Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
seit mehr als dreieinhalb jahren fülle ich dieses weblog mit bildern und texten, mit viel persönlichkeit und emotion und energie.
über positive reaktionen freue ich mich immer, mit kritik und ratschlägen kann ich umgehen.
ich finde es auch toll, wenn komplimente zu meinen fotos kommen.
Rosinenrosen & Kronjuwelen
wenn aber jemand meint, es sei ein kompliment, meine bilder ungefragt, ohne mich zu informieren und ohne honorar auf seiner kommerziellen webseite einzusetzen, dann irrt er ganz gewaltig.
da freue ich mich nicht drüber, da bin ich indigniert. also ganz gepflegt wütend!
meine bilder ohne namensnennung, ohne quellenangabe auf fremden webseiten zu entdecken - das passierte mir diese woche gleich ein halbes dutzend mal.
hapüh!
den 'bilderdiebischen' unternehmen habe ich nun - nach eingehender anwaltlicher und fachlicher beratung - eine rechnung geschickt für die unberechtigte nutzung meiner bilder. weitere rechtliche schritte und die inanspruchnahme anwaltlicher unterstützung behalte ich mir vor.
damit das mal klar ist.
bei privaten webseiten bin ich - bisher - immer sehr kulant. ich schreibe eine mehr oder weniger freundliche email. wenn daraufhin meine urheberinnenschaft nachgetragen oder das bild von der webseite entfernt wird, okay.
kann sein, dass ich auch da bald strenger werde. irgendwann ist meine geduldige geduld am ende. meine fotos, meine bilder aber ungefragt kommerziell zu nutzen - das geht gar nicht!
ps: die beweisbilder und die namen der 'bilderdiebe' an dieser stelle habe ich wieder herausgenommen, da es mir nicht um einen dauerhaften internet-pranger geht
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wer keine arbeit hat und welche sucht, oder wer arbeit hat aber nicht genug verdient und zeit übrig hat, um noch mehr zu arbeiten – dem bleibt es nicht erspart: man muss eine bewerbung schreiben. mindestens eine.
eine bewerbung ist eine art werbespot. bloß will man kein produkt verkaufen, sondern einen menschen: sich selbst. die wikipedia definiert es so:
„Eine Bewerbung ist ein Leistungsangebot, mit dem der Bewerber den Adressaten davon überzeugen will, dass er sich für eine bestimmte Aufgabe eignet.“
das klingt doch ganz schlicht und einfach. aber: jedeR macht es schlicht und einfach anders! und jedeR arbeitgeberIn hat schlicht und einfach eigene vorstellungen, die im vorfeld nicht bekannt gegeben werden.
wie man sich mit größtmöglicher erfolgsaussicht bewirbt, wissen bewerbungsbücher und volkshochschulkurse und beratungsfirmen und …. die große suchmaschine mit dem doppel-O: das stichwort 'bewerbung' brachte mir innerhalb von nur 0,37 sekunden zehnmillionenunddreihunderttausend treffer.
bevor ich die alle abgearbeitet und ausgewertet hätte, wäre es wahrscheinlich zeit für den ersten rentenantrag.
aber so lange warte ich nicht. ich schreibe die bewerbung sofort (und das tue ich ziemlich oft):
in deutschland gibt es eine eigene bewerbungskultur. man darf nicht ganz die wahrheit schreiben – wie in einem richtigen werbespot eben auch: da werden vorzüge angepriesen, aber menschliche lebenswahrheiten und andere missgeschicke fallen unter den tisch. wenn das 'schein-bare' selbstbild der personalabteilung gefällt, werden am ende 'bare scheine' daraus: der begehrte arbeitsvertrag.
bevor es aber soweit kommt, gilt es, eine ganze reihe von tabus einzuhalten:
wer zum beispiel eine weile arbeitslos war, muss das auf jeden fall vertuschen. es gehört sich nicht, vom staat ernährt worden zu sein. nicht einmal dann, wenn man ohne eigenes verschulden die frühere arbeit verloren hat. es gilt als ungehörig, obwohl es mittlerweile kaum noch einen menschen gibt in deutschland, der nicht zumindest eine kurze zeit seines lebens ohne offiziell anerkannte und angemessen honorierte beschäftigung war.
kinder? scheidung? krankheit? andere bewältigte krisen? bloß nicht! dabei wären doch gerade die souverän gemeisterten unwägbarkeiten des alltags oder eine in würde durchlebte zeit der arbeitslosigkeit ein guter beweis für belastbarkeit und funktionierendes krisenmanagement. menschlich eben. aber das zählt nicht.
das tut weh, nicht die sein zu dürfen, die ich bin. obwohl erwerbslosigkeit in diesem staat seit jahrzehnten für millionen von menschen zum alltag gehört, darf sie immer nur 'den anderen' passieren. daher muss ich in der bewerbung so tun, als ob ich kein mensch sei, sondern eine maschine mit immer gleichem – natürlich unglaublich hohem – kreativem output in immer gleicher bestqualität.
außerdem gehört in deutschland – völlig unzeitgemäß – immer noch ein foto zum bewerbungsstandard. trotz aller antidiskriminierungsgesetze und aller beteuerungen von 'gleiche chancen für alle'. in anderen ländern sind bilder längst verboten. im standardisierten lebenslauf der EU sind übrigens auch keine mehr vorgesehen. weil man weiß, dass schöne menschen die schöneren jobs kriegen und das schönere gehalt. unabhängig von der qualifikation.
ich spiele das spiel mit, weil ich keine andere wahl habe. meine bewerbung ist von vorne bis hinten durchkomponiert, mehrfach gecoacht und von verschiedensten fachleuten für sehr gut und tadellos befunden, wird immer wieder aktualisiert und auf den jeweiligen potentiellen arbeitgeber neu zugeschnitten. als ob ich mein leben im nachhinein noch ändern könnte! aber ich tu's. in meinem bewerbe-spot bin ich ein zielgruppenorientiertes chamäleon.
leider bislang erfolglos. seit mehr als acht jahren versuche ich, zumindest eine halbtagsstelle zu ergattern, die mir die basics in meinem leben finanziell absichern würde: miete, heizung, strom, internet und versicherungen. mehr will ich ja gar nicht. den rest dingel' ich schon irgendwie.
all die absagen untergraben mein selbstwertgefühl. ich bin nur noch ein schatten meiner selbst. kein vergleich mehr mit der brillianten, zuversichtlichen frau von vor ein paar jahren, als ich noch ausreichend bezahlte arbeit hatte. das wirkt sich auf alle lebensbereiche aus.
mit kognitiver disziplin versuche ich immer wieder, mich davon zu überzeugen, dass es nicht an mir liegt, wenn mal wieder der große umschlag mit absage im briefkasten liegt: wenn ich bei nachfrage herausfinde, dass es für eine halbtagsstelle fast dreihundert bewerberInnen gab – es ist wirklich eine lotterie.
ich bin eine frau, ich bin über 40, hochbegabt und gut ausgebildet.
gerade warte ich mal wieder. die beste bewerbung hatte ich abgeschickt auf eine stelle, für die ich zu hundert prozent qualifiziert bin. das ist mehr als drei wochen her. das warten macht mürbe. die stimmung ändert sich. von anfangs zuversichtlich und hoffnungsfroh hin zu schmutztümpel-depressiv: mit jedem tag sinkt die chance auf eine persönliche einladung, steigt die wahrscheinlichkeit des wieder mal „leider müssen wir Ihnen mitteilen .... andere Bewerberin entschieden .... keine Bewertung Ihrer Person und beruflichen Qualifikation ....“
heutzutage bin schon dankbar, wenn die unterlagen überhaupt zurückkommen. das ist schon längst nicht mehr üblich. bei online-bewerbungen scheint es sogar standard, entweder sofort eingeladen oder ganz ignoriert zu werden. bewerbungen, die ohne eingangsbestätigung oder absage immer noch irgendwo im orbit kursieren, habe ich nicht gezählt. die anderen übrigens auch nicht.
früher, in meinen zwanzigern, da besaß ich ganz bewusst keinen fotoapparat. ich hatte meinen kleinen prinzen gelesen und sagte oft: „ich mag mich von einem stückchen papier nicht foppen lassen. stell dir mal vor, in zehn oder zwanzig jahren, wenn meine erinnerung schon ganz verblasst sein wird – aber dieses foto ist immer noch so bunt und scharf wie am ersten tag. wie entsetzlich! da will ich die bilder lieber in meinem herzen tragen. da sind sie gut aufgehoben.“
ganze weltreisen machte ich also ohne kamera: den himalaya in flipflops - aber ohne beweisbilder; schneesturm auf dem fuji – das glaubt mir heute keineR mehr; leben in einer bambushütte auf einer kleinen tropeninsel mitten im chinesischen meer – oh idyllisches weihnachts-neujahrs-paradies kurz vor meinem zwanzigsten geburtstag.... aber war ich da wirklich?!
heute stelle ich fest: von manchen situationen, von besonderen oder alltäglichen augenblicken, hätte ich doch ganz gerne ein immerscharfes abbild gehabt, um meiner inzwischen blassen erinnerung auf die sprünge zu helfen.
denn manchmal reichen ein paar bunte optische punkte, und die gesamte verloren geglaubte szenerie taucht wieder auf in meinem herzen: nicht nur aussichten und ansichten, auch gerüche, geräusche, stimmungen, gefühle, das licht – das ganze drumherum samt vorher und nachher wird bisweilen wieder lebendig, wenn ich ein altes foto betrachte.
dann wieder gibt es fotos, da regt sich bei mir GAR nix – dabei habe ich sie doch selbst aufgenommen. aber wo war ich da bloß? wann war das? und mit wem? wer sind diese menschen so nahe bei mir auf dem bild und meinem herzen doch so fern?
irgendwann besaß ich dann doch eine kamera, diese kleine minox: eine analoge kleinbildkamera, die in jede jackentasche passte. heutzutage ist das nichts besonderes mehr. aber damals, 1982, war es das noch.
als die minox mir 1997 im duftenden inselfrühling der ägäis gestohlen wurde, war ich sehr traurig. nicht nur, weil die sonnenuntergangsbilder mit hale bopp nun für immer verloren sind.
ich mochte die kamera sehr, weil sie mich anderthalb für mich wichtige jahrzehnte begleitet hat. gemeinsam mit ihr hatte ich viel mehr gespeichert als nur fotografische erinnerungen.
danach war ich wieder eine weile kameralos. es fehlte mir an nichts, und doch: wenn ich meine fotokisten heute so durchgucke, dann gibt es eine optische lücke – gerade so, als wäre ich jahrelang gar nicht dabei gewesen in meinem leben. aus dieser zeit gibt es nur aufnahmen, die andere gemacht und mir gegeben oder geschickt haben. sozusagen ein blick auf mein leben von außen.
später bekam ich einen anderen foto geschenkt, vom vater. er hatte ausgesucht, nichts mit mir abgesprochen. statt der heiß ersehnten (aber für mich unbezahlbaren) spiegelreflex bekam ich eine auf immer ungeliebte vollautomatische kleinbildkamera, an der ich überhaupt nichts mehr einstellen konnte außer sonne und wolken.
die pentax war "praktisch, robust und pflegeleicht" - etwas „anständiges und vernünftiges“ - wie es der vater bevorzugte: ein häßliches großes ding zum knipsen.
aber keine KAMERA, mit der ich hätte FOTOGRAFIEREN können! in meinem fotokarton aus diesen jahren: uninspirierte und fast seelenlose schnappschüsse, denen man es irgendwie ansieht, dass ich den fotoapparat nicht leiden konnte.
photographisch erwacht und aufgelebt bin ich erst wieder vor einem halben jahr: die lang ersehnte Canon EOS ist endlich mein! zwar gebraucht und finanziert teils als geschenk, teils als kredit und teils mit meinem jämmerlich wenig ersparten, aber MEIN und auch noch digital!
plötzlich gibt es kaum eine sekunde meines lebens mehr, die ich NICHT fotografisch festhalten möchte. mag sein, dass das an der wunderbaren kamera liegt.
kann aber auch sein, dass schöne augenblicke mir jetzt, fast fünfzigjährig, kostbarer erscheinen als vor dreißig jahren. denn – so insgesamt gesehen – habe ich mehr davon hinter mir als vor mir. damals, als ich eine kamera noch für entbehrlich hielt, war das genau umgekehrt.
im gegensatz zu damals weiß ich heute, wie es sich anfühlt, wenn meine eigene erinnerung mich foppt. wie garstig und beschämend, dabei war ich doch dabei! genau deswegen wünsche ich mir bisweilen beweise für die ewig neuen farben des himmels und für alles andere auch!
wer weiß, welche streiche mein gedächtnis mir noch spielen wird, wenn ich erst achtzig bin!