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Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

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Mittwoch, 23. April 2014

Große Frauen

Welttag des Buches am 23. April
Blogger schenken Lesefreude
Buchverlosung!

Heute vor dreihundertachtundneunzig Jahren starb William Shakespeare. So ungefähr. Dieser literarische Trauertag wurde 1995 von der UNESCO zum Welttag des Buches und des Urheberrechts erklärt.

Aus diesem Anlass haben die GeschichtenAgentin Dagmar  und Christina von Pudelmützes Buchwelten die Aktion “Blogger schenken Lesefreude“ gestartet, an der sich nun in dieser Woche mehr als 900 Blogs beteiligen und je mindestens ein Buch verlosen. Hier geht es zur kompletten TeilnehmerInnen-Liste.

Blogger schenken Lesefreude

Auch in diesem Jahr habe ich nicht lange gefackelt, mich sofort in meine umfangreiche Bibliothek begeben und ein weiteres Buch herausgesucht, das eines internationalen Welttags würdig ist:

Irma Hildebrandt, Große Frauen

„Große Frauen“, das sind 30 sehr persönliche Biographien, verfasst von Irma Hildebrandt: Sorgfältig recherchierte Porträts aus fünf Jahrhunderten von der Barockzeit bis in die Gegenwart — darunter Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Kämpferinnen für gesellschaftlichen wie für wissenschaftlichen Fortschritt. Eher unerwartete Persönlichkeiten wie zum Beispiel Goethes Mutter Katharina Elisabeth und Freuds Tochter Anna oder Bachs zweite Ehefrau Anna Magdalena; solche, die schon zu Lebzeiten berühmt waren ebenso wie jene, von denen die Welt erst nach ihrem Tod erfuhr: Maria Sybilla Merian, Fanny Mendelssohn, Berta von Suttner, Rosa Luxemburg, Käthe Kollwitz, Mileva Einstein-Marić, Helene Lange, Sophie Scholl, Anne Frank, Dorothee Sölle, Christa Wolf und viele andere ...

Irma Hildebrandt, Große Frauen, Diederichs
2008
Hardcover, 502 Seiten
ISBN 978-3720530491
Die schöne Printausgabe ist vergriffen, aktuell gibt es ein E-Book für 9,99 €.

Und, neugierig geworden auf das Buch? Dann beantwortet mir doch (m)eine Frage:

Welche bekannte Frau ist eure persönliche Heldin?
Eure große Vorbildfrau, euer best role model?

Wer das Buch gewinnen möchte, hinterlässt einfach unten einen Kommentar mit persönlicher Antwort und gültiger E-Mail-Adresse. Einsendeschluss ist Mittwoch, 30. April 2014 um 23:59 Uhr.

JedeR ab 18 Jahren darf EINmal teilnehmen. Bei mehr als einer Antwort entscheidet das Los, und der oder die GewinnerIn wird am Freitag, 2. Mai 2014 per E-Mail benachrichtigt. Ich gebe keine Daten an Dritte weiter, versende das Buch nur innerhalb Deutschlands, leiste keinen Ersatz bei Versandverlust, zahle den Gewinn nicht in bar und schließe den Rechtsweg aus.

Viel Glück!


PS.
Ich verlose noch ein zweites Buch, "Reisen in Burma" mit Deadline 23:59 am 23. April 2014 - also heute abend! Geht ruhig mal rüber ...

PPS.
Die süße Büromieze Ginivra lässt es sich nicht nehmen, ebenfalls ein Buch zu verlosen — bei ihr geht es um Literatur von, für und mit Katzen. Was sonst?!


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Sonntag, 20. April 2014

Reisen in Burma

- Verlosung zum Welttag des Buches 2014 -

Leise schmatzte der Marmor unter meinen nackten Füßen. Es war noch früh am Tag, die Sonne stand nicht allzu zu hoch. Trotzdem musste ich im Schatten bleiben, um mir nicht die Fußsohlen zu verbrennen. Meine Flipflops hatte ich am Eingang zu Hunderten anderen gestellt. Das Heiligtum wollte mich barfuß. Stufe um Stufe, Fußtaps für Fußtaps stieg ich den Hügel hinauf. Das hier war heiliger als der Kölner Dom meiner Kindheit: Die goldene Shwedagon Pagode in Yangon, der größten Stadt von Myanmar.

Reisen in Burma

Wir befinden uns im Jahr 1981. Ich war erst neunzehn. Myanmar hieß damals noch Burma oder auch Birma, die Hauptstadt war Rangoon. Mein Visum galt genau sieben Tage, länger durften Touristen aus dem Westen nicht einreisen, um die von der Militärregierung abgeschottete und auf Sozialismus getrimmte Bevölkerung nicht zu verderben.

Im Grunde wusste ich nichts von diesem Land. Ich hatte nur gehört, dass es sehr geheimnisvoll, sehr fremd und sehr sehr schön sein sollte. Im Jahr 1981 gab es weder Handy noch Internet, keine Wikipedia und kein Smartphone mit „wo-bin-ich-denn-hier-überhaupt-gelandet“-App. Ein paar vage Seiten in meinem Südostasien-Reiseführer, und ich als reiselustige Teenagerin dazwischen.

Ich war allein unterwegs und hatte noch nicht einmal einen Fotoapparat dabei. Weder sprach ich burmesisch, noch konnte ich die zauberhafte Kringelschrift entziffern. Aber ich war neugierig und wollte in der kurzen mir zur Verfügung stehenden Zeit so viel wie möglich sehen.

Meine Erinnerung an diese Woche in Birma ist inzwischen ziemlich verblasst. Nur einzelne Szenen - bunt, glasklar und mit scharfen Konturen - ragen heraus aus dem freundlichen Nebel der Vergangenheit.

Meine nackten Füße auf blankem Marmor im Schatten der goldenen Pagode ist eine davon.

Juchzende, vor Vergnügen quietschende Kinder, rittlings auf einem riesigen Wasserbüffel, der auf dem Damm eines Reisfeldes entlang galoppierte, eine andere.

Das schwimmende Kloster auf dem Inle-See ist mir wegen der vielen Katzen im Herzen geblieben. Die Mönche hatten ihnen kleine Kunststücke beigebracht. Mit der Vorführung bedankten sie sich für Spenden, und ich staunte entzückt.

In Mandalay und Maymyo gab es keine Autos. Man bewegte sich in Pferdekutschen, auf Fahrrädern und Ochsenkarren, zu Fuß. Körbeweise krabbelnde Kakerlaken auf dem Markt. Ich fragte mich damals, was die Menschen damit wohl anstellten.

Die lange Fahrt im hoffnungslos überfüllten Zug: Meinen Sitzplatz auf der harten Holzbank hatte ich nur meinem Sonderstatus als Touristin zu verdanken. Zwischen den vollgepackten Gepäcknetzen waren Schnüre gespannt, auf denen reihenweise Kohlköpfe und anderes Gemüse zum Trocknen hing. Die Toilette war besetzt von einer Ziege, drei Hühnern und einem Hahn im Korb. Im Gang, in den Gepäcknetzen, auf den Plattformen am Waggonende, sogar auf dem Dach saßen-standen-lagen Menschen. Wir mussten schließlich mitsamt unserem Gepäck durchs Fenster aussteigen, weil jeder Quadratzentimeter Boden besetzt und keinerlei Durchkommen war.

In meinen Tagebüchern von damals steht kaum etwas über diese Woche. Zu dicht war die Reise, zu groß das Unterwegssein. Zum Aufschreiben war keine Zeit geblieben. Nicht einmal ein Souvenir habe ich noch von dieser Traumwoche.

Nun gibt es ein Buch, das meiner Erinnerung ein wenig auf die Sprünge hilft. Von Alice Schwarzer und Bettina Flitner. „Reisen in Burma“ heißt es.

Es ist ein großes Buch geworden. Schwer. Und fest. Ein Bilderbuch, vor allem. Ganz altmodisch. Es ist schön. Es atmet Zeitgeschichte, es ist persönlich und dennoch nicht unpolitisch, eine Momentaufnahme. Oder vielleicht besser: Viele Momentaufnahmen. Der Versuch eines Puzzles.

Flitners Bilder aus einer verwunschenen und doch modernen Welt, die heute nicht weniger rätselhaft und widersprüchlich ist als damals: Sie ziehen in Bann und nehmen mit auf die Reise, wecken Fernweh und machen mir wehmütiges Reisefieber.

Schwarzers Texte erzählen wohltuend sanft von persönlichen Eindrücken und Begegnungen, fast zärtlich.

Das ist der Zauber von Burma. Anders als zärtlich kann man diesem Land kaum begegnen. Selbst dann nicht, wenn man weiß um die Brutalität von Geschichte und Gegenwart, um Naturkatastrophen und menschliche Grausamkeiten. Oder auch genau deswegen. Denn die Menschen selbst sind unverändert liebenswürdig, schön, stolz - und fröhlich.

Vielleicht steht auch deswegen der alte Landesname im Titel. „Reisen in Myanmar“ wäre nicht halb so poetisch.



Nun zur Verlosung:

Am 23. April vor dreihundertachtundneunzig Jahren starb William Shakespeare. Ungefähr. Dieser literarische Trauertag wurde 1995 von der UNESCO zum Welttag des Buches erklärt.

Aus diesem Anlass haben die GeschichtenAgentin Dagmar und Christina von Pudelmützes Buchwelten die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ gestartet, an der sich im vergangenen Jahr mehr als 1000 (!sic!) Blogs beteiligten, und auch das Büro für besondere Maßnahmen hatte ein Buch verlost.

Auch in diesem Jahr mache ich wieder mit und darf mit freundlicher Unterstützung des Dumont Verlags ein Exemplar des wunderbaren Burma-Bilderbuchs verlosen:
„Reisen in Burma“ von Alice Schwarzer (Text) und Bettina Flitner (Fotos)
Dumont, Köln 2012
160 Seiten, ISBN 978-3-8321-9424-6, Ladenpreis 34,95 EUR

Bis zum Abend des 23. April 2014 (Mittwoch, 23:59 Uhr) habt Ihr Zeit, teilzunehmen. Wer das Buch gewinnen möchte, braucht nur eine klitzekleine Rätselfrage beantworten:

Wie heißt die Hauptstadt von Myanmar?

Einfach die Antwort unten in einen Kommentar schreiben und dabei eine gültige E-Mail-Adresse hinterlassen (die wird nicht veröffentlicht, wenn ihr sie im entsprechenden Feld eintragt). JedeR ab 18 Jahren darf EINmal teilnehmen. Bei mehr als einer richtigen Antwort entscheidet das Los, und der oder die GewinnerIn wird am Donnerstag, 24. April 2014 per E-Mail benachrichtigt. Ich gebe keine Daten an Dritte weiter, versende das Buch nur innerhalb Deutschlands und schließe den Rechtsweg aus. Viel Glück!


Nachtrag am 25. April 2014
Zur Auflösung des Rätsels und Gewinner-Bekanntgabe geht es bitte hier entlang.

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Mittwoch, 3. Juli 2013

lebenszeichen

es ist wichtig, ganz genau und konkret zu sagen, was man sich wünscht. bestellungen ans universum sollten möglichst positiv und detailliert ausformuliert sein. zusätzlich versetze dich gedanklich und spirituell in die gewünschte situation hinein, gerade so als ob der wunsch bereits in erfüllung gegangen sei.


also nicht „ich will stark, schön, schlau & glücklich sein“ sondern „ich bin stark, schön, schlau & glücklich“. sonst bleibt die bestellung beim 'ich will' hängen, und das hilft uns nicht weiter.

das ist wichtig, damit der kosmische kellner weiß, was er servieren soll, wenn er im team mit der kosmischen weisheit und dem kosmischen terminplaner die bestellungen bearbeitet, die unsereins so ans universum schickt.

ungefähr das ist vorige woche passiert: als ich so tat, als ob ich dieses kleine rote buch noch hätte, das vor mehr als dreißig jahren im 'verlag kleine schritte' erschienen ist – 'Lebenszeichen' von Brigitte Heidebrecht – und fast fehlerfrei aus der erinnerung ein gedicht daraus zitierte.

wenige tage später erhielt ich einen wattierten briefumschlag vom universum via medimops. das kleine rote buch lag darin. für mich. wie aufmerksam! und wie schnell!

es sieht dem, das ich damals hatte, sehr ähnlich: leichter altersgilb im innern, außen der für mich typische kaffeetassenrand (ich kann doch keine heiße tasse einfach so ohne unterlage auf die tischplatte stellen).

ein lieferschein lag nicht dabei, auch kein gruß von der auftraggeberin. deswegen gehe ich davon aus, dass das kosmische dreigestirn da ganze arbeit geleistet hat. danke schön, liebes universum! ich habe mich sehr darüber gefreut.

noch mehr aber täte ich mich freuen, wenn ich wüsste, in welche richtung ich meinen dank konkret denken und senden darf. vielleicht mag diejenige ja ein kurzes lebenszeichen von sich geben?

bis dahin und für alle andern hier noch ein weiteres lieblings-lebenszeichen-fundstück – zum merken und immer wieder aufsagen, zum murmeln wie ein mantra oder zum abschreiben und an die wand pinnen:
Jetzt
Die Nacht hat sich ausgeweint
und einem blauen Himmel
Platz gemacht.
Dies ist ein Tag
der nach Aufbruch riecht.

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Dienstag, 23. April 2013

passage ins paradies

welttag des buches am 23. april
- blogger schenken lesefreude -
buchverlosung!

heute vor dreihundertsiebenundneunzig jahren starb William Shakespeare. angeblich. dieser literarische trauertag wurde 1995 von der UNESCO zum Welttag des Buches erklärt.


aus diesem anlass haben die GeschichtenAgentin Dagmar  und Christina von Pudelmützes Buchwelten  die aktion „Blogger schenken Lesefreude“  gestartet, an der sich nun in dieser woche mehr als 1000 (!sic!) blogs beteiligen und je mindestens ein buch verlosen.

da habe ich gar nicht lange gefackelt, mich sofort in meine umfangreiche bibliothek begeben und ein buch herausgesucht, das eines internationalen welttags würdig ist.

Passage im blühenden Rosmarin

dieses buch ist entstanden, weil es auf dieser welt viele menschen gibt, die nicht immer nur sesshaft ihr leben lang an einem einzigen platz hocken, sondern - aus vielerlei gründen - ihren geburtsort verlassen und woanders hingehen. weite reisen, kurze reisen, für länger oder für immer. freiwillig oder weil es dort, wo sie herkommen, sehr ungemütlich ist.

je nachdem wieviel geld sie in der tasche haben und wie lange sie bleiben, nennt man sie touristen, geschäftsreisende, einwanderer oder flüchtlinge. flüchtlinge werden in vielen ländern nicht gerne gesehen, weil sie - angeblich - nur geld kosten und nichts mitbringen. das ist leider auch bei uns und in den anderen ländern der EU so.

ich finde das ja quatsch, weil die erde niemandem gehört, und eigentlich müsste jedeR jederzeit an jeden beliebigen ort gehen dürfen. wenn mein pass nicht deutscher wäre, und wenn badisch südwest nicht zu deutschland gehörte, dann wäre ich jetzt auch ein flüchtling und würde vermutlich wieder zurück geschickt nach nordost, wo ich vorher war und nicht mehr leben wollte. aber ich habe glück: auf der fast 1000km-strecke zwischen berlin und dem Büro für besondere Maßnahmen gibt es keine staatsgrenze, und ich darf bleiben ohne visum, ohne aufenthaltsgenehmigung. einfach so und solange wie ich will. dafür bin ich dankbar.

anderen reisenden geht es nicht so gut, sie brauchen unsere unterstützung. Ute Bock in Wien zum beispiel, sie hilft flüchtlingen mit ihrem verein, organisiert spenden, bildung und soziale unterstützung.

so ist die anthologie „Passage ins Paradies“ entstanden. als buch von und für menschen, die um die welt gereist sind, um einen lebenswerten ort zu finden. es ist ein buch, das zu weltreisen im eigenen kopf verführt und nun auch selbst um die welt reisen soll - deswegen verlose ich es hier.
"Der Wind kennt keine Grenzen, und er hat keinen Pass. Er zieht über alle Länder hinweg, weht Zeitungen durch die Straßen und Düfte um die Ecke. Wir haben ihn auf Reisen geschickt. Er kam zurück mit einer ganzen Menge Geschichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten."
... schreibt der Residenz-Verlag selbst dazu und hat dreißig grenzenlose geschichten in diesem buch versammelt, von dessen erlös ein teil dem flüchtlingsprojekt von Ute Bock zugute kommt.

unter den autorInnen sind Doris Dörrie und Janosch, Christine Nöstlinger und Michael Ende. das buch ist für kinder ab 10 jahre, hat 2009 den kinder- und jugendbuchpreis der stadt wien erhalten - sprüht nur so voller lebendiger impulse und ist für erwachsene nicht weniger spannend.
Passage ins Paradies - Grenzenlose Geschichten
Hrsg. Verein Ute Bock, illustriert von Annett Stolarski
Residenz-Verlag, St. Pölten (A) 2008, ISBN 978-3-7017-2043-9
Hardcover - einmal gelesen, sehr guter zustand
wer es gewinnen möchte, schreibt einfach einen kommentar unter diesen text. einsendeschluss ist am 29.04.2013, 23:59 Uhr, die gewinnerIn wird am 30. april 2013 per los ermittelt und per email benachrichtigt, ich gebe keine daten an dritte weiter und schließe den rechtsweg aus.

viel glück!

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ps.
auch Ginivra nebenan verlost ein buch - "Die einäugige Katze" - was sonst?!

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pps am 30.04.2013
hier geht es zur bekanntgabe der gewinnerin: http://mojour.blogspot.de/2013/04/bloggerin-schenkt-paradies.html

Sonntag, 27. Januar 2013

mondyoga

eine buchbesprechung

als ich selbst vor fast 30 jahren mit dem üben von yoga begann, freute ich mich einfach, dass „turnen“ so viel freude machen und mir so gut tun konnte. zu tief saß mir die schreckliche erinnerung an die „leibesübungen“ meiner schulzeit in den knochen.

seither begleitet yoga meinen alltag. ich habe viele verschiedene lehrerInnen und unterschiedliche stilrichtungen kennengelernt. die „technik“ kann ich inzwischen gut genug, um auch alleine zu üben.

genau das aber ist es, was mir unendlich schwer fällt. allein zu hause geht es irgendwie nicht, auch wenn ausreichend zeit und schönster raum vorhanden sind. mir fehlt die energie der gruppe. eine leitung, an die ich mich abgeben kann, die mir das „denken und planen“ abnimmt - sonst kommt mein kopf nicht zur ruhe.

ich habe das home-yoga mit video versucht, mit cd, mit selbst geschriebenen listen. es hat nicht funktioniert. zeitweilig habe ich mich auf den sonnengruß beschränkt. ein paar runden gleich nach dem aufstehen sind immerhin besser als nichts.

Sabine Schmelmer, Mondyoga

im herbst 2010 entdeckte ich das blog „mondyoga“  von Sabine Schmelmer und war dermaßen beglückt, dass ich ihr eine goldene maßnahme widmete. so sehr gefiel mir die idee, täglich nicht ein ganzes programm, sondern nur wenige asanas zu üben, ganz gezielt im monatlichen zyklus des mondes.

mit der anwendung des mondkalenders im täglichen leben beschäftige ich mich seit mitte der 1990er jahre. im haushalt, beim putzen und gärtnern, bei ernährung und körperpflege richte ich mich gerne danach - und erziele damit ganz erstaunliche ergebnisse.

kein wunder, denke ich: der mond „macht“ ebbe und flut, bewegt unendliche wassermassen. auch der menschliche körper besteht zu ungefähr zwei dritteln aus wasser. warum sollte der einfluss des mondes auf das wasser und damit auf meinen körper ausgerechnet an der nordseeküste aufhören? er wirkt auf uns und alle lebewesen und pflanzen um uns herum.

nach dem mondkalender wird jedem tierkreiszeichen eine körperregion zugeordnet. mondyoga greift diese idee auf und überträgt sie auf die täglichen übungen: heute zum beispiel, an vollmond im löwen, ist der einfluss auf herz, kreislauf und blutdruck besonders spürbar.

selbst, wenn man nicht daran 'glaubt', so kann es doch nichts schaden, im vier-wochen-rund des mondes jeder körperregion einmal ganz besondere aufmerksamkeit zu widmen.

Sabine Schmelmer hat ihr mondyoga über viele jahre hinweg entwickelt, von der lose-blatt-sammlung über eine statische webseite hin zu einem fast täglich aktualisierten blog. nun hat sie ihre erkenntnisse liebevoll in einem buch zusammengefasst:

einer kurzen einführung zu yoga, mondyoga, regeln und allgemeinen hinweisen folgen die übungsvorschläge für die einzelnen tierkreiszeichen.

der große mittelteil widmet sich zunächst auf leicht verständliche weise den so wichtigen atem-asanas, die in den meisten kursen viel zu kurz kommen. danach wird jede erwähnte asana einzeln vorgestellt mit ihren positiven wirkungen. es folgt die sorgfältige erklärung der ausführung in einzelnen schritten.

wie auf der webseite illustriert Sabine Schmelmer auch im buch alle übungen mit fotos ihrer treuen gliederpuppe Karlheinz - die in ihrer reduzierten optik sich auf das wesentliche beschränkt: die bilder wirken ganz schlicht - und sind doch einzigartig kunstvoll angefertigt - mit großem wiedererkennungswert:

Yoga mit Gliederpuppe Karlheinz
© Sabine Schmelmer

abgerundet wird das buch durch einen anhang mit zeichenerklärungen sowie - sehr praktisch! - mondkalendern für die nächsten zwei jahre.

für mich ist dieses buch eine große bereicherung. wie ein geländer unterstützt und begleitet es bei der täglichen übung, gibt wechselnde impulse und hilft der erinnerung auf die sprünge, wenn die genaue ausführung einer asana einmal verlorenging.

als yoga-geübte mit vorerfahrung passe ich genau in die zielgruppe: für neulinge ist dieses buch allein nicht ausführlich genug. es ersetzt weder den achtsam korrigierenden yogalehrer noch einen yogakurs. und - nur damit niemand auf dumme gedanken kommt: das üben nach diesem buch erfolgt selbstverständlich auf eigene gefahr.

Sabine Schmelmer, Mondyoga - Ein Übungsprogramm im Rhythmus mit der Natur ist erschienen bei Bloggingbooks, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-8417-7047-9; erhältlich im buchhandel eures vertrauens und kostet derzeit 29,00 €.
empfohlen vom Büro für besondere Maßnahmen!


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Sonntag, 30. September 2012

kriegsenkelin

als ich im juli vom besuch des vaters berichtete, unsere lebenslang schlechte beziehung und seine erlebnisse im zweiten weltkrieg erwähnte und ihn der von mir so genannten „eisernen generation“ zuordnete - da ahnte ich nicht, dass ich ein phänomen beschrieb, das seit einigen jahren einen namen hat.


ich bin tochter von kriegskindern. ich bin kriegsenkelin.

ich bin tochter von menschen, die im zweiten weltkrieg selbst als kind militärischen an- und übergriffen hilflos ausgesetzt waren, die vertreibung und flucht, den verlust von hab&gut und geliebten menschen ohne filter miterlebten; die ihre traumata niemals verarbeiten konnten, alle gefühle in sich verbunkerten, selbst mit überleben beschäftigt waren und von den eigenen kindern bedingungsloses funktionieren nicht nur erwarteten, sondern auch einforderten.

es trifft nicht nur mich, es trifft viele. die rede ist von einer ganzen generation. es geht um menschen, die - in etwa - zwischen ende der 1950er und anfang der 1970er jahre geboren wurden. die „geburtenstarken“ jahrgänge, auch die.

vermutlich bin ich auch noch kriegs-ur-enkelin. denn auch die eltern waren ja kriegsenkel, kinder von menschen, die den ersten weltkrieg als kind erlebt hatten. in der traumaforschung weiß man heute, dass nicht verarbeitete traumata sich an die nächste generation vererben können.

wer ein trauma nicht auflöst, gibt es weiter. passiert das über mehrere generationen hintereinander, kommen immer neue ungelöste traumata hinzu, das trauma potenziert sich. neue kriege entstehen - auf allen ebenen: nicht nur zwischen staaten, sondern zwischen menschen und - schlimmer noch: IN menschen. in mir. in dir.

das gilt für alle kriege, für alle katastrophen, überall auf dem planeten. welch eine erschreckende einsicht. und gleichzeitig: welch eine riesenchance auf heilung, auf ein kleines bißchen weltverbesserung, wenn ich sehe, dass ich meinen teil dazu beitragen kann, indem ich mit meiner eigenen genesung beginne, das eigene trauma auf- und mich erlöse.

eine freundin brachte mich auf die spur, gab mir einen link, einen buchtitel. ich folgte den hinweisen und fand informationen, verständnis, unterstützung. ich fand etwas beruhigung meines inneren aufruhrs, erklärungen für einen teil meines traurigen lebens von kindheit an. ich fand die chance auf kleine heilung und linderung des schmerzes.

es wächst ein neues verstehen der seelischen nöte der eltern - auch wenn ich nicht für alles verständnis habe und sie schon gar nicht aus ihrer verantwortung entlassen kann. es gibt keinerlei entschuldigung dafür, die eigenen kinder zu quälen und zu foltern, niemals.

die einsamkeit bleibt, die emotionale verwahrlosung, die schreckliche hasserfüllte seelische heimatlosigkeit, die unendliche angst des „sich-verloren-fühlens“. die vergangenheit wird ja nicht plötzlich ungeschehen, bloß weil man sie etwas besser versteht. es gibt keine „undo“-taste fürs gelebte leben.

die journalistin Sabine Bode hatte sich zunächst mit Kriegskindern befasst, bevor sie deren kindern, uns kriegsenkeln also, ein eigenes buch widmete. in „Kriegsenkel“ schreibt sie im kapitel „Gespenster aus der Vergangenheit“:

Ich schreibe über Menschen, denen die eigenen Eltern unwillentlich Schaden zufügten, und - was die Folgen bis heute so schwer erträglich macht - deren Eltern keine eigene Beteiligung am Unglück ihres Kindes sehen, bzw. die überhaupt kein Unglück wahrnehmen.

Sie werden in diesem Buch nicht beschuldigt, denn als Traumatisierte konnten sie ihr Handeln nicht richtig einschätzen. Aber sie werden auch nicht geschont. Denn Schonung würde bedeuten, das Schweigen in die nächste Generation weiter zu tragen, wo es erneut Verwirrung und unerklärliche Symptome verursachen könnte.“ *

vater und mutter sind die menschen, die mir in meinem leben am meisten geschadet haben. sie sind jetzt 80 und 85 jahre alt. sie haben nicht mehr viel zeit, um sich aus ihren eigenen verwirrungen zu lösen, und offensichtlich so gar kein interesse daran. was sie eine „wiederannäherung“ nennen, ist für mich eine fortsetzung der qualen meiner kindheit und jugend. ich darf nicht sagen, was ist und was war - sonst gibt es keifen und fauchen, zynische bemerkungen und beleidigten kontaktabbruch. 

statt dessen soll ich sie emotional füttern, hätscheln und päppeln. nur dann bin ich - in ihren augen - die „gute“ tochter. das lügen den eltern zuliebe aber, damit sie sich ihre eigenen lebenslügen nicht eingestehen müssen, halte ich nur schwer aus: sind sie außer blickweite, mache ich fressanfälle, knalle mit dem schädel gegen die wand und zerkratze mir die kopfhaut bis es blutet. nicht wieder zum alkohol, zu nikotin oder anderen drogen zu greifen, fällt mir in solchen zeiten besonders schwer.

zu wissen, dass ich mit dem „phänomen“ nicht alleine bin, lindert den schmerz. im internet und in echt gibt es unterstützung. besonders hilfreich finde ich das „ForumKriegsenkel“ mit vielen informationen, einer aktuellen studie (2012), lebensgeschichten, literaturtipps und links.

hier im blog habe ich ein weiteres 'label' eingetragen, das auf posts verweist, die mit meinem kriegsenkelin-sein zu tun haben - auch wenn ich das wort „kriegsenkel“ nicht immer explizit benutzt habe.

gleichzeitig habe ich damit auch mojour - also mir selbst - ein neues 'label' angehängt: immer unterwegs mit dem ziel, die zu werden und zu sein, die ich wirklich bin, lautet der aktuelle zwischenstand ungefähr so:

frühkindlich multipel sexuell und anders traumatisierte, rezidivierend depressive, kreative, hochsensible hochbegabte, prekär lebende, anonym bloggende journalistin, trockene alkoholikerin, kalte raucherin und kriegsenkelin mit autistischen zügen in den wechseljahren“ .... und noch viel mehr!


* aus: 
Sabine Bode, Kriegsenkel, Klett-Cotta 2009, ISBN 978-3-608-94550-8 (S. 30)


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Sonntag, 19. Februar 2012

gute karten

auch in meinem prekären hartz4-ergänzungsleben finde ich nicht immer nur deutschgraue amtspost in meinem briefkasten. an manchen tagen flattern die schönsten dinge** ins haus.

Die Kaiserin liebt das Leben.

manchmal kommt das gute einfach so, quasi als unerwartete bereicherung. dann wieder war ich selbst diejenige, die einen entscheidenden kleinen impuls gesetzt hat, der nun positive wirkung zeigt. manchmal kommt auch der impuls von außen, ich reagiere darauf oder lasse es sein, je nachdem. und schon ändert sich die kette der ereignisse.

Die Kaiserin hat viele Chancen.

Die Karten der Kaiserin

ob ich impulse setze oder nicht, ob und wie ich auf einflüsse von außen reagiere, da denke ich nicht immer drüber nach. das ist oft eine frage, die in millisekunden entschieden wird: ich folge meiner intuition, höre auf meinen bauch.

Die Kaiserin folgt ihrem innersten Gesetz.

im grunde bin ich darin ziemlich gut – wenn ich es mir denn erlaube. leider ist mir die innere stimme früher mal ziemlich aberzogen worden. das war nicht nur die mutter. auch heute noch gibt es da draußen viele, die die stimme einer klugen frau nicht hören, nicht respektieren wollen.

Die Kaiserin respektiert sich selbst.

nachdem ich also in den ersten beiden jahrzehnten meines lebens edukativ ziemlich verkorkst wurde, bin ich nun wohl für den rest meines lebens damit beschäftigt, wieder zu verwildern. sprich: auf meine innere stimme zu hören und tag für tag die zu werden und zu sein, die ich wirklich bin.

Die Kaiserin nimmt sich, was sie braucht.

das buch „Der Weg der Kaiserin“ von Ulja Krautwald und Christine Li unterstützt mich darin schon seit mehr als zehn jahren. die 'kaiserin' gab es wirklich: Wu Zhao herrschte vor mehr als tausend jahren in china als einzige frau, die jemals offiziell herrscherin war (also nicht 'nur' die ehefrau eines kaisers). ihre geschichte wird im buch erzählt. parallel werden ihre kaiserlichen strategien so ins moderne übertragen, dass sie für frauen der gegenwart von unschätzbarem wert sind.

Die Kaiserin hält sich nicht an Konventionen.

jeder von uns wohnt eine kaiserin inne, wir sind nur nicht immer mit ihr in kontakt. wie auch, wenn erziehung und gesellschaft alles daran setzen, die – dem mainstream (oder sollte ich lieber schreiben: „manstream“?!) oft unbequeme - innere stimme einer kaiserin möglichst mundtot zu machen.

Die Kaiserin ist nicht Everybody's Darling.

'Die Kaiserin' ist nicht nur lesebuch, sondern auch lebensbuch. jedes kapitel liefert seine „essenz“ gleich mehrfach mit: zum einen in form einer rezeptur für einen tee nach allen regeln der traditionellen chinesischen medizin, zum anderen als strategische sätze für frauen jeden alters in verschiedenen lebenssituationen: die innere stimme der kaiserin quasi für den hausgebrauch.

Die Kaiserin meidet herrschsüchtige Ärzte und Menschen, die nicht lachen.

„hör auf mich!“ scheint die kaiserin mir zuzurufen, wenn ich ihr mal zu lange den rücken kehre, wenn ihre stimme im mich fordernden alle-tage-trott unterzugehen droht.

Die Kaiserin weiß um Ebbe und Flut.

damit ich sie besser hören kann, gibt es ihre kaiserinnensätze jetzt auf karten*. in kaiserlich roten schachteln – und das auch noch in zwei versionen: groß und klein, für zu hause und für unterwegs. künstlerisch gestaltet die großen, eher schlicht die kleinen.

Die Kaiserin weiß, was sie will.

der stimme der kaiserin lauschen – das bedeutet innehalten im alltagskarussell. stille sein. ein kaiserlicher augenblick! niemals würde die kaiserin mir sagen: 'tu dies oder tu jenes'. ihre sätze wirken subtiler, indem sie meiner eigenen inneren stimme zu ihrem recht verhilft, gehört zu werden. man könnte auch sagen: die kaiserin holt die intuition aus dem nebel, sie bringt den bauch zum sprechen.

Die Kraft der Kaiserin entsteht in der Tiefe.

wie auch beim tarot lege ich die karten der kaiserin auf ein eigenes, ein ganz besonderes tuch. das tuch für meine kaiserinnenkarten zeigt den grundriss des alten kaiserlichen palastes in kyoto. ich liebe dieses alte tuch sehr, denn der plan ist von ergreifend schlichter ordnung. ich tendiere ja bekanntlich dazu, mein leben zu verkomplifizieren. die sätze der kaiserin sind klipp und klar. das hilft.

Die Kaiserin konzentriert sich auf das Wesentliche.

manchmal haben diese karten eine sehr direkte wirkung. manchmal dauert es ein weilchen. sie machen garantiert stark, schön, schlau und glücklich - und das nicht nur, wenn sie im briefkasten liegen. ich werde demnächst mehr berichten. lasst euch überraschen. oder probiert es selbst aus!

der tägliche umgang mit diesen karten ist zwar auch eine besondere, vor allem aber eine kaiserliche maßnahme. kaiserliche maßnahmen stehen für sich und werden nicht gezählt.


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- die karten der kaiserin, edition kunst und edition classic sind erschienen und erhältlich beim krautwaldverlag.
- die sätze der kaiserin erscheinen auch in täglichem wechsel auf der startseite von zinnoberfluss.

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großes danke an ulja krautwald!

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Sonntag, 21. August 2011

hochbegabt – ganz normal?

eine buchbesprechung

als ich vor knapp fünf jahren endlich den offiziellen iq-test bei mensa in deutschland machte, war ich ziemlich aufgeregt. es dauerte gefühlte monate, bis das ergebnis eintraf: die von mir erzielte sehr hohe hausnummer bestätigte meine heimliche vermutung aus schulmädchenzeiten und überraschte mich nicht wirklich.


das ergebnis schwarz auf weiß zu sehen, von einem psychologen unterschrieben, beruhigte mich ein bißchen. hatte ich meine intelligenz zumindest nicht versoffen in all den jahren.

die beigefügte einladung, dem verein der superschlauen doch bitte beizutreten, schmeichelte mir. ich folgte ihr nicht, weil a) das geld für den jahresbeitrag für hartz-IV-empfängerInnen im regelbedarf nicht vorgesehen ist und b) ich wenig sinn darin sehe, einem verein beizutreten, dessen aufnahmekriterium einzig ein IQ jenseits der 130 ist.

für meinen IQ kann ich nix. ich bilde mir nichts drauf ein. das ist kein 'besser oder schlechter', allenfalls ein wertfreies 'anders': angeboren wie meine grünen augen. ich kann weder das eine noch das andere ändern. höchstens kaschieren. es ist wie es ist. ich gehe damit um.

der brief mit dem ergebnis verschwand in einem ordner. ich hatte immer noch keine ahnung, was es mit der diagnose „hochbegabung“ tatsächlich auf sich hat – mal abgesehen von der tatsache, dass man dann vielleicht schneller rechnen kann.

erst durch mein blog und speziell eine meiner leserinnen entdeckte ich vor rund zwei jahren das thema für mich neu. ich las „Jenseits der Norm – hochbegabt und hochsensibel“ von Andrea Brackmann. das buch war eine offenbarung für mich. eine buchbesprechung habe ich damals im begabungsblog von Nathalie Bromberger veröffentlicht.

der klett-cotta verlag mochte meinen beitrag und war so nett, mir auch das zweite buch von Andrea Brackmann zuzusenden: „Ganz normal hochbegabt – Leben als hochbegabter Erwachsener“. so rasch nach dem ersten gelesen stand da für mich nicht viel neues drin. durch meine anstrengende situation als hochschulsekretärin war ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. für die einzelnen schicksale anderer „betroffener“ hatte ich damals weder kopf noch nerven.

als ich mich neulich dabei ertappte, dass ich im zusammenhang mit einer anderen diagnose an die hiesige universitätsklinik schrieb „im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass ich an einer hochbegabung 'leide'“ - habe ich mich an Brackmanns buch wieder erinnert und zog es von ziemlich tief unten aus dem bücherstapel auf meinem nachttisch hervor.

erstens darf es doch nun wirklich nicht sein, dass ich an meiner brillanz leide. zweitens tue ich auch Frau Brackmann damit unrecht und all den autorInnen in ihrem buch, die so offen von den freuden und qualen ihrer eigenen intelligenz berichten.

manchmal brauche ich einfach gleichgesinnte mit ähnlichen erfahrungen, um mich selbst wieder ins lot zu rücken. das ist wie mit der selbsthilfegruppe für trockene alkoholikerInnen. es hilft.

es hilft, darüber zu lesen, dass auch andere 'superhirne' nicht zwangsläufig erfolgreiche überflieger sind. damit hadere ich ja sehr: dass mein potential so brachliegt, weder gefordert noch gefördert (und vor allem: nicht angemessen honoriert) wird. dass ich andererseits ganz oft die schnauze voll habe davon, ständig 'denken' zu müssen und niemals abschalten zu können. bisweilen würde ich am liebsten auf einem niveau von, sagen wir: IQ 78 dahindümpeln. ruhe haben im kopf. nicht ständig alles hinterfragen und auch noch dem letzten i-tüpfelchen auf den grund gehen müssen; statt dessen die welt und das leben nehmen wie es kommt. zwar leicht debil sein, aber zufrieden.

die mit einem hohen IQ einhergehende hohe empfindsamkeit, von der ich niemals pause habe, erklärt auch – zum teil – meinen hohen alkoholkonsum über jahrzehnte hinweg: wenn es mir zu viel wurde, habe ich meine sinne mit alkohol betäubt, die immer grellen wahrnehmungen gedämpft und weichgespült. das erklärt auch, warum es mir jetzt, auch nach jahren ohne droge – in dieser hinsicht schlechter geht als vorher: meine wache belastbarkeit beträgt nur einen bruchteil von der im betäubten zustand. ich 'funktioniere' nicht mehr so 'gut' wie früher; musste lernen und lerne immer noch, meine eigenen grenzen überhaupt erst wahrzunehmen, sehr viel enger zu stecken als ich es mir für mich selbst wünschen würde – und mich damit abzufinden, dass ich meinen eigenen hohen ansprüchen niemals mehr werde gerecht werden können.

Andrea Brackmanns buch hilft mir also sehr, noch einmal aus verschiedenen blickwinkeln beleuchtet zu erfahren, dass hochbegabte z.b. nicht nur 'schneller denken' können, sondern auch ein vielfaches an informationen aufnehmen und dieses viele obendrein auch noch heftiger empfinden: dadurch mehr verarbeiten müssen und in manchen bereichen leichter überfordert und auch oft langsamer sind als 'normal begabte'.

außerdem wäre frau Brackmann nicht sie selbst, wenn sie das runde dutzend sehr berührender lebensgeschichten von hochbegabten erwachsenen einfach nur kommentarlos aneinandergereiht hätte.

während hochbegabte kinder immer häufiger frühzeitig als solche erkannt werden und eine angemessene förderung erhalten, geht man bei erwachsenen scheinbar immer noch davon aus, dass es sich 'irgendwann auswächst'. das tut es jedoch nicht. es bleibt uns erhalten!

ebenfalls im buch zu finden sind daher hinweise zum aktuellen stand der forschung, tipps und anlaufstellen; dazu eine übersicht samt kritischer bemerkungen zu den gängigen IQ-tests und – für mich mit das wichtigste: eine sehr einfühlsame zusammenstellung der wichtigsten merkmale von hochbegabung mit den allerschönsten verhaltensempfehlungen, damit umzugehen, ohne ständig sich selbst zu zerfleischen.

meine lieblingsstelle kommt fast am schluss: die liste der sogenannten 'häßlichen wörter'. dabei handelt es sich um eine beliebig erweiterbare aufzählung von meist 'sozialen' situationen, die für menschen mit hochbegabung oft nur schwer auszuhalten sind. ich zitiere: „Betriebsausflug, Großputz, Stuhlkreis, geselliges Beisammensein, Supermarktmusik, Schützenfest, runde Geburtstage, Höflichkeitsfloskel, Schwimmbad, Großraumbüro ....“

ich empfinde es als sehr wohltuend, mich zu solcherlei nicht mehr zwingen zu müssen, nur weil alle anderen das normal finden; statt dessen nun endlich sagen zu dürfen „nein danke, das ist nichts für mich“ und mich an derlei aktivitäten nur noch zu beteiligen, wenn es überhaupt gar nicht anders geht. oder früher zu gehen, wenn es mir zu viel wird und für danach ausreichend pause zum kräftesammeln einzuplanen.

ebenfalls wohltuend die erkenntnis, dass solcherlei 'hochbegabte empfindlichkeiten' weder durch therapie noch durch mehr selbstdisziplin kurierbar sind. ich bin und bleibe eine empfindliche zicke. das erleben der eigenen hochbegabung und der umgang damit sind täglich neue herausforderungen, vermutlich bis an mein lebensende und ohne pause.

diese aussicht ist nicht gerade beruhigend. aber mit meinem kreativen hochleistungsgehirn dürfte auch das zu schaffen sein.


Andrea Brackmann
Ganz normal hochbegabt
Leben als hochbegabter Erwachsener
Klett-Cotta Leben!
ISBN 978-3608860061
derzeit 14,95 €

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Donnerstag, 2. Juni 2011

schön sein. schön bleiben.

bevor heute abend deutschlands näxt top modell (gntm 2011) in die drittletzte runde geht, möchte ich schnell noch ein paar gedanken äußern zu fraulichen äußerlichkeiten.


es ist ja nicht neu, dass viele frauen meinen, sie müssten ihr äußeres verändern und sich körperlich, geistig und seelisch den jeweils aktuell als schön angesehenen normen anpassen – um überhaupt gesehen zu werden; schlimmer noch: um sich überhaupt sehenswert und wahrgenommen zu fühlen.

ich schließe mich da leider nicht aus und befinde mich in bester gesellschaft:

das war schon zu sapphos zeiten so, in ihrem mädcheninternat auf der wunderschönen insel lesvos, vor zweieinhalb jahrtausenden: wimperntusche war damals aus gebranntem kork.

auch kleopatra, die herrin der vollkommenheit, benutzte dekorative kosmetik aus edelsteinpulver und badete in ziegen- oder eselsmilch. lebte sie heutzutage, dann sicher nicht ohne personal trainer.

im mittelalter schmierten sich die frauen hochgiftiges bleiweiß ins gesicht, denn nur blasse haut war vornehm. das kostete nicht nur viel geld, sondern auch die gesundheit.

schon immer waren auch mit dem aussehen sich befassende sprichwörter widersprüchlich. einerseits „wahre schönheit kommt von innen“ - andererseits „die inneren werte einer frau sieht man(n) nicht auf den ersten blick.“

denke ich an die neuzeitliche perversion innerer qualitäten in form von silikonbusen, möchte ich den buchstaben „h“ in „wahre“ am liebsten weglassen.

wenn ich den silikongriff meines bügeleisens betrachte oder die neumodische kuchenbackform – wie gammelig die schon nach kurzer zeit aussehen …. so was in meiner brust oder sonstewo im körper?! nee. näh!

in meiner bibliothek steht ein buch aus dem präsilikonischen zeitalter. „schön sein – schön bleiben“ heißt es, von Lilo Aureden, erschienen 1955 im bertelsmann verlag. es ist älter als ich, irgendwann als studentin habe ich es der mutter abgeschwatzt.

wenn ich mich mal so richtig amüsieren und gleichzeitig gruseln will, dann nehme ich dieses buch zur hand. es ist schon etwas vergilbt, die schrift wirkt altmodisch. dafür ist es voller charmanter zeichnungen sowie wunderbarer schwarzweiß- und farbfotos.

das beste: mein buch ist gleichzeitig übersprudelnder quell allgemeingültiger, zeitloser schönheitstipps als auch immerwährender heiterkeit: mein wirtschaftswunderkosmetikknigge.

egal ob haare gesicht figur geschmack pediküre minderwertigkeitskomplexe falten männer oder haferflockensuppe: frau aureden kannte sich mit allem aus. manches kommt einem heute seltsam abstrus vor, anderes wiederum ist sehr „vernünftig“.

viele der tipps finden sich – leicht abgewandelt - auch heute noch in den ..igitte-zeitschriften dieser welt. sie werden wahrscheinlich nicht erst seit 1955 alljährlich wieder aufgewärmt – und fraglos auch von den heutigen top models noch beherzigt.

„Locker sei der Gang … ein federnder Katzenschritt, nicht betont und nicht nachlässig, aber gelassen! (50)“ den catwalk üben sie heute noch – wenn es sein muss wie anno dunnemal mit einem dicken buch auf dem kopf.

nur die absatzhöhe war damals eine andere: der berufstätigen frau wurde ein grundbestand von vier(!) paar schuhen empfohlen (385): ein paar schwarze pumps (4cm hoch), ein paar braune trotteurs (ebenfalls 4cm hoch), ein paar „gute“ für einladung und gesellschaft (> 4 cm) und ein paar leichte flache weiße sommerschuhe.

nix da mit 15cm high heels! die gab es bis vor kurzem sowieso nur im sexshop. frau klum, die eiserne laufstegschönheit, hat sie uns angezwungen. kaum zu glauben, dass dieselbe frau auch korkfussbettpantoletten designed (hat).

meine schönseinbibel sagt: „Der Schuh ist für den Fuß da, nicht umgekehrt (386).“ genau. sehr „vernünftig“.

sehr amüsiert hingegen hat mich der busenwickel. er erinnert mich daran, wie damals in japan meine geisha-mamasan mir die 75C-brust flachgebunden und die schlanke taille mit einem handtuch ausgestopft hat, damit der kimono auch richtig saß.

die idealsilhouette für eine japanerin ist nicht wie bei uns die einer cocacola-flasche, sondern ähnelt eher einem ess-stäbchen.

mein journalistischer selbstversuch mit der angeblich von den pariserinnen bevorzugten brustbandage (283) ist bislang an der fehlenden anwesenheit von geeigneten hilfspersonen gescheitert:

immerhin muss die behandlung mit in essigwasser getränkten stoff- und elastikbinden drei mal überkreuz gewickelt, mit leukoplast befestigt und „sechs wochen hintereinander zweimal wöchentlich“ durchgeführt werden, später wöchentlich einmal und am ende alle vier wochen.

nach einem halben jahr wird eine dann für ihre ausdauer belohnt, angeblich. und zwar mit einem „kunstvoll nach oben gebetteten busen“. na dann gute nacht, mein herz!

wenn ich all diese tipps auf den über 450 kleinstbedruckten seiten nur schon früher beherzigt hätte, ach! aber jetzt ist es zu spät, mein geschmack is(s)t verirrt, die figur ruiniert, eine freie radikale „läuft, Ohne Haube, ohne Kragen, Schlotterbusig durch das Land (H. Heine)“. wie sonst?!

dennoch geht mir auredens gnadenloses geschmacksurteil nicht aus dem kopf: „Ältere Damen können sich nur die Kombination Schwarzweiß oder umgekehrt, auch Taubengrau mit Schwarz und Taubengrau mit Weiß gepunktet leisten (367).“

ich tu alles, meine liebe, aber niemals nicht weiß gepunktet!

frau aureden! frau klum! und alle anderen selbsternannten oder ferngesteuerten schönheitspäpste und -päpstinnen dieser welt, wisst ihr was?!

so lange ich schön bin, ist mir mein aussehen egal!


Lilo Aureden, Schön sein - schön bleiben
C. Bertelsmann Verlag Gütersloh 1955, 480 Seiten


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Mittwoch, 5. Mai 2010

büro für besondere maßnahmen im außendienst

kurze maßnahme no. 9: mo jour schreibt fremd!
und zwar eine buchbesprechung bei begabung/blog

dass ich eine intelligenzbestie bin, habe ich ja neulich schon einmal erwähnt. dabei geht es um viel mehr als um einen besonders klugen kopf: hochbegabung mit einem iq jenseits der 130 ist ein vielschichtiges thema, das noch gar nicht lange beforscht wird. mehr iq – das bedeutet neben „schneller denken“ in den meisten fällen auch entsprechend mehr gefühl und entsprechend mehr wahrnehmung.


umso erleichterter war ich, zu diesem thema ein ganz wunderbares buch zu finden, das mir sehr dabei geholfen hat, mich selbst besser zu verstehen und auch einige meiner ‚marotten‘ besser annehmen und selbstbewusster damit umgehen zu können.

es ist das buch „Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?“ von Andrea Brackmann. „da muss ich unbedingt mal eine buchbesprechung machen“ - war einer meiner ersten gedanken dazu. der zweite war dann – typisch hochbegabter selbstzweifel und perfektionismus: „ach nee, das buch ist ja schon fünf jahre alt, da bin ich ja viel zu spät dran. es gibt schon rezensionen zu hauf und meine wird da nicht auch noch gebraucht!“

doch. wird sie! und zwar im begabung/blog von nathalie, wo sie seit heute nachzulesen ist.
geht doch mal rüber!


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Donnerstag, 24. Dezember 2009

der geburtstag der kaiserin

die kaiserin feiert geburtstag heute. das heißt, sie feierte, so sie noch lebte. das tut sie aber nicht, schon lange nicht mehr. ne ganze menge menschen auf diesen planeten feiert heute den geburtstag eines mannes, der auch schon lange nicht mehr lebt. deswegen denke ich, es ist höchste zeit für ein frauliches gegengewicht!


von sissi ist natürlich die rede, mit deren geschichte ich aufwuchs, allweihnachtlich, um genau zu sein. genau deswegen werden die alten filme mit romy schneider ja so regelmäßig wiederholt: weil die sissi a christkinderl war.

dabei scheint der 24. dezember ein allseits beliebter geburtstag zu sein. meiner schwester ist das auch gelungen, der coup mit dem christkindlsgeburtstag. ava gardner ebenso. von den gut 180 geburtstagskindern, die die wikipedia aktuell für heute auf der liste hat, ist sissi übrigens die einzige frau der ersten 1900 jahre unserer zeitrechnung. im zwanzigsten jahrhundert sind dann 15 der 120 geburtstagskinder weiblich – also immerhin zwölfeinhalb prozent. aber das ist sicher nur zufall, dass an heiligabend so wenig frauen geburtstag haben.

weil ich mit weihnachten nix am hut hab, feier ich also heute der sissi ihren geburtstag, ganz kaiserlich, im haus meiner kaiserlichen freundin. der tisch scheint sich zu biegen unter dem üppigen buffett, seit tagen – ach was sage ich? seit wochen!! - ist sie in ihrer kleinen küche mit dem zaubern der kostbar-köstlichsten verführungen beschäftigt. gäste sind geladen und werden erwartet oder sind schon eingetroffen.

von sissi weiß ich nicht mehr als das, was in den büchern steht. in meinen ersten lebensjahren habe ich natürlich alles geglaubt, was in den filmen vorkam. später nicht mehr.

vor ein paar jahren habe ich urlaub gemacht auf korfu. diese schöne insel kannte ich ja schon aus ihren filmen. da habe ich mir gedacht: was für die kaiserin das beste, das ist für mich gerade gut genug. die insel, auf der die sissi von ihrer lungenkrankheit genesen ist, sollte wohl bestens geeignet sein, um mich vom stress und den demütigungen eines lebens mit hartz4 zu erholen. also habe ich damals meine letzten ersparnisse für einen urlaub am meer verprasst - und ich habe mich tatsächlich bestens wohl gefühlt dort!

auf korfu, nicht weit weg von der inselhauptstadt an der ostküste, kann man noch heute den sommerpalast der kaiserin besichtigen. sich ansehen, wie (relativ) schlicht sie dort gelebt hat, fernab vom unmenschlich einschnürenden spanischen hofzeremoniell, das den klugen, eigensinnigen wildfang magersüchtig hatte werden lassen. für meinen geschmack ist ihr achillion-palast zwar ein bißchen zu weit weg vom meer und ein bißchen zu hoch auf dem berg, aber die aussicht von dort oben ist in der tat gigantisch kaiserlich.

in die insel korfu habe ich mich geradezu hineinverliebt, die zeit dort habe ich sehr genossen. falls ich es mir jemals wieder werde leisten können, ans meer zu fahren, so würde ich wieder dort landen, in meiner blauen lieblingsbucht, in dem kleinen haus direkt am strand, zimmer mit balkon und blick aufs meer, aufs meer! aufs meer, das ich so sehr liebe; wo man das rauschen des kristallklaren wassers immer immer um sich hat: das hat sogar meinen tinnitus besänftigt. zeitweilig.

wenn ich heute den geburtstag der kaiserin feiere, dann gedenke ich dabei auch meiner eigenen inneren kaiserin, der wilden frau, die ich bin, mit all meinen eigenen sinnen, mit all meinem eigen-sinn. ich denke an mich und ich feiere mich, meine kaiserliche freundin und ich, wir feiern uns, wir lassen uns feiern und geben mit vollen händen und überfließenden herzen, weil das zum feiern dazugehört.

meine innere kaiserin hat jeden tag geburtstag. oft muss ich mich tatsächlich täglich neu daran erinnern, sie immer wieder aufs neue zu entdecken, hervorzuholen unter dem alltagsgerümpel. denn bisweilen hockt sie klein und still und grau zwischen den vielen schichten aus demütigungen und enttäuschungen, aus schmerzen und angst, die – übereinander gelegt – das ge-schichte meines lebens sind.

beim entdecken meiner persönlichen kaiserin hat mit ein ganz besonderes buch sehr geholfen, das mich nun schon seit vielen jahren begleitet. „der weg der kaiserin“ heißt es. die autorinnen christine li und ulja krautwald erzählen darin die geschichte der chinesin wu zhao, ihren aufstieg von der konkubine zur mächtigsten frau des reiches, zur kaiserin – und zur einzigen frau, die im alten china jemals offiziell herrscherin war. das buch erzählt eine geschichte von vor mehr als tausend jahren. gleichzeitig werden die strategien aus alten zeiten so ins heutige leben übertragen, dass sie auch für kaiserliche frauen der gegenwart durchaus hilfreich und von großer bedeutung sein können.

dieses buch fasziniert mich. es gibt mir – immer wieder aufs neue! - kraft und halt in meinem kleinen universum, wo das leben einer freien radikalen bisweilen richtig doof und mühsam ist. ganz wunderbar unterstützend finde ich die strategischen sätze der kaiserin, die jedem kapitel hintenangestellt sind. schlichte weisheiten im grunde – die im heutigen alltag leider allzu oft tief verschüttet sind.

es gibt eine wunderbare webseite zu dem buch und allem, was damit zusammenhängt - zinnoberfluss, auf der die kaiserliche leserin zum beispiel täglich mit einem neuen 'kaiserinnenspruch' begrüßt wird.

heute steht da „die kaiserin beherrscht ihr eigenes reich“. genau. ganz egal, wie groß oder wie klein das auch sein mag. was sonst?!

ich wünsche euch für heute und immer wieder aufs neue ein kaiserliches geburtstagsfest! ganz egal, wessen geburtstag ihr heute feiert. vergesst nicht, dafür zu sorgen, dass es euch gut geht, denn nur dann kann frau sich auch um andere kümmern - und die haben dann auch wirklich was davon.


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