Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

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Montag, 30. September 2013

zwei königinnen

- rosenworte zum montag -

dieser montag ist grau und nebelfeucht. auf dem tisch in der vase erzählen ein paar rosenblüten von erst kürzlich vergang'nen sommertagen. die katze plaudert mit.

Ginivra & Duftwolke

"Ich habe zu Hause zwei Wesen, die kratzen,
Rosen und Katzen,
zwei königlich Wesen, die schmeicheln und kosen,
Katzen und Rosen."

(Zitat unbekannter Herkunft aus: 
"Rassekatzen" von Annelie Durth, Verlag Oertel + Spörer)

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Montag, 7. Januar 2013

granatapfelsaft

besondere maßnahme no. XXVI

es ist doch schön, auf einem planeten zu leben, der so wunderbar vielfältig ist, dass auch nach einem halben jahrhundert aufenthalt hier immer noch täglich dinge vorkommen können, die nie zuvor gesehen gehört geschmeckt gespürt waren.

türkischer Granatapfelsaft, frisch gepresst

mein neuestes highlight ist … dieser tiefst dunkelrote, köstlich süßherbe frisch gepresste granatapfelsaft. besonders lecker fand ich ihn (das ist auf dem bild nicht zu sehen, gehörte aber zum gesamtarrangement) mit meeresrauschen im ohr, einer sanften brise auf der haut, einer schnurrenden katze auf den knien und serviert von einem charmanten lächeln südländischer herkunft.

das alles gibt es für nur einen euro am strand westlich von side, türkisches mittelmeer: am unbebauten teil hinter den ruinen der antiken stadt.

warum ausgerechnet da? in der touristen-hochburg von germanisch-türkien schlechthin, wo sonnenhungrig reisende ausgenommen werden wie hierzulande die weihnachtsgans?

nun, das kleine business am unbevölkerten beach war eine erholsame ausnahme vom ausgenommen werden. da standen einfach ein paar stühle vorne am strand, drei meter von der wasserkante weg, wo ich (wie aufmerksame blogleserInnnen wissen) egal an welchem strand der welt gerne mit nackten füßen genüßlich kilometerlang am meer entlang plitsche: meine lebenslange lieblingsbeschäftigung, zu der ich leider viel zu selten komme.

die händler in side sind - so hörte ich sagen - die dreistesten der ganzen türkei, was nepp und kundenfängerei angeht. ob das so stimmt, kann ich nicht bestätigen, weil ich nicht sehr viele orte in der türkei kenne. dass aber die händler in side bisweilen unverschämt, überteuert und sehr unangenehm klebrig sein können, habe ich selbst erlebt. „mein“ granatapfelsafthersteller und -verkäufer war eine rühmliche ausnahme.

Granatapfelsaftproduktion am Strand von Side

herr serdar saß hinter seinem tisch mit blick aufs meer und wartete geduldig auf kundschaft. kein rufen kein säuseln kein brüllen kein palaver kein überreden kein geschwalle keine blumigen versprechungen und erst recht kein beleidigtes schimpfen, wenn man das angebot nicht wahrnehmen wollte. sein saft kostete einen euro - wie überall sonst auch. ich darf daran erinnern, dass es hierzulande für einen euro mal gerade einen granatapfel gibt - wenn er günstig ist.

ich mochte die schlichtheit seiner ausrüstung auf dem leicht verwitterten kunststofftisch: die schon etwas rostige aber funktionstaugliche saftpresse, das obst auf dem einem tablett, auf dem anderen gläser, strohhalme und servietten; das vom blutroten saft getränkte holzschneidebrett mit den vielen schnittnarben vom großen messer. sonst nichts.

side im späten herbst. saftdurstige touristen gab es an dieser stelle des strands nicht mehr viele. in den oft langen pausen kraulte der mann seinen strandkater romeo. bei einem späteren besuch überließ er ihn mir vertrauensvoll.

Granatapfelsaftproduzent mit Firmenkater Romeo

„efendi nar suyu” - mister pomegranate juice am herbstlichen mittelmeer, sanfte brandung und kribbelnder sand zwischen meinen nackten zehen, blutroter saft und katze. das war mein kleines paradies.

meinen saft übrigens habe ich ganz alleine getrunken. nie, niemals! käme ich auf die idee, mein stück vom paradies mit einem mann zu teilen. wir wissen ja, was für eine katastrophe biblischen ausmaßes dabei herausgekommen ist: eva war einfach zu nett, als sie ihren paradiesischen granatapfel mit adam teilte.


PS.
zu hause im südwesten der republik ist übrigens die firma Jacoby der saftladen meines vertrauens: regional und bio seit bald 100 jahren - quasi bei mir um die ecke. die haben einen - wie ich finde - sehr guten und vor allem bezahlbaren granatapfelsaft im angebot. (nein, dies ist keine werbesendung. zumindest keine bezahlte.)

Sonntag, 4. März 2012

frisch verliebt

kaum zu fassen, aber das gibt es noch: ich bin verliebt! seit mittwoch, um fünfzehnuhrzehn.

fast zweieinhalb jahre sind vergangen, seitdem meine letzte katze starb. mafia cioccolata war 18 jahre alt und schwer krank. ein halbes jahr zuvor hatte frau maier uns verlassen. sie war fast 19 – und ebenfalls sehr krank.

nachdem die mir von einer freundin zeitweilig anvertraute katzebutz sich im vergangenen oktober auf den weg nach china gemacht und mich ebenfalls verlassen hatte, war meine wohnung kalt und leer und sehr sehr einsam.

wie ich den winter ohne katze überstanden habe, weiß ich schon gar nicht mehr. zum glück war ich zumindest unter der woche etwas abgelenkt durch die neue arbeitsstelle. im verlag ist es hell und geheizt.

noch vor wenigen wochen war ich ganz fest der meinung, keine eigene katze mehr zu wollen, weil ich mit meinen prekären finanzen nicht die verantwortung für ein anderes lebewesen übernehmen wollte. ich kriege mich ja schon selbst kaum ausreichend ernährt.

statt dessen wollte ich lieber ab und zu mal ein tier in pflege nehmen, auf zeit.

aber während ich noch am rechner saß, um einen flyer zu basteln, den ich in den tierarztpraxen und katzenfutterboutiquen der nachbarschaft hätte auslegen wollen, da wuchsen meine einsamkeit und die sehnsucht nach kätzischer zuwendung ins unermessliche.


drei tage später geschah das februarwunder: ganz unerwartet hat das jobcenter eingelenkt und mir die volle miete für weitere drei monate zugestanden. eine fette nachzahlung blinkte fröhlich und ganz überraschend auf meinem konto. eigentlich hat diese nachzahlung nur die lücke gefüllt. aber uneigentlich hatte ich dadurch in meinem dispolimit wieder etwas mehr luft.

„reichtum“ hatte mir die tarotkarte aus der neujahrsnacht für den februar vorhergesagt. da war er!

„die kaiserin folgt ihrem innersten gesetz“ hieß an jenem mittwoch bei zinnoberfluss.

reichtum!? innerstes gesetz?! ich fuhr sofort ins tierheim meines vertrauens und ließ mich durch die katzenzimmer führen.

da war sie. im vierten zimmer. dutzende andere hatte ich gesehen, aber sie sah mich. quasi mitten in den weg setzte sie sich und wollte nicht einen zentimeter weichen. aus großen bernsteingoldenen augen sah sie mich an. ich kam nicht an ihr vorbei. sie sprang auf die obere ablage und breitete sich in ihrem körbchen vor mir aus, unwiderstehlich!


sie ließ sich sogar von mir anfassen: kein zurückweichen kein fauchen keine abwehr. ich bin dein! schien sie mir zu telepathieren. protest zwecklos, entkommen unmöglich. die goldenen katzenaugen hielten mich in ihrem bann. zack! unsterblich verliebt. kein zurück mehr.

die pflegerin erzählte, dass sie vor rund einem jahr als pensionskatze eingezogen und dann von den besitzern nicht abgeholt worden war, sehr scheu und zurückhaltend sei. auch ich kann hemmungslos schüchtern sein: die katze her zu mir!

seither steht mein büro für besondere maßnahmen wieder unter kätzischer regie. die neue büromieze heißt Ginivra. in anlehnung an königin Gwenhwyfar aus der artussage. das bedeutet die schöne, die weiche; es bedeutet auch "die weiße fee" - bezaubernde Gini!

eine eigene webseite hat sie auch schon. aber Ginivra ist nicht so der literarische typ, sagt sie. es kann also sein, dass ihr blog eher eine art fotoalbum wird.

Ginis fellfarbe, übrigens, ist ein verdünntes schildpatt. das kannte ich vorher gar nicht. aber zum glück gibt es ja das internet. da wird nicht nur ziemlich genau erklärt, wie diese farbe genetisch zu stande kommt, sondern auch, dass sie bei manchen züchtern angeblich sehr beliebt sei und auch blau-creme heißt oder tortie. meine neue katze ist also ein süßes törtchen. ein sweet pie! *hach*

wir grinsen uns eins. denn im grunde ist Ginivra graubraun gesprenkelt, also nix besonderes: „en fussisch julche met bläcke fööß“ - von irgendwie undefinierbarer farbe - wie man in meiner geburtsstadt sagen täte.

das einzige, was mir bislang unangenehm aufgefallen ist: ihre farbe beißt sich ein wenig mit der farbe des aktuellen teppichbodens. helles holz als untergrund wäre besser, sowieso - so wie wir das früher hatten, als ich noch in berlin lebte.

nun, wir werden uns arrangieren. Ginivra und ich. ansonsten verstehen wir uns bestens.

immerhin habe ich jetzt endlich eine katze, die nicht nur bei nacht, sondern auch am tage grau ist. das finde ich sehr schön!


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Dienstag, 23. August 2011

kurze maßnahme no. XXV

my very first schallplatte ....
.... war diese:

[Wum (Loriot) - Ich wünsch' mir ne kleine Mietzekatze]

damals war ich zehn. der krächzende hund sprach mir aus der seele.
leider haben die eltern weder ihn noch mich ernst genommen.

eine katze durfte ich nie nicht. haustiere waren verboten.
ich musste mich mit wum und wendelin begnügen. naja.
besser als nichts. immerhin konnte ich drüber lachen.
loriot hat also meine kindheit gerettet.
so was fällt mir oft erst ein, wenn es zu spät ist, um persönlich danke zu sagen.
danke loriot

die platte habe ich nicht mehr.
aber eine wunderbare mietzekatze.


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Sonntag, 19. Dezember 2010

keine kraft mehr

kurz nach der eröffnung meines büros für besondere maßnahmen (juli 2009) machte ich mir gedanken, wieviel output ich hier produzieren möchte und kann. eine kolumne in der woche, war mein fazit.

ministövchen: o-ton berlin
rosentasse mit goldrand: nathalija dolenc


das ging lange gut. zwischendurch gab es zusätzlich zu den ‚besonderen‘ sogar ‚kurze maßnahmen‘. weil mir die zeit zwischen zwei längeren texten zu lang wurde. weil so viel raus wollte ins WeltWeiteWeibernetz.

seit dem sommer an der see schaffe ich meine wöchentlichen maßnahmen nur noch mit mühe. dieser klinikaufenthalt liegt nun schon mehr als ein vierteljahr zurück. immer noch bin ich nur damit beschäftigt, irgendwie wieder festen boden unter die füße zu kriegen.

es gelingt mir nicht. ich fühle mich entsetzlich verloren. genau jetzt sollte ich aber fleißig texte produzieren. mein blog steht wieder auf der vorschlagsliste der mädchenmannschaft zur bloggerin des jahres.

es ehrt mich, dass mich wer vorgeschlagen hat. ich freu mich. das tut gut. schmeichelt mir ein bißchen. die mädchenmannschaft ist eine wichtige seite, macht gute arbeit, ist unverzichtbare informationsquelle und diskussionsplattform geworden.

gleichzeitig setzt es mich unter druck, besonders attraktive, gute und womöglich ‚publikumswirksame‘ maßnahmen produzieren zu müssen. das war schon im frühjahr so, als ich auf der vorschlagsliste stand für den grimme online award 2010.

nun ist so eine vorschlagsliste ja noch sehr weit entfernt von einer nominierung. die ehre, den preis dann auch zu erhalten, ist erst recht noch lange nicht in sicht. trotzdem fühle ich mich verpflichtet, dem vorschlag gerecht zu werden und die erwartungen – von wem auch immer – nicht zu enttäuschen.

das gefällt mir nicht. es nimmt mir die unbefangenheit, jetzt auch einfach mal in aller ruhe nichts zu produzieren. ausgerechnet jetzt, wo ich mich am liebsten in den winterschlaf kuscheln möchte. na ja. irgend was is‘ eben immer.

als kind hatte ich ein buch über die mumins von tove jansson. was habe ich diese kleinen wesen damals geliebt! und ich habe sie sehr beneidet: mumins dürfen sich kurz vor dem einbruch des winters den bauch kugelrund voll futtern mit tannennadeln. dann suchen sie sich ein weiches warmes dunkles plätzchen irgendwo im haus, legen sich schlafen und werden erst im frühling wieder wach, wenn draußen die ersten blümchen blühen.

ich beneide sie immer noch, meine mumins. von jahr zu jahr mehr. von jahr zu jahr erscheint mir der winter dunkler. länger. kälter. feindseliger. schwieriger auszuhalten.

in dieser jahreszeit stelle ich meinen geliebten, meinen heiligen milchkaffee auf ein kleines stövchen, damit er nicht zu schnell kalt wird. trotzdem muss ich ihn schneller trinken als sonst. stövchenkaffee schmeckt bitter, wenn er zu lange auf der flamme steht.

ihr seht, ich trinke weiter milchkaffee und halte mich wach – obwohl ich mir viel lieber auch den bauch mit tannennadeln vollschlagen, mich in eine dunkle warme ecke zurückziehen und meine nase erst dann wieder unter der bettdecke rausstecken möchte, wenn draußen frühling ist und die krokusse blühen und die primeln.

leider ist es mir nicht gelungen, mich von den mumins adoptieren zu lassen. also muss ich da durch. bei lebendigem leib. jahr für jahr.

dieses jahr fällt es mir besonders schwer. es ist die kälte, die von innen kommt. der frühe winter lässt mich umso mehr von außen frieren.

mein zwanzigzehn war entsetzlich anstrengend. dabei hatte ich mich - ganz tigresse - so gefreut auf das jahr des tigers und war mit großem mut gestartet.

ab neujahr die neue arbeitsstelle als sekretärin an der hochschule – die ich dann ende juli aufgeben musste, weil ich es schier nicht ausgehalten habe dort und weil es mich so sehr belastet, so sehr krank gemacht hat.

danach sechs wochen reha, um die ich mehr als drei jahre gekämpft und auf die ich mich so sehr gefreut hatte: es war alles falsch. ich kam kranker zurück als ich hingefahren bin und habe seither meine mitte nicht wieder gefunden. i feel so lost. und so durcheinander.

nicht einmal einen abschlussbericht habe ich hingekriegt über diese seltsamen sechs wochen in der ostseeklinik und poste seither nur noch petitessen. so vieles purzelt mir im kopf herum und in der seele. aber nix scheint geordnet rauszuwollen. es ist, als ob ich innerlich ersticke an meinen eigenen gedanken und gefühlen. wir drehen uns im kreis.

ich schleppe mich durch meinen prekären alltag, alles kostet so viel kraft. keine ahnung, wie das jemals wieder besser werden soll. kein mut mehr. keine hoffnung. ich bin schon froh, wenn ich nur meinen haushalt einigermaßen ‚gedingelt‘ kriege.

an manchen tagen ist schon das zähneputzen so dermaßen anstrengend, dass ich mich danach gleich wieder hinlegen möchte. das erlaube ich mir allerdings selten und hänge statt dessen unproduktiv vor dem pc. das sieht wenigstens so aus, als ob ich arbeite.

nur der katzencontent gelingt regelmäßig. könnte nicht mal wer diese seite für einen preis vorschlagen? das äuglein ist ja auch ein mädchen, immerhin. ein sehr flauschiges nämlich.

2011 wird das jahr der katze. so viel steht schon mal fest.


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Sonntag, 19. September 2010

wieder da II

ebenfalls aus dem ‚urlaub‘ zurück und schon seit einer woche wieder im büro: das katzebutz!


das ist äuglein, meine hütekatze. sie darf bei mir wohnen, während ihre besitzerin sich in fernnordost aufhält, in der stadt des langen frühlings. das kann dauern. es ist sehr weit weg. auch wenn es sich in zeiten von skype anhört, als wäre sie gleich um die ecke. ich vermisse die freundin sehr. dass die katze bei mir sein darf, ist ein großes vertrauensgeschenk.

so ist das im leben: die eine geht, die andere kommt. weil es sich um ein paar wochen überschnitt, war die katze so lange in einer katzenpension. dort habe ich sie am vergangenen sonntag abgeholt. eine erfahrung der besonderen art:

fit und gesund war das tier im august dort eingecheckt. krank und erbärmlich habe ich sie zurückgekriegt – und das war mir nicht einmal gesagt worden. ich merkte wohl, dass die katze nix fraß am sonntag, dass das eine auge etwas verklebt war, dass sie ab und zu nieste – und dachte: das ist wohl der stress vom hin- und herfahren, die neue umgebung....

„die katzenpension hätte längst einen tierarzt rufen müssen!“ schimpfte die tierärztin meines vertrauens, als ich ihr die katze am dienstag brachte. sie diagnostizierte einen schweren infekt: der rachenraum so stark geschwollen, dass schlucken unmöglich war (ein wunder, dass das tier überhaupt noch luft bekam), der ganze körper dehydriert vom wasserdünnen durchfall, das eine auge stark vereitert, flöhe obendrein! die ärztin startete das volle behandlungsprogramm mit antibiotika, cortison, infusion, spot-on, spezialnahrung, augensalbe, homöopathischer unterstützung.... plus telefonischer betreuung noch am selben tag, ob die behandlung auch anschlägt.

geduldig ertrug das katzebutz spritze um spritze, augensalbe dreimal täglich, einen weiteren termin. inzwischen geht es ihr besser, wir sind alle erleichtert bis nach china.

es kann nicht mehr lange dauern, bis sie dann auch selbst wieder eigene geschichten erzählt. sie sitzt schon auf der tastatur....


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Samstag, 29. Mai 2010

new cat on the blog

katzen sind heutzutage auch nicht mehr das, was sie früher mal waren.

 katzebutz: äuglein

da komme ich gestern nach einer anstrengenden arbeitswoche nach hause und freue mich auf einen entspannten abend mit meiner schnurrenden schwiegerkatze – und was ist? einäuglein zwingt mich an den pc und maunzt, sie wolle jetzt auch so ein ding im internet. weil sie fernschnurren auf dauer zu anstrengend findet.

hapüüh! die katze darf das. und sie kriegt, was sie will. bitte, soll sie doch ein catlog schreiben!

tierische maßnahme gefällig? voilà! katzebutz erzählt


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Mittwoch, 26. Mai 2010

schwiegerkatze

kurze maßnahme no 12 ist eine neue mitbewohnerin, zeitweilig. einäuglein kommt von der anderen seite des großen flusses, aus dem nahen westen.


eine sehr geliebte freundin hat mir heute ihre katze gebracht. die gute geht fort, in die weite ferne nach osten. womöglich für länger. ich werde sie sehr vermissen. die freundin.

nun schauen einäuglein und ich, ob wir solange miteinander auskommen. während die gute freundin im fernen osten ist.

das sieht schon ganz gut aus. einäuglein frisst und trinkt, schlendert durch die wohnung und gähnt auf meinem sofa, als wäre es niemals anders gewesen.

es ist ganz wunderbar, ein schnurrendes wesen im haus zu haben. endlich ist dies wieder ein miezhaus! wenn die sehnsucht nach der guten freundin zu groß wird, dann fernschnurren wir im duett bis china.


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Sonntag, 21. März 2010

in memoriam - katzengeschichte no 5

„jetzt ist sie schon wiiieder weg!“ - ich hatte bloß kurz das fenster aufgemacht und zack! war mii-zeh maier nach draußen entwitscht. wir wohnten erst seit kurzem in der nähe vom flughafen, und meiner älteren katze schien es hier überhaupt nicht zu gefallen. dabei hatte ich mich auch den beiden katztieren zuliebe für die wohngemeinschaft im reihenhäuschen mit garten entschieden.


„jetzt wohnst du in berlin-westdeutschland,“ hatte eine freundin leicht spöttisch gesagt. sie fand meine neue wohngegend spießig. ich hingegen empfand die fliegersiedlung in der gartenstadt von neu-tempelhof nach langen jahren im sozialen brennpunkt zwischen kreuzberg und neukölln - wo ich schon mal im eigenen treppenhaus mit dem messer bedroht worden war - als wohltuend harmlos.

das haus war auch ganz hübsch, eins von den fritz-bräuning-häusern, sozialer wohnbau aus den 1920er jahren. ich empfand es als ehre, dort wohnen zu dürfen.

die katze hingegen war ständig unterwegs. für wochen! das ging von anfang an so. sie hatte sehr viel schneller gemerkt als ich, dass das nicht das richtige war für uns: das haus lag in der ein-/ausflugschneise des innenstadtflughafens. ende der neunziger jahre war in tempelhof noch mächtig betrieb. die flugzeuge warfen ihre lauten schatten auf den frühstückstisch. je nach wetterlage schmeckte nicht nur der salat nach kerosin.

ob es nun der flughafen war, der meiner katz‘ nicht in den kram passte oder der kater aus der nachbarschaft, der unser wohnzimmer als transit benutzte auf seinem weg vom garten über das vordach durch mein zimmer in die oberen stockwerke, wo er bei den mitbewohnern willkommen war - egal!

ich verbrachte einen großen teil von sommer und herbst damit, suchezettel aufzuhängen an laternenmasten oder in tierarztpraxen sowie in den gärten im umkreis von einem dreiviertel kilometer nach der katze zu fahnden.

mal rief mich jemand an, er habe die katze gesehen, und ich hatte zumindest einen ungefähren anhaltspunkt für meine suche. mal ließ sie sich finden, mal nicht. wenn ich sie gefunden hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sich auch einfangen ließ. sie schien zu wissen, dass ich sie ins ungeliebte haus zurückbringen würde und wich mir aus – ganz egal wie viel schabefleisch ich ihr auch hinhielt.

mein zweites katztier – mafia cioccolata - war geduldiger und blieb bei mir. sie war schon immer die häuslichere gewesen von den beiden. aber richtig wohl gefühlt hat auch sie sich nicht in dem haus, wo wir meist fenster und türen geschlossen halten mussten wegen des anderen katers und sie sich nicht frei bewegen konnte.

anfang juli 1998 waren wir umgezogen. im august war mii-zeh das erste mal weg. ich fand sie wieder, nach wochen. im september war sie das zweite mal weg. ich fand sie wieder. am 9. oktober verschwand sie endgültig aus dem leonhardyweg. ich suchte sie sehr, wochenlang - aber ich fand sie nicht. im geiste sah ich sie abwechselnd mit sonnenbrille, köfferchen und ticket auf dem rollfeld stehen und auf ihren flieger warten oder bei einer alten dame rundum verwöhnt auf dunkelroten samtkissen mit goldrand thronen.

was der katze nicht gefiel, war auch für mich nicht gut: peu à peu bemerkte ich neben den lästigen flughafenbegleiterscheinungen andere unappetitlichkeiten: unter der treppe türmten sich schimmelnd leere bierflaschen, die mitbewohner züchteten wissenschaftliche experimente im kühlschrank – und mir wurde verboten, unangenehmes auszusprechen, weil doch das kind ein waldorfkind war und keinerlei disharmonie vertrug.

ab mitte oktober war ich wieder auf wohnungssuche. einen neuen mietvertrag für ein schmuckstück von altbauwohnung am oberen kurfürstendamm gab es bereits ende november, kurz vor weihnachten zog ich endlich um. ich hatte nur noch eine katze: mafia schmiss sich auf die frisch abgezogenen dielen, sie liebte das hochbett und den kleinen balkon, die kartons ganz oben auf dem regal waren ihr ausguck.

an mii-zeh maier dachte ich oft. es tat weh, nicht zu wissen, was aus ihr geworden war. ging es ihr gut? hatte sie sich ein feines plätzchen gefunden? die hoffnung, sie wiederzufinden, hatte ich aufgegeben und versuchte, mich mit dem verlust des geliebten tieres zu arrangieren. ich produzierte in der masurenallee viele viele hörfunkbeiträge und erhielt im januar 1999 die chance, als feste freie regelmäßig für die kulturwelle zu arbeiten.

als ich am ersten februar aus dem funkhaus kam, blinkte der anrufbeantworter, eine jungenstimme: „ich glaube, wir haben ihre katze gefunden, bitte rufen sie zurück.“

es war ein kalter wintertag. schnee in berlin, die straßen vereist. mii-zeh hatte vor dem tempelhofer st.-josefs-krankenhaus fast einen verkehrsunfall verursacht, als sie über die straße gelaufen war. der junge hatte sie beobachtet, sie hatte hunger und ließ sich von ihm einfangen. er brachte sie zu sich nach hause, öffnete die kapsel an ihrem halsband, das sie trotz der langen zeit da draußen in der millionenstadt nicht verloren hatte.

er fand darin meine alte telefonnummer. damals war die telekom noch sehr streng: wenn man in berlin von einem stadtteil in den anderen zog, durfte man die telefonnummer nicht mitnehmen. ich hatte auf der alten leitung eine tonbandansage schalten lassen, dass die nummer sich geändert hatte – mit angabe der neuen rufnummer. dieser service war kostenlos, immerhin.

der junge hatte die alte nummer gewählt. hatte dem tonband geduldig zugehört, sich die neue nummer notiert und mich dort noch einmal angerufen. er hatte tatsächlich meine katze gefunden!

wie ferngesteuert schnappte ich mir den katzenkorb, schlitterte mit meinem alten auto quer durch die schon dunkle stadt; verursachte einen stau, als die batterie mitten auf einer großen kreuzung versagte und starthilfe brauchte – und kniete plötzlich in einer fremden wohnung vor einem großen ohrensessel, unter dem sich meine! meine! meine! katze mit angstvoll leuchtenden augen verkrochen hatte.

ich bedankte mich, zahlte einen finderlohn und brachte das wunder mii-zeh maier nach hause: mehr als vier monate lang hatte sie sich in der großstadt alleine draußen durchgeschlagen, den ganzen langen winter lang. sie war unverletzt, sie war gesund, sehr schlank und unverändert schön.

in der „neuen“ wohnung schnupperte sie kurz an fressnapf und katzenklo, gab ihrer tochter mafia cioccolata einen nasenstüber, stieg die treppe zum hochbett hoch und setzte sich schnurrend auf die regalkartons als hätte sie nie etwas anderes getan.

die schwierigste aufgabe war jetzt, meinem damaligen vermieter vorsichtig zu erklären, dass ich plötzlich zwei katzen hatte. der milde dr. M duldete sie freundlich.

nur wenige tage später hat die telekom das tonband mit der umzugsmeldung abgeschaltet.
mii-zeh maier war weiterhin oft und lange draußen unterwegs, aber sie lief nie wieder weg.
wir hatten danach noch zehn schöne jahre miteinander.
wo sie war und was sie erlebt hat in jenem winter 1998/99 allein im wilden und gefährlichen großstadtdschungel - das hat sie mir nicht erzählt.
die nacht vom 21. auf den 22. märz vor einem jahr war ihre letzte.


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Donnerstag, 10. Dezember 2009

in memoriam - katzengeschichte no. 3

mafia cioccolata kam ende juli 1991 im begehbaren kleiderschrank meiner berliner altbauwohnung in berlin neukölln zur welt. sie war das einzige mädchen im dreierwurf. die anderen beiden waren rote tigerkater – ganz der vater.

der rote kater peter aus dem haus nebenan war damals der einzige zeugungsfähige seiner art - in der gesamten nachbarschaft im sozialen brennpunkt am reuterplatz. nicht, dass er oder sein besitzer jemals alimente gezahlt hätten. aber die ähnlichkeit war unübersehbar. ein jahr später war er nicht nur mafias vater, sondern auch ihr liebhaber und vater ihrer fünf kinder.

eigentlich hatte ich das kätzchen gar nicht behalten wollen. wie die anderen beiden war sie versprochen und sollte im alter von drei monaten abgeholt werden. aber der neue besitzer kam nicht. sie blieb übrig. bis dahin hatte ich sie schon so lieb gewonnen, dass ich sie niemals wieder hergeben wollte. außerdem waren sie ein superteam, sie und ihre mutter mii-zeh maier. gemeinsam haben die beiden sogar dicke doofe stadttauben erlegt.




mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so frech war und so süß. nie zuvor habe ich eine katze erlebt, die so freundlich war, so zärtlich und so liebevoll. immer. egal was man mit ihr machte – und die so lautstark renitent werden konnte, wenn sie ihren willen nicht gleich bekam.

mafia hätte man am schwanz ziehen können – sie hätte trotzdem noch geschnurrt. aber wehe, ihr futter wurde nicht pünktlich um dreiviertel sechs serviert! dann konnte sie so vorwurfsvoll quäken, als hätte sie drei wochen lang nix zu fressen gekriegt.

überhaupt ihre stimme. die war eigentlich schrecklich. geradezu penetrant, aber unverkennbar! hätte ich gewusst, dass sie die ein katzenleben lang behält, dann hätte ich sie nicht mafia getauft, sondern sirene.

mafia cioccolata war eindeutig die häuslichere von meinen beiden katztieren. es war ganz auffällig, dass sie – im gegensatz zu ihrer mutter – abends regelmäßig nach hause kam und selten eine nacht draußen verbrachte. wenn doch, dann war sie irgendwo eingesperrt.

zum beispiel im kohlenkeller. im kohlenkeller waren die einzelnen verschläge mit groben latten abgetrennt, die türen wacklig gezimmert. es gab viel luft oben und unten. mafia sprang aus dem stand auf die oberen türkanten und auf der anderen seite wieder runter. wenn sie einmal über eine türe drüber war, konnte sie sich dahinter von abteil zu abteil bewegen, irgendwo gab es immer eine lücke.

nur einen keller gab es wohl, da kam sie zwar irgendwie von hinten rein, aber nicht wieder raus. das dumme war, dass ich für diesen keller keinen schlüssel hatte. ich hörte mafia dann irgendwo kläglich maunzen, konnte sie aber nicht befreien.

es hat ziemlich lange gedauert, bis ich herausfand, dass ich von der äußeren hauswand aus das kleine kellerlukengitter ein stück wegbiegen und sie herauswitschen lassen konnte. zum glück hat von den anderen hausbewohnerInnen nie jemand gepetzt, wer für das verbogene kellerlukengitter verantwortlich war.

mafia kletterte maschendrahtzäune hoch wie ein äffchen: zweieinhalb meter in nullkommanix! dann balancierte sie oben auf dem schmalen zaunpfosten und hops! stand sie im nachbarhof.

mafia wußte immer ganz genau, was sie wollte. wenn sie zum beispiel aus dem treppenhaus in den hof hinaus wollte, stand sie so lange innen an der hoftüre, bis jemand vorbeikam, den sie klagend anmaunzte, bis ihr gefälligst die türe geöffnet wurde. wenn es ihr zu lange dauerte, bevor jemand kam, dann rannte sie die treppe wieder hoch und schaute nach, ob im ersten stock das fenster zum hof offen stand. wenn ja, sprang sie da raus. aus dem ersten stock. weil sie so unbedingt auf den hof wollte.

das habe ich mehr als einmal erlebt. einmal stand ich mit der nachbarin plaudernd bei den fahrrädern. plötzlich macht es „plopp“. da stand meine katze mitten im hof, bei geschlossener hoftüre - aber geöffnetem treppenhausfenster eine etage höher. sie war wie vom himmel gefallen und maunzte mich vorwurfsvoll an, wie ich nur dazu käme, sie so lange warten zu lassen!

mafia hat es immer wieder geschafft, mich zu verblüffen mit ihrem kätzischen wagemut und ihrem liebenswerten eigensinn.

genau wie ihre mutter war auch sie oft unterwegs in den schrebergärten, die sich an den zweiten hinterhof und den kirchhof und den kindergartenspielplatz mit der großen wiese anschlossen. wenn ich sie abends vermisste, umrundete ich das große areal mit lauten lockrufen.

während mii-zeh maier sich dann regelmäßig taub stellte und manchmal wochenlang verschollen blieb, kam mafia meist angetrabt aus der hintersten ecke und quer über die wiese mit lautem „maumaumau“, sobald sie meine stimme hörte.

dann kruschtelte sie so lange „maumaumau“ am zaun entlang durch büsche und gestrüpp, bis sie einen weg zu mir nach draußen fand. oder sie marschierte den maschendrahtzaun hoch und ich konnte sie kopfüber vom pfosten herab in empfang nehmen.

auf dem rückweg balancierte sie auf meiner rechten schulter sitzend um den häuserblock herum. oder sie lief vor und neben und hinter mir her, bis wir wieder zu hause waren. von ihrem schulterthron herab fauchte sie jeden kampfhund in die flucht. siegessicher. so war sie: ganz löwe!

fast zwei jahrzehnte lang hat sie mich begleitet. heute vor neun wochen ist sie gestorben. ich vermisse sie sehr.

immer noch erscheint mir die wohnung ohne katze doppelt so groß wie vorher, entsetzlich leer und sehr sehr kalt – ganz egal, wie hoch ich die heizung dreh'.


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Donnerstag, 8. Oktober 2009

besondere maßnahmen IV - kill the cat

ein trauriger tag, es regnet in strömen. ein nasser tag heute.

mafia cioccolata ist tot.



achtzehn jahre zwei monate und elf tage war sie meine treue begleiterin. nach langer schwerer krankheit habe ich sie heute einschläfern lassen. sie wog noch zweieinhalb kilo, und nachdem alles vorbei war hatte sie eine art von posthumem schluckauf.

die tierärztin war hier, in meiner wohnung mit der schönen aussicht. es war ganz friedlich, und es fühlt sich auch richtig an. ich bin dieser katze unendlich dankbar, dass sie so lange bei mir war. sie war eine ganz besondere. natürlich - was sonst?!

ich weine in strömen. es ist ein nasser tag heute.

ich werde mafia cioccolata morgen beerdigen im garten im elsass, direkt neben ihrer mama, sozusagen ein doppelgrab. obenauf blüht schon ein großer busch katzenminze, der ist im letzten halben jahr gut gewachsen. kein wunder, es liegt ja auch bester dünger untendrunter.

ich bin - bei aller trauer - gleichzeitig erstaunlich heiter und fühle mich geradezu befreit. unsere letzten gemeinsamen wochen waren viel trauriger als heute. es war schwieriger, die katze krank und mager und schwach zu sehen, ohne helfen zu können.

für heute war alles gut vorbereitet: mit der tierärztin war schon seit monaten abgesprochen, dass sie dann ins haus kommt. ich hatte sogar ihre handynummer samt erlaubnis, sie jederzeit anrufen zu dürfen.

die sargkiste mit zubehör lag auf dem dachboden parat, und wie bestellt blüht heute die letzte knospe meiner duftendsten lieblingsrose "fisherman's girlfriend".

meine freundin in frankreich freut sich schon, mich wiederzusehen. sie sagte neulich: „dadurch, dass deine katze in meinem garten begraben ist, werden wir immer eine verbindung miteinander haben." so liebevoll kann man das sehen!

ich habe in den nächten der letzten zwei wochen fast nicht geschlafen, weil die kranke katze so unruhig war, mal hier mal da mal jaulte mal daneben pieselte, weil die beine zu schwach waren, um noch über den rand vom katzenklo zu klettern. sie fraß nichts mehr, sie trank viel und spuckte alles in hohem bogen wieder aus.

und immer die angst, wenn ich mal das haus verlassen habe - ob sie noch lebt, wenn ich zurück komme? oder ob sie schon tot in irgendeiner ecke ....

jetzt ist alles friedlich. auch in mir drin. sie liegt da so gemütlich, die ohren gespitzt wie eh und je.

zwischendurch habe ich eine kurze phantasie, dass sie wieder raushüpst aus ihrer weinkiste und grinst "ätschbätsch! - es war alles nur ein trick! wir fangen noch mal von vorne an .... hahah!"

ich erinnere mich an einen abend in der selbsthilfegruppe, ganz am anfang meiner abstinenten zeit. da saß die moderatorin - die damals bereits mir unvorstellbar lang erscheinende zehn jahre abstinent lebte - am kopfende des großen tisches und berichtete, dass ihre katze an dem tag gestorben war. dabei hatte sie tränen in den augen.

ich weiß noch, wie ich damals dachte und das auch sagte: „au weia. DAS würde und werde ich NIEMALS OHNE alkohol überstehen."

dieser abend liegt zehn jahre zurück.
ich habe mich geirrt. ich bin gewachsen.

nun bin ich selbst diese mir damals unvorstellbar langen zehn jahre abstinent. und es tut gut, zu sehen, dass auch ich nun OHNE alkohol ganz gesund mit dem tod meiner geliebten katze umgehen kann.

loslassen ist möglich.
der tod ist kein tabu.
ich finde, damit habe ich viel gelernt in diesem jahr.


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Dienstag, 22. September 2009

in memoriam – katzengeschichte no. 2

bis vor kurzem hatte ich zwei katzen, nicht bloß eine. katztier no. 1 holte ich aus dem tierheim berlin-lankwitz, damals, im september 1990. das war kurz nachdem ich aus japan zurück war - und kurz vor dem großen deutschen einheiz-gedöns.

drei monate war sie alt. schildpatt-schwarz mit großen bernsteingelben augen und wunderschön saß sie allein in der engen tierheimbox und schnurrte mit dem schnäuzchen am gitterdraht entlang. „die da ist schön, die nehm' ich“ - mit diesen worten besiegelte ich eine fast zwei jahrzehnte dauernde lebensgemeinschaft.

ich transportierte das quirlige tierchen in einem plastikcontainer den ganzen langen weg zurück von lankwitz nach neukölln mit bus und s-bahn und u-bahn. sie war sehr gesprächig unterwegs und unterhielt halb berlin. dabei sagte sie nicht „miau“, wie andere katzen, sondern „miiiiee“.

auch, als ich sie später zu hause immer wieder fragte „kätzchen, wie heißt du denn?“ - da war die antwort jedes mal „miiiee“. tagelang. so nannte ich sie dann auch. MII. in japanisch bedeutet das „schön, die da“. und genau das waren ja meine worte gewesen im tierheim, mit denen ich die pflegerin bat, mir bitte genau diese mii-zeh-katze zu vermitteln. also nannte ich sie mii. hintendran hängte ich die japanische kosesilbe CHAN. nicht das distanzierte SAN. also mii-chan. in den katzenpass trug ich mii-zeh maier ein. nicht mii-chan, weil das ihr kosename war, den benutzten wir nur "en famille". ihr offizieller name war mii-zeh, „die ehrenwerte mii“. maier mit nachnamen. denn ordnung muss sein, sie war im mai geboren, und auch ein katztier braucht einen nachnamen.



mii-chan war eine ganz besondere katze. trotz ihres profanen nachnamens. sie war der fleischgewordene beweis für die redensart "wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufstellen". mit gelassener selbstverständlichkeit postierte sie sich in der geometrischen mitte eines jeden raumes. oder im goldenen schnitt zwischen allen anwesenden.

außerdem konnte sie mehrstimmig schnurren. quasi mit sich selbst im duett - inklusive obertönen. und sie hat geschnarcht, ganz entzückend. wie ein kleiner mercedes benz diesel.

mii-chan ist mehr als ein halbes dutzend mal mit mir umgezogen, kreuz und quer durch die republik. diese zigeunerkatze war überall zu hause und oft wochen-, ja monatelang allein unterwegs. sie ist doch immer wieder zu uns zurückgekommen. wo immer sie war, war auch ein miezhaus.

als wir in süddeutschland beim radio arbeiteten, da hat sie mich des öfteren zum bahnhof begleitet. im morgengrauen um halb fünf, wenn ich zur nachrichtenschicht ins funkhaus ging. einen halben kilometer zu fuß durch unser wohndorf bis an die fußgängerbrücke zum bahnsteig. da blieb sie sitzen, schaute zu, wie ich in den zug stieg. dreiviertel fünf. sie drehte sich um und ging zurück, bevor der zug losfuhr. wenn ich heimkam nach der letzten redaktionssitzung am nachmittag, lag sie schlafend unter meinem schreibtisch.

einmal wurde mii-zeh maier entführt. das war damals im sozialen brennpunkt in berlin-neukölln. durchs küchenfenster hatte ich sie gerade eben noch gesehen, wie sie vier stockwerke tiefer unten auf dem hinterhof ihr revier inspizierte. minuten später klingelte das telefon, die türkengang aus dem kebab-salon vom reuterplatz: „wir haben ihre katze gefunden. wir wollen finderlohn. mindestens 50 mark. sonst schmeißen wir die katze auf die straße.“ ich war noch studentin. so viel geld hatte ich gar nicht mehr im portemonnaie. aber natürlich ging ich erst mal runter, da standen die kerls, feixend. und der ganze muslimische anhang feixte mit. pardon. der ganze anhang mit migrationshintergrund. samt kebapsalonbesitzer. alle feixten sich eins. ich hatte noch zwanzig mark. mit mühe konnte ich das lösegeld auf genau diesen betrag herunterhandeln. döner kebap habe ich dort nie wieder gegessen.

andere frauen haben kronjuwelen. ich habe katzen.

mii-chan war die mama von mafia cioccolata, meinem katztier no. 2.

heute ist es genau ein halbes jahr her, dass mii-zeh uns verlassen hat. kein anderes lebewesen war mir jemals so lange so nah wie diese katze: wir hatten mehr als achtzehneinhalb gemeinsame jahre, und es war das erste mal für mich, dass ich ein geliebtes wesen in den tod begleitet habe.

woran sie letztlich gestorben ist, bleibt nur zu vermuten. eine hüftarthrose hatte sie schon lange, die chronischen schmerzen wurden mit medikamenten gelindert, um sie beweglicher zu halten. so konnte sie immer noch allein aufs fensterbrett hüpfen. mit stop-over auf dem stuhl, den ich ihr beflissen hinstellte.

ein katzenbiblisches alter hatte sie mit ihren fast neunzehn jahren. ihre letzte nacht war grausam schwer, mit atemnot, keuchen und lähmung der hinterbeine: da habe ich sie sonntag früh in die notfallpraxis gebracht.

sie war schon so kühl, dass nicht einmal mehr das fieberthermometer reagierte. es gab nichts, das ihr leiden mehr als nur ein paar tage verlängert hätte. da habe ich sie einschläfern lassen.der fremde arzt war sehr freundlich und sehr respektvoll.

hypertrophe kardiomyopathie und sattelthrombose hat er als todesursache vermutet. dazu passte mii-chans verhalten in ihren letzten tagen, der kleine schlaganfall. was katzen nicht alles kriegen können ....

sie starb 22. märz 2009. das ist gleichzeitig auch der geburtstag meines besten, langjährigsten freundes. das wundert mich nicht: mii-chan war immer eine diva - so hat sie auf ihre eigene katzenweise dafür gesorgt, dass ich sie nie vergessen werde.

nicht, dass das nötig gewesen wäre: noch heute sehe ich ihren schatten fast täglich um die ecke huschen, aus dem augenwinkel.


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Dienstag, 8. September 2009

miezhaus oder was? vermietergeschichte no. 2

ich lebe ja auf dem lande, seit ein paar jahren. in einem mietshaus. aber nein – das stimmt so eigentlich nicht. denn in einem miezhaus leben ja nur mieterInnen. in 'meinem' miezhaus lebt aber auch noch der vermieter samt mischpoke - und ich bin die einzige mieterin.



die formulierung „ich wohne zur miete in einem eigenheim“ ist allerdings auch nicht so ganz richtig. aber wie nenne ich es dann?! hört mal zu:

das haus, in dem ich wohne, ist am hang gebaut und hat drei etagen. wenn ich die garagen samt vorplatz mitzähle, sind es vier etagen.

unten direkt vorm haus ist eine kleine straße. oben direkt hinter dem haus ist eine andere kleine straße.

von der unteren straße aus geht es vor dem haus die treppe hoch zum hauseingang. das sind siebzehn hohe unregelmäßige stufen – also fast ein ganzes stockwerk.

rein ins haus, wohnen gleich unten die vermietertochter und ihr lebensgefährte. vielleicht sind sie auch verheiratet. das weiß ich nicht. sie tragen jeweils ihren eigenen familiennamen. für ein miteinander verheiratetes paar wäre das in dieser sehr konservativen katholischen gegend eher ungewöhnlich. im grunde aber ist mir das egal, und es geht mich auch nix an.

die erdgeschossleute haben vor ihrem wohnzimmer eine überdachte terrasse und einen eigenen garten, gesäumt von einer hohen, undurchsichtigen weißbuchenhecke. eine rückseite hat ihre wohnung nicht: sie ist wie ein keller in den berg gebaut. so heißen denn auch alle anderen räume im erdgeschoss „keller“: es gibt den heizungskeller und den hobbykeller und den vorratskeller. nur wo sie wohnen, da heißt es ‚wohnung‘.

geht man vom hauseingang im erdgeschoss die grün gesprenkelte marmortreppe nach oben, landet man im ersten stock, in der „beletage“. hier lebt das vermieterehepaar.

ihre wohnung ist nach allen seiten oberhalb der erde gebaut und hat fenster rundum, nach südwesten einen wintergarten mit terrasse und ebenfalls einen vorgarten, gesäumt von akkurat gestutzten undurchsichtigen eibenhecken auf der repräsentierseite und gemischten sträuchern auf der rückwärtigen straßenseite.

geht man im grün gesprenkelten marmortreppenhaus noch eine etage weiter nach oben, landet man bei mir unter dem dach – und da ist die treppe dann auch zu ende. unterwegs muss man sich bücken, weil das dach schon schräg und das treppenhaus sehr niedrig ist. ich habe keinen ebenerdigen ausgang wie die anderen. das ist schade.

wenn dieses haus ein echtes schwarzwaldhaus wäre – was es aber nicht ist, es ist einem solchen nur nachempfunden durch die in den 70er jahren übliche bauweise am hang – dann lebte ich auf dem heuboden und hätte für den traktor eine breite ausfahrt auf die straße hinter dem haus. die wäre jedenfalls ebenerdig.

aber für die dachstubenbewohner war solcher luxus nie vorgesehen. und so ist das einzig ebenerdige von meinem balkon aus nach draußen eine schmale hölzerne planke. sie liegt mit ihrem anderen ende auf dem dach des vermieterlichen gartenschuppens und gehört der katze. vom schuppendach aus ist es nur ein knietiefer hopser in die pflegeleicht immergrüne, brav beschnittene und blickdichte kirschlorbeerhecke hinter dem haus.

der katze gefällt das, sie kann dort unter dem immergrünen kirschlorbeer hocken und die straße sowie die reben dahinter beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. ich vermute auch, sie mag den geruch von rindenmulch, der unter der immergrünen hecke in pflegeleichten mengen das unkraut verhindern soll. unkraut mögen die hausbesitzer gar nicht gerne, denn das ist weder pflegeleicht noch blickdicht.

wenn auch keinen garten oder zumindest eine terrasse, so hat meine wohnung doch immerhin zwei balkone: einen im norden und einen im süden, jeweils an den giebelseiten. beide balkone haben fenster und türen vom boden bis unter die decke. dadurch ist es hier oben viel heller und vor allem viel luftiger, als man denken könnte, wenn man das nur von drei kleinen fensterluken durchbrochene große dunkle dach von außen sieht.

leider ist das giebeldach über dem südbalkon so weit vorgezogen, dass auf den balkon im sommer keinerlei sonnenlicht gelangt. in kombination mit dem großen baum direkt davor ist der südbalkon so dunkel, dass dort noch nicht einmal nachtschattengewächse gedeihen wollen. das ist schade. ich hätte mich hier sehr gerne mit duftenden rosen und würzigen kräutern umgeben.

was das giebeldach an licht verhindert, macht es an akustik und gerüchen wieder wett: aller schall von unten wird im giebel gebrochen und gesammelt in meine wohnung geleitet. so höre ich jedes wort, das die vermieter in der wohnung unter mir und die vermieterkinder zwei etagen tiefer sprechen – auch wenn sie telefonieren oder fernsehen. leider ist das nur selten unterhaltsam für mich.

ganz schlimm ist meinen ohren des vermieters liebstes hobby, das steirische polka-akkordeon. er spielt darauf reaktionäre volksmusik: so gut wie täglich und das sehr schlecht, hält sich weder an ruhezeiten noch an den takt - und wenn er sich besonders musikalisch fühlt, dann jault er selbst mit seinem akkordeon um die wette.

manchmal frage ich mich, ob ich wohl meine schöne aussicht zu teuer bezahle. die geräusche sind es nicht allein, nein! auch die aerodynamik in diesem haus am hang ist so genial, dass nicht nur die akustik, sondern auch alles olfaktorische von der straße und aus den unteren wohnungen zu mir heraufzieht. das ist leider öfter unappetitlich als angenehm.

es sind nicht nur weinbergstrekkermotorendieselwolken, die da bei mir einziehen. auch jede einzelne zigarette von unten landet im hintersten winkel meiner rauchfreien zone. wenn unten gegrillt wird, riecht meine frische wäsche nach würstchenqualm.

fast jedes mal, wenn ich es mir auf meinem schattenbalkon gemütlich machen möchte: irgend ein lärm ist immer. entweder bei mir im haus oder in der nachbarschaft oder irgendwo drum herum. der landmensch baut ja auch gerne mal - mit dem größten getöse, versteht sich.

so kommt es, dass es mir hier in meinem kleinen winzerdorf lauter vorkommt als in meiner früheren wohnung in berlin direkt am kurfürstendamm.

bloß nachts, wenn die gehsteige hochgeklappt und die letzten busse abgefahren sind: dann ist es hier so märchenhaft still, dass man sogar die sterne funkeln hört!


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Donnerstag, 27. August 2009

das ruhige landleben – eine vermietergeschichte

das haus, unter dessen dach ich wohne, steht ziemlich exakt in nord-süd-richtung und ist quasi auf durchzug gebaut. im heißen sommer ist das gut, weil dann auch bei mir hier oben immer ein leichter luftzug geht.
ich mag das. oft habe ich die balkontüren offen. damit sie mir nicht zuknallen, sichere ich sie mit stabilen stoppern.

türstopper: katze, gusseisen

den trick mit den stoppern scheinen die vermieter in der wohnung unter mir nicht zu kennen – jedenfalls höre ich ständig türen und fenster knallen. das erschreckt mich oft. das knallen mit anschließendem leichten hausbeben erschreckt auch die katze. aber wir können es nicht ändern, und im grunde geht es uns nichts an.

ich glaube, es stört die vermieter selbst nicht einmal. irgendwie habe ich den eindruck, dass das ziemlich schwerhörige menschen sein müssen. jedenfalls machen sie eine menge lärm zu allen möglichen und unmöglichen tages- und nachtzeiten. ich habe schon oft gedacht, dass – wenn ich mir selbiges als mieterin leisten würde – mir die wohnung schon längst gekündigt worden wäre.

den meisten lärm macht der vermieterehemann. der scheint seinen lebenssinn darin zu sehen, möglichst viel lärm und möglichst viel dreck zu verursachen. ständig findet er irgend etwas, das ihm dazu gelegenheit bietet. wenn er nichts findet, denkt er sich was aus.

seitdem er vor knapp zwei jahren berentet wurde, findet und erfindet er solcherlei lärmunddreckverursachegelegenheiten mit vermehrter häufigkeit und großer ausdauer.

zuerst wurden jede menge neuer motorbetriebener haus- und gartengeräte angeschafft – zusätzlich zu denen, die schon vorher vorhanden waren.
ein stärkerer rasenmäher musste her! für die 62m² mooswiese, die er seit jahren vergeblich in einen englischen golfrasen umzupflegen bemüht ist. das wird natürlich zweimal die woche gemäht. mindestens! bei jedem wetter! am liebsten aber bei temperaturen über 30 °C. dann erst recht! mit nacktem oberkörper, vorzugsweise in der mittagshitze. kurz vor dem mittagessen, das sein vermieterehefrauchen ihm pünktlich und manierlich auf den tisch bringt. das muss schon sein, denn NACH dem mittagessen, da kann sich der rentner von heute ja nicht einfach ein stündchen aufs ohr legen und den katholischen lieben gott einen guten katholischen mann sein lassen. erst recht nicht bei 34 °C im schatten.

nein! NACH dem mittagessen muss auch in kreislauftreibender sommerschwüle die große silbergraue limousine gewaschen und minutiös poliert und einbalsamiert werden - damit die sonne den lack nicht so austrocknet, nehme ich an. dazu wird der wagen vor die garage geholt, damit auch die nachbarschaft es genau sehen kann, dass dieser arme alte mann in allergrößter hitze im freien und noch dazu mit ungeschütztem oberkörper so schwer schuften muss.

kein wunder, denke ich mir da, wenn er davon schlechte laune kriegt. vielleicht liegt es ja auch gar nicht am durchzug, wenn in seiner wohnung so oft die türen knallen?


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Freitag, 7. August 2009

wunder no. 1: katzenschnurren

katzen haben eine unglaubliche art der kommunikation: sie schnurren. dabei vibrieren sie warm und wohlig in einer niedrigen frequenz von - so wikipedia - 25 bis 150 hertz, hauskatzen bleiben bei 25 hertz.

katzen schnurren in allen möglichen und unmöglichen situationen: wenn es ihnen gut geht oder wenn es ihnen nicht gut geht, wenn sie hunger haben oder wenn sie satt sind, wenn sie ruhen oder wenn sie wach sind. wenn sie ihre beute beobachten, verspeisen oder verdauen, dann schnurren sie auch.

katzenschnurren vermittelt wohlbefinden und entspannung, es lindert stress und hilft knochen heilen. in der katze drin und direkt an der katze dran. ihr schnurren pflanzt sich durch ihren ganzen körper auf unseren ganzen körper fort und wirkt genau an der arthritischen stelle, wo es dringend gebraucht wird. deswegen ist es immer gut, sich eine schnurrende katze auf die oberschenkel zu setzen - auch wenn unser akuter schmerz vielleicht in der schulter sitzt oder im ellenbogen. das schnurren kommt trotzdem an!

wie die katzen das machen mit dem schnurren, das hat die wissenschaft noch nicht herausgefunden. hah, wie denn auch?! schnurren ist schließlich ein wunder, und für wunder ist die wissenschaft nicht zuständig. immerhin - die wikipedia kennt fünf verschiedene theorien, wie das katzenschnurren zustande kommen könnte. aber genau wissen tut die wissenschaft nix!

das eigentliche schnurrwunder ist, dass katzen sowohl beim einatmen als auch beim ausatmen schnurren und sogar auch dann, wenn sie die luft anhalten. schnurren ist also quasi eine zirkuläre angelegenheit, ungefähr so wie didgeridoo blasen - und damit sind wir schon ziemlich nahe am groben unfug.

kommen wir aber nun zum allergrößten wunder, was das katzenschnurren angeht: es wird nicht nur taktil durch direkten körperkontakt und auch nicht nur akustisch über die ohren übertragen:
katzen schicken ihr schnurren telepathisch durch den äther und sind auf diese weise weltweit miteinander vernetzt! dadurch fühlen sie sich geborgen und in der welt aufgehoben und erwünscht.

wer also zum beispiel in berlin-köpenick eine wohnzimmersofakatze zum schnurren bringt, der kann damit einen halb verhungerten kater auf einem müllhaufen in bangkok glücklich machen, weil die köpenicker sofakatze ihr wohlbehagen per katzenschnurrtelepathie zum beispiel direkt telepathisch nach bangkok verschifft. der thailändische müllkater besitzt - wie alle katzen auf der ganzen großen weiten welt - eine spezielle katzenschnurrtelepathieantenne, mit der er das auf jeden fall auch empfängt.

auf diese weise können zum beispiel urlauberInnen ihre daheimgebliebenen lieblinge trösten, indem sie einfach mal eben auf mallorca ein dahergelauf'nes katzenkind zum schnurren bringen - und schwupp! überträgt das mallorcakatzenkind sein wohlbehagen per katzenschnurrtelepathie nach berlin-köpenick aufs wohnzimmersofa, und die daheimgebliebene grämt sich nicht länger ob ihrer urlaubsbedingten einsamkeit, sondern sie fängt auch an zu schnurren und fühlt sich wieder wohl!

was nun also der wissenschaft noch viel größere rätsel aufgeben dürfte als das katzenschnurren an sich - das sind die katzenschnurrtelepathie und die katzenschnurrtelepathieantennen, mit denen alle katzen der welt untereinander in kontakt stehen. sozusagen ein globales 'interschnurrnet'.

hah! das ist demokatzisch, das ist subersiv, das ist revolutionär! wenn das der herr geheimdienst wüsste! da würden doch wohl sofort die überwachungsmiezen aktiviert. aber der herr geheimdienst weiss das nicht. und die wissenschaft hat sowieso keine ahnung. angeblich zum mond fliegen - aber noch nicht einmal so simple dinge wie katzenschnurren erklären können. geschweige denn das rätsel der katzenschnurrantennen lüften. sie werden es niemals verstehen. ganz sicher nicht. und das ist gut so.


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Mittwoch, 29. Juli 2009

der 90. geburtstag - eine katzengeschichte ....

eine katze habe ich noch, derzeit. genau heute vor 18 jahren - am 29. juli 1991 - ist sie geschlüpft, heraus aus dem bauch ihrer schönen mutter hinein in die tomatenrote wäschewanne im begehbaren kleiderschrank meiner kleinen altbauwohnung im damaligen sozialen brennpunkt in berlin neukölln, direkt am reuterplatz. der lag allerdings vier stockwerke tiefer (ohne fahrstuhl) und hat die katzen damals nun wirklich nicht interessiert.
noch eine dreifarbige! eine glückskatze! eine mit geheimnisvollen verbindungen ins feenreich .... mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so süß und so frech war. mein kleines flauschiges schmuckstück!

dass sie so lange bei mir bleiben würde, habe ich natürlich bei ihrer geburt noch nicht gewusst.

ich hatte sie jemandem versprochen - wie auch ihre beiden rotgetigerten brüder versprochen waren. aber mafia cioccolata wurde niemals abgeholt. also blieb sie.
mit ihrer mutter, frau mii-zeh maier, verstand sie sich meistens gut, bis auf die kurzen zeiten, in denen sie einen bisweilen heftigen mutter-tochter-konflikt aneinander auslebten: sich bös' anfauchten und mit dem arsch nicht mehr anguckten.

dazu muss man wissen, dass katzen ihre geliebten wesen, denen sie ihr vertrauen und ihre zuneigung schenken, möglichst oft mit dem arsch angucken. also, sie setzen sich davor und wenden einem den rücken zu. unsereins mensch darf das nicht missverstehen. wir neigen ja eher zum gegenteiligen verhalten und schauen einem geliebten wesen möglichst tief und möglichst lange in die augen. dies wiederum würde eine katze als bedrohung empfinden. so haben wir alle ein verschiedenes vokabular, die menschen und die katzen auch.

mir hat das nichts ausgemacht. ich bin sprachbegabt und habe die ausdrucksweise der katzen schnell gelernt. verwirrend wird es erst, wenn ich vergesse, dass diese anderen menschen nicht immer geläufig ist. wenn ich also manchmal freundlich im raum umherschaue und damit - wie eine katze - entspannt neugierige aufmerksamkeit zum ausdruck bringen möchte, wird das von mitmenschen leicht als gedankenverlorenes desinteresse gedeutet. das ist nicht immer richtig.

wenn also katzen sich mit dem arsch nicht mehr angucken, dann ist das vertrauen futsch und sie sind ziemlich sauer aufeinander. das gab es auch bei mafia cioccolata und frau mii-zeh maier immer wieder. aber es hat nie lange angehalten. kurze zeit später lagen sie wieder dicht nebeneinander und putzten sich gegenseitig das fell auf dem kopf und an anderen stellen, wo sie selbst schlecht dran kamen mit ihrer zunge.

zurück zum katzengeburtstag:
die katze mafia ist - aus kätzischer sicht - heute 90 jahre alt geworden. denn ein menschenjahr gilt wie fünf katzenjahre. ungefähr. sie ist also nicht mehr die jüngste, und das merkt man natürlich. sie ist abgemagert bis aufs hemd und schläft die meiste zeit. sie hat eine chronische nierenschwäche und bekommt täglich medikamente, alle paar tage eine spritze und alle paar wochen eine infusion.

als die krankheit vor einem guten halben jahr bei ihr entdeckt wurde, da sah es nicht so aus, als ob mafia cioccolata ihren 90. geburtstag noch erleben würde.
aber jetzt ist sie doch noch da, und ich bin sehr froh und sehr dankbar!

zur feier des tages gab es gegrilltes hühnchen. einen halben goldbroiler.
früher ist sie drüber hergefallen. heute frisst sie wie ein vögelchen: nur drei, vier fetzchen hühnerbrust.

eines aber ist wie in jungen jahren:
mafia cioccolata liebt ihren wäschekorb - auch wenn der schon lange nicht mehr aus tomatenrotem plastik ist.





am allermeisten liebt sie den wäschekorb, wenn frischgewaschene wäsche darin liegt. dann thront sie obenauf, wie ein kostbares juwel auf einem samtenen kissen.





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Dienstag, 14. Juli 2009

kein miezhaus ....

eigentlich
sollte mein weblog 'miez-haus' heißen.
weil ich zur miete wohne und weil ich mit einer katze lebe.
aber mit DER idee war ich wohl zu spät.

katzen im berliner miezhaus

ein kurzer blick in die allseits bekannte suchmaschine
ergab in 0,2 Sekunden immerhin siebentausendsiebenhundertzwanzig einträge
zum stichwort 'miezhaus'.
viel zu viele!
da würden doch alle nur sagen, ich hätte abgeguckt und nachgemacht.

die ebenfalls in erwägung gezogene abwandlung 'mietzhaus'
ergab nur knappe tausend treffer

innerhalb von 0,45 sekunden. immerhin!
auch das noch zuviel.
schließlich möchte ich originell sein

und unverwechselbar.
also kein miezhaus-blog.

irgendwie schade drum.
jetzt muss ich meine "geschichten von katzen und vermietern"
als "besondere maßnahmen" deklarieren.
na, da wird mir schon noch allerlei einfallen ;-)

das büro für besondere maßnahmen
hat natürlich den vorteil,
dass ich thematisch nicht so eingeschränkt bin,
wie ich es in einem miezhaus wäre.

eine abteilung 'unfug en gros & en détail'
ist bereits angedacht und wird demnächst eröffnet.


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