nur noch erfolgserlebnisse, da konnte sie was mit anfangen. damit brüstete sie sich wiederum vor ihren freundinnen und fühlte sich wohl, weil sie sich für eine gute mutter halten konnte, die eine erfolgreiche tochter produziert hat.
leider übersah sie dabei völlig, dass – trotz meiner ‚intelligenz‘ ich auch immer viel zeit mit lernen und experimentieren und lesen und neugierig alles mögliche herausfinden verbrachte. sehr viel zeit, um genau zu sein. statt dessen berichtete die mutter ihrem entzückenden damenkränzchen entzückt, dass mir ja immer alles zuflöge und unglaublich leicht fiele.
mich hat sie übrigens nie gelobt für meine guten noten. statt dessen gab es einen zuverdienst zum mageren taschengeld: zwei mark für eine eins, eine mark für eine zwei und fünfzig pfennig für eine drei lagen wortlos auf dem küchentisch neben dem von der erziehungsberechtigen unterschriebenen klassenarbeitsheft.
im allgemeinen lagen bei mir ein- und zwei-markstücke. das mit den silberlingen hatten sie nur eingeführt, damit die schwester - die mit ihren noten weniger glück hatte als ich - nicht völlig verarmte. als ich einmal eine zwei-minus nach hause brachte – das war ein ausrutscher in latein - hieß es „das ist doch nicht so schlimm.“
meine guten noten hielt ich tatsächlich immer nur für glück. nie war ich mir der qualität meiner leistung sicher. wie sollte ich auch. die mutter war ja davon überzeugt, dass mir immer alles ‚zuflog‘. niemals war eine eins in mathe das resultat meiner guten vorbereitung. was also, wenn das zufällige talent einfach mal zufällig an mir vorbeiflöge? ich verbrachte nächtelange alpträume damit, eine fünf oder sechs nach der anderen zu schreiben und war jedes mal aufs neue überrascht über eine gute note im richtigen leben. gleichzeitig fühlte ich mich wie eine betrügerin, die eine solche gar nicht verdient hatte.
für die guten leistungen wurde ich zwar in der schule durchaus gelobt – das war dann allerdings eine eher ambivalente angelegenheit. ich wurde mehrmals zur klassensprecherin gewählt mit der begründung, dass ich es mir schließlich leisten könne, auch mal kritik zu üben, weil die lehrerinnen mich wegen meiner guten noten mochten und mich nicht sitzenbleiben lassen konnten, weil ich dafür zu gut war.
klassensprecherin sein war ein undankbarer job. ich mochte das nicht. wegen meiner guten noten war ich auch immer eine beliebte nachbarin in klassenarbeiten oder zum abschreiben der hausaufgaben vor der stunde.
freundinnen hatte ich hingegen wenige. den klassenkameradinnen waren meine guten noten suspekt. ich war nicht nur praktische intelligenzbestie zum abschreiben und um der strengen klassenlehrerin mal die meinung zu sagen, sondern gleichzeitig auch mit dem label ‚streberin‘ versehen. zwangsläufig. denn wer gute noten hat, muss ja streberin sein. das tat weh. ich versuchte, absichtlich fehler einzubauen. das schadete meinen gesamtnoten nicht. statt dessen waren diejenigen sauer, die dann versehentlich die fehler von mir abschrieben. sie fühlten sich von mir hereingelegt.
irgendwann mit fünfzehn oder sechzehn wollte ich wissen, was tatsächlich dran war an den sticheleien. denn ich schämte mich für meine guten noten. ich machte einen langen, komplizierten intelligenztest. heimlich. mit einem buch, das ich mir aus der psychologieabteilung der stadtbücherei ausgeliehen hatte. ich hielt mich genau an die anweisungen. mit stoppuhr. schummelte nicht. nahm mir eher weniger zeit, als erlaubt war zum lösen der aufgaben. 136. intelligenzbestie. tatsächlich.
// cut //
vor gut zwei jahren wollte ich es noch einmal ganz genau wissen: war mein testergebnis von damals richtig? immerhin lag mein sicher stümperhafter selbsttest schon mehr als 30 jahre zurück. nimmt die intelligenz mit dem alter ab? in den wechseljahren? oder hatte ich mir gar den einen oder anderen bunten punkt in der zwischenzeit versoffen? erholt sich das gehirn bei längerer abstinenz?
also machte ich einen ‚offiziellen‘ intelligenztest. beim club der superschlauen. mein ergebnis lag ein stück über dem von damals: hochbegabt. mein krauser kopf ist bestens mensatauglich.
hilft es mir, das zu wissen? schwer zu sagen. dieses ergebnis beantwortet noch lange nicht all meine fragen. aber es erklärt ein bißchen, warum mir zum beispiel das lernen von sprachen nicht nur spaß macht, sondern auch immer sehr leicht fiel.
ob ich jetzt eingebildet werde und arrogant? klar. im sinne von ‚selbst-bewusst-sein‘, weil ich mir meiner selbst und meiner fähigkeiten noch ein bißchen mehr bewusst bin.
stolz drauf? nicht wirklich. intelligenz ist eine anlage, wie grüne oder blaue augen. ich kann es nicht ändern, und ich kann es auch nicht einfach abstellen. obwohl ich das manchmal sehr gerne möchte. das denken abstellen. zur erholung des kopfes. auf einem iq von 84 gemütlich dahindümpeln. hang loose.
es ist wie es ist. es ist nicht immer nur gut, nicht immer nur schön, nicht immer nur ein vorteil, erst recht nicht für eine frau. auch eine garantie für erfolg im leben ist ein hoher IQ ganz sicher nicht. dazu ein ander mal mehr.
--------
Abonnieren
Posts
(
Atom
)





