kurze maßnahme no 12 ist eine neue mitbewohnerin, zeitweilig. einäuglein kommt von der anderen seite des großen flusses, aus dem nahen westen.
eine sehr geliebte freundin hat mir heute ihre katze gebracht. die gute geht fort, in die weite ferne nach osten. womöglich für länger. ich werde sie sehr vermissen. die freundin.
nun schauen einäuglein und ich, ob wir solange miteinander auskommen. während die gute freundin im fernen osten ist.
das sieht schon ganz gut aus. einäuglein frisst und trinkt, schlendert durch die wohnung und gähnt auf meinem sofa, als wäre es niemals anders gewesen.
es ist ganz wunderbar, ein schnurrendes wesen im haus zu haben. endlich ist dies wieder ein miezhaus! wenn die sehnsucht nach der guten freundin zu groß wird, dann fernschnurren wir im duett bis china.
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Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!
Januar 2021
Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de
Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)
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Mittwoch, 26. Mai 2010
Sonntag, 16. Mai 2010
unfug en gros & en détail III - die blaue glockenelfe
von den sonnenstrahlenkindern habe ich euch ja schon berichtet. aber hier in den weinbergen passieren noch ganz andere dinge: zur zeit habe ich etwas stress mit der blauen glockenelfe im blauglockenbaum vor dem südbalkon.
dabei ist das ein großes glück, dass die überhaupt da ist. denn blaue glockenelfen sind in unseren breitengraden noch seltener als die ohnehin schon rare chinesische pawlonia, von dem ein großes exemplar im garten der vermieter steht.
der blauglockenblumenbaum, der so heißt wegen der großen blauen blütenstände im mai, wächst hier wie ein wunder. aus den schönen blauen blüten werden im sommer saftige grüne blauglockenbaumnüsse, die dann im herbst an den zweigen trocknen und braun werden.
diese nüsse sind groß wie murmeln, innen fast hohl, und sie raschelklappern im wind. für diese verwandlung braucht der blauglockenbaum enorm viel kraft und wärme. beides kommt hier in den weinbergen von der sonne, aber auch aus dem vulkangesteinsboden. davon profitiert der blauglockenbaum. und auch die kleine blaue glockenelfe.
blaue glockenelfen sind nämlich noch verfrorener als blauglockenbäume. unsere hier ist aus versehen mit dem samenkorn des baumes aus südchina herübergekommen.
ihr sagt, das geht nicht, dass die blaue glockenelfe im samenkorn des blauglockenbaumes herübergekommen ist! ja wie denn sonst?!die blaue glockenelfe ist doch ganz ganz klitzeklein, nur wie ein streichholz so groß. und alle welt weiß, dass die blauen glockenelfen nachts am liebsten und immer in den samen-nüsschen des blauglockenbaumes schlafen, weil sie da so sanft hin und her geschaukelt werden.
unsere blaue glockenelfe, die war schon in ihrer heimat dafür bekannt, dass sie besonders gern und besonders viel in diesen schönen nussbettchen geschlafen hat. am liebsten jeden tag in einem anderen, wenn noch genügend da waren.
als die blauglockenbaumsamen zum versand verpackt wurden, hat die blaue glockenelfe das einfach verschlafen. der chinesische gärtner hatte keine ahnung, dass er da quasi einen blinden passagier geerntet hat. er wußte noch nicht einmal, dass es blaue glockenelfen überhaupt gibt.da kann man mal wieder sehen, dass die menschen in china auch nicht viel klüger sind als wir hier.
tja. da war die blaue glockenelfe ganz allein. weil sie sich alleine etwas fürchtete, ist sie einfach in der nussschale liegen geblieben. sie ist auch geblieben, als aus dem blauglockenbaumsamenkorn erst ein kleines blauglockenbäumchen wurde, das man samt elfe in die weinberge verpflanzte. und jetzt, wo aus dem kleinen blauglockenbäumchen ein großer starker blauglockenbaum geworden ist, da bleibt sie natürlich erst recht. denn blauglockenbaumnüsse gibt es nur am blauglockenbaum. und wo sollte sie sonst schlafen?
weil die blaue glockenelfe hier ganz allein ist wie eine mutterseele ohne ihre gewohnte zahlreiche verwandtschaft und weil sie immer ein bißchen friert in ihrem blauen glockenkleidchen, ist sie – besonders in diesem jahr, wo der winter so lang war - oft ein bißchen zickig vor lauter heimweh. im grunde aber ist sie genau so schön und gut und wunderbar wie ihr wohnbaum.
es war natürlich eine riesige umstellung vom fernen china hierher nach germany südwest. aber blauglockenbaum bleibt blauglockenbaum, und das ist die hauptsache! so lange sie so lange sie will in ihren nüsschen schlafen kann, geht es der blauen glockenelfe gut und alles andere ist ihr piepegal. außer wenn sie geweckt wird. das kann sie schon mal gar nicht leiden!
nun ist es ja aber so, dass es da noch den dorfspecht gibt. der hat eine rote mütze auf dem kopf und kommt jeden morgen, um sein frühstück aus dem blauglockenbaum herauszuklopfen. meistens bringt er noch seinen kumpel mit. der kumpelspecht hat auch eine rote mütze auf dem kopf. dann klopfen sie zu zweit. so sind sie, die männer: jede menge lärm schon vor dem frühstück!
die blaue glockenelfe kann bei dem lärm natürlich nicht weiter schlafen und wird wach von dem ganzen spechtsgeklopfe. dann ist sie sauer. aber wie! sie ist immer ganz indigniert, wenn sie schon vor dem wachwerden aufstehen muss!
ganz empört krabbelt sie dann aus ihrer schlafnuss und guckt sich kurz an, wer da so früh schon so laut klopft. sie nimmt die nuss, in der sie bis gerade eben noch geschlafen hat und schmeißt sie nach dem specht. oder nach dem kumpelspecht.
für uns menschen wäre das natürlich unvorstellbar, jeden morgen mit dem eigenen bett nach dem wecker zu schmeißen oder sonstewem. das ist aber nur deswegen so, weil in jeder wohnung für jeden menschen immer nur ein bett steht. wenn man das morgens wegschmeißt, hätte man ja für die nächste nacht keines mehr.
bei den blauen glockenelfen ist das anders. denn sie leben ja nicht in wohnungen, sondern immer nur auf blauglockenbäumen. auf jedem blauglockenbaum gibt es unzählige blauglockenbaumsamennüsse. immer. die fallen nämlich im winter nicht ab wie die blätter, sondern sie bleiben hängen. damit die blauen glockenelfen auch im sommer und sowieso immer darin schlafen können.
ganz egal zu welcher tages- oder jahreszeit: wenn eine blaue glockenelfe müde wird, dann legt sie sich zum poofen direkt in die nächste nuss. so einfach kann das leben sein!
schlafnüsse gibt es für die blaue glockenelfe also immer genug. deswegen kann sie es sich auch leisten, ihre verschlafene nuss morgens gleich nach dem aufstehen mit karacho durch die gegend zu pfeffern.
den beiden spechten macht das übrigens gar nichts, denn sie haben ja rote mützen auf dem kopf. selbst wenn sie von so einer blauglockenbaumnuss mal getroffen werden sollten: die roten mützen schützen sie vor dem gröbsten.
um ehrlich zu sein: die kleine blaue glockenelfe ist immer noch ziemlich nachtblind, wenn sie so wachgeklopft ihr gutenachtnüsschen durch die gegend schmeißt. deswegen hat sie auch den specht oder seinen kumpel noch nie getroffen.
leider passiert es immer öfter, dass ihre nuss aus versehen auf meinem balkon landet. wenn ich zufällig gerade die blumen gieße, muss ich mich schnell ducken. sonst landet die blauglockenbaumnuss an meinem kopf statt bei den spechten. das wäre mir sehr unangenehm. denn ich habe ja nicht so eine schützende rote mütze auf dem kopf wie die beiden spechtjungs.
einmal hätte die blaue glockenelfe mit ihrer wurfnuss fast die katze getroffen. obwohl die katze gar nicht geklopft hatte. meine katzen haben nie am frühen morgen an irgendeinem baum herum geklopft! niemals nicht. nirgendwo.
na ja.
jedenfalls liegen immer ziemlich viele samennüsse vom blauglockenbaum auf meinem balkon herum und unten im garten auch. was mit denen weiter passiert, das erzähle ich euch ein andermal. und auch, wie lustig das mit der blauen glockenelfe sein kann, wenn sie gute laune hat!
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| blauglockenbaum (paulownia tomentosa) |
dabei ist das ein großes glück, dass die überhaupt da ist. denn blaue glockenelfen sind in unseren breitengraden noch seltener als die ohnehin schon rare chinesische pawlonia, von dem ein großes exemplar im garten der vermieter steht.
der blauglockenblumenbaum, der so heißt wegen der großen blauen blütenstände im mai, wächst hier wie ein wunder. aus den schönen blauen blüten werden im sommer saftige grüne blauglockenbaumnüsse, die dann im herbst an den zweigen trocknen und braun werden.
diese nüsse sind groß wie murmeln, innen fast hohl, und sie raschelklappern im wind. für diese verwandlung braucht der blauglockenbaum enorm viel kraft und wärme. beides kommt hier in den weinbergen von der sonne, aber auch aus dem vulkangesteinsboden. davon profitiert der blauglockenbaum. und auch die kleine blaue glockenelfe.
blaue glockenelfen sind nämlich noch verfrorener als blauglockenbäume. unsere hier ist aus versehen mit dem samenkorn des baumes aus südchina herübergekommen.
ihr sagt, das geht nicht, dass die blaue glockenelfe im samenkorn des blauglockenbaumes herübergekommen ist! ja wie denn sonst?!die blaue glockenelfe ist doch ganz ganz klitzeklein, nur wie ein streichholz so groß. und alle welt weiß, dass die blauen glockenelfen nachts am liebsten und immer in den samen-nüsschen des blauglockenbaumes schlafen, weil sie da so sanft hin und her geschaukelt werden.
unsere blaue glockenelfe, die war schon in ihrer heimat dafür bekannt, dass sie besonders gern und besonders viel in diesen schönen nussbettchen geschlafen hat. am liebsten jeden tag in einem anderen, wenn noch genügend da waren.
als die blauglockenbaumsamen zum versand verpackt wurden, hat die blaue glockenelfe das einfach verschlafen. der chinesische gärtner hatte keine ahnung, dass er da quasi einen blinden passagier geerntet hat. er wußte noch nicht einmal, dass es blaue glockenelfen überhaupt gibt.da kann man mal wieder sehen, dass die menschen in china auch nicht viel klüger sind als wir hier.
tja. da war die blaue glockenelfe ganz allein. weil sie sich alleine etwas fürchtete, ist sie einfach in der nussschale liegen geblieben. sie ist auch geblieben, als aus dem blauglockenbaumsamenkorn erst ein kleines blauglockenbäumchen wurde, das man samt elfe in die weinberge verpflanzte. und jetzt, wo aus dem kleinen blauglockenbäumchen ein großer starker blauglockenbaum geworden ist, da bleibt sie natürlich erst recht. denn blauglockenbaumnüsse gibt es nur am blauglockenbaum. und wo sollte sie sonst schlafen?
weil die blaue glockenelfe hier ganz allein ist wie eine mutterseele ohne ihre gewohnte zahlreiche verwandtschaft und weil sie immer ein bißchen friert in ihrem blauen glockenkleidchen, ist sie – besonders in diesem jahr, wo der winter so lang war - oft ein bißchen zickig vor lauter heimweh. im grunde aber ist sie genau so schön und gut und wunderbar wie ihr wohnbaum.
es war natürlich eine riesige umstellung vom fernen china hierher nach germany südwest. aber blauglockenbaum bleibt blauglockenbaum, und das ist die hauptsache! so lange sie so lange sie will in ihren nüsschen schlafen kann, geht es der blauen glockenelfe gut und alles andere ist ihr piepegal. außer wenn sie geweckt wird. das kann sie schon mal gar nicht leiden!
nun ist es ja aber so, dass es da noch den dorfspecht gibt. der hat eine rote mütze auf dem kopf und kommt jeden morgen, um sein frühstück aus dem blauglockenbaum herauszuklopfen. meistens bringt er noch seinen kumpel mit. der kumpelspecht hat auch eine rote mütze auf dem kopf. dann klopfen sie zu zweit. so sind sie, die männer: jede menge lärm schon vor dem frühstück!
die blaue glockenelfe kann bei dem lärm natürlich nicht weiter schlafen und wird wach von dem ganzen spechtsgeklopfe. dann ist sie sauer. aber wie! sie ist immer ganz indigniert, wenn sie schon vor dem wachwerden aufstehen muss!
ganz empört krabbelt sie dann aus ihrer schlafnuss und guckt sich kurz an, wer da so früh schon so laut klopft. sie nimmt die nuss, in der sie bis gerade eben noch geschlafen hat und schmeißt sie nach dem specht. oder nach dem kumpelspecht.
für uns menschen wäre das natürlich unvorstellbar, jeden morgen mit dem eigenen bett nach dem wecker zu schmeißen oder sonstewem. das ist aber nur deswegen so, weil in jeder wohnung für jeden menschen immer nur ein bett steht. wenn man das morgens wegschmeißt, hätte man ja für die nächste nacht keines mehr.
bei den blauen glockenelfen ist das anders. denn sie leben ja nicht in wohnungen, sondern immer nur auf blauglockenbäumen. auf jedem blauglockenbaum gibt es unzählige blauglockenbaumsamennüsse. immer. die fallen nämlich im winter nicht ab wie die blätter, sondern sie bleiben hängen. damit die blauen glockenelfen auch im sommer und sowieso immer darin schlafen können.
ganz egal zu welcher tages- oder jahreszeit: wenn eine blaue glockenelfe müde wird, dann legt sie sich zum poofen direkt in die nächste nuss. so einfach kann das leben sein!
schlafnüsse gibt es für die blaue glockenelfe also immer genug. deswegen kann sie es sich auch leisten, ihre verschlafene nuss morgens gleich nach dem aufstehen mit karacho durch die gegend zu pfeffern.
den beiden spechten macht das übrigens gar nichts, denn sie haben ja rote mützen auf dem kopf. selbst wenn sie von so einer blauglockenbaumnuss mal getroffen werden sollten: die roten mützen schützen sie vor dem gröbsten.
um ehrlich zu sein: die kleine blaue glockenelfe ist immer noch ziemlich nachtblind, wenn sie so wachgeklopft ihr gutenachtnüsschen durch die gegend schmeißt. deswegen hat sie auch den specht oder seinen kumpel noch nie getroffen.
leider passiert es immer öfter, dass ihre nuss aus versehen auf meinem balkon landet. wenn ich zufällig gerade die blumen gieße, muss ich mich schnell ducken. sonst landet die blauglockenbaumnuss an meinem kopf statt bei den spechten. das wäre mir sehr unangenehm. denn ich habe ja nicht so eine schützende rote mütze auf dem kopf wie die beiden spechtjungs.
einmal hätte die blaue glockenelfe mit ihrer wurfnuss fast die katze getroffen. obwohl die katze gar nicht geklopft hatte. meine katzen haben nie am frühen morgen an irgendeinem baum herum geklopft! niemals nicht. nirgendwo.
na ja.
jedenfalls liegen immer ziemlich viele samennüsse vom blauglockenbaum auf meinem balkon herum und unten im garten auch. was mit denen weiter passiert, das erzähle ich euch ein andermal. und auch, wie lustig das mit der blauen glockenelfe sein kann, wenn sie gute laune hat!
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Sonntag, 21. März 2010
in memoriam - katzengeschichte no 5
„jetzt ist sie schon wiiieder weg!“ - ich hatte bloß kurz das fenster aufgemacht und zack! war mii-zeh maier nach draußen entwitscht. wir wohnten erst seit kurzem in der nähe vom flughafen, und meiner älteren katze schien es hier überhaupt nicht zu gefallen. dabei hatte ich mich auch den beiden katztieren zuliebe für die wohngemeinschaft im reihenhäuschen mit garten entschieden.
„jetzt wohnst du in berlin-westdeutschland,“ hatte eine freundin leicht spöttisch gesagt. sie fand meine neue wohngegend spießig. ich hingegen empfand die fliegersiedlung in der gartenstadt von neu-tempelhof nach langen jahren im sozialen brennpunkt zwischen kreuzberg und neukölln - wo ich schon mal im eigenen treppenhaus mit dem messer bedroht worden war - als wohltuend harmlos.
das haus war auch ganz hübsch, eins von den fritz-bräuning-häusern, sozialer wohnbau aus den 1920er jahren. ich empfand es als ehre, dort wohnen zu dürfen.
die katze hingegen war ständig unterwegs. für wochen! das ging von anfang an so. sie hatte sehr viel schneller gemerkt als ich, dass das nicht das richtige war für uns: das haus lag in der ein-/ausflugschneise des innenstadtflughafens. ende der neunziger jahre war in tempelhof noch mächtig betrieb. die flugzeuge warfen ihre lauten schatten auf den frühstückstisch. je nach wetterlage schmeckte nicht nur der salat nach kerosin.
ob es nun der flughafen war, der meiner katz‘ nicht in den kram passte oder der kater aus der nachbarschaft, der unser wohnzimmer als transit benutzte auf seinem weg vom garten über das vordach durch mein zimmer in die oberen stockwerke, wo er bei den mitbewohnern willkommen war - egal!
ich verbrachte einen großen teil von sommer und herbst damit, suchezettel aufzuhängen an laternenmasten oder in tierarztpraxen sowie in den gärten im umkreis von einem dreiviertel kilometer nach der katze zu fahnden.
mal rief mich jemand an, er habe die katze gesehen, und ich hatte zumindest einen ungefähren anhaltspunkt für meine suche. mal ließ sie sich finden, mal nicht. wenn ich sie gefunden hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sich auch einfangen ließ. sie schien zu wissen, dass ich sie ins ungeliebte haus zurückbringen würde und wich mir aus – ganz egal wie viel schabefleisch ich ihr auch hinhielt.
mein zweites katztier – mafia cioccolata - war geduldiger und blieb bei mir. sie war schon immer die häuslichere gewesen von den beiden. aber richtig wohl gefühlt hat auch sie sich nicht in dem haus, wo wir meist fenster und türen geschlossen halten mussten wegen des anderen katers und sie sich nicht frei bewegen konnte.
anfang juli 1998 waren wir umgezogen. im august war mii-zeh das erste mal weg. ich fand sie wieder, nach wochen. im september war sie das zweite mal weg. ich fand sie wieder. am 9. oktober verschwand sie endgültig aus dem leonhardyweg. ich suchte sie sehr, wochenlang - aber ich fand sie nicht. im geiste sah ich sie abwechselnd mit sonnenbrille, köfferchen und ticket auf dem rollfeld stehen und auf ihren flieger warten oder bei einer alten dame rundum verwöhnt auf dunkelroten samtkissen mit goldrand thronen.
was der katze nicht gefiel, war auch für mich nicht gut: peu à peu bemerkte ich neben den lästigen flughafenbegleiterscheinungen andere unappetitlichkeiten: unter der treppe türmten sich schimmelnd leere bierflaschen, die mitbewohner züchteten wissenschaftliche experimente im kühlschrank – und mir wurde verboten, unangenehmes auszusprechen, weil doch das kind ein waldorfkind war und keinerlei disharmonie vertrug.
ab mitte oktober war ich wieder auf wohnungssuche. einen neuen mietvertrag für ein schmuckstück von altbauwohnung am oberen kurfürstendamm gab es bereits ende november, kurz vor weihnachten zog ich endlich um. ich hatte nur noch eine katze: mafia schmiss sich auf die frisch abgezogenen dielen, sie liebte das hochbett und den kleinen balkon, die kartons ganz oben auf dem regal waren ihr ausguck.
an mii-zeh maier dachte ich oft. es tat weh, nicht zu wissen, was aus ihr geworden war. ging es ihr gut? hatte sie sich ein feines plätzchen gefunden? die hoffnung, sie wiederzufinden, hatte ich aufgegeben und versuchte, mich mit dem verlust des geliebten tieres zu arrangieren. ich produzierte in der masurenallee viele viele hörfunkbeiträge und erhielt im januar 1999 die chance, als feste freie regelmäßig für die kulturwelle zu arbeiten.
als ich am ersten februar aus dem funkhaus kam, blinkte der anrufbeantworter, eine jungenstimme: „ich glaube, wir haben ihre katze gefunden, bitte rufen sie zurück.“
es war ein kalter wintertag. schnee in berlin, die straßen vereist. mii-zeh hatte vor dem tempelhofer st.-josefs-krankenhaus fast einen verkehrsunfall verursacht, als sie über die straße gelaufen war. der junge hatte sie beobachtet, sie hatte hunger und ließ sich von ihm einfangen. er brachte sie zu sich nach hause, öffnete die kapsel an ihrem halsband, das sie trotz der langen zeit da draußen in der millionenstadt nicht verloren hatte.
er fand darin meine alte telefonnummer. damals war die telekom noch sehr streng: wenn man in berlin von einem stadtteil in den anderen zog, durfte man die telefonnummer nicht mitnehmen. ich hatte auf der alten leitung eine tonbandansage schalten lassen, dass die nummer sich geändert hatte – mit angabe der neuen rufnummer. dieser service war kostenlos, immerhin.
der junge hatte die alte nummer gewählt. hatte dem tonband geduldig zugehört, sich die neue nummer notiert und mich dort noch einmal angerufen. er hatte tatsächlich meine katze gefunden!
wie ferngesteuert schnappte ich mir den katzenkorb, schlitterte mit meinem alten auto quer durch die schon dunkle stadt; verursachte einen stau, als die batterie mitten auf einer großen kreuzung versagte und starthilfe brauchte – und kniete plötzlich in einer fremden wohnung vor einem großen ohrensessel, unter dem sich meine! meine! meine! katze mit angstvoll leuchtenden augen verkrochen hatte.
ich bedankte mich, zahlte einen finderlohn und brachte das wunder mii-zeh maier nach hause: mehr als vier monate lang hatte sie sich in der großstadt alleine draußen durchgeschlagen, den ganzen langen winter lang. sie war unverletzt, sie war gesund, sehr schlank und unverändert schön.
in der „neuen“ wohnung schnupperte sie kurz an fressnapf und katzenklo, gab ihrer tochter mafia cioccolata einen nasenstüber, stieg die treppe zum hochbett hoch und setzte sich schnurrend auf die regalkartons als hätte sie nie etwas anderes getan.
die schwierigste aufgabe war jetzt, meinem damaligen vermieter vorsichtig zu erklären, dass ich plötzlich zwei katzen hatte. der milde dr. M duldete sie freundlich.
nur wenige tage später hat die telekom das tonband mit der umzugsmeldung abgeschaltet.
mii-zeh maier war weiterhin oft und lange draußen unterwegs, aber sie lief nie wieder weg.
wir hatten danach noch zehn schöne jahre miteinander.
wo sie war und was sie erlebt hat in jenem winter 1998/99 allein im wilden und gefährlichen großstadtdschungel - das hat sie mir nicht erzählt.
die nacht vom 21. auf den 22. märz vor einem jahr war ihre letzte.
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„jetzt wohnst du in berlin-westdeutschland,“ hatte eine freundin leicht spöttisch gesagt. sie fand meine neue wohngegend spießig. ich hingegen empfand die fliegersiedlung in der gartenstadt von neu-tempelhof nach langen jahren im sozialen brennpunkt zwischen kreuzberg und neukölln - wo ich schon mal im eigenen treppenhaus mit dem messer bedroht worden war - als wohltuend harmlos.
das haus war auch ganz hübsch, eins von den fritz-bräuning-häusern, sozialer wohnbau aus den 1920er jahren. ich empfand es als ehre, dort wohnen zu dürfen.
die katze hingegen war ständig unterwegs. für wochen! das ging von anfang an so. sie hatte sehr viel schneller gemerkt als ich, dass das nicht das richtige war für uns: das haus lag in der ein-/ausflugschneise des innenstadtflughafens. ende der neunziger jahre war in tempelhof noch mächtig betrieb. die flugzeuge warfen ihre lauten schatten auf den frühstückstisch. je nach wetterlage schmeckte nicht nur der salat nach kerosin.
ob es nun der flughafen war, der meiner katz‘ nicht in den kram passte oder der kater aus der nachbarschaft, der unser wohnzimmer als transit benutzte auf seinem weg vom garten über das vordach durch mein zimmer in die oberen stockwerke, wo er bei den mitbewohnern willkommen war - egal!
ich verbrachte einen großen teil von sommer und herbst damit, suchezettel aufzuhängen an laternenmasten oder in tierarztpraxen sowie in den gärten im umkreis von einem dreiviertel kilometer nach der katze zu fahnden.
mal rief mich jemand an, er habe die katze gesehen, und ich hatte zumindest einen ungefähren anhaltspunkt für meine suche. mal ließ sie sich finden, mal nicht. wenn ich sie gefunden hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sich auch einfangen ließ. sie schien zu wissen, dass ich sie ins ungeliebte haus zurückbringen würde und wich mir aus – ganz egal wie viel schabefleisch ich ihr auch hinhielt.
mein zweites katztier – mafia cioccolata - war geduldiger und blieb bei mir. sie war schon immer die häuslichere gewesen von den beiden. aber richtig wohl gefühlt hat auch sie sich nicht in dem haus, wo wir meist fenster und türen geschlossen halten mussten wegen des anderen katers und sie sich nicht frei bewegen konnte.
anfang juli 1998 waren wir umgezogen. im august war mii-zeh das erste mal weg. ich fand sie wieder, nach wochen. im september war sie das zweite mal weg. ich fand sie wieder. am 9. oktober verschwand sie endgültig aus dem leonhardyweg. ich suchte sie sehr, wochenlang - aber ich fand sie nicht. im geiste sah ich sie abwechselnd mit sonnenbrille, köfferchen und ticket auf dem rollfeld stehen und auf ihren flieger warten oder bei einer alten dame rundum verwöhnt auf dunkelroten samtkissen mit goldrand thronen.
was der katze nicht gefiel, war auch für mich nicht gut: peu à peu bemerkte ich neben den lästigen flughafenbegleiterscheinungen andere unappetitlichkeiten: unter der treppe türmten sich schimmelnd leere bierflaschen, die mitbewohner züchteten wissenschaftliche experimente im kühlschrank – und mir wurde verboten, unangenehmes auszusprechen, weil doch das kind ein waldorfkind war und keinerlei disharmonie vertrug.
ab mitte oktober war ich wieder auf wohnungssuche. einen neuen mietvertrag für ein schmuckstück von altbauwohnung am oberen kurfürstendamm gab es bereits ende november, kurz vor weihnachten zog ich endlich um. ich hatte nur noch eine katze: mafia schmiss sich auf die frisch abgezogenen dielen, sie liebte das hochbett und den kleinen balkon, die kartons ganz oben auf dem regal waren ihr ausguck.
an mii-zeh maier dachte ich oft. es tat weh, nicht zu wissen, was aus ihr geworden war. ging es ihr gut? hatte sie sich ein feines plätzchen gefunden? die hoffnung, sie wiederzufinden, hatte ich aufgegeben und versuchte, mich mit dem verlust des geliebten tieres zu arrangieren. ich produzierte in der masurenallee viele viele hörfunkbeiträge und erhielt im januar 1999 die chance, als feste freie regelmäßig für die kulturwelle zu arbeiten.
als ich am ersten februar aus dem funkhaus kam, blinkte der anrufbeantworter, eine jungenstimme: „ich glaube, wir haben ihre katze gefunden, bitte rufen sie zurück.“
es war ein kalter wintertag. schnee in berlin, die straßen vereist. mii-zeh hatte vor dem tempelhofer st.-josefs-krankenhaus fast einen verkehrsunfall verursacht, als sie über die straße gelaufen war. der junge hatte sie beobachtet, sie hatte hunger und ließ sich von ihm einfangen. er brachte sie zu sich nach hause, öffnete die kapsel an ihrem halsband, das sie trotz der langen zeit da draußen in der millionenstadt nicht verloren hatte.
er fand darin meine alte telefonnummer. damals war die telekom noch sehr streng: wenn man in berlin von einem stadtteil in den anderen zog, durfte man die telefonnummer nicht mitnehmen. ich hatte auf der alten leitung eine tonbandansage schalten lassen, dass die nummer sich geändert hatte – mit angabe der neuen rufnummer. dieser service war kostenlos, immerhin.
der junge hatte die alte nummer gewählt. hatte dem tonband geduldig zugehört, sich die neue nummer notiert und mich dort noch einmal angerufen. er hatte tatsächlich meine katze gefunden!
wie ferngesteuert schnappte ich mir den katzenkorb, schlitterte mit meinem alten auto quer durch die schon dunkle stadt; verursachte einen stau, als die batterie mitten auf einer großen kreuzung versagte und starthilfe brauchte – und kniete plötzlich in einer fremden wohnung vor einem großen ohrensessel, unter dem sich meine! meine! meine! katze mit angstvoll leuchtenden augen verkrochen hatte.
ich bedankte mich, zahlte einen finderlohn und brachte das wunder mii-zeh maier nach hause: mehr als vier monate lang hatte sie sich in der großstadt alleine draußen durchgeschlagen, den ganzen langen winter lang. sie war unverletzt, sie war gesund, sehr schlank und unverändert schön.
in der „neuen“ wohnung schnupperte sie kurz an fressnapf und katzenklo, gab ihrer tochter mafia cioccolata einen nasenstüber, stieg die treppe zum hochbett hoch und setzte sich schnurrend auf die regalkartons als hätte sie nie etwas anderes getan.
die schwierigste aufgabe war jetzt, meinem damaligen vermieter vorsichtig zu erklären, dass ich plötzlich zwei katzen hatte. der milde dr. M duldete sie freundlich.
nur wenige tage später hat die telekom das tonband mit der umzugsmeldung abgeschaltet.
mii-zeh maier war weiterhin oft und lange draußen unterwegs, aber sie lief nie wieder weg.
wir hatten danach noch zehn schöne jahre miteinander.
wo sie war und was sie erlebt hat in jenem winter 1998/99 allein im wilden und gefährlichen großstadtdschungel - das hat sie mir nicht erzählt.
die nacht vom 21. auf den 22. märz vor einem jahr war ihre letzte.
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Montag, 1. März 2010
dampf ablassen - eine vermietergeschichte
liebes publikum, ich muss euch heute leider mal missbrauchen, um mir groben frust von der seele zu schreiben. wenn ich das nicht gleich loswerde, dann zerknirsche ich mir wieder die zähne vor wut. im folgenden text geht es alo nicht um eine besondere maßnahme. der folgende text ist eine besondere maßnahme.
es ist ein - virtueller - brief an meinen vermieter. der lebt im selben haus wie ich. damit bin ich ganz nah dran am eigentlichen thema meines blogs:
Betreff: Ihre Anfeindungen von heute Nachmittag ca. 17 Uhr
Sehr geehrter Herr Vermieter,
nach Ihrem cholerischen, unbeherrschten Auftritt von vorhin sind meiner Meinung nach ein paar klärende Worte nötig:
Da dies nicht Ihr erster Angriff war auf mich ‚von oben herab‘, halte ich es für besser, wenn wir uns in Zukunft nicht mehr duzen. Ab sofort bestehe ich wieder auf dem "Sie". Vielleicht fällt es Ihnen ja dann leichter, mir gegenüber respektvoll zu sein.
Ich erinnere an Ihren nächtlichen Überfall vor einem guten Jahr, als Sie nach 22 Uhr bei mir Sturm klingelten, vor meiner Wohnungstüre standen und mich anbrüllten wegen etwas, für das ich überhaupt nicht verantwortlich war. Damals ging es um die spät abends wohl noch offen stehende Haustüre. An jenem Tag war ich gegen 17 Uhr nach Hause gekommen und hatte wie immer sehr darauf geachtet, dass die Haustüre ins Schloss fällt. Schließlich bin ich hier oben unterm Dach die letzte, die es mitkriegt, wenn jemand ins Haus käme, der hier nicht hingehört. Danach hatte ich an jenem Abend meine Wohnung gar nicht mehr verlassen, geschweige denn die Klinke der Haustüre auch nur in der Hand gehabt. Ich weiß allerdings sehr wohl, dass zwischen 17 und 22 Uhr noch andere Hausbewohner durch diese Tür gekommen oder gegangen sind.
Sie hatten es damals nicht einmal nötig, sich für Ihre ungerechtfertigten Vorwürfe und Ihr überzogenes Auftreten zu entschuldigen. Ganz im Gegenteil: Statt dessen warfen Sie mir noch vor, ich solle mich nicht so haben, Sie hätten die anderen unten im Erdgeschoss – also Ihre Tochter und deren Lebensgefährten - genauso angebrüllt wie mich.
Mal ehrlich, Herr Vermieter: Mag ja sein, dass Ihre Kinder und Ihre verhärmte Ehefrau das mitmachen und sich von Ihnen anbrüllen lassen. Aber ich bin hier nicht die Dachstubenmieze, die Sie mal eben zur Schnecke machen können, weil Sie sich für den Großgrundbesitzer von Gottes Gnaden halten. Ich bin Ihre Mieterin. Wir sind Vertragspartner. Ich zahle die Miete pünktlich und regelmäßig. Seit Jahren. Ich erwarte einen angemessenen Umgangston.
Heute nun warfen Sie mir vor, ich hätte „geklopft“. Ich habe nicht geklopft. Tatsache ist, dass ich das Haus am Morgen kurz nach 8 Uhr verlassen habe und bis 17 Uhr unterwegs war. Ich weiß nicht, was Sie gehört haben wollen.
Allgemein bin ganz sicher nicht ich diejenige im Haus, die für den oft ziemlich hohen Lärmpegel verantwortlich zu machen ist. Weder brülle ich durchs Haus, noch trample ich auf hohen Absätzen die Treppen auf und ab. Ich knalle auch nicht die Türen so laut zu morgens um halb acht, dass andere HausbewohnerInnen seit Jahr und Tag keinen Wecker brauchen. Ebenso wenig benutze ich laute Gartengeräte: Weder Rasenmäher noch elektrische Heckenschere, nicht Fliesenschneider oder Kreissäge und erst recht nicht Laubpuster gehören zu meinem Repertoire. Ich bin auch niemals nach Mitternacht mit einer Horde Besoffener unter Ihrem Schlafzimmerfenster im Garten gestanden und habe reaktionäres deutsches Volksliedgut gegrölt bis morgens um fünf, begleitet von lautem Akkordeongedudel.
Ich malträtiere nicht täglich über Stunden ein Instrument, das noch bis in die Nachbarschaft zu hören ist, ohne mich an irgendwelche Ruhe- oder Nacht- oder Feiertagszeiten zu halten. Ich tu‘ auch nicht so als wäre ich mit Jaulen und Grölen eine Sängerin, immer anderthalb Töne daneben, mindestens. Musik geht anders.
Ihr Dilettieren ist von meiner Wohnung aus selbst bei geschlossenen Fenstern und Türen bestens zu hören. Wenn ich dann mal Gäste habe, ernte ich mitleidige Blicke und werde ungläubig gefragt, wie ich das schon all die Jahre aushalte. Das weiß ich manchmal selbst nicht so genau. Meistens ist es die Aussicht, die mich hier hält. Dabei weiß ich sehr wohl, dass eine sonnige Optik allein nicht ausreicht, um mich wohlzufühlen.
Sie sagten vorhin auch, Sie hätten Besuch gehabt und ich solle so etwas NIE WIEDER tun. Mal ganz abgesehen davon, dass ich etwas, das ich nicht getan habe, sowieso nicht wiederholen kann – haben Sie bei all Ihrer Lärmerei jemals Rücksicht darauf genommen, ob ich Besuch habe oder nicht? Hätte ich Ihrer Meinung nach „klopfen“ dürfen, wenn Sie alleine in Ihrer Wohnung gewesen wären?
Da Sie sich vorhin wohl so richtig schön selbst in Rage gewütet hatten, holten Sie gleich zum Rundumschlag aus und warfen mir vor, ich hätte in diesem Jahr überhaupt keinen Schnee geräumt. Das stimmt. Es gab auch keinen Plan. Einen solchen zu erstellen und auszuhängen, ist Ihre Aufgabe als Vermieter, nicht meine. Wenn Sie das gewollt hätten, dass ich mich am Räumdienst wieder beteilige, hätten Sie es nur sagen brauchen. Hellsehen gehört nicht zu meinen Mieterpflichten.
Sie wissen, dass ich da ganz kooperativ bin. Ich erinnere vorsichtig an das vergangene Jahr, als Sie einen solchen Schneeräumplan plötzlich (nach vier Jahren ohne) für nötig hielten und ohne weitere Erklärung oder Absprache aushängten. Ganz „zufällig“ war dann ich an allen Ferien- und Feiertagen fürs Schneeschippen zuständig, damit Sie Weihnachten und Neujahr und Fasching und Ostern mit der gesamten Mischpoke in Urlaub fahren konnten. Ich habe nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Dass dann in ‚meinen‘ Wochen kein Schnee fiel, sondern immer nur dann, wenn Sie an der Reihe waren, also dafür konnte ich nun wirklich nichts. Dass es in diesem Jahr, wo es keinen Plan gab (weil Sie nicht in Urlaub waren?), zweieinhalb Monate am Stück geschneit hat und Sie fast täglich schippen und salzen mussten – auch das lag nicht in meiner Verantwortung.
Also noch einmal: Ich habe nicht geklopft. Sie seien schließlich Musiker, haben Sie vorhin noch geschimpft mit mir. Und Sie hätten Besuch gehabt. Ja, und? Berechtigt Sie das eine oder das andere dazu, Ihre Mieterin anzubrüllen? Wegen nichts? Sie haben mir nicht einmal erlaubt, mit auch nur einem einzigen Wort zu Ihren hanebüchenen Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Das war schade. Denn so konnte ich Ihnen gar nicht sagen, dass ich Ihre Aussage, Sie seien schließlich Musiker, für eitle Arroganz und maßlose Selbstüberschätzung halte. Mag sein, Sie entlocken Ihrem steirischen Polka-Akkordeon ein extra-lautes Rumtata-Gedudel, das auch den Geschmack ihrer tumben Saufkumpane trifft. Mit Musik in meinen Ohren aber hat das nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Lärmbelästigung, von der man Gehörgangskrebs kriegt, wenn man sich nicht ganz schnelle aus dem Staube macht.
Vielleicht war es aber auch ganz gut so, dass Sie mich nicht haben zu Wort kommen lassen, sondern gleich feige hinter ihrer Wohnungstüre verschwunden sind - wie üblich nach Ihren peinlichen Schimpftiraden. Denn wenn ICH mich mal in Rage geredet hätte, wäre mir womöglich ganz unzensiert über die Lippen gepurzelt, dass ich Sie für einen chauvialen, ekelhaften alten Mann halte, der unzufrieden ist mit sich selbst und miesepetrig andere Leute rumkommandiert, um sich wichtig zu fühlen.
Und wer weiß, vielleicht hätte ich dann wirklich mal ganz laut geklopft. Nur damit Sie wissen, wie das ist.
Mit herzhaften Grüßen
Ihre Mieterin
--------
es ist ein - virtueller - brief an meinen vermieter. der lebt im selben haus wie ich. damit bin ich ganz nah dran am eigentlichen thema meines blogs:
![]() |
| Weiße Orchidee: coelogyne cristata |
Betreff: Ihre Anfeindungen von heute Nachmittag ca. 17 Uhr
Sehr geehrter Herr Vermieter,
nach Ihrem cholerischen, unbeherrschten Auftritt von vorhin sind meiner Meinung nach ein paar klärende Worte nötig:
Da dies nicht Ihr erster Angriff war auf mich ‚von oben herab‘, halte ich es für besser, wenn wir uns in Zukunft nicht mehr duzen. Ab sofort bestehe ich wieder auf dem "Sie". Vielleicht fällt es Ihnen ja dann leichter, mir gegenüber respektvoll zu sein.
Ich erinnere an Ihren nächtlichen Überfall vor einem guten Jahr, als Sie nach 22 Uhr bei mir Sturm klingelten, vor meiner Wohnungstüre standen und mich anbrüllten wegen etwas, für das ich überhaupt nicht verantwortlich war. Damals ging es um die spät abends wohl noch offen stehende Haustüre. An jenem Tag war ich gegen 17 Uhr nach Hause gekommen und hatte wie immer sehr darauf geachtet, dass die Haustüre ins Schloss fällt. Schließlich bin ich hier oben unterm Dach die letzte, die es mitkriegt, wenn jemand ins Haus käme, der hier nicht hingehört. Danach hatte ich an jenem Abend meine Wohnung gar nicht mehr verlassen, geschweige denn die Klinke der Haustüre auch nur in der Hand gehabt. Ich weiß allerdings sehr wohl, dass zwischen 17 und 22 Uhr noch andere Hausbewohner durch diese Tür gekommen oder gegangen sind.
Sie hatten es damals nicht einmal nötig, sich für Ihre ungerechtfertigten Vorwürfe und Ihr überzogenes Auftreten zu entschuldigen. Ganz im Gegenteil: Statt dessen warfen Sie mir noch vor, ich solle mich nicht so haben, Sie hätten die anderen unten im Erdgeschoss – also Ihre Tochter und deren Lebensgefährten - genauso angebrüllt wie mich.
Mal ehrlich, Herr Vermieter: Mag ja sein, dass Ihre Kinder und Ihre verhärmte Ehefrau das mitmachen und sich von Ihnen anbrüllen lassen. Aber ich bin hier nicht die Dachstubenmieze, die Sie mal eben zur Schnecke machen können, weil Sie sich für den Großgrundbesitzer von Gottes Gnaden halten. Ich bin Ihre Mieterin. Wir sind Vertragspartner. Ich zahle die Miete pünktlich und regelmäßig. Seit Jahren. Ich erwarte einen angemessenen Umgangston.
Heute nun warfen Sie mir vor, ich hätte „geklopft“. Ich habe nicht geklopft. Tatsache ist, dass ich das Haus am Morgen kurz nach 8 Uhr verlassen habe und bis 17 Uhr unterwegs war. Ich weiß nicht, was Sie gehört haben wollen.
Allgemein bin ganz sicher nicht ich diejenige im Haus, die für den oft ziemlich hohen Lärmpegel verantwortlich zu machen ist. Weder brülle ich durchs Haus, noch trample ich auf hohen Absätzen die Treppen auf und ab. Ich knalle auch nicht die Türen so laut zu morgens um halb acht, dass andere HausbewohnerInnen seit Jahr und Tag keinen Wecker brauchen. Ebenso wenig benutze ich laute Gartengeräte: Weder Rasenmäher noch elektrische Heckenschere, nicht Fliesenschneider oder Kreissäge und erst recht nicht Laubpuster gehören zu meinem Repertoire. Ich bin auch niemals nach Mitternacht mit einer Horde Besoffener unter Ihrem Schlafzimmerfenster im Garten gestanden und habe reaktionäres deutsches Volksliedgut gegrölt bis morgens um fünf, begleitet von lautem Akkordeongedudel.
Ich malträtiere nicht täglich über Stunden ein Instrument, das noch bis in die Nachbarschaft zu hören ist, ohne mich an irgendwelche Ruhe- oder Nacht- oder Feiertagszeiten zu halten. Ich tu‘ auch nicht so als wäre ich mit Jaulen und Grölen eine Sängerin, immer anderthalb Töne daneben, mindestens. Musik geht anders.
Ihr Dilettieren ist von meiner Wohnung aus selbst bei geschlossenen Fenstern und Türen bestens zu hören. Wenn ich dann mal Gäste habe, ernte ich mitleidige Blicke und werde ungläubig gefragt, wie ich das schon all die Jahre aushalte. Das weiß ich manchmal selbst nicht so genau. Meistens ist es die Aussicht, die mich hier hält. Dabei weiß ich sehr wohl, dass eine sonnige Optik allein nicht ausreicht, um mich wohlzufühlen.
Sie sagten vorhin auch, Sie hätten Besuch gehabt und ich solle so etwas NIE WIEDER tun. Mal ganz abgesehen davon, dass ich etwas, das ich nicht getan habe, sowieso nicht wiederholen kann – haben Sie bei all Ihrer Lärmerei jemals Rücksicht darauf genommen, ob ich Besuch habe oder nicht? Hätte ich Ihrer Meinung nach „klopfen“ dürfen, wenn Sie alleine in Ihrer Wohnung gewesen wären?
Da Sie sich vorhin wohl so richtig schön selbst in Rage gewütet hatten, holten Sie gleich zum Rundumschlag aus und warfen mir vor, ich hätte in diesem Jahr überhaupt keinen Schnee geräumt. Das stimmt. Es gab auch keinen Plan. Einen solchen zu erstellen und auszuhängen, ist Ihre Aufgabe als Vermieter, nicht meine. Wenn Sie das gewollt hätten, dass ich mich am Räumdienst wieder beteilige, hätten Sie es nur sagen brauchen. Hellsehen gehört nicht zu meinen Mieterpflichten.
Sie wissen, dass ich da ganz kooperativ bin. Ich erinnere vorsichtig an das vergangene Jahr, als Sie einen solchen Schneeräumplan plötzlich (nach vier Jahren ohne) für nötig hielten und ohne weitere Erklärung oder Absprache aushängten. Ganz „zufällig“ war dann ich an allen Ferien- und Feiertagen fürs Schneeschippen zuständig, damit Sie Weihnachten und Neujahr und Fasching und Ostern mit der gesamten Mischpoke in Urlaub fahren konnten. Ich habe nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Dass dann in ‚meinen‘ Wochen kein Schnee fiel, sondern immer nur dann, wenn Sie an der Reihe waren, also dafür konnte ich nun wirklich nichts. Dass es in diesem Jahr, wo es keinen Plan gab (weil Sie nicht in Urlaub waren?), zweieinhalb Monate am Stück geschneit hat und Sie fast täglich schippen und salzen mussten – auch das lag nicht in meiner Verantwortung.
Also noch einmal: Ich habe nicht geklopft. Sie seien schließlich Musiker, haben Sie vorhin noch geschimpft mit mir. Und Sie hätten Besuch gehabt. Ja, und? Berechtigt Sie das eine oder das andere dazu, Ihre Mieterin anzubrüllen? Wegen nichts? Sie haben mir nicht einmal erlaubt, mit auch nur einem einzigen Wort zu Ihren hanebüchenen Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Das war schade. Denn so konnte ich Ihnen gar nicht sagen, dass ich Ihre Aussage, Sie seien schließlich Musiker, für eitle Arroganz und maßlose Selbstüberschätzung halte. Mag sein, Sie entlocken Ihrem steirischen Polka-Akkordeon ein extra-lautes Rumtata-Gedudel, das auch den Geschmack ihrer tumben Saufkumpane trifft. Mit Musik in meinen Ohren aber hat das nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Lärmbelästigung, von der man Gehörgangskrebs kriegt, wenn man sich nicht ganz schnelle aus dem Staube macht.
Vielleicht war es aber auch ganz gut so, dass Sie mich nicht haben zu Wort kommen lassen, sondern gleich feige hinter ihrer Wohnungstüre verschwunden sind - wie üblich nach Ihren peinlichen Schimpftiraden. Denn wenn ICH mich mal in Rage geredet hätte, wäre mir womöglich ganz unzensiert über die Lippen gepurzelt, dass ich Sie für einen chauvialen, ekelhaften alten Mann halte, der unzufrieden ist mit sich selbst und miesepetrig andere Leute rumkommandiert, um sich wichtig zu fühlen.
Und wer weiß, vielleicht hätte ich dann wirklich mal ganz laut geklopft. Nur damit Sie wissen, wie das ist.
Mit herzhaften Grüßen
Ihre Mieterin
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Donnerstag, 10. Dezember 2009
in memoriam - katzengeschichte no. 3
mafia cioccolata kam ende juli 1991 im begehbaren kleiderschrank meiner berliner altbauwohnung in berlin neukölln zur welt. sie war das einzige mädchen im dreierwurf. die anderen beiden waren rote tigerkater – ganz der vater.
der rote kater peter aus dem haus nebenan war damals der einzige zeugungsfähige seiner art - in der gesamten nachbarschaft im sozialen brennpunkt am reuterplatz. nicht, dass er oder sein besitzer jemals alimente gezahlt hätten. aber die ähnlichkeit war unübersehbar. ein jahr später war er nicht nur mafias vater, sondern auch ihr liebhaber und vater ihrer fünf kinder.
eigentlich hatte ich das kätzchen gar nicht behalten wollen. wie die anderen beiden war sie versprochen und sollte im alter von drei monaten abgeholt werden. aber der neue besitzer kam nicht. sie blieb übrig. bis dahin hatte ich sie schon so lieb gewonnen, dass ich sie niemals wieder hergeben wollte. außerdem waren sie ein superteam, sie und ihre mutter mii-zeh maier. gemeinsam haben die beiden sogar dicke doofe stadttauben erlegt.
mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so frech war und so süß. nie zuvor habe ich eine katze erlebt, die so freundlich war, so zärtlich und so liebevoll. immer. egal was man mit ihr machte – und die so lautstark renitent werden konnte, wenn sie ihren willen nicht gleich bekam.
mafia hätte man am schwanz ziehen können – sie hätte trotzdem noch geschnurrt. aber wehe, ihr futter wurde nicht pünktlich um dreiviertel sechs serviert! dann konnte sie so vorwurfsvoll quäken, als hätte sie drei wochen lang nix zu fressen gekriegt.
überhaupt ihre stimme. die war eigentlich schrecklich. geradezu penetrant, aber unverkennbar! hätte ich gewusst, dass sie die ein katzenleben lang behält, dann hätte ich sie nicht mafia getauft, sondern sirene.
mafia cioccolata war eindeutig die häuslichere von meinen beiden katztieren. es war ganz auffällig, dass sie – im gegensatz zu ihrer mutter – abends regelmäßig nach hause kam und selten eine nacht draußen verbrachte. wenn doch, dann war sie irgendwo eingesperrt.
zum beispiel im kohlenkeller. im kohlenkeller waren die einzelnen verschläge mit groben latten abgetrennt, die türen wacklig gezimmert. es gab viel luft oben und unten. mafia sprang aus dem stand auf die oberen türkanten und auf der anderen seite wieder runter. wenn sie einmal über eine türe drüber war, konnte sie sich dahinter von abteil zu abteil bewegen, irgendwo gab es immer eine lücke.
nur einen keller gab es wohl, da kam sie zwar irgendwie von hinten rein, aber nicht wieder raus. das dumme war, dass ich für diesen keller keinen schlüssel hatte. ich hörte mafia dann irgendwo kläglich maunzen, konnte sie aber nicht befreien.
es hat ziemlich lange gedauert, bis ich herausfand, dass ich von der äußeren hauswand aus das kleine kellerlukengitter ein stück wegbiegen und sie herauswitschen lassen konnte. zum glück hat von den anderen hausbewohnerInnen nie jemand gepetzt, wer für das verbogene kellerlukengitter verantwortlich war.
mafia kletterte maschendrahtzäune hoch wie ein äffchen: zweieinhalb meter in nullkommanix! dann balancierte sie oben auf dem schmalen zaunpfosten und hops! stand sie im nachbarhof.
mafia wußte immer ganz genau, was sie wollte. wenn sie zum beispiel aus dem treppenhaus in den hof hinaus wollte, stand sie so lange innen an der hoftüre, bis jemand vorbeikam, den sie klagend anmaunzte, bis ihr gefälligst die türe geöffnet wurde. wenn es ihr zu lange dauerte, bevor jemand kam, dann rannte sie die treppe wieder hoch und schaute nach, ob im ersten stock das fenster zum hof offen stand. wenn ja, sprang sie da raus. aus dem ersten stock. weil sie so unbedingt auf den hof wollte.
das habe ich mehr als einmal erlebt. einmal stand ich mit der nachbarin plaudernd bei den fahrrädern. plötzlich macht es „plopp“. da stand meine katze mitten im hof, bei geschlossener hoftüre - aber geöffnetem treppenhausfenster eine etage höher. sie war wie vom himmel gefallen und maunzte mich vorwurfsvoll an, wie ich nur dazu käme, sie so lange warten zu lassen!
mafia hat es immer wieder geschafft, mich zu verblüffen mit ihrem kätzischen wagemut und ihrem liebenswerten eigensinn.
genau wie ihre mutter war auch sie oft unterwegs in den schrebergärten, die sich an den zweiten hinterhof und den kirchhof und den kindergartenspielplatz mit der großen wiese anschlossen. wenn ich sie abends vermisste, umrundete ich das große areal mit lauten lockrufen.
während mii-zeh maier sich dann regelmäßig taub stellte und manchmal wochenlang verschollen blieb, kam mafia meist angetrabt aus der hintersten ecke und quer über die wiese mit lautem „maumaumau“, sobald sie meine stimme hörte.
dann kruschtelte sie so lange „maumaumau“ am zaun entlang durch büsche und gestrüpp, bis sie einen weg zu mir nach draußen fand. oder sie marschierte den maschendrahtzaun hoch und ich konnte sie kopfüber vom pfosten herab in empfang nehmen.
auf dem rückweg balancierte sie auf meiner rechten schulter sitzend um den häuserblock herum. oder sie lief vor und neben und hinter mir her, bis wir wieder zu hause waren. von ihrem schulterthron herab fauchte sie jeden kampfhund in die flucht. siegessicher. so war sie: ganz löwe!
fast zwei jahrzehnte lang hat sie mich begleitet. heute vor neun wochen ist sie gestorben. ich vermisse sie sehr.
immer noch erscheint mir die wohnung ohne katze doppelt so groß wie vorher, entsetzlich leer und sehr sehr kalt – ganz egal, wie hoch ich die heizung dreh'.
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der rote kater peter aus dem haus nebenan war damals der einzige zeugungsfähige seiner art - in der gesamten nachbarschaft im sozialen brennpunkt am reuterplatz. nicht, dass er oder sein besitzer jemals alimente gezahlt hätten. aber die ähnlichkeit war unübersehbar. ein jahr später war er nicht nur mafias vater, sondern auch ihr liebhaber und vater ihrer fünf kinder.
eigentlich hatte ich das kätzchen gar nicht behalten wollen. wie die anderen beiden war sie versprochen und sollte im alter von drei monaten abgeholt werden. aber der neue besitzer kam nicht. sie blieb übrig. bis dahin hatte ich sie schon so lieb gewonnen, dass ich sie niemals wieder hergeben wollte. außerdem waren sie ein superteam, sie und ihre mutter mii-zeh maier. gemeinsam haben die beiden sogar dicke doofe stadttauben erlegt.
mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so frech war und so süß. nie zuvor habe ich eine katze erlebt, die so freundlich war, so zärtlich und so liebevoll. immer. egal was man mit ihr machte – und die so lautstark renitent werden konnte, wenn sie ihren willen nicht gleich bekam.
mafia hätte man am schwanz ziehen können – sie hätte trotzdem noch geschnurrt. aber wehe, ihr futter wurde nicht pünktlich um dreiviertel sechs serviert! dann konnte sie so vorwurfsvoll quäken, als hätte sie drei wochen lang nix zu fressen gekriegt.
überhaupt ihre stimme. die war eigentlich schrecklich. geradezu penetrant, aber unverkennbar! hätte ich gewusst, dass sie die ein katzenleben lang behält, dann hätte ich sie nicht mafia getauft, sondern sirene.
mafia cioccolata war eindeutig die häuslichere von meinen beiden katztieren. es war ganz auffällig, dass sie – im gegensatz zu ihrer mutter – abends regelmäßig nach hause kam und selten eine nacht draußen verbrachte. wenn doch, dann war sie irgendwo eingesperrt.
zum beispiel im kohlenkeller. im kohlenkeller waren die einzelnen verschläge mit groben latten abgetrennt, die türen wacklig gezimmert. es gab viel luft oben und unten. mafia sprang aus dem stand auf die oberen türkanten und auf der anderen seite wieder runter. wenn sie einmal über eine türe drüber war, konnte sie sich dahinter von abteil zu abteil bewegen, irgendwo gab es immer eine lücke.
nur einen keller gab es wohl, da kam sie zwar irgendwie von hinten rein, aber nicht wieder raus. das dumme war, dass ich für diesen keller keinen schlüssel hatte. ich hörte mafia dann irgendwo kläglich maunzen, konnte sie aber nicht befreien.
es hat ziemlich lange gedauert, bis ich herausfand, dass ich von der äußeren hauswand aus das kleine kellerlukengitter ein stück wegbiegen und sie herauswitschen lassen konnte. zum glück hat von den anderen hausbewohnerInnen nie jemand gepetzt, wer für das verbogene kellerlukengitter verantwortlich war.
mafia kletterte maschendrahtzäune hoch wie ein äffchen: zweieinhalb meter in nullkommanix! dann balancierte sie oben auf dem schmalen zaunpfosten und hops! stand sie im nachbarhof.
mafia wußte immer ganz genau, was sie wollte. wenn sie zum beispiel aus dem treppenhaus in den hof hinaus wollte, stand sie so lange innen an der hoftüre, bis jemand vorbeikam, den sie klagend anmaunzte, bis ihr gefälligst die türe geöffnet wurde. wenn es ihr zu lange dauerte, bevor jemand kam, dann rannte sie die treppe wieder hoch und schaute nach, ob im ersten stock das fenster zum hof offen stand. wenn ja, sprang sie da raus. aus dem ersten stock. weil sie so unbedingt auf den hof wollte.
das habe ich mehr als einmal erlebt. einmal stand ich mit der nachbarin plaudernd bei den fahrrädern. plötzlich macht es „plopp“. da stand meine katze mitten im hof, bei geschlossener hoftüre - aber geöffnetem treppenhausfenster eine etage höher. sie war wie vom himmel gefallen und maunzte mich vorwurfsvoll an, wie ich nur dazu käme, sie so lange warten zu lassen!
mafia hat es immer wieder geschafft, mich zu verblüffen mit ihrem kätzischen wagemut und ihrem liebenswerten eigensinn.
genau wie ihre mutter war auch sie oft unterwegs in den schrebergärten, die sich an den zweiten hinterhof und den kirchhof und den kindergartenspielplatz mit der großen wiese anschlossen. wenn ich sie abends vermisste, umrundete ich das große areal mit lauten lockrufen.
während mii-zeh maier sich dann regelmäßig taub stellte und manchmal wochenlang verschollen blieb, kam mafia meist angetrabt aus der hintersten ecke und quer über die wiese mit lautem „maumaumau“, sobald sie meine stimme hörte.
dann kruschtelte sie so lange „maumaumau“ am zaun entlang durch büsche und gestrüpp, bis sie einen weg zu mir nach draußen fand. oder sie marschierte den maschendrahtzaun hoch und ich konnte sie kopfüber vom pfosten herab in empfang nehmen.
auf dem rückweg balancierte sie auf meiner rechten schulter sitzend um den häuserblock herum. oder sie lief vor und neben und hinter mir her, bis wir wieder zu hause waren. von ihrem schulterthron herab fauchte sie jeden kampfhund in die flucht. siegessicher. so war sie: ganz löwe!
fast zwei jahrzehnte lang hat sie mich begleitet. heute vor neun wochen ist sie gestorben. ich vermisse sie sehr.
immer noch erscheint mir die wohnung ohne katze doppelt so groß wie vorher, entsetzlich leer und sehr sehr kalt – ganz egal, wie hoch ich die heizung dreh'.
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Mittwoch, 14. Oktober 2009
besondere maßnahmen V – wohnen bleiben
jeder mensch ist zeit seines lebens ein gast auf unserem blauen planeten. allerdings gibt es erhebliche unterschiede in bezug auf kost und logis.
wer im eigenen haus lebt, der hat glück. der hat festen boden unter den füßen sein leben lang.
ich hingegen wohne in einem miezhaus, da stellt sich das wohngefühl anders dar:
der boden unter meinen füßen gehört nicht mir, sondern dem vermieter. dem bezahle ich geld dafür, dass ich in meinen socken über seinen teppich laufen darf.
das ist ein seltsam unsicheres lebensgefühl, überall und immer ein zahlender gast zu sein wie in einem dauerhotel. aber im laufe meines lebens habe ich mich einigermaßen daran gewöhnt, dass ich nirgendwo 'zu hause' bin.
noch mal ganz anders wird das wohngefühl, wenn eine nicht genug verdient und das geld für die miete nicht ausreicht. wer prekär lebt, der hat – von gesetz wegen - keinen anspruch mehr auf eine wohnung. eine 'unterkunft' reicht dann völlig aus.
früher gab es einmal die sogenannte arbeitslosenhilfe. das war ein fester betrag im monat, den konnte ich mir einteilen, wie es für mich gepasst hat. für mich war passend, im alltag sparsam zu sein und dafür monatlich etwas mehr geld für eine helle wohnung mit schöner aussicht zu bezahlen. sonne, licht und luft sind mir wichtig: gegen die kopfschmerzen, gegen die depressionen, weil meine kindheit so düster war.
meine wohnung hat zwei zimmer. in dem einen wohne und schlafe und lese und fernsehe und esse ich, mache yoga und bewirte meine gäste. das zweite zimmer ist mein büro mit der schönen aussicht. dort verdiene ich mit diversen besonderen maßnahmen geld, so gut es eben geht, um dem amt nicht allzu sehr auf der tasche zu liegen.
seitdem die arbeitslosenhilfe zu hartz4 wurde, erklärt mir das amt, dass meine wohnung unangemessen sei, weil ich jetzt bedürftig bin. das amt will, dass ich irgendwohin ziehe, wo es weniger miete kostet – und zwar maximal 229,95 euro im monat für die mir erlaubten 45 m².
nicht, dass das amt eine solche „unterkunft“ für mich hätte. weit entfernt! eine wohnung zu den von amts wegen erlaubten konditionen gibt es an meinem ort nicht. auch nicht in den orten drum herum und erst recht nicht in der universitätsstadt nahebei. dort gibt es zu diesem preis noch nicht einmal ein studentInnenzimmer – weder im wohnheim noch privat, ganz zu schweigen von einem wg-zimmer und erst recht nicht eine kleine wohnung.
dennoch wird vom amt behauptet, dass es ohne weiteres möglich sei, eine 'angemessene unterkunft' innerhalb kurzer zeit zu finden. und zwar gleich mehrtausendfach – schließlich bin ich nicht die einzige prekär lebende teilzeitarbeitslose hier im südwesten der bundesdeutschen republik.
obige behauptung wird vom amt natürlich nicht nachgewiesen. statt dessen wird – wenn man innerhalb einer gesetzten frist keine 'angemessene unterkunft' findet - die unterstützung auf den maximal für angemessen gehaltenen betrag gekürzt. einfach so. ohne rücksicht darauf, ob man die tatsächliche miete dann noch bezahlen kann oder nicht.
mir ist das mehrfach passiert. einmal kam am 29. eines monats der bescheid, dass ab dem nächsten monatsersten (also übermorgen) meine miete nicht mehr übernommen wird. ein andermal kam überhaupt gar kein geld mehr, einfach so, ohne erklärung, ohne bescheid. all meine finanziellen reserven sind aufgebraucht durch die lange arbeitslosigkeit. ich stand also beide male da mit gar nix und der vermieter wollte sein geld.
im grunde sind solche 'amtshandlungen' nicht rechtens. das ist dem amt aber egal. es stand sogar in der hiesigen lokalzeitung ein interview mit dem amtschef, in dem er zugab, seine angestellten zu falschen bescheiden anzustiften, um geld zu sparen. weil prekäre sich kaum wehren und selten widerspruch einlegen.
wer gegen falsche bescheide keinen widerspruch einlegt, verzichtet auf geld, das ihm rechtlich zusteht. das sind rund die hälfte der betroffenen. so einfach ist das. wer in deutschland etwas beansprucht, das ihm rechtlich zusteht, der kriegt das nicht einfach so. der wird gedemütigt schon bei der antragstellung. keine leistung ohne leiden! mit „fordern und fördern“ hatte das noch nie etwas zu tun. „folter“ wäre in meinen augen ein treffenderes wort.
solcherlei kafkaeske schikanen bedrohen mich in meiner existenz, ziehen mir den boden unter den füßen weg – der ja ohnehin nicht einmal mir selbst gehört. ich reagiere jedes mal mit heftigen krankheiten. jedes mal wird mein mühsam erarbeitetes seelisch-körperliches gleichgewicht aus der bahn geworfen: schweißausbrüche und alpträume, schlafstörungen und kopfschmerzen, zittern, zähneknirschen und tinnitus, angstzustände und panikattacken, schwere depressionen bis hin zu todessehnsucht und selbstmordgedanken sind die folge. tage- und manchmal wochenlang kann ich dann das haus kaum verlassen; wage es gar nicht vor die tür zu gehen aus angst, dass meine wohnung nicht mehr da ist, wenn ich zurückkomme.
seit jahren wird mir von fachärztInnen immer wieder bestätigt, dass eine beständige, stabile wohnsituation sehr wichtig ist für meine gesundheit und damit auch eine grundbedingung für den erhalt meiner arbeitsfähigkeit. um ein paar euro zu sparen, nimmt das amt meinen gesundheitlichen ruin scheinbar gerne in kauf.
meiner meinung nach ist das beständige wohnen ein menschliches grundbedürfnis. allein die tatsache, dass ich dafür fachärztliche gutachten benötige, ist mehr als grotesk.
also habe ich dem amt in den vergangenen jahren gutachten von etwa einem halben dutzend verschiedenen fachärztInnen und therapeutInnen vorgelegt. sogar der leitende chefarzt des amtsärztlichen dienstes hat mehrfach gutachterlich bescheinigt, dass mir ein umzug aus gesundheitlichen gründen nicht zumutbar sei.
ob und wie lange ich jeweils „wohnen bleiben darf“ liegt nicht im ermessen der ärzte, sondern im ermessen der jeweiligen sachbearbeiterIn. die gutachten werden dort manchmal anerkannt, manchmal auch nicht. mal für eine weile und dann wieder von vorn. ich habe überhaupt keine sicherheit. feste zusagen bezüglich der erlaubten wohndauer gibt es nicht.
jetzt gerade lief wieder so ein verfahren. es traf mich aus heiterem himmel mitten im schönsten sommer und hat sich fast zweieinhalb monate lang hingezogen. obwohl ich alle unterlagen und neue atteste und schweigepflichtsentbindungserklärungen etc rubbeledupp ratzfatz schnell beisammen hatte und eingereicht habe. man ließ mich warten:
zweieinhalb monate angst und panik und kopfschmerzen und tinnitus und depressionen und ....
heute endlich kam per einschreiben das neue gutachten vom amtsarzt: ".... ist derzeit und bis auf weiteres ein umzug aus gesundheitlichen gründen nicht möglich.“
ich bin sehr erleichtert. fürs erste. ob aber die leistungsabteilung sich an das gutachten hält und für wie lange, dass weiß man nie. es ist jetzt einfach mal für eine weile weniger schlimm. 'gut' ist es noch lange nicht.
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| "viel holz vor der hütte" |
wer im eigenen haus lebt, der hat glück. der hat festen boden unter den füßen sein leben lang.
ich hingegen wohne in einem miezhaus, da stellt sich das wohngefühl anders dar:
der boden unter meinen füßen gehört nicht mir, sondern dem vermieter. dem bezahle ich geld dafür, dass ich in meinen socken über seinen teppich laufen darf.
das ist ein seltsam unsicheres lebensgefühl, überall und immer ein zahlender gast zu sein wie in einem dauerhotel. aber im laufe meines lebens habe ich mich einigermaßen daran gewöhnt, dass ich nirgendwo 'zu hause' bin.
noch mal ganz anders wird das wohngefühl, wenn eine nicht genug verdient und das geld für die miete nicht ausreicht. wer prekär lebt, der hat – von gesetz wegen - keinen anspruch mehr auf eine wohnung. eine 'unterkunft' reicht dann völlig aus.
früher gab es einmal die sogenannte arbeitslosenhilfe. das war ein fester betrag im monat, den konnte ich mir einteilen, wie es für mich gepasst hat. für mich war passend, im alltag sparsam zu sein und dafür monatlich etwas mehr geld für eine helle wohnung mit schöner aussicht zu bezahlen. sonne, licht und luft sind mir wichtig: gegen die kopfschmerzen, gegen die depressionen, weil meine kindheit so düster war.
meine wohnung hat zwei zimmer. in dem einen wohne und schlafe und lese und fernsehe und esse ich, mache yoga und bewirte meine gäste. das zweite zimmer ist mein büro mit der schönen aussicht. dort verdiene ich mit diversen besonderen maßnahmen geld, so gut es eben geht, um dem amt nicht allzu sehr auf der tasche zu liegen.
seitdem die arbeitslosenhilfe zu hartz4 wurde, erklärt mir das amt, dass meine wohnung unangemessen sei, weil ich jetzt bedürftig bin. das amt will, dass ich irgendwohin ziehe, wo es weniger miete kostet – und zwar maximal 229,95 euro im monat für die mir erlaubten 45 m².
nicht, dass das amt eine solche „unterkunft“ für mich hätte. weit entfernt! eine wohnung zu den von amts wegen erlaubten konditionen gibt es an meinem ort nicht. auch nicht in den orten drum herum und erst recht nicht in der universitätsstadt nahebei. dort gibt es zu diesem preis noch nicht einmal ein studentInnenzimmer – weder im wohnheim noch privat, ganz zu schweigen von einem wg-zimmer und erst recht nicht eine kleine wohnung.
dennoch wird vom amt behauptet, dass es ohne weiteres möglich sei, eine 'angemessene unterkunft' innerhalb kurzer zeit zu finden. und zwar gleich mehrtausendfach – schließlich bin ich nicht die einzige prekär lebende teilzeitarbeitslose hier im südwesten der bundesdeutschen republik.
obige behauptung wird vom amt natürlich nicht nachgewiesen. statt dessen wird – wenn man innerhalb einer gesetzten frist keine 'angemessene unterkunft' findet - die unterstützung auf den maximal für angemessen gehaltenen betrag gekürzt. einfach so. ohne rücksicht darauf, ob man die tatsächliche miete dann noch bezahlen kann oder nicht.
mir ist das mehrfach passiert. einmal kam am 29. eines monats der bescheid, dass ab dem nächsten monatsersten (also übermorgen) meine miete nicht mehr übernommen wird. ein andermal kam überhaupt gar kein geld mehr, einfach so, ohne erklärung, ohne bescheid. all meine finanziellen reserven sind aufgebraucht durch die lange arbeitslosigkeit. ich stand also beide male da mit gar nix und der vermieter wollte sein geld.
im grunde sind solche 'amtshandlungen' nicht rechtens. das ist dem amt aber egal. es stand sogar in der hiesigen lokalzeitung ein interview mit dem amtschef, in dem er zugab, seine angestellten zu falschen bescheiden anzustiften, um geld zu sparen. weil prekäre sich kaum wehren und selten widerspruch einlegen.
wer gegen falsche bescheide keinen widerspruch einlegt, verzichtet auf geld, das ihm rechtlich zusteht. das sind rund die hälfte der betroffenen. so einfach ist das. wer in deutschland etwas beansprucht, das ihm rechtlich zusteht, der kriegt das nicht einfach so. der wird gedemütigt schon bei der antragstellung. keine leistung ohne leiden! mit „fordern und fördern“ hatte das noch nie etwas zu tun. „folter“ wäre in meinen augen ein treffenderes wort.
solcherlei kafkaeske schikanen bedrohen mich in meiner existenz, ziehen mir den boden unter den füßen weg – der ja ohnehin nicht einmal mir selbst gehört. ich reagiere jedes mal mit heftigen krankheiten. jedes mal wird mein mühsam erarbeitetes seelisch-körperliches gleichgewicht aus der bahn geworfen: schweißausbrüche und alpträume, schlafstörungen und kopfschmerzen, zittern, zähneknirschen und tinnitus, angstzustände und panikattacken, schwere depressionen bis hin zu todessehnsucht und selbstmordgedanken sind die folge. tage- und manchmal wochenlang kann ich dann das haus kaum verlassen; wage es gar nicht vor die tür zu gehen aus angst, dass meine wohnung nicht mehr da ist, wenn ich zurückkomme.
seit jahren wird mir von fachärztInnen immer wieder bestätigt, dass eine beständige, stabile wohnsituation sehr wichtig ist für meine gesundheit und damit auch eine grundbedingung für den erhalt meiner arbeitsfähigkeit. um ein paar euro zu sparen, nimmt das amt meinen gesundheitlichen ruin scheinbar gerne in kauf.
meiner meinung nach ist das beständige wohnen ein menschliches grundbedürfnis. allein die tatsache, dass ich dafür fachärztliche gutachten benötige, ist mehr als grotesk.
also habe ich dem amt in den vergangenen jahren gutachten von etwa einem halben dutzend verschiedenen fachärztInnen und therapeutInnen vorgelegt. sogar der leitende chefarzt des amtsärztlichen dienstes hat mehrfach gutachterlich bescheinigt, dass mir ein umzug aus gesundheitlichen gründen nicht zumutbar sei.
ob und wie lange ich jeweils „wohnen bleiben darf“ liegt nicht im ermessen der ärzte, sondern im ermessen der jeweiligen sachbearbeiterIn. die gutachten werden dort manchmal anerkannt, manchmal auch nicht. mal für eine weile und dann wieder von vorn. ich habe überhaupt keine sicherheit. feste zusagen bezüglich der erlaubten wohndauer gibt es nicht.
jetzt gerade lief wieder so ein verfahren. es traf mich aus heiterem himmel mitten im schönsten sommer und hat sich fast zweieinhalb monate lang hingezogen. obwohl ich alle unterlagen und neue atteste und schweigepflichtsentbindungserklärungen etc rubbeledupp ratzfatz schnell beisammen hatte und eingereicht habe. man ließ mich warten:
zweieinhalb monate angst und panik und kopfschmerzen und tinnitus und depressionen und ....
heute endlich kam per einschreiben das neue gutachten vom amtsarzt: ".... ist derzeit und bis auf weiteres ein umzug aus gesundheitlichen gründen nicht möglich.“
ich bin sehr erleichtert. fürs erste. ob aber die leistungsabteilung sich an das gutachten hält und für wie lange, dass weiß man nie. es ist jetzt einfach mal für eine weile weniger schlimm. 'gut' ist es noch lange nicht.
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Dienstag, 22. September 2009
in memoriam – katzengeschichte no. 2
bis vor kurzem hatte ich zwei katzen, nicht bloß eine. katztier no. 1 holte ich aus dem tierheim berlin-lankwitz, damals, im september 1990. das war kurz nachdem ich aus japan zurück war - und kurz vor dem großen deutschen einheiz-gedöns.
drei monate war sie alt. schildpatt-schwarz mit großen bernsteingelben augen und wunderschön saß sie allein in der engen tierheimbox und schnurrte mit dem schnäuzchen am gitterdraht entlang. „die da ist schön, die nehm' ich“ - mit diesen worten besiegelte ich eine fast zwei jahrzehnte dauernde lebensgemeinschaft.
ich transportierte das quirlige tierchen in einem plastikcontainer den ganzen langen weg zurück von lankwitz nach neukölln mit bus und s-bahn und u-bahn. sie war sehr gesprächig unterwegs und unterhielt halb berlin. dabei sagte sie nicht „miau“, wie andere katzen, sondern „miiiiee“.
auch, als ich sie später zu hause immer wieder fragte „kätzchen, wie heißt du denn?“ - da war die antwort jedes mal „miiiee“. tagelang. so nannte ich sie dann auch. MII. in japanisch bedeutet das „schön, die da“. und genau das waren ja meine worte gewesen im tierheim, mit denen ich die pflegerin bat, mir bitte genau diese mii-zeh-katze zu vermitteln. also nannte ich sie mii. hintendran hängte ich die japanische kosesilbe CHAN. nicht das distanzierte SAN. also mii-chan. in den katzenpass trug ich mii-zeh maier ein. nicht mii-chan, weil das ihr kosename war, den benutzten wir nur "en famille". ihr offizieller name war mii-zeh, „die ehrenwerte mii“. maier mit nachnamen. denn ordnung muss sein, sie war im mai geboren, und auch ein katztier braucht einen nachnamen.
mii-chan war eine ganz besondere katze. trotz ihres profanen nachnamens. sie war der fleischgewordene beweis für die redensart "wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufstellen". mit gelassener selbstverständlichkeit postierte sie sich in der geometrischen mitte eines jeden raumes. oder im goldenen schnitt zwischen allen anwesenden.
außerdem konnte sie mehrstimmig schnurren. quasi mit sich selbst im duett - inklusive obertönen. und sie hat geschnarcht, ganz entzückend. wie ein kleiner mercedes benz diesel.
mii-chan ist mehr als ein halbes dutzend mal mit mir umgezogen, kreuz und quer durch die republik. diese zigeunerkatze war überall zu hause und oft wochen-, ja monatelang allein unterwegs. sie ist doch immer wieder zu uns zurückgekommen. wo immer sie war, war auch ein miezhaus.
als wir in süddeutschland beim radio arbeiteten, da hat sie mich des öfteren zum bahnhof begleitet. im morgengrauen um halb fünf, wenn ich zur nachrichtenschicht ins funkhaus ging. einen halben kilometer zu fuß durch unser wohndorf bis an die fußgängerbrücke zum bahnsteig. da blieb sie sitzen, schaute zu, wie ich in den zug stieg. dreiviertel fünf. sie drehte sich um und ging zurück, bevor der zug losfuhr. wenn ich heimkam nach der letzten redaktionssitzung am nachmittag, lag sie schlafend unter meinem schreibtisch.
einmal wurde mii-zeh maier entführt. das war damals im sozialen brennpunkt in berlin-neukölln. durchs küchenfenster hatte ich sie gerade eben noch gesehen, wie sie vier stockwerke tiefer unten auf dem hinterhof ihr revier inspizierte. minuten später klingelte das telefon, die türkengang aus dem kebab-salon vom reuterplatz: „wir haben ihre katze gefunden. wir wollen finderlohn. mindestens 50 mark. sonst schmeißen wir die katze auf die straße.“ ich war noch studentin. so viel geld hatte ich gar nicht mehr im portemonnaie. aber natürlich ging ich erst mal runter, da standen die kerls, feixend. und der ganze muslimische anhang feixte mit. pardon. der ganze anhang mit migrationshintergrund. samt kebapsalonbesitzer. alle feixten sich eins. ich hatte noch zwanzig mark. mit mühe konnte ich das lösegeld auf genau diesen betrag herunterhandeln. döner kebap habe ich dort nie wieder gegessen.
andere frauen haben kronjuwelen. ich habe katzen.
mii-chan war die mama von mafia cioccolata, meinem katztier no. 2.
heute ist es genau ein halbes jahr her, dass mii-zeh uns verlassen hat. kein anderes lebewesen war mir jemals so lange so nah wie diese katze: wir hatten mehr als achtzehneinhalb gemeinsame jahre, und es war das erste mal für mich, dass ich ein geliebtes wesen in den tod begleitet habe.
woran sie letztlich gestorben ist, bleibt nur zu vermuten. eine hüftarthrose hatte sie schon lange, die chronischen schmerzen wurden mit medikamenten gelindert, um sie beweglicher zu halten. so konnte sie immer noch allein aufs fensterbrett hüpfen. mit stop-over auf dem stuhl, den ich ihr beflissen hinstellte.
ein katzenbiblisches alter hatte sie mit ihren fast neunzehn jahren. ihre letzte nacht war grausam schwer, mit atemnot, keuchen und lähmung der hinterbeine: da habe ich sie sonntag früh in die notfallpraxis gebracht.
sie war schon so kühl, dass nicht einmal mehr das fieberthermometer reagierte. es gab nichts, das ihr leiden mehr als nur ein paar tage verlängert hätte. da habe ich sie einschläfern lassen.der fremde arzt war sehr freundlich und sehr respektvoll.
hypertrophe kardiomyopathie und sattelthrombose hat er als todesursache vermutet. dazu passte mii-chans verhalten in ihren letzten tagen, der kleine schlaganfall. was katzen nicht alles kriegen können ....
sie starb 22. märz 2009. das ist gleichzeitig auch der geburtstag meines besten, langjährigsten freundes. das wundert mich nicht: mii-chan war immer eine diva - so hat sie auf ihre eigene katzenweise dafür gesorgt, dass ich sie nie vergessen werde.
nicht, dass das nötig gewesen wäre: noch heute sehe ich ihren schatten fast täglich um die ecke huschen, aus dem augenwinkel.
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drei monate war sie alt. schildpatt-schwarz mit großen bernsteingelben augen und wunderschön saß sie allein in der engen tierheimbox und schnurrte mit dem schnäuzchen am gitterdraht entlang. „die da ist schön, die nehm' ich“ - mit diesen worten besiegelte ich eine fast zwei jahrzehnte dauernde lebensgemeinschaft.
ich transportierte das quirlige tierchen in einem plastikcontainer den ganzen langen weg zurück von lankwitz nach neukölln mit bus und s-bahn und u-bahn. sie war sehr gesprächig unterwegs und unterhielt halb berlin. dabei sagte sie nicht „miau“, wie andere katzen, sondern „miiiiee“.
auch, als ich sie später zu hause immer wieder fragte „kätzchen, wie heißt du denn?“ - da war die antwort jedes mal „miiiee“. tagelang. so nannte ich sie dann auch. MII. in japanisch bedeutet das „schön, die da“. und genau das waren ja meine worte gewesen im tierheim, mit denen ich die pflegerin bat, mir bitte genau diese mii-zeh-katze zu vermitteln. also nannte ich sie mii. hintendran hängte ich die japanische kosesilbe CHAN. nicht das distanzierte SAN. also mii-chan. in den katzenpass trug ich mii-zeh maier ein. nicht mii-chan, weil das ihr kosename war, den benutzten wir nur "en famille". ihr offizieller name war mii-zeh, „die ehrenwerte mii“. maier mit nachnamen. denn ordnung muss sein, sie war im mai geboren, und auch ein katztier braucht einen nachnamen.
mii-chan war eine ganz besondere katze. trotz ihres profanen nachnamens. sie war der fleischgewordene beweis für die redensart "wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufstellen". mit gelassener selbstverständlichkeit postierte sie sich in der geometrischen mitte eines jeden raumes. oder im goldenen schnitt zwischen allen anwesenden.
außerdem konnte sie mehrstimmig schnurren. quasi mit sich selbst im duett - inklusive obertönen. und sie hat geschnarcht, ganz entzückend. wie ein kleiner mercedes benz diesel.
mii-chan ist mehr als ein halbes dutzend mal mit mir umgezogen, kreuz und quer durch die republik. diese zigeunerkatze war überall zu hause und oft wochen-, ja monatelang allein unterwegs. sie ist doch immer wieder zu uns zurückgekommen. wo immer sie war, war auch ein miezhaus.
als wir in süddeutschland beim radio arbeiteten, da hat sie mich des öfteren zum bahnhof begleitet. im morgengrauen um halb fünf, wenn ich zur nachrichtenschicht ins funkhaus ging. einen halben kilometer zu fuß durch unser wohndorf bis an die fußgängerbrücke zum bahnsteig. da blieb sie sitzen, schaute zu, wie ich in den zug stieg. dreiviertel fünf. sie drehte sich um und ging zurück, bevor der zug losfuhr. wenn ich heimkam nach der letzten redaktionssitzung am nachmittag, lag sie schlafend unter meinem schreibtisch.
einmal wurde mii-zeh maier entführt. das war damals im sozialen brennpunkt in berlin-neukölln. durchs küchenfenster hatte ich sie gerade eben noch gesehen, wie sie vier stockwerke tiefer unten auf dem hinterhof ihr revier inspizierte. minuten später klingelte das telefon, die türkengang aus dem kebab-salon vom reuterplatz: „wir haben ihre katze gefunden. wir wollen finderlohn. mindestens 50 mark. sonst schmeißen wir die katze auf die straße.“ ich war noch studentin. so viel geld hatte ich gar nicht mehr im portemonnaie. aber natürlich ging ich erst mal runter, da standen die kerls, feixend. und der ganze muslimische anhang feixte mit. pardon. der ganze anhang mit migrationshintergrund. samt kebapsalonbesitzer. alle feixten sich eins. ich hatte noch zwanzig mark. mit mühe konnte ich das lösegeld auf genau diesen betrag herunterhandeln. döner kebap habe ich dort nie wieder gegessen.
andere frauen haben kronjuwelen. ich habe katzen.
mii-chan war die mama von mafia cioccolata, meinem katztier no. 2.
heute ist es genau ein halbes jahr her, dass mii-zeh uns verlassen hat. kein anderes lebewesen war mir jemals so lange so nah wie diese katze: wir hatten mehr als achtzehneinhalb gemeinsame jahre, und es war das erste mal für mich, dass ich ein geliebtes wesen in den tod begleitet habe.
woran sie letztlich gestorben ist, bleibt nur zu vermuten. eine hüftarthrose hatte sie schon lange, die chronischen schmerzen wurden mit medikamenten gelindert, um sie beweglicher zu halten. so konnte sie immer noch allein aufs fensterbrett hüpfen. mit stop-over auf dem stuhl, den ich ihr beflissen hinstellte.
ein katzenbiblisches alter hatte sie mit ihren fast neunzehn jahren. ihre letzte nacht war grausam schwer, mit atemnot, keuchen und lähmung der hinterbeine: da habe ich sie sonntag früh in die notfallpraxis gebracht.
sie war schon so kühl, dass nicht einmal mehr das fieberthermometer reagierte. es gab nichts, das ihr leiden mehr als nur ein paar tage verlängert hätte. da habe ich sie einschläfern lassen.der fremde arzt war sehr freundlich und sehr respektvoll.
hypertrophe kardiomyopathie und sattelthrombose hat er als todesursache vermutet. dazu passte mii-chans verhalten in ihren letzten tagen, der kleine schlaganfall. was katzen nicht alles kriegen können ....
sie starb 22. märz 2009. das ist gleichzeitig auch der geburtstag meines besten, langjährigsten freundes. das wundert mich nicht: mii-chan war immer eine diva - so hat sie auf ihre eigene katzenweise dafür gesorgt, dass ich sie nie vergessen werde.
nicht, dass das nötig gewesen wäre: noch heute sehe ich ihren schatten fast täglich um die ecke huschen, aus dem augenwinkel.
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Dienstag, 8. September 2009
miezhaus oder was? vermietergeschichte no. 2
ich lebe ja auf dem lande, seit ein paar jahren. in einem mietshaus. aber nein – das stimmt so eigentlich nicht. denn in einem miezhaus leben ja nur mieterInnen. in 'meinem' miezhaus lebt aber auch noch der vermieter samt mischpoke - und ich bin die einzige mieterin.
die formulierung „ich wohne zur miete in einem eigenheim“ ist allerdings auch nicht so ganz richtig. aber wie nenne ich es dann?! hört mal zu:
das haus, in dem ich wohne, ist am hang gebaut und hat drei etagen. wenn ich die garagen samt vorplatz mitzähle, sind es vier etagen.
unten direkt vorm haus ist eine kleine straße. oben direkt hinter dem haus ist eine andere kleine straße.
von der unteren straße aus geht es vor dem haus die treppe hoch zum hauseingang. das sind siebzehn hohe unregelmäßige stufen – also fast ein ganzes stockwerk.
rein ins haus, wohnen gleich unten die vermietertochter und ihr lebensgefährte. vielleicht sind sie auch verheiratet. das weiß ich nicht. sie tragen jeweils ihren eigenen familiennamen. für ein miteinander verheiratetes paar wäre das in dieser sehr konservativen katholischen gegend eher ungewöhnlich. im grunde aber ist mir das egal, und es geht mich auch nix an.
die erdgeschossleute haben vor ihrem wohnzimmer eine überdachte terrasse und einen eigenen garten, gesäumt von einer hohen, undurchsichtigen weißbuchenhecke. eine rückseite hat ihre wohnung nicht: sie ist wie ein keller in den berg gebaut. so heißen denn auch alle anderen räume im erdgeschoss „keller“: es gibt den heizungskeller und den hobbykeller und den vorratskeller. nur wo sie wohnen, da heißt es ‚wohnung‘.
geht man vom hauseingang im erdgeschoss die grün gesprenkelte marmortreppe nach oben, landet man im ersten stock, in der „beletage“. hier lebt das vermieterehepaar.
ihre wohnung ist nach allen seiten oberhalb der erde gebaut und hat fenster rundum, nach südwesten einen wintergarten mit terrasse und ebenfalls einen vorgarten, gesäumt von akkurat gestutzten undurchsichtigen eibenhecken auf der repräsentierseite und gemischten sträuchern auf der rückwärtigen straßenseite.
geht man im grün gesprenkelten marmortreppenhaus noch eine etage weiter nach oben, landet man bei mir unter dem dach – und da ist die treppe dann auch zu ende. unterwegs muss man sich bücken, weil das dach schon schräg und das treppenhaus sehr niedrig ist. ich habe keinen ebenerdigen ausgang wie die anderen. das ist schade.
wenn dieses haus ein echtes schwarzwaldhaus wäre – was es aber nicht ist, es ist einem solchen nur nachempfunden durch die in den 70er jahren übliche bauweise am hang – dann lebte ich auf dem heuboden und hätte für den traktor eine breite ausfahrt auf die straße hinter dem haus. die wäre jedenfalls ebenerdig.
aber für die dachstubenbewohner war solcher luxus nie vorgesehen. und so ist das einzig ebenerdige von meinem balkon aus nach draußen eine schmale hölzerne planke. sie liegt mit ihrem anderen ende auf dem dach des vermieterlichen gartenschuppens und gehört der katze. vom schuppendach aus ist es nur ein knietiefer hopser in die pflegeleicht immergrüne, brav beschnittene und blickdichte kirschlorbeerhecke hinter dem haus.
der katze gefällt das, sie kann dort unter dem immergrünen kirschlorbeer hocken und die straße sowie die reben dahinter beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. ich vermute auch, sie mag den geruch von rindenmulch, der unter der immergrünen hecke in pflegeleichten mengen das unkraut verhindern soll. unkraut mögen die hausbesitzer gar nicht gerne, denn das ist weder pflegeleicht noch blickdicht.
wenn auch keinen garten oder zumindest eine terrasse, so hat meine wohnung doch immerhin zwei balkone: einen im norden und einen im süden, jeweils an den giebelseiten. beide balkone haben fenster und türen vom boden bis unter die decke. dadurch ist es hier oben viel heller und vor allem viel luftiger, als man denken könnte, wenn man das nur von drei kleinen fensterluken durchbrochene große dunkle dach von außen sieht.
leider ist das giebeldach über dem südbalkon so weit vorgezogen, dass auf den balkon im sommer keinerlei sonnenlicht gelangt. in kombination mit dem großen baum direkt davor ist der südbalkon so dunkel, dass dort noch nicht einmal nachtschattengewächse gedeihen wollen. das ist schade. ich hätte mich hier sehr gerne mit duftenden rosen und würzigen kräutern umgeben.
was das giebeldach an licht verhindert, macht es an akustik und gerüchen wieder wett: aller schall von unten wird im giebel gebrochen und gesammelt in meine wohnung geleitet. so höre ich jedes wort, das die vermieter in der wohnung unter mir und die vermieterkinder zwei etagen tiefer sprechen – auch wenn sie telefonieren oder fernsehen. leider ist das nur selten unterhaltsam für mich.
ganz schlimm ist meinen ohren des vermieters liebstes hobby, das steirische polka-akkordeon. er spielt darauf reaktionäre volksmusik: so gut wie täglich und das sehr schlecht, hält sich weder an ruhezeiten noch an den takt - und wenn er sich besonders musikalisch fühlt, dann jault er selbst mit seinem akkordeon um die wette.
manchmal frage ich mich, ob ich wohl meine schöne aussicht zu teuer bezahle. die geräusche sind es nicht allein, nein! auch die aerodynamik in diesem haus am hang ist so genial, dass nicht nur die akustik, sondern auch alles olfaktorische von der straße und aus den unteren wohnungen zu mir heraufzieht. das ist leider öfter unappetitlich als angenehm.
es sind nicht nur weinbergstrekkermotorendieselwolken, die da bei mir einziehen. auch jede einzelne zigarette von unten landet im hintersten winkel meiner rauchfreien zone. wenn unten gegrillt wird, riecht meine frische wäsche nach würstchenqualm.
fast jedes mal, wenn ich es mir auf meinem schattenbalkon gemütlich machen möchte: irgend ein lärm ist immer. entweder bei mir im haus oder in der nachbarschaft oder irgendwo drum herum. der landmensch baut ja auch gerne mal - mit dem größten getöse, versteht sich.
so kommt es, dass es mir hier in meinem kleinen winzerdorf lauter vorkommt als in meiner früheren wohnung in berlin direkt am kurfürstendamm.
bloß nachts, wenn die gehsteige hochgeklappt und die letzten busse abgefahren sind: dann ist es hier so märchenhaft still, dass man sogar die sterne funkeln hört!
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die formulierung „ich wohne zur miete in einem eigenheim“ ist allerdings auch nicht so ganz richtig. aber wie nenne ich es dann?! hört mal zu:
das haus, in dem ich wohne, ist am hang gebaut und hat drei etagen. wenn ich die garagen samt vorplatz mitzähle, sind es vier etagen.
unten direkt vorm haus ist eine kleine straße. oben direkt hinter dem haus ist eine andere kleine straße.
von der unteren straße aus geht es vor dem haus die treppe hoch zum hauseingang. das sind siebzehn hohe unregelmäßige stufen – also fast ein ganzes stockwerk.
rein ins haus, wohnen gleich unten die vermietertochter und ihr lebensgefährte. vielleicht sind sie auch verheiratet. das weiß ich nicht. sie tragen jeweils ihren eigenen familiennamen. für ein miteinander verheiratetes paar wäre das in dieser sehr konservativen katholischen gegend eher ungewöhnlich. im grunde aber ist mir das egal, und es geht mich auch nix an.
die erdgeschossleute haben vor ihrem wohnzimmer eine überdachte terrasse und einen eigenen garten, gesäumt von einer hohen, undurchsichtigen weißbuchenhecke. eine rückseite hat ihre wohnung nicht: sie ist wie ein keller in den berg gebaut. so heißen denn auch alle anderen räume im erdgeschoss „keller“: es gibt den heizungskeller und den hobbykeller und den vorratskeller. nur wo sie wohnen, da heißt es ‚wohnung‘.
geht man vom hauseingang im erdgeschoss die grün gesprenkelte marmortreppe nach oben, landet man im ersten stock, in der „beletage“. hier lebt das vermieterehepaar.
ihre wohnung ist nach allen seiten oberhalb der erde gebaut und hat fenster rundum, nach südwesten einen wintergarten mit terrasse und ebenfalls einen vorgarten, gesäumt von akkurat gestutzten undurchsichtigen eibenhecken auf der repräsentierseite und gemischten sträuchern auf der rückwärtigen straßenseite.
geht man im grün gesprenkelten marmortreppenhaus noch eine etage weiter nach oben, landet man bei mir unter dem dach – und da ist die treppe dann auch zu ende. unterwegs muss man sich bücken, weil das dach schon schräg und das treppenhaus sehr niedrig ist. ich habe keinen ebenerdigen ausgang wie die anderen. das ist schade.
wenn dieses haus ein echtes schwarzwaldhaus wäre – was es aber nicht ist, es ist einem solchen nur nachempfunden durch die in den 70er jahren übliche bauweise am hang – dann lebte ich auf dem heuboden und hätte für den traktor eine breite ausfahrt auf die straße hinter dem haus. die wäre jedenfalls ebenerdig.
aber für die dachstubenbewohner war solcher luxus nie vorgesehen. und so ist das einzig ebenerdige von meinem balkon aus nach draußen eine schmale hölzerne planke. sie liegt mit ihrem anderen ende auf dem dach des vermieterlichen gartenschuppens und gehört der katze. vom schuppendach aus ist es nur ein knietiefer hopser in die pflegeleicht immergrüne, brav beschnittene und blickdichte kirschlorbeerhecke hinter dem haus.
der katze gefällt das, sie kann dort unter dem immergrünen kirschlorbeer hocken und die straße sowie die reben dahinter beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. ich vermute auch, sie mag den geruch von rindenmulch, der unter der immergrünen hecke in pflegeleichten mengen das unkraut verhindern soll. unkraut mögen die hausbesitzer gar nicht gerne, denn das ist weder pflegeleicht noch blickdicht.
wenn auch keinen garten oder zumindest eine terrasse, so hat meine wohnung doch immerhin zwei balkone: einen im norden und einen im süden, jeweils an den giebelseiten. beide balkone haben fenster und türen vom boden bis unter die decke. dadurch ist es hier oben viel heller und vor allem viel luftiger, als man denken könnte, wenn man das nur von drei kleinen fensterluken durchbrochene große dunkle dach von außen sieht.
leider ist das giebeldach über dem südbalkon so weit vorgezogen, dass auf den balkon im sommer keinerlei sonnenlicht gelangt. in kombination mit dem großen baum direkt davor ist der südbalkon so dunkel, dass dort noch nicht einmal nachtschattengewächse gedeihen wollen. das ist schade. ich hätte mich hier sehr gerne mit duftenden rosen und würzigen kräutern umgeben.
was das giebeldach an licht verhindert, macht es an akustik und gerüchen wieder wett: aller schall von unten wird im giebel gebrochen und gesammelt in meine wohnung geleitet. so höre ich jedes wort, das die vermieter in der wohnung unter mir und die vermieterkinder zwei etagen tiefer sprechen – auch wenn sie telefonieren oder fernsehen. leider ist das nur selten unterhaltsam für mich.
ganz schlimm ist meinen ohren des vermieters liebstes hobby, das steirische polka-akkordeon. er spielt darauf reaktionäre volksmusik: so gut wie täglich und das sehr schlecht, hält sich weder an ruhezeiten noch an den takt - und wenn er sich besonders musikalisch fühlt, dann jault er selbst mit seinem akkordeon um die wette.
manchmal frage ich mich, ob ich wohl meine schöne aussicht zu teuer bezahle. die geräusche sind es nicht allein, nein! auch die aerodynamik in diesem haus am hang ist so genial, dass nicht nur die akustik, sondern auch alles olfaktorische von der straße und aus den unteren wohnungen zu mir heraufzieht. das ist leider öfter unappetitlich als angenehm.
es sind nicht nur weinbergstrekkermotorendieselwolken, die da bei mir einziehen. auch jede einzelne zigarette von unten landet im hintersten winkel meiner rauchfreien zone. wenn unten gegrillt wird, riecht meine frische wäsche nach würstchenqualm.
fast jedes mal, wenn ich es mir auf meinem schattenbalkon gemütlich machen möchte: irgend ein lärm ist immer. entweder bei mir im haus oder in der nachbarschaft oder irgendwo drum herum. der landmensch baut ja auch gerne mal - mit dem größten getöse, versteht sich.
so kommt es, dass es mir hier in meinem kleinen winzerdorf lauter vorkommt als in meiner früheren wohnung in berlin direkt am kurfürstendamm.
bloß nachts, wenn die gehsteige hochgeklappt und die letzten busse abgefahren sind: dann ist es hier so märchenhaft still, dass man sogar die sterne funkeln hört!
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Donnerstag, 27. August 2009
das ruhige landleben – eine vermietergeschichte
das haus, unter dessen dach ich wohne, steht ziemlich exakt in nord-süd-richtung und ist quasi auf durchzug gebaut. im heißen sommer ist das gut, weil dann auch bei mir hier oben immer ein leichter luftzug geht.
ich mag das. oft habe ich die balkontüren offen. damit sie mir nicht zuknallen, sichere ich sie mit stabilen stoppern.
den trick mit den stoppern scheinen die vermieter in der wohnung unter mir nicht zu kennen – jedenfalls höre ich ständig türen und fenster knallen. das erschreckt mich oft. das knallen mit anschließendem leichten hausbeben erschreckt auch die katze. aber wir können es nicht ändern, und im grunde geht es uns nichts an.
ich glaube, es stört die vermieter selbst nicht einmal. irgendwie habe ich den eindruck, dass das ziemlich schwerhörige menschen sein müssen. jedenfalls machen sie eine menge lärm zu allen möglichen und unmöglichen tages- und nachtzeiten. ich habe schon oft gedacht, dass – wenn ich mir selbiges als mieterin leisten würde – mir die wohnung schon längst gekündigt worden wäre.
den meisten lärm macht der vermieterehemann. der scheint seinen lebenssinn darin zu sehen, möglichst viel lärm und möglichst viel dreck zu verursachen. ständig findet er irgend etwas, das ihm dazu gelegenheit bietet. wenn er nichts findet, denkt er sich was aus.
seitdem er vor knapp zwei jahren berentet wurde, findet und erfindet er solcherlei lärmunddreckverursachegelegenheiten mit vermehrter häufigkeit und großer ausdauer.
zuerst wurden jede menge neuer motorbetriebener haus- und gartengeräte angeschafft – zusätzlich zu denen, die schon vorher vorhanden waren.
ein stärkerer rasenmäher musste her! für die 62m² mooswiese, die er seit jahren vergeblich in einen englischen golfrasen umzupflegen bemüht ist. das wird natürlich zweimal die woche gemäht. mindestens! bei jedem wetter! am liebsten aber bei temperaturen über 30 °C. dann erst recht! mit nacktem oberkörper, vorzugsweise in der mittagshitze. kurz vor dem mittagessen, das sein vermieterehefrauchen ihm pünktlich und manierlich auf den tisch bringt. das muss schon sein, denn NACH dem mittagessen, da kann sich der rentner von heute ja nicht einfach ein stündchen aufs ohr legen und den katholischen lieben gott einen guten katholischen mann sein lassen. erst recht nicht bei 34 °C im schatten.
nein! NACH dem mittagessen muss auch in kreislauftreibender sommerschwüle die große silbergraue limousine gewaschen und minutiös poliert und einbalsamiert werden - damit die sonne den lack nicht so austrocknet, nehme ich an. dazu wird der wagen vor die garage geholt, damit auch die nachbarschaft es genau sehen kann, dass dieser arme alte mann in allergrößter hitze im freien und noch dazu mit ungeschütztem oberkörper so schwer schuften muss.
kein wunder, denke ich mir da, wenn er davon schlechte laune kriegt. vielleicht liegt es ja auch gar nicht am durchzug, wenn in seiner wohnung so oft die türen knallen?
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ich mag das. oft habe ich die balkontüren offen. damit sie mir nicht zuknallen, sichere ich sie mit stabilen stoppern.
![]() |
| türstopper: katze, gusseisen |
den trick mit den stoppern scheinen die vermieter in der wohnung unter mir nicht zu kennen – jedenfalls höre ich ständig türen und fenster knallen. das erschreckt mich oft. das knallen mit anschließendem leichten hausbeben erschreckt auch die katze. aber wir können es nicht ändern, und im grunde geht es uns nichts an.
ich glaube, es stört die vermieter selbst nicht einmal. irgendwie habe ich den eindruck, dass das ziemlich schwerhörige menschen sein müssen. jedenfalls machen sie eine menge lärm zu allen möglichen und unmöglichen tages- und nachtzeiten. ich habe schon oft gedacht, dass – wenn ich mir selbiges als mieterin leisten würde – mir die wohnung schon längst gekündigt worden wäre.
den meisten lärm macht der vermieterehemann. der scheint seinen lebenssinn darin zu sehen, möglichst viel lärm und möglichst viel dreck zu verursachen. ständig findet er irgend etwas, das ihm dazu gelegenheit bietet. wenn er nichts findet, denkt er sich was aus.
seitdem er vor knapp zwei jahren berentet wurde, findet und erfindet er solcherlei lärmunddreckverursachegelegenheiten mit vermehrter häufigkeit und großer ausdauer.
zuerst wurden jede menge neuer motorbetriebener haus- und gartengeräte angeschafft – zusätzlich zu denen, die schon vorher vorhanden waren.
ein stärkerer rasenmäher musste her! für die 62m² mooswiese, die er seit jahren vergeblich in einen englischen golfrasen umzupflegen bemüht ist. das wird natürlich zweimal die woche gemäht. mindestens! bei jedem wetter! am liebsten aber bei temperaturen über 30 °C. dann erst recht! mit nacktem oberkörper, vorzugsweise in der mittagshitze. kurz vor dem mittagessen, das sein vermieterehefrauchen ihm pünktlich und manierlich auf den tisch bringt. das muss schon sein, denn NACH dem mittagessen, da kann sich der rentner von heute ja nicht einfach ein stündchen aufs ohr legen und den katholischen lieben gott einen guten katholischen mann sein lassen. erst recht nicht bei 34 °C im schatten.
nein! NACH dem mittagessen muss auch in kreislauftreibender sommerschwüle die große silbergraue limousine gewaschen und minutiös poliert und einbalsamiert werden - damit die sonne den lack nicht so austrocknet, nehme ich an. dazu wird der wagen vor die garage geholt, damit auch die nachbarschaft es genau sehen kann, dass dieser arme alte mann in allergrößter hitze im freien und noch dazu mit ungeschütztem oberkörper so schwer schuften muss.
kein wunder, denke ich mir da, wenn er davon schlechte laune kriegt. vielleicht liegt es ja auch gar nicht am durchzug, wenn in seiner wohnung so oft die türen knallen?
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Dienstag, 14. Juli 2009
kein miezhaus ....
eigentlich
sollte mein weblog 'miez-haus' heißen.
weil ich zur miete wohne und weil ich mit einer katze lebe.
aber mit DER idee war ich wohl zu spät.
ein kurzer blick in die allseits bekannte suchmaschine
ergab in 0,2 Sekunden immerhin siebentausendsiebenhundertzwanzig einträge
zum stichwort 'miezhaus'.
viel zu viele!
da würden doch alle nur sagen, ich hätte abgeguckt und nachgemacht.
die ebenfalls in erwägung gezogene abwandlung 'mietzhaus'
ergab nur knappe tausend treffer
innerhalb von 0,45 sekunden. immerhin!
auch das noch zuviel.
schließlich möchte ich originell sein
und unverwechselbar.
also kein miezhaus-blog.
irgendwie schade drum.
jetzt muss ich meine "geschichten von katzen und vermietern"
als "besondere maßnahmen" deklarieren.
na, da wird mir schon noch allerlei einfallen ;-)
das büro für besondere maßnahmen
hat natürlich den vorteil,
dass ich thematisch nicht so eingeschränkt bin,
wie ich es in einem miezhaus wäre.
eine abteilung 'unfug en gros & en détail'
ist bereits angedacht und wird demnächst eröffnet.
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sollte mein weblog 'miez-haus' heißen.
weil ich zur miete wohne und weil ich mit einer katze lebe.
aber mit DER idee war ich wohl zu spät.
![]() | |
| katzen im berliner miezhaus |
ein kurzer blick in die allseits bekannte suchmaschine
ergab in 0,2 Sekunden immerhin siebentausendsiebenhundertzwanzig einträge
zum stichwort 'miezhaus'.
viel zu viele!
da würden doch alle nur sagen, ich hätte abgeguckt und nachgemacht.
die ebenfalls in erwägung gezogene abwandlung 'mietzhaus'
ergab nur knappe tausend treffer
innerhalb von 0,45 sekunden. immerhin!
auch das noch zuviel.
schließlich möchte ich originell sein
und unverwechselbar.
also kein miezhaus-blog.
irgendwie schade drum.
jetzt muss ich meine "geschichten von katzen und vermietern"
als "besondere maßnahmen" deklarieren.
na, da wird mir schon noch allerlei einfallen ;-)
das büro für besondere maßnahmen
hat natürlich den vorteil,
dass ich thematisch nicht so eingeschränkt bin,
wie ich es in einem miezhaus wäre.
eine abteilung 'unfug en gros & en détail'
ist bereits angedacht und wird demnächst eröffnet.
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