Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
wie ihr euch denken könnt, ist die lücke in meinem leben, die im oktober durch die kündigung meiner teilzeitstelle beim verlag entstanden ist, noch längst nicht wieder gefüllt.
daher halte ich augen und ohren offen, schau mich um, versuche neues, gehe auch mal unbekannte wege …. alles wie immer, eigentlich. wenigstens langweile ich mich nicht.
eine bezahlte arbeit (die mir die butter auf die richtige seite vom knäckebrot finanzieren täte) ist dabei zwar bisher noch nicht herausgekommen - aber immerhin neue erfahrungen, was die methoden und üblichkeiten auf dem aktuellen arbeitsmarkt so angeht.
letzte woche schrieb ich eine bewerbung auf eine mini-stellenanzeige im hiesigen kostenlosen lokal-anzeigenblatt: gesucht wurde eine mitarbeiterin für den empfang in einer beratungsstelle auf 400-EUR-basis, „erfahrungen im verwaltungs- und/oder sozialen bereich von vorteil“.
na bitte, das kann ich prima machen, dachte ich: war selbst jahrelang geschäftsführerin und vorstand in einem gemeinnützigen verein im gesundheitsbereich, kann alle office-anwendungen aus dem eff², telefonieren sowieso, je nach bedarf freundlich oder auch mal resolut dreinschaun und habe obendrauf auch noch erfahrungen mit der zu erwartenden klientel - sogar aus eigener erfahrung! es ging nämlich um sucht und drogen. zudem ist mir die leiterin der beratungsstelle persönlich bekannt.
also entwarf ich einen indivuellen bewerbungstext, abgeschickt per email mit aktuellem lebenslauf und dem letzten aussagekräftigen, sehr guten zeugnis im anhang.
und?!
ihr ahnt es schon?!
es kam eine absage, ebenfalls per email, innerhalb von 24 stunden.
den text des dreizeilers lässt man sich am besten gar nicht genüsslich auf der zunge zergehen, sondern spuckt ihn gleich angewidert wieder aus:
…. leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ihre Angaben nicht völlig unseren Erwartungen entsprechen. Aus diesem Grunde können wir Ihre Bewerbung leider nicht ….
was fehlte denen denn, ich bin doch bestens qualifiziert?! ich war ziemlich wütend, holte zur beruhigung ungefähr sieben mal tief luft und habe dann die derzeitige empfangsdame angerufen. sie sei leider auch nur ausführende und mache, was man ihr aufgetragen habe, und die leitung sei sowieso erst im nächsten jahr wieder zu erreichen.
ahja.
ich bedankte mich artig für die information und riss mich schwer zusammen, nicht meinerseits die absage mit einer absage der anderen art zu beantworten:
leider leider! …. bin ich nicht fähig, Ihre mir unbekannten erwartungen ohne vorherige nähere angaben hellzusehen. ja, im grunde bin ich nicht einmal willens, in einem schlecht bezahlten aushilfsarbeitsverhältnis überhaupt irgend etwas hellzusehen! da Ihre schon im bewerbungsverfahren zutage getretenen überzogenen arbeitgeberseitigen erwartungen an u.a. hellseherische fähigkeiten einer neuen mitarbeiterin nach antritt einer stelle erfahrungsgemäß nicht auf ein erfüllbares maß gesenkt, sondern statt dessen aufrecht erhalten und häufig sogar in unverhältnismäßiger weise noch gesteigert zu werden pflegen, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich mich veranlasst sehe, meine bewerbung zurückzuziehen. bei der weiteren mitarbeitersuche wünsche ich Ihnen viel erfolg ....
das nur mal zwischendurch als nette entspannungsphantasie zur psychologisch sinnvollen verarbeitung seltsam abwertender absageantworten auf ernst gemeinte bewerbungsschreiben, in denen man sich ja für gewöhnlich echt nackig macht.
dabei hatte ich denen noch gar nicht mitgeteilt, dass mein (langjährig postalkoholischer, in einer offiziellen untersuchung nachgewiesener) IQ nur sieben punkte unter dem (gemutmaßten) IQ von albert einstein liegt.
.... und ziehe nicht monatlich deutsche euro 1000 ein!
mit gut 1500 euro brutto dotiert war die sekretärinnen-stelle, auf die ich mich kürzlich beworben habe. öffentlicher dienst, 85 % teilzeit. zunächst befristet auf viereinhalb monate. nach abzug aller steuern, abgaben und sozialversicherungen wären davon rund zwei drittel übrig geblieben. kaum mehr als mein arbeitslosengeld, aber immerhin.
um es vorweg zu nehmen: ich habe die stelle nicht gekriegt. einmal mehr heißt es also für mich: ätschbätsch! vergeblich bemüht, umsonst gehofft – alles bleibt wie es ist. es ist nicht einmal der hauch der idee einer ahnung von besserung meiner derzeitig prekären lage in sicht.
ich war eingeladen! diese unerhörte ehre ist mir in den jahren seit meinem vierzigsten geburtstag nur ganz ganz selten widerfahren. das letzte persönliche bewerbungsgespräch liegt mehr als vierzehn monate zurück.
damals hatte ich sogar eine mündliche zusage für eine der drei neu zu besetzenden stellen erhalten. wochen später lag dann doch wieder nur der ungeliebte große umschlag mit nichtssagender standardabsage im briefkasten. haha – reingefallen! auf mündliche absprachen kann man sich doch heutzutage nicht mehr verlassen, du dummerchen!
diesmal waren außer mir nur zwei andere kandidatInnen eingeladen. die derzeitige stelleninhaberin ist eine bekannte von mir. sie wird zum jahresende die stadt verlassen, hatte mir den tipp gegeben, mich zu bewerben und mich sogar ihren vorgesetzten empfohlen – da hatte ich mir realistische chancen ausgerechnet.
in den schönsten farben hatte ich mir ausgemalt, wie schön das sein könnte, nach all den jahren wieder finanziell unabhängig zu sein und nicht mehr zu diesem blöden hartz-amt zu müssen. wenn zwar auch weiterhin sparsam, so doch selbst über mein geld entscheiden zu können!
auch wenn ich dort kaum mehr verdient hätte als mein arbeitslosengeld: abzüglich der dann fälligen fahrtkosten, GEZgebühren und höherer krankenkassenzuzahlung hätte ich sogar einiges weniger gehabt als jetzt. aber egal! ich will arbeiten! für geld!
im gespräch fand ich mich gut: angemessen souverän, nicht zu dick aufgetragen, meine hochbegabung nicht raushängen lassen. immer gut blickkontakt gehalten, auch mal gelacht, bei fangfragen weder patzig geworden noch aufmüpfig.
tja. ich war wohl gut – aber nicht gut genug.
fairerweise kam die telefonische absage noch am selben tag. man habe lange diskutiert und die entscheidung sei sehr schwer, dann aber doch auf die mitbewerberin gefallen: weil die mehr 'vom fach' sei.
aha. mal wieder so eine typisch deutsche absage: wer einen schein hat mit stempel drauf gilt als 'vom fach'. jahrzehntelange erfolgreiche erfahrung ohne schein mit stempel gilt nicht als 'vom fach'.
am telefon habe ich mich noch sehr zusammengerissen. diese eiskalte personalerblondine wollte ich auf keinen fall merken lassen, wie sehr ihre absage mich in einen abgrund der hoffnungslosigkeit stürzte. ich blieb höflich, korrekt und freundlich, bedankte mich sogar für den schnellen bescheid und die persönlichen worte.
nachdem ich das telefon abgestellt hatte, ging gar nix mehr. meine perspektive war futsch, meine façon auch und ich habe den nachmittag, den abend und die nacht durchgeheult. bin mit tränen im gesicht wach geworden und habe mir den frühstückskaffee versalzen.
soll ja ganz gut sein, wenn man gleich weinen kann, weil es den ganzen psychostressdreck rausspült aus körper und seele. bloß ist in meinem leben schon seit langem immer so dermaßen viel psychostress, dass ich mich innerhalb der letzen jahre nicht an einzigen tag erinnern kann, an dem ich nicht zumindest eine zeitlang heulend in der ecke gesessen wäre. oft waren es eher zwei zeiten lang oder mehr.
so viel augenantifaltencrème kann ich gar nicht benutzen, um diese tränensäcke jemals wieder auszubügeln. hartz4 macht häßlich!
im lauf des vormittags spürte ich, wie meine verzweifelte enttäuschung sich allmählich in wut verwandelte. wie konnten die sich das nur entgehen lassen?! diese einmalige chance?! mich hochqualifiziertes goldschatzstück zu einem solchen dumpinglohn?! pah! selber schuld!!
jetzt, aus etwa dreißig stunden abstand betrachtet, war dieses bewerbungsgespräch eines der fiesesten, die ich jemals erlebt habe.
habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich mich auf ein hochschul-sekretariat mit publikumsverkehr beworben habe? dass in der 'prüfungskommission' zwei lehrstuhlinhaberinnen, die personalerchefin und eine personalrätin saßen?
die vier haben es nicht einmal gemeinsam geschafft, mir auch nur ansatzweise mitzuteilen, welche aufgaben ich dort eigentlich zu erfüllen gehabt hätte. es gab nicht eine einzige frage, in der eindeutig nach für die zu besetzende stelle notwendigen qualifikationen gefragt wurde.
statt dessen spielten sie mit mir spekulatives stehgreiftheater:
„stellen Sie sich vor, Sie kommen an ihrem ersten arbeitstag hierher und niemand ist da. die ganze hoschschule ist leer. wie kommen Sie an die informationen, die Sie brauchen, um Ihre arbeit zu erledigen?“ wie bereits gesagt, man hatte mir weder mitgeteilt, was denn meine arbeit eigentlich sei – noch wie die aufgaben unter den insgesamt drei fakultätssekretärinnen aufgeteilt sind.
ich sagte nicht, dass ich wohl kaum ins gebäude reingekommen wäre, wenn nicht einmal der hausmeister da wäre. ich habe auch nicht gesagt, dass ich mich dann erst mal hinsetze und in meinem eigenen kalender nachschaue, ob ich mich vielleicht im datum geirrt haben könnte und aus versehen an einem sonntag gekommen bin. erst recht nicht habe ich gesagt, dass ich mir dann erst mal nen kaffee kochen, ne halbe stunde warte, ob noch jemand kommt und – wenn das nicht der fall sei, stinkesauer wieder heimgehen würde. unausgesprochen blieb auch, dass ich es für ausgesprochen unkollegial hielte, mich an meinem ersten arbeitstag ohne einarbeitung so dermaßen auflaufen zu lassen. für mich wäre das ein kündigungsgrund.
„was tun Sie, wenn einer der professoren Sie unangemessen laut und ungerecht vor anderen herunterputzt und niederbrüllt?“ - „wie gehen Sie damit um, wenn eine professorin merkt, dass Sie gerne texten und Ihnen immer öfter solche aufgaben überlässt? zusätzlich?“ - „was machen Sie, wenn dann auch die kollegin merkt, dass Sie das gut machen und neidisch wird, weil Sie bei den professoren so gut dastehen?“
solcherlei fragen ließen mich vermuten, dass es sich bei der ganzen abteilung in der tat um einen ziemlich unkollegialen haufen durchsetzungsunfähiger profilneurotiker und pädagogisch wertloser choleriker handelt. insgesamt hatte ich den eindruck, dass hier nicht eine sekretärin gesucht wurde, sondern eine konfliktmanagerin und mediatorin, die den kommunikationsstau gegen größte widerstände wieder in fluss bringen soll.
„.... und wenn die kollegin Ihnen dann auch noch textaufgaben zuschustert, weil Sie weiß, dass Sie das gut können und sie selbst macht es nicht so gerne?“ - „.... und wenn Sie so viel texten, was ja keine klassische sekretariatsaufgabe wäre – würden Sie dann nicht mehr geld haben wollen?!“ - ja wie jetzt?! ziehen die mir geld ab, wenn ich mal zwei stunden mit niederqualifiziertem fotokopieren zubringen muss?!
„.... es wird niemand mehr da sein, der Sie einarbeiten kann, wenn Sie im januar hier anfangen. wären Sie bereit, im monat vorher 'sich einzubringen' (ohne bezahlung versteht sich!) und sich das wichtigste zeigen zu lassen?“
ja. gegen jede überzeugung, dass einarbeitung zur arbeitszeit gehört: ich wäre dazu bereit gewesen, als diese frage im bewerbungsgespräch gestellt wurde. ich wollte die stelle. ich wollte arbeiten.
aber jetzt, nachdem ich mich noch einmal gut sortiert und alles revue habe passieren lassen, bin ich geradezu dankbar, dass ich diesen job in einer so staubig unkollegialen atmosphäre nicht werde machen müssen. das riecht doch geradezu nach kompetenzrangelei, respektloser unachtsamkeit, diffuser überforderung und mobbing schon im ansatz. typischer frauenjob eben. mit typisch niedrigem frauenlohn obendrein.
bei allem inneren aufruhr, übrigens, war ich nicht eine sekunde damit beschäftigt, darüber nachzudenken, ob ich diese blöde katastrophe in einer badewanne voll schampus ersäufen soll und mich gleich mit.
ich stelle also fest, dass ich über eine ganz erstaunliche resilienz verfüge. das macht mich nicht reich – aber stark. und es bereichert mein leben!
postscriptum am 17. dezember 2009:
die geschichte hat eine fortsetzung
ende september: ein heiterer, sonniger tag – und dann die schmach im briefkasten! der gefürchtete große umschlag vom potentiellen arbeitgeber meines vertrauens. mit all meinen unterlagen drin und einem kurzen anschreiben: „.... müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir das aufgabengebiet an eine mitbewerberin vergeben werden ....“
dieser satz an sich ist schon etwas seltsam und ich grüble lange nach über die darin verborgene bedeutung. man wird also das aufgabengebiet erst später vergeben. wieso kriege ich dann jetzt schon eine absage? ist es nun entschieden oder nicht? ist es eine rücksendung meiner bewerbung vorab mit der botschaft „wir nehmen lieber irgendeine andere, aber Sie auf gar keinen fall?“ oder ist es ungeschicktes verwaltungsdeutsch und sagt das übliche „wir haben uns für eine mitbewerberin entschieden, aber die tinte unter dem vertrag ist noch nicht ganz trocken"?
fünf wochen haben sie sich dafür zeit gelassen, und ich hatte schon längst befürchtet, dass es – wieder einmal – eine absage wird. meine erfahrung sagt, dass einladungen zum vorstellungsgespräch immer ganz schnell kommen, meistens postwendend. entweder sie wollen eine oder sie wollen eine nicht.
diesmal wollten sie mich – mal wieder – nicht, und ich frage mich natürlich – mal wieder -, ob es an mir liegt? was habe ich diesmal falsch gemacht? zuviel geschrieben? zu wenig? das falsche? das falsche bild ausgewählt für die beworbene stelle? zu bunt? zu schwarzweiß? bin ich zu alt? nicht flexibel genug? zu progressiv? nicht kreativ genug? zu kinderlos? zu unverheiratet?
einzig 'zu sehr frau' war ich dieses mal nicht, denn man verweist explizit auf eine bevorzugte mitbewerberin. das beruhigt mich fast ein bißchen.
ich gebe mir große mühe, auch diese absage nicht allzu persönlich zu nehmen. schließlich war sie mehrfach gegengelesen und immer nur gelobt worden. freundInnen und bekannte reagieren jetzt solidarisch mit mir: „die wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht, wenn sie dich nicht einstellen“; „diese dummköpfe!“; „das ist wirklich nicht zu fassen bei der enormen bandbreite deiner fähigkeiten und qualifikationen.“
nun ja. das tröstet ein bißchen, aber es macht die situation nicht besser. fakt ist, dass ich wieder einmal vergeblich mir viel arbeit und mühe gemacht habe, vergeblich viel zeit und mühen auch anderer menschen beansprucht habe, vergeblich gehofft habe, dem apparat hartz4 doch noch ein schnippchen zu schlagen und diese entwürdigende situation der amtsabhängigkeit endlich beenden zu können.
die demütigende perspektivlosigkeit macht mir die größten seelischen schwierigkeiten. ich lebe in einer prekären mischung von aggression und depression. zähneknirschender hass und verheulte verzweiflung wechseln sich ab. früher war ich mal ein neugieriges, humorvolles, zuversichtliches wesen. ich habe gern gelacht und hatte vor kaum etwas angst. heutzutage ist in meinem synaptischen spalt für positives kaum noch platz, so sehr haben sich die negativen gefühle dort eingegraben.
es tröstet mich auch nicht, dass es millionen anderen menschen in diesem land ähnlich geht. das macht es eher schlimmer: welch eine verschwendung von menschlichem potential, von herzens- und geistesbildung, wenn man uns alle nicht unseren fähigkeiten entsprechend arbeiten lässt! oh große wut!
statt dessen erleben millionen gut ausgebildeter menschen eine nie dagewesene ausgrenzung als 'schwer vermittelbare langzeitarbeitslose', die angeblich gar nicht arbeiten wollen und frühestens um elf uhr aus den federn kommen. das macht mich traurig und wütend und zugleich hilflos und es macht mir angst. es untergräbt meinen selbstwert. ich bin nicht stark genug, all diese vorurteile einfach an mir abperlen zu lassen. aber ich arbeite daran. das kostet unser gesundheitssystem viele teure therapiestunden.
nun habe ich schon von mehreren ärztInnen und therapeutInnen gehört, dass sie immer mehr damit beschäftigt sind, die gesundheitlichen folgen – körperlich und seelisch – von arbeitslosigkeit und hartz4 aufzufangen. auch die sind wütend. eine sagte sogar, dass sie sich vom staat instrumentalisiert fühle. denn statt mit den klientInnen an deren seelischer entwicklung arbeiten und sie damit zur unabhängigkeit führen zu können, müsse sie mittlerweile den hauptteil ihrer stunden darauf verwenden, die durch arbeitslosigkeit und amtsschikanen geschlagenen depressionswunden mit therapeutischen pflastern zu verarzten.
auch hier wieder: welch eine verschwendung von menschlichem und seelisch-geistigem potential!
manchmal, dann kriege ich ganz böse paranoide gedanken, weil ich den eindruck habe, dass die regierung die arbeitende bevölkerung ausrotten möchte, nur damit die reichen immer noch reicher werden können.
unter den nazis wurden missliebige bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und sogar ermordet. heutzutage werden menschen ausgegrenzt, indem man ihnen erst die arbeit wegnimmt, ihnen dann keine neue mehr gibt und obendrein noch so tut, als seien die arbeitslos gemachten menschen selbst schuld daran, weil sie angeblich gar nicht arbeiten wollten und deswegen habe man alles recht der welt, diese angeblich arbeitsscheuen opfer von kapitalismus und profitgier auch noch zu demütigen und zu schikanieren.
früher wie heute gab und gibt es für solcherlei unmenschliche misshandlung gesetze, es war und ist alles rechtmäßig, angeblich. es läuft nur viel subtiler heute. aber die ausgrenzung funktioniert perfekt.
an dieser stelle muss ich meinen negativen gedankengang ganz dringend unterbrechen und eine kleine entspannungsphantasie einlegen:
ich könnte zum beispiel ins benachbarte, befreundete ausland umziehen. das sind nicht mal 25 kilometer von hier. wenn ich den angaben auf der webseite der französischen botschaft glauben darf, dann beträgt die grundsicherung in frankreich glatte 100 euro mehr als bei uns, also 454 euro, und vom dazuverdienst darf jedeR 62 prozent behalten und nicht bloß 15 prozent wie bei uns. das klingt schon mal sehr viel menschlicher!
zudem gilt in frankreich ein gesetzlicher mindestlohn von 8,82 euro bei 35 stunden wochenarbeitszeit. davon kann eine in einig brd nur träumen! bei uns sind löhne unter sechs euro keine seltenheit. sind denn die menschen in deutschland so viel weniger wert? wer kann davon existieren, ohne zusätzlich ergänzendes hartz4 zu beantragen? das aber bedeutet doch im klartext, dass solcherlei sittenwidrige ausbeutung durch unternehmer auch noch staatlich subventioniert wird. und das bedeutet wiederum, dass die wahren schmarotzer in diesem land diejenigen unternehmer sind, die sich darauf verlassen, dass der staat ihre ausbeutung durch die aufstockung von niedriglöhnen auf das existenzminimum unterstützt. auf kosten aller steuerzahlerInnen. und zu denen gehöre ich ja auch. trotz allem!
och menno. schon wieder bin ich in der negativdenke ein stück tiefer gerutscht.
bevor ich hier vor lauter wut noch weitere schwurbelsätze konstruiere, packe ich jetzt meine bewerbungsabsage weg, gehe eine runde spazieren im weinberg und träume von frankreich. die vogesen da drüben habe ich ja ständig vor augen. sonst halte ich's nicht durch bis zur nächsten therapiestunde in zwei wochen.