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Januar 2021

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Montag, 22. Dezember 2014

Jahreszitat 2015

Wie jedes Jahr sitze ich auch in diesem Dezember mit dem Kalender und blättere mich durch die vergangenen zwölf Monate.

Was war wichtig? Was habe ich bewegt? Was hat mich bewegt? Welche Richtung möchte ich dem kommenden Jahr geben? Welcher Gedanke wird mich leiten?

In 2014 erlaubte ich mir, in keine Schublade zu passen und trotzdem wunderbar zu sein - und begann das Jahr noch in der Neujahrsnacht mit einem Versprechen an mich selbst:

"Ich muss ans Meer. For good! In diesem Jahr noch mach ich's wahr."

Tsukioka Yoshitoshi,
Abkühlung am Fluss
(Quelle: Wikimedia Commons)

Viele Flüsse, Ströme, kleine Bäche, kleinste Rinnsale sind ins Meer unterwegs, werden irgendwann vereint zum Ozean. Was so ein Wassertropfen kann, das sollte doch auch mir gelingen? Schließlich besteht auch ein Mensch zu 70% Prozent aus Wasser. Noch dazu steht mein Mond in den Fischen.

Vielleicht rührt daher meine Sehnsucht. Ans große Wasser!

Das Schicksal hat mich zur Landratte gemacht. Aber jetzt, mit 50plus, da könnte ich doch den Strömen meiner Sehnsucht folgen, mit ihnen an die See ziehen.

Salzwasser auf meiner Haut! Nicht nur in den seltenen Ferien, nicht immer nur geweint.

Seither bin ich mit Planungen, Vorbereitungen und der Realisierung meines Lebenstraums beschäftigt.

Es ist anstrengend. Es ist aufregend. Veränderungen nicht nur im Außen.

Auch die Veränderungen in meinem Innern sind so dermaßen aufwühlend, dass ich mich hier im Blog seit Monaten nicht „äußern“ konnte. Konnte nicht nach außen tragen, was innen gärt, noch unsortiert ist. Kann es auch jetzt nicht.

Nur so viel:

Ich schwimme. Den Kopf über Wasser. Bewege mich auf mein Ziel zu, mit all meiner Kraft. Manchmal werde ich von kosmischen, oft auch von menschlichen Energien unterstützt – dann ruhe ich ein wenig aus, lasse mich treiben, wieder ein Stück weiter. Die Richtung stimmt. Meerwärts.

Mein Leben lang bin ich einem Irrtum aufgesessen. Der Spontispruch meiner Jugend 

„Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“

- oder, wie Konfuzius sagte 

„Um an die Quelle zu gelangen, muss man gegen den Strom schwimmen“

- der stimmt für mich nicht mehr! Inzwischen kenne ich die Quellen meiner Kraft. Weiß, wo sie liegen und wie ich daraus schöpfen kann. Aber das ist die falsche Richtung für eine, die genug hat von den tröpfelnden Rinnsalen, die sich endlich verströmen will und deren Ziel das große Ganze ist.

Praktischerweise hat Konfuzius auch gleich das Gegenteil von sich selbst behauptet:

„Nur wer mit dem Strom schwimmt, wird das Meer erreichen.“

Wer also ans Meer, wer ins Meer will, die muss mit dem Strom schwimmen. Das ist nicht weniger anstrengend als flussaufwärts. Denn auch meerwärts heißt es, den Kopf oben, den Überblick behalten und nicht in der Masse untergehen, nicht in den Netzen der Schlepper landen.

Sonst ist alles kraftzehrende Schwimmen völlig vergebens. Wer ans Meer will, braucht eine tierische Kondition.

Unterwegs ans Meer meiner Träume bin ich durch Rinnsale, durch Bäche, durch Flüsse geschwommen, beinahe in den Stromschnellen an Felsen zerschellt, bin festgesessen in geschlossenen Schleusen und fast ertrunken im Strom der Erschöpfung.

Es war nicht immer schön, das viele Kopfunter, das lange Strampeln auf dem Trockenen. Auch das dumpfe Dümpeln im trüben Teich, dem ich zu Beginn in grandioser Verirrung ozeanische Ausmaße andichtete. Ich wäre fast darin erstickt.

Aber es war wohl alles wichtig.

Noch bin ich nicht am Ziel, kann das Meer noch nicht sehen. Doch es ist nicht mehr weit. Alles ist im Fluss. Noch ist es anstrengend, und ich robbe bisweilen mit letzter Kraft. Aber ich bin gut unterwegs, und ein Ende dieser beschwerlichen Reise ist in Sicht. Ein paar große beängstigende Anstrengungen noch, dann …

Ein Aufatmen, ein frischer Wind um die Nase, ein neuer Horizont vor Augen – bald!

Mittlerweile bin ich mit allen Wassern nicht nur gewaschen. Deswegen soll mein Motto für das Jahr 2015 auch etwas mit dem Meer zu tun haben. Ich habe verschiedene Textstellen gefunden:
  1. Das Meer verweigert auch den kleinsten Flüssen nicht den Zutritt. Daher seine Tiefe. (aus Japan)
  2. „Einmal ans Meer gelangt, sprichst du nicht mehr von Nebenflüssen.“ (aus Persien, von Sufi-Meister Hakim Sanai, 12. Jhdt.)
  3. „Wer die schiere Weite des Meeres erfahren hat, dem gefällt kein anderes Gewässer mehr.“(aus China)
Alle Varianten sind scheinbar ähnlich, haben für mich aber in Nuancen unterschiedliche, fast gegensätzliche Bedeutungen.

Im japanischen Sprichwort und in der chinesischen Version steckt das hierarchiefreie Nebeneinander von verschiedenen Aspekten mit unterschiedlichen Qualitäten. Auch Kleines ist unverzichtbar, weil Großes sonst nicht möglich wäre. Weil auch die kleinen Gewässer als Wegweiser, Richtungsgeber und Bestandteil des Ganzen wichtig sind. Kein quantitatives Mehr oder Weniger, kein wertendes Besser oder Schlechter – einfach ein qualitatives Anders, ein gleichberechtigtes 'sowohl als auch'. Das mag ich.

Das arabische „nicht mehr sprechen von“ mag bedeuten, angesichts des ozeanisch überwältigenden großen Ganzen, den lästigen Kleinkram, der unterwegs so bedeutungsschwer war, nun anders einzuordnen, für weniger wichtig zu halten und die Mühsale des Wegs vergessen zu können, wenn man am 'höchsten' Ziel angelangt ist. Das finde ich in Ordnung, alles zu seiner Zeit.

Es könnte aber auch bedeuten, die kleinen Flüsse für unwichtig zu erklären, sie einem höheren Ziel zu 'opfern'. Den plätschernden Schwätzern keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken, wenn „das einzig Wahre“ gefunden ist. Das ist diskriminierend. Das mag ich nicht so. Denn auch der Weg ist das Ziel.

Mir gefällt eine weitere chinesische Variante am besten, weil sie alle Deutungen in sich birgt, eine wertfreie Mischung der anderen Zitate ist:

„Wer einmal das Meer gesehen hat, 
betrachtet die kleinen Flüsse mit anderen Augen.“

Wer das Große kennt, für den haben Kleinigkeiten eine andere Bedeutung. Die Erfahrung macht den Unterschied.

Zum großen Wasser will ich hin. Den Spätsommer und den Herbst meines Lebens verbringen. Bei Vollmond auf dem Steg am Wasser sitzen, die Füße im salzigen Nass erfrischen. Ob mich die kleinen Wässerchen dann noch werden trüben können, das wollen wir doch mal sehen.

Damit ist mein Jahreszitat für 2015 gekürt und erklärt.

Die kommenden zwölf Monate werden zeigen, was an Deutungsmöglichkeiten und Bedeutungen sonst noch darin steckt.
Vielleicht habt IHR ja auch noch eine Idee? Lasst es mich wissen!

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Mittwoch, 18. Dezember 2013

Jahreszitat 2014 – die Gewinnerin!

Vor ein paar Tagen habe ich mein Thema für das kommende Jahr bereits vorgestellt:

"Some of the most wonderful people 
are the ones who don't fit into boxes."*

Dieses Zitat von Tori Amos soll 2014 der Leitgedanke im Büro für besondere Maßnahmen sein. Und wie immer, habe ich mir auch in diesem Jahr etwas dabei gedacht:

Es ist ein menschliches Bedürfnis, Dinge zu betrachten, einzuordnen und abzulegen. In Schränken, Schachteln, Schubladen, Kisten, Boxen. Das kann das Leben erleichtern, es kann bisweilen lebensnotwendig sein – unser Gehirn macht es sogar automatisch, ohne dass wir uns explizit entscheiden müssen. Auch ich bin dagegen nicht gefeit.

Passt in keine Schublade: das BfbM

Trotzdem: Ich möchte es mir nicht zu einfach machen. Schubladendenken ist nicht nur bequem, es kann auch sehr respektlos sein. Es macht schon Arbeit, jederzeit – mit allen Sinnen – allen Dingen gegenüber, vor allem aber mit allen Menschen acht- und aufmerksam zu sein und genau hinzuschauen, ob sie oder er oder es sich in irgendeiner Hinsicht verändert hat.

Es verändert sich ständig etwas. Immer. Auch wenn etwas oder jemand schon längst in einer Schublade steckt, verändert sie oder er oder es sich trotzdem. Ständig. Things change. Das liegt in ihrer Natur. Die einen schneller, anderes langsamer. Manches nur um Nuancen, anderes revolutionär (Das Wort revolutionär benutze ich hier im originären Sinne von „umwälzen, sich drehen, erneuern, auf den Kopf stellen“).

*Einige der wunderbarsten Menschen sind diejenigen, 
die nicht in Schubladen passen.

Mein Leben lang wurde ich von ignoranten Mitmenschen, denen ihre persönliche Bequemlichkeit über ein respektvolles Miteinander geht, in unpassende Schubladen gesteckt. Ich habe sehr viel Energie und Mühen darauf verwendet, aus den Schubladen wieder herauszukommen. Weil deren Schubladen nicht meine waren, weil ich mich darin nicht wohl fühlte, weil ich an allen Seiten überquoll und weil es höllisch wehtat und mich verletzte, wenn die Schublade geschlossen werden sollte: Ich musste mich sehr verengen und ganze Teile von mir abschneiden, um auch nur ansatzweise darin Platz zu finden. Ich hatte Angst, dass die einengenden Schubladen auf mich abfärben könnten. Und ich hatte Angst, darin zu ersticken.

Mein Leben lang bin ich aber auch immer wieder ganz wunderbaren Menschen begegnet, denen es ebenso erging und ergeht wie mir. Das sind Begegnungen, von denen ich mich so sehr beschenkt fühle, dass nicht mal eine Schublade voll Diamanten für jede einzelne miteinander verlebte Sekunde das jemals aufwiegen könnte.

Mein Jahreszitat für 2014 ist ein großes Dankeschön an all die wunderbaren schubladenlosen, schubladenfreien und schubladenbefreiten Menschen, die zu meinem Leben gehören, meine Wege begleiten, mein Herz beschenken und meinen Alltag bereichern.

Ich liebe Euch!

Wir sind die „Nicht-in-Schubladen-Passenden“ - zumindest nicht in die konventionell vorgesehenen oder erlaubten. Wenn wir uns dennoch mal in eine stecken (lassen), dann nicht für lange Zeit. Wir hüpfen mal in diese, schlüpfen mal in jene Lade, hopsen gleich wieder heraus oder bleiben mal ein bißchen länger drin liegen, um uns auszuruhen – aber nur ungern zweimal in dieselbe. Immer weiter, ladenlos!

Egal was wir tun – es ist immer unsere freie Entscheidung. Im allgemeinen kommen wir aufs Prächtigste ohne Schubladen oder Etiketten aus.

Das ist gut so und das soll auch so bleiben.

Den kleinen Wettbewerb der vergangenen Woche hat Regenfrau gewonnen. Mit ihrem hinreißenden Argument, dass schlecht auf Bäume klettern kann, wer eine Schublade in der Hand hält, zaubert sie mir ein beständiges Lächeln auf die Lippen.

So isses.

Liebe Regenfrau, das exklusive Schreibgerät aus dem Büro für besondere Maßnahmen ist auf dem Weg zu dir!

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Donnerstag, 12. Dezember 2013

Most wonderful people

Keine drei Wochen mehr, und Zwanzigdreizehn ist vollbracht.

Zwischen Barbarazweigen und Santa Lucia habe ich ein bißchen Zeit, um über mein Thema für das kommende Jahr nachzudenken.

Schon wieder ein Neues, obwohl ich das diesjährige noch gar nicht erfüllt habe? Ich bin das ganze Jahr über noch auf keinen einzigen Baum geklettert!

Die bisher einzige Unternehmug in 2013, die auch nur ansatzweise in diese Richtung ging, war, dass ich mich in ein exclusives All-Inclusive-Luxushotel, in dem ich nicht Gast war, eingeschlichen habe, um zwei Eis am Stiel vom Buffet abzuziehen – eines für mich und eines für meine Begleitung.

Das war mit Abstand das leckerste Magnum des Jahres!

Damit ich mir nicht selbst die Möglichkeit nehme, auf Bäume zu klettern so oft ich will, habe ich beschlossen, dass das Jahreszitat 2014 eine Art Verlängerung von 2013 wird – ich kann halt auch so schwer aus meiner Haut ….

Es wird erweitert um die wunderbare Erfahrung, dass es mir selbst an ganz unerwarteten Orten meist gelingt, ganz wunderbaren frechen Frauen und anderen Menschen zu begegnen. Solche, mit denen ich dann auf Bäume klettern möchte oder für die ich ein Langnese Eiskrem stibitze:

Some of the most wonderful people 
are the ones who don't fit into boxes.*

Das Zitat wird Tori Amos zugeschrieben. Ich habe lange gesucht, aber nicht herausfinden können, an welcher Stelle sie es erstmals sagt oder singt oder schreibt. Vielleicht kann ja eineR von euch mir auf die Sprünge helfen?


Es gibt auch wieder einmal etwas zu gewinnen: Diesmal einen schicken, wunderbar fließend schreibenden Kugelschreiber mit der Augen-Rosen-Katze und dem Jahreszitat 2014 aus dem Büro für besondere Maßnahmen.

Ihr könnt an der Verlosung teilnehmen, indem ihr unter diesen Beitrag einen Kommentar postet zum Thema „Schublade“. Es ist nicht notwendig, das Rätsel zu lösen (wäre aber toll, wenn das jemandem gelingt)!

Einsendeschluss ist Dienstag, der 17. Dezember um 23:59 Uhr. Bekanntgabe der GewinnerIn erfolgt am nächsten Mittwoch, also am 18. Dezember 2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

– und, ja! Dieser Kugelschreiber ist ein exklusives, speziell für diesen Anlass angefertigtes Einzelstück – ein kleines Danke an all meine treuen und sporadischen, zufälligen und absichtlichen LeserInnen!

Viel Glück und viel Spaß!


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Einige der wunderbarsten Menschen sind diejenigen, die nicht in Schubladen passen.



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