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Dienstag, 22. September 2009

in memoriam – katzengeschichte no. 2

bis vor kurzem hatte ich zwei katzen, nicht bloß eine. katztier no. 1 holte ich aus dem tierheim berlin-lankwitz, damals, im september 1990. das war kurz nachdem ich aus japan zurück war - und kurz vor dem großen deutschen einheiz-gedöns.

drei monate war sie alt. schildpatt-schwarz mit großen bernsteingelben augen und wunderschön saß sie allein in der engen tierheimbox und schnurrte mit dem schnäuzchen am gitterdraht entlang. „die da ist schön, die nehm' ich“ - mit diesen worten besiegelte ich eine fast zwei jahrzehnte dauernde lebensgemeinschaft.

ich transportierte das quirlige tierchen in einem plastikcontainer den ganzen langen weg zurück von lankwitz nach neukölln mit bus und s-bahn und u-bahn. sie war sehr gesprächig unterwegs und unterhielt halb berlin. dabei sagte sie nicht „miau“, wie andere katzen, sondern „miiiiee“.

auch, als ich sie später zu hause immer wieder fragte „kätzchen, wie heißt du denn?“ - da war die antwort jedes mal „miiiee“. tagelang. so nannte ich sie dann auch. MII. in japanisch bedeutet das „schön, die da“. und genau das waren ja meine worte gewesen im tierheim, mit denen ich die pflegerin bat, mir bitte genau diese mii-zeh-katze zu vermitteln. also nannte ich sie mii. hintendran hängte ich die japanische kosesilbe CHAN. nicht das distanzierte SAN. also mii-chan. in den katzenpass trug ich mii-zeh maier ein. nicht mii-chan, weil das ihr kosename war, den benutzten wir nur "en famille". ihr offizieller name war mii-zeh, „die ehrenwerte mii“. maier mit nachnamen. denn ordnung muss sein, sie war im mai geboren, und auch ein katztier braucht einen nachnamen.



mii-chan war eine ganz besondere katze. trotz ihres profanen nachnamens. sie war der fleischgewordene beweis für die redensart "wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufstellen". mit gelassener selbstverständlichkeit postierte sie sich in der geometrischen mitte eines jeden raumes. oder im goldenen schnitt zwischen allen anwesenden.

außerdem konnte sie mehrstimmig schnurren. quasi mit sich selbst im duett - inklusive obertönen. und sie hat geschnarcht, ganz entzückend. wie ein kleiner mercedes benz diesel.

mii-chan ist mehr als ein halbes dutzend mal mit mir umgezogen, kreuz und quer durch die republik. diese zigeunerkatze war überall zu hause und oft wochen-, ja monatelang allein unterwegs. sie ist doch immer wieder zu uns zurückgekommen. wo immer sie war, war auch ein miezhaus.

als wir in süddeutschland beim radio arbeiteten, da hat sie mich des öfteren zum bahnhof begleitet. im morgengrauen um halb fünf, wenn ich zur nachrichtenschicht ins funkhaus ging. einen halben kilometer zu fuß durch unser wohndorf bis an die fußgängerbrücke zum bahnsteig. da blieb sie sitzen, schaute zu, wie ich in den zug stieg. dreiviertel fünf. sie drehte sich um und ging zurück, bevor der zug losfuhr. wenn ich heimkam nach der letzten redaktionssitzung am nachmittag, lag sie schlafend unter meinem schreibtisch.

einmal wurde mii-zeh maier entführt. das war damals im sozialen brennpunkt in berlin-neukölln. durchs küchenfenster hatte ich sie gerade eben noch gesehen, wie sie vier stockwerke tiefer unten auf dem hinterhof ihr revier inspizierte. minuten später klingelte das telefon, die türkengang aus dem kebab-salon vom reuterplatz: „wir haben ihre katze gefunden. wir wollen finderlohn. mindestens 50 mark. sonst schmeißen wir die katze auf die straße.“ ich war noch studentin. so viel geld hatte ich gar nicht mehr im portemonnaie. aber natürlich ging ich erst mal runter, da standen die kerls, feixend. und der ganze muslimische anhang feixte mit. pardon. der ganze anhang mit migrationshintergrund. samt kebapsalonbesitzer. alle feixten sich eins. ich hatte noch zwanzig mark. mit mühe konnte ich das lösegeld auf genau diesen betrag herunterhandeln. döner kebap habe ich dort nie wieder gegessen.

andere frauen haben kronjuwelen. ich habe katzen.

mii-chan war die mama von mafia cioccolata, meinem katztier no. 2.

heute ist es genau ein halbes jahr her, dass mii-zeh uns verlassen hat. kein anderes lebewesen war mir jemals so lange so nah wie diese katze: wir hatten mehr als achtzehneinhalb gemeinsame jahre, und es war das erste mal für mich, dass ich ein geliebtes wesen in den tod begleitet habe.

woran sie letztlich gestorben ist, bleibt nur zu vermuten. eine hüftarthrose hatte sie schon lange, die chronischen schmerzen wurden mit medikamenten gelindert, um sie beweglicher zu halten. so konnte sie immer noch allein aufs fensterbrett hüpfen. mit stop-over auf dem stuhl, den ich ihr beflissen hinstellte.

ein katzenbiblisches alter hatte sie mit ihren fast neunzehn jahren. ihre letzte nacht war grausam schwer, mit atemnot, keuchen und lähmung der hinterbeine: da habe ich sie sonntag früh in die notfallpraxis gebracht.

sie war schon so kühl, dass nicht einmal mehr das fieberthermometer reagierte. es gab nichts, das ihr leiden mehr als nur ein paar tage verlängert hätte. da habe ich sie einschläfern lassen.der fremde arzt war sehr freundlich und sehr respektvoll.

hypertrophe kardiomyopathie und sattelthrombose hat er als todesursache vermutet. dazu passte mii-chans verhalten in ihren letzten tagen, der kleine schlaganfall. was katzen nicht alles kriegen können ....

sie starb 22. märz 2009. das ist gleichzeitig auch der geburtstag meines besten, langjährigsten freundes. das wundert mich nicht: mii-chan war immer eine diva - so hat sie auf ihre eigene katzenweise dafür gesorgt, dass ich sie nie vergessen werde.

nicht, dass das nötig gewesen wäre: noch heute sehe ich ihren schatten fast täglich um die ecke huschen, aus dem augenwinkel.


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Freitag, 7. August 2009

wunder no. 1: katzenschnurren

katzen haben eine unglaubliche art der kommunikation: sie schnurren. dabei vibrieren sie warm und wohlig in einer niedrigen frequenz von - so wikipedia - 25 bis 150 hertz, hauskatzen bleiben bei 25 hertz.

katzen schnurren in allen möglichen und unmöglichen situationen: wenn es ihnen gut geht oder wenn es ihnen nicht gut geht, wenn sie hunger haben oder wenn sie satt sind, wenn sie ruhen oder wenn sie wach sind. wenn sie ihre beute beobachten, verspeisen oder verdauen, dann schnurren sie auch.

katzenschnurren vermittelt wohlbefinden und entspannung, es lindert stress und hilft knochen heilen. in der katze drin und direkt an der katze dran. ihr schnurren pflanzt sich durch ihren ganzen körper auf unseren ganzen körper fort und wirkt genau an der arthritischen stelle, wo es dringend gebraucht wird. deswegen ist es immer gut, sich eine schnurrende katze auf die oberschenkel zu setzen - auch wenn unser akuter schmerz vielleicht in der schulter sitzt oder im ellenbogen. das schnurren kommt trotzdem an!

wie die katzen das machen mit dem schnurren, das hat die wissenschaft noch nicht herausgefunden. hah, wie denn auch?! schnurren ist schließlich ein wunder, und für wunder ist die wissenschaft nicht zuständig. immerhin - die wikipedia kennt fünf verschiedene theorien, wie das katzenschnurren zustande kommen könnte. aber genau wissen tut die wissenschaft nix!

das eigentliche schnurrwunder ist, dass katzen sowohl beim einatmen als auch beim ausatmen schnurren und sogar auch dann, wenn sie die luft anhalten. schnurren ist also quasi eine zirkuläre angelegenheit, ungefähr so wie didgeridoo blasen - und damit sind wir schon ziemlich nahe am groben unfug.

kommen wir aber nun zum allergrößten wunder, was das katzenschnurren angeht: es wird nicht nur taktil durch direkten körperkontakt und auch nicht nur akustisch über die ohren übertragen:
katzen schicken ihr schnurren telepathisch durch den äther und sind auf diese weise weltweit miteinander vernetzt! dadurch fühlen sie sich geborgen und in der welt aufgehoben und erwünscht.

wer also zum beispiel in berlin-köpenick eine wohnzimmersofakatze zum schnurren bringt, der kann damit einen halb verhungerten kater auf einem müllhaufen in bangkok glücklich machen, weil die köpenicker sofakatze ihr wohlbehagen per katzenschnurrtelepathie zum beispiel direkt telepathisch nach bangkok verschifft. der thailändische müllkater besitzt - wie alle katzen auf der ganzen großen weiten welt - eine spezielle katzenschnurrtelepathieantenne, mit der er das auf jeden fall auch empfängt.

auf diese weise können zum beispiel urlauberInnen ihre daheimgebliebenen lieblinge trösten, indem sie einfach mal eben auf mallorca ein dahergelauf'nes katzenkind zum schnurren bringen - und schwupp! überträgt das mallorcakatzenkind sein wohlbehagen per katzenschnurrtelepathie nach berlin-köpenick aufs wohnzimmersofa, und die daheimgebliebene grämt sich nicht länger ob ihrer urlaubsbedingten einsamkeit, sondern sie fängt auch an zu schnurren und fühlt sich wieder wohl!

was nun also der wissenschaft noch viel größere rätsel aufgeben dürfte als das katzenschnurren an sich - das sind die katzenschnurrtelepathie und die katzenschnurrtelepathieantennen, mit denen alle katzen der welt untereinander in kontakt stehen. sozusagen ein globales 'interschnurrnet'.

hah! das ist demokatzisch, das ist subersiv, das ist revolutionär! wenn das der herr geheimdienst wüsste! da würden doch wohl sofort die überwachungsmiezen aktiviert. aber der herr geheimdienst weiss das nicht. und die wissenschaft hat sowieso keine ahnung. angeblich zum mond fliegen - aber noch nicht einmal so simple dinge wie katzenschnurren erklären können. geschweige denn das rätsel der katzenschnurrantennen lüften. sie werden es niemals verstehen. ganz sicher nicht. und das ist gut so.


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