Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
oder auch: "Blütenblätter des Nachts auf dem Fluss im Mondlicht"
Traditional aus China - meisterlich gespielt auf der GuZheng, der chinesischen Zither)
Ich habe eine Freundin im fernen China. Als sie damals - vor fast vier Jahren - in die nördliche Ferne des Ostens ging, nahm ich ihre Katze in Pflege - bis auch die "nach China" ging.
Duftende Schönheit aus dem Dorfe
Die Freundin kommt ein, zwei Mal im Jahr kurz nach Deutschland. Manchmal sehen wir uns dann. Manchmal weiß ich auch gar nichts davon, weil sie sich nicht meldet. Denn alle wollen sie sehen und sie hat gar nicht genug Zeit, hetzt nur von einem Termin zum anderen.
Das freut mich.
Versteht mich nicht falsch, ich vermisse sie schmerzlich. Vor allem vermisse ich ihre klugen, blitzenden Augen. Ihre tiefgründigen Fragen. Ihre witzigen Erzählungen. Ihren Respekt. Ihre Sicht der Dinge.
Ich vermisse sie täglich. Jeden Tag aufs Neue.
Aber ich freue mich unendlich darüber, weil ich ihr so wichtig bin, dass sie eine Begegnung mit mir nicht als hektischen Pflichttermin zum Abhaken auf der ToDo-Liste zwischen andere quetscht.
Wenn wir uns sehen, bringt sie viel Zeit mit, und wir sind beide ganz und gar beieinander. Mindestens einen halben bis dreiviertel Tag lang. Inklusive mindestens einer gemeinsamen Mahlzeit.
Ungefähr fünf bis sechs ungestörte Stunden brauchen wir, um uns gegenseitig auch nur ansatzweise auf den Stand der Dinge zu bringen. Bis wir wieder wissen, ob und wie die andere sich verändert hat, wer da jetzt gegenüber sitzt. Dann reden wir, wir weinen und lachen - und ich bin unendlich dankbar für das, was wir miteinander haben. Selbst wenn das vielleicht nur noch alle zwei Jahre stattfindet. Niemals bin ich böse oder enttäuscht um das, was ich vielleicht gerne hätte, aber nicht kriegen kann.
Auch das ist Freundschaft:
Freundschaft nach chinesischer Art:
Klar und durchscheinend wie eine Tasse Tee,
so dass man den Grund schauen kann.
Im Herzen ist die Freundin mir ganz nah und klar. Immer. Ganz egal, wie lange oder wie weit sie fort ist.
es soll ja menschen geben, die ihren geburtstag am todestag einer namensvetterin feiern.
sicher eher zufällig, denn genau wie jeden tag auch noch irgend jemand anders geburtstag hat, stirbt auch täglich irgend jemand anders - das kann eine nicht immer wissen.
Colette (Meilland 1994)
dann wiederum gibt es freundinnen, die genau das bemerken und mit einem freundlichen zitat kommentieren:
Mon Dieu! Que la vieillesse est donc un meuble inconfortable! *
(Colette - in: Correspondance, le 5 décembre 1949)
alles gute!
*
Was ist doch das Alter für ein unbequemes Möbelstück!
weniger als 100 stunden sind noch geblieben von 2011. es gilt, sie sinn- und liebevoll zu verbringen. ich habe da so diverse rituale, mit denen ich 'das alte jahr aufräume'.
jahresendrose 2011
eines davon: ich zähle meine rosen und lasse ihnen eine letzte aufmerksamkeit an-gedeihen. in diesem jahr habe ich mich von einigen getrennt, weil sie sich in den kübeln auf dem garagendach nicht mehr so recht wohlfühlten. sieben dornenfeen sind mir geblieben, schön und duftig, mit allem rosenrecht.
eine meiner sieben lieben trägt meinen namen und kam auf den markt im selben jahr, als ich von berlin hierher in den rosenwarmen südwesten der republik zog. die 'mo jour-rose' (in echt heißt sie natürlich ein kleines bißchen anders) hat das ganze jahr hindurch geblüht und tut es in diesem winter wundersamerweise immer noch. so lange dieses rosarosenrot so stark und so gesund ist, geht es mir im grunde gut und werde ich immer da wohnen bleiben, wo ich möchte. da bin ich mir sicher!
jahresendritual nummer 2: ich 'sortiere mein leben'. dazu schaue ich mir die tagebücher und notizen des zu ende gehenden jahres noch einmal an, ordne alles schön der reihe nach und packe es in die kiste zum rest meiner vergangenheit. ausatmen. loslassen.
nummer drei ist sehr persönlich: am silvesterabend lege ich die tarotkarten für den jahreszyklus. ich schaue mir an, was das nächste jahr bringt – und packe sie wieder weg und vergesse alles …. bis ich die karten zum nächsten silvester wieder hervorhole und nachschaue, ob's gestimmt hat.
ganz wichtig nummer 4 des kleeblatts: danke sagen! allen menschen und dingen und erfahrungen und träumen und gedanken und gefühlen, die mir begegnet sind und mein leben um ein weiteres jahr bereichert haben. danke!
ich gebe zu, dass mir das nicht immer leicht fällt. besonders in diesem jahr zwanzigelf war ich entsetzlich oft mit 'überleben' beschäftigt, weniger mit 'leben'. es gab und gibt eine menge ärger, auf den ich gerne verzichtet hätte.
[und NEIN! es ist nicht ALLES leid und nicht JEDE katastrophe zu irgend etwas nütze im leben. manche prüfung mag uns zu höchstleistungen antreiben, an denen wir wachsen und reifen. aber ganz sicher nicht ausnahmslos alles. einen ständigen existenzkampf zum beispiel, den braucht kein mensch. gewalt und missbrauch auch nicht. und auch nicht diverse naturkatastrophen. haut mir bloß ab damit!]
danke sagen – das ist ein prozess. das erledige ich nicht in einer halben stunde kurz vor mitternacht. das braucht die ganze woche zwischen weihnachten und silvester. eigentlich gehört täglich danke gesagt. im alltag vergesse ich das leider oft.
deswegen kommt mein DANKE in diesem jahr ganz laut und öffentlich. hier. im büro für besondere maßnahmen.
DANKE!
von herzen:
allen leserInnen und kommentatorInnen, fans und followers hier für aufmerksamkeit, zeit und energie
den besten freundInnen für zuhörende herzen, klar sprechende lippen und liebevolle augen-blicke
den allerbesten freundInnen für stundenlange telefonate, leckere essen und das aushalten meiner tränen
all meinen rosen für den schönsten duft der welt
der treppe vorm haus, dass sie mich nur einmal schmerzhaft hat stürzen lassen und nicht noch öfter [falls ich dieses 2011 jemals in meinen memoiren erwähnen werde, dann als das jahr, in dem ich den ganzen wunderbaren sommer über nicht ein einziges mal sandalen tragen konnte wegen des nicht heilen wollenden knöchels von mai bis oktober]
meinen kursteilnehmerinnen für kreativität und durchhaltevermögen
dem jobcenter, weil es – wenn auch widerwillig – die wohnungsmiete trotz amtlicher unangemessenheit dann doch das ganze jahr über bezahlt hat
meiner engagierten rechtsanwältin, die das jobcenter genau dazu gebracht hat, ohne mir ein horrendes honorar in rechnung zu stellen
meinen neuen arbeitgeberInnen für eine wunderbare chance kurz vor dem vollenden des halben jahrhunderts (da geht es mir gut – demnäxt mehr!)
ganz vielen anderen bloggerInnen, die mir mit texten und bildern und videos viele neue wunderbare impulse gegeben haben
meiner hulatanz-meisterin, die mich viel mehr lehrt als nur die hüften richtig zu schwingen
der sonne fürs licht
den sternen für glanz
dem meer für sein ständiges rauschen, obwohl wir uns in diesem jahr gar nicht gesehen haben: ich sterbe vor sehnsucht.
meinem tinnitus, der sich davon nicht beeindrucken lässt und mich warnt, wenn ich mal wieder gefahr laufe, auf der eigenen überholspur an mir selber vorbeizuleben
danke: to be continued ....
mein motto für 2011 war übrigens bestens gewählt: „erwarte nichts. lebe genügsam von überraschungen.“ (alice walker)
das hat mich gut durchgebracht.
jetzt, gegen ende, sieht es sogar so aus, als ob ich das jahr mit satt gefüllter überraschungskiste verlasse. verhungern werde ich vorerst jedenfalls nicht.
der countdown läuft ....
keine fünfzig stunden mehr bis zum schicken schaltjahr 2012:
fangt's gut an!
gestern habe ich die schwiegerkatze wieder abgegeben. ungefähr sieben wochen hatten wir miteinander. es war oft lustig, noch öfter zärtlich und sehr verspielt.
das katzebutz hat eine katzentransportkorbphobie. es war nicht einfach, sie in das kistchen zu setzen, so sehr hat sie sich gewehrt mit zähnen und krallen.
jetzt tut‘s weh, und ich bin fast dankbar für die blutende kratzspur. der schmerz in meinem leben ist selten so sichtbar:
die katze kommt in zwei monaten zurück. die freundin, der sie gehört, werde ich für viel viel längere zeit nicht sehen.
bei youtube habe ich eine kleine videoreihe entdeckt, erst kürzlich hochgeladen - das trifft mich wie der blitz und mitten ins herz: es ist eine sendung des japanischen nationalen fernsehsenders NHK über geiko und maiko in kyoto.
oh wie spannend! habe ich gedacht. denn als studentin war ich ein jahr lang in japan. in kyoto. mehr als zwanzig jahre ist das her. oh süße, bittere erinnerung an eine schwierige und doch sehr besondere, schöne zeit.
also schau ich das video und freue mich sehr, denn es spielt in gion. das traditionellste geishaviertel der stadt. in gion spielt auch dieser spielfilm „die geisha“ mit den vielen schönen bildern (und dem sehr fragwürdigen inhalt).
in gion habe ich als studentin ein jahr lang gejobbt. in einem traditionellen teehaus. das war sehr speziell, denn so ein teehaus ist ein ort, von dem selbst japanerInnen für gewöhnlich nur träumen. da kann eine nicht einfach reingehen wie in eine kneipe. die persönliche empfehlung eines gern gesehenen stammgastes ist notwendig - sonst bleibt die tür verschlossen.
da habe ich gearbeitet. bin aus- und eingegangen. habe mit geiko und maiko und gästen geplaudert und gelacht. und die mit mir. ein jahr lang. als damals erste und einzige ausländerin. für die war ich genauso exotisch wie die für mich. wahrscheinlich hat es dort bis heute keine zweite gaijin gegeben.
ich war keine geisha. geisha sind keine huren, falls das hier irgendjemand denken sollte. in dem film kommt das so rüber. forget it. die maiko haben eine gewerkschaft, und dienstschluss ist um mitternacht.
dieses doku vom nhk: das spielt in genau dem teehaus, wo ich damals gearbeitet habe. das ist die schwester meiner japanischen 'mutter', meine geiko okamisan, die da mit einer verbeugung fröhlich sagt: „okoshiyasu yookosoo – willkommen!“ (im ersten video bei ca. 4‘15“)
sie zeigt uns ihr teehaus, das tsurui: diese lacktische habe ich poliert, auf diesen stühlen gesessen und auf diesen tatami neben den gästen gekniet; aus diesen becherchen getrunken, diese shoji zur seite geschoben; bin fast täglich durch diese hanamikoji-nebengasse gelaufen ....
das ist soooo phren, das jetzt hier in einem video wiederzufinden!
ich glaube, da will ich demnächst mal mehr von erzählen.
das war eine spannende zeit.
kurze maßnahme no 12 ist eine neue mitbewohnerin, zeitweilig. einäuglein kommt von der anderen seite des großen flusses, aus dem nahen westen.
eine sehr geliebte freundin hat mir heute ihre katze gebracht. die gute geht fort, in die weite ferne nach osten. womöglich für länger. ich werde sie sehr vermissen. die freundin.
nun schauen einäuglein und ich, ob wir solange miteinander auskommen. während die gute freundin im fernen osten ist.
das sieht schon ganz gut aus. einäuglein frisst und trinkt, schlendert durch die wohnung und gähnt auf meinem sofa, als wäre es niemals anders gewesen.
es ist ganz wunderbar, ein schnurrendes wesen im haus zu haben. endlich ist dies wieder ein miezhaus! wenn die sehnsucht nach der guten freundin zu groß wird, dann fernschnurren wir im duett bis china.
es scheint in meinem leben so zu sein, dass die namen all meiner besonderen beautiful best friends mit B beginnen. meine B-friends haben alle im märz geburtstag: der eine, wenn der frühling sich nähert. der andere ist der frühling selbst:
zu einem ganz besonderen geburtstag also wieder einmal eine kleine hommage, eine kurze maßnahme voller glück, dass es diesen menschenmann in meinem leben gibt: einer, der nicht nur selbst so ist, wie er ist – sondern auch mir erlaubt, die zu sein, die ich bin – und das seit mehr als einem vierteljahrhundert!
lieber B, deinhappy B-day! ist mein happy B-day – auch wenn wir den nicht am selben B-EACH verbringen. meine besten wünsche für dich im musikalischen dreieck zwischen paris, sylt und japan!
BE who you are know your name and go your own way
(kurzes aufblitzen von erinnerung an eine nacht unter freiem himmel auf dem olymp bei fool moon - wo beim sonnenuntergang hinter stacheldraht die götter vor dem fernseher saßen und fußball schauten)