Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
Als ehemalige freie Mitarbeiterin verschiedener Weltmusikredaktionen nehme ich die Fifa Fußball Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zum Anlass, in die Archive zu steigen und die Spiele des Tages jeweils mit passender Musik zu begleiten - täglich bis zum Finale am 13. Juli 2014.
Papaya Salad w/ Coconut Milk & Lime Juice
Jeden Tag präsentiere ich dem geneigten Publikum mehrere Musik-Tipps: Für jedes Spiel, jedes Land - mal neue, mal klassische, mal traditionelle Musik, möglichst abseits der Mainstream-Routen.
Bekanntes wiederhören - auch in unerwarteter Weise, Neues entdecken: Ich hoffe, es ist für viele von Euch etwas dabei. Bei gleicher Qualifikation wird die Musik von Frauen bevorzugt. Ich bin absolut parteiisch!
Das Ganze findet statt auf der Facebook-Seite des Büro für besondere Maßnahmen und ist garantiert (fast) fußballfrei. Es ist so eingestellt, dass ihr es sehen könnt, ohne bei Facebook angemeldet oder eingeloggt zu sein. (Diesen Hinweis poste ich hier nur einmal - die Musiktipps findet Ihr "aus organisatorsichen Gründen" ausschließlich auf Facebook).
Schaut doch mal rüber! Und abonniert die Facebook-Seite ... Ich freue mich über jeden Besuch und danke für Euer Interesse!
Schönste Sommergrüße aus der temporären Musikredaktion für besondere Maßnahmen!
Seitdem im Herbst vor einem Jahr der Medienkonzern meine Halbtagsstelle gekündigt hat, bin ich unverändert auf Arbeitssuche und versuche, mit dem kargen Arbeitslosengeld II irgendwie über die Runden zu kommen.
Zwischen Rheinebene und Schwarzwald
Bisher ist es mir nicht gelungen, im bezahlten Erwerbsarbeitsleben wieder Fuß zu fassen. Zwar hatte ich mehrere Vorstellungsgespräche und war auch bei einer Stelle ganz nah dran. Das ist schon ein Wunder, wenn eine über 50 ist, bestens qualifiziert und etwas mehr Honorar erwartet als den ungesetzlichen Mindestlohn.
Aber für einen Arbeitsvertrag hat es dann doch nicht gereicht.
Nun ist es mir immerhin gelungen, einen Minijob zu ergattern:
Ich darf Anzeigen Korrektur lesen bei einem regionalen Wochenblatt. Stundenweise, auf Abruf.
Das Honorar beträgt 10 Euro die Stunde. Für eine, die mal Kulturredakteurin war bei der ARD, ist das lächerlich. Da habe ich schon als Studentin vor 30 Jahren mehr verdient.
Die Zeiten haben sich geändert.Ich bin schon froh, dass ich das überhaupt machen darf, denn das habe ich nur der Verkettung von ein paar mehr oder weniger großen Zufallen zu verdanken:
Angefangen damit, dass ich die Zeitung überhaupt in meinem Briefkasten hatte. Bis vor kurzem klebte da nämlich noch ein Aufkleber „Keine Werbung bitte (und auch keine kostenlosen Zeitungen)“, weil mich diese Anzeigenblätter so nerven! Jahrelang haben sich die Zusteller daran gehalten.
Der Aufkleber war altersschwach, ich hatte ihn entfernt und noch nicht durch einen neuen ersetzt. Zack! Da war mein ungeliebtes Wochenblatt wieder da. Im Allgemeinen benutze ich es ohnehin nur, um Kartoffelschalen darin einzuwickeln oder den Mülleimer damit auszulegen.
Dass ich das Blatt an jenem Vormittag ausnahmsweise gelesen habe, lag nur daran, dass ich noch eine knappe halbe Stunde Zeit zu überbrücken hatte, bevor ich mich auf den Weg machen wollte, um pünktlich zu einer Frühstücksverabredung in der Stadt zu sein.
Die weiteren günstigen Koinzidenzen waren dann, dass ich a) das „Stellenangebot“ überhaupt entdeckt habe, b) sofort – trotz Feiertag! - dort anrief, dass ich es c) rechtzeitig gelesen habe um d) die erste zu sein, die sich darauf meldete und e) die zuständige Kollegin - wegen Feiertag! - in einer entspannten Atmosphäre am Telefon erwischte, so dass sie f) sich über meinen Anruf freute, g) mir geduldig zuhörte, h) Zeit und Lust hatte, mir ausführlich zu antworten und i) mir sofort einen Termin für ein Kennenlerngespräch vorschlug.
Wie viele Bewerbungen es insgesamt gab, weiß ich nicht. Es müssen sehr viele gewesen sein. Das Telefon klingelte noch, als ich eine Woche später bei ihr im Bewerbungsgespräch saß.
Tags darauf war ich eingeladen zu einem ersten „Probearbeiten“. Auf meine Kosten naürlich, unbezahlt. Einarbeitung wird bei Aushilfsjobs wohl nicht mehr vergütet, diese Zeit muss ich als prekär Beschäftigte meinen Arbeitgebern schenken.
Da bin ich ja schon froh, dass ich nicht noch draufzahlen und vorher eine teure Schulung absolvieren muss, in der mir als bestens qualifizierter journalistischer Fachkraft das Korrektur lesen erst noch auf meine Kosten beigebracht wird.
Immerhin, „auf Probe“ war nur ein Nachmittag, die paar Stunden meiner Lebenszeit schenke ich Euch Arbeitgebern. Ab dem zweiten Arbeitstag schenkt ihr mir ja jetzt Geld für die Zeit, die ich in Euren geheizten Räumen mit Aussicht verbringen und Tippfehler rot ankringeln darf. Ihr hättet mich auch vom Jobcenter geschenkt kriegen können als kostenlose Praktikantin für ein paar Monate. Darauf habt ihr verzichtet. Dafür danke!
Nun fahre ich also zwei Mal die Woche für zwei bis drei Stunden in die benachbarte Kurstadt. Bei trockenem Wetter kann ich die paar Kilometer radeln. Das trägt zu meiner Fitness bei. Quasi ein kostenloser Zusatznutzen zum zu erwartenden finanziellen Rebbach.
Natürlich werde ich als Hartz-4-Empfängerin nicht allen Lohn behalten und sorglos verprassen dürfen. Ich finde das auch völlig in Ordnung, wenn ich den SteuerzahlerInnen so viel wie möglich und nötig zurückgebe von den Geldern, mit denen sie mein Existenminimum so großzügig unterstützen.
Es ist allerdings keineswegs so, dass ich – wie oft angenommen – die ersten 170 Euro behalten darf.
Behalten darf ich nur die ersten 100 Euro. Die gelten als Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten, Arbeitskleidung, Arbeitsmaterial, Versicherungen, Bewerbungs- und Kommunikationskosten, Verpflegungsmehraufwand ...
Darüber hinaus gebe ich von jedem Euro Einkommen 80 Prozent ab, darf also nur 20 Eurocent behalten. Das ergibt bei einem Minijob mit einem Monatsverdienst von durchschnittlich maximal 450 Euro maximal 170 Euro im Monat.
So viel werde ich aber gar nicht verdienen. Bei vier bis sechs Wochenstunden komme ich auf höchstens 250 Euro im Monat, von denen ich dann 130 Euro für mich behalten darf. Aber besser als nix. Ich bin ja schon froh, wenn mein Leben ein bißchen weniger schlimm ist. Dass es jemals wieder gut werden könnte, wage ich kaum noch zu hoffen.
Was noch? Ach ja: Theoretisch stehen mir bei meinem Minijob auch Urlaubstage und anteilige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu. Ob ich die auch erhalte, bleibt abzuwarten. Eine schriftliche Vereinbarung habe ich bislang noch nicht gesehen.
Wenn ich den Minijob behalten will, werde ich tunlichst nicht nach weiteren Details fragen und nicht auf die Einhaltung der mir zustehenden Rechte pochen: Es stehende Dutzende weiterer BewerberInnen Schlange, die die Arbeit zu den bestehenden Konditionen mit Handkuss übernehmen würden.
Welcher (Zeitungs-)Verlag leistet sich heute noch eine Korrekturleserin? Da sind zehn Euro die Stunde vergleichsweise viel. Das verdienen oft nicht einmal die freien JournalistInnen. Dass es nur ein Bruchteil ist von dem, was ich früher einmal verdient habe, zählt nicht. Viele 450-Euro-Jobs sind inzwischen ausgelegt als Halbtagsstellen mit einem Stundenlohn von Fünfeuroäpfelputz. Da habe ich es doch gut!
Außerdem ist das Korrekturlesen eine Arbeit, die ich einfach gut kann, bei der ich fast gar nicht in Stress gerate. Im Verlag sitze ich mit den Korrekturstapeln allein in einem ruhigen, gerade nicht genutzten Raum oder in der Küche – ohne Telefon und ohne PC. Das ist geradezu erholsam.
Mit das Schönste: Mein inneres Kind freut sich ein Loch in den Bauch, wenn es mit dem Rotstift lustige Kringel aufs Papier malen darf. Auf Papier! Ganz analog!
Deswegen bin ich jetzt einfach mal dankbar und ignoriere das bisschen zähneknirschende Grummeln im Bauch. Lieber wäre mir natürlich, wenn ich mich von meiner Arbeit auch endlich wieder ernähren könnte - und von den Demütigungen des Jobcenters nicht mehr abhängig wäre.
gerade erst hatte ich gedacht: „jetzt
haste aber ne menge erfahrungen gemacht. gerade die letzte war ja
mal wieder eine echte herausforderung, zu buchen auf das lebenskonto 'erfahrungen - sollseite'. nun könnte zur abwechslung einmal etwas kommen, das ich aus dem fundus an bereits gemachten erfahrungen locker bewältigen kann - damit ich ein bißchen luft habe, um mich
mit aller kraft in die neue stelle einzuarbeiten, gut fuß zu fassen
und souverän zu werden ...!“
blühender glücksklee (oxalis tetraphylla)
aber immer dann kommt das leben,
watscht mir ins gesicht und sagt „äätsch-bäätsch! ich habe noch
was neues für dich!“ ZACK!
dieses luder.
keine drei monate war ich im medienkonzern, halbtags, als redaktionsassistenz für
drei verschiedene redakteurinnen. im grunde musste ich dreierlei jobs
neu lernen, für jede einen, ganz unterschiedliche aufgaben in
unterschiedlichen redaktionssystemen und software-backends.
vielerlei, alles sehr komplex.
obwohl ich als zeitarbeiterin schon
fast ein dreiviertel jahr in einer anderen abteilung gearbeitet
hatte, kam ich mir vor wie in einer neuen firma. erfahrene
kolleginnen sagten: „da brauchst du mindestens ein jahr, um dich
einzuarbeiten.“ eine ganz ehrliche kollegin sagte: „um sich
wirklich auszukennen, braucht man zwei jahre.“
sehr viel auf einmal, so schnell wie
möglich, oft sekundenschnelles hin- und her-switchen: auf emails und
kundenanfragen umgehend reagieren; dazwischen komplexe übersetzungen
juristischer texte aus dem deutschen ins englische (zu denen eine
befreundete diplomübersetzerin gesagt hatte, dass sie sich das nur
zutrauen würde, wenn ein muttersprachlicher arbeitsrechtler das
gegenliest); gleichzeitig zweierlei portalsforen auf neue einträge
überwachen (und beantworten); stundenlanges akribisches prüfen
diffiziler textbausteine in der software (ist die englische
übersetzung korrekt, stimmt die zuordnung …); das alles und noch
viel mehr - im geräuschpegel von teils laut telefonierendem
großraumbüro und baustellenlärm vor dem fenster.
unmöglich, mir alles gleich beim
ersten mal zu merken. ich habe kein fotographisches gedächtnis. mein
mensataugliches hochleistungshirn im overload. ich schwamm. stück
für stück fand ich mich ein, tag für tag schaffte ich mir mehr
boden mehr unter die füße.
wenn ich nicht weiterkam, fragte ich
die kollegInnen. so war es vereinbart. wenn ich fehler machte, wurde
ich darauf hingewiesen, hörte zu, lernte daraus. wie das eben so ist
in einer einarbeitung.
in den vierzehntägigen rücksprachen
mit der redaktionsleitung bekam ich großes lob für meine
übersetzungen. von den beiden anderen erhielt ich kein konkretes
feedback. „solange nichts negatives kommt, ist alles gut im fluss.“ -
dachte ich und strengte mich weiter an.
umso entsetzter war ich, als die chefin in meiner elften woche am neuen arbeitsplatz die rücksprache eröffnete mit den worten: „ich habe
schlechte nachrichten für Sie.“ - ?!?!?! - „Sie wissen sicher
schon, worum es geht.“ - ?!?!?! - „wir wollen Ihnen kündigen.“
- ?!?!?! - „wir haben uns die entscheidung nicht leicht gemacht.“
- ?!?!?! - „Sie sind zeitlich zu unflexibel (ich war pro arbeitstag im schnitt fast eine stunde länger da).“ - ?!?!?! - „Sie
haben überhaupt kein gespür dafür, wann hier viel zu tun ist.“ -
?!?!?! - „Sie haben zum falschen zeitpunkt einen tag urlaub
genommen (das war kein urlaub, sondern - auf den vorschlag der chefin hin - das zeitnahe abgleiten von überstunden und mit allen abgesprochen).“ - ?!?!?!
- „Sie sind im allgemeinen den belastungen dieser stelle nicht
gewachsen.“ - ?!?!?! - „Sie hätten doch merken müssen, dass
schlechte stimmung ist.“
dann legte sie mir die kündigung vor
(abgezeichnet von dreierlei geschäftsführungen und abgenickt vom
betriebsrat). ich hatte den empfang zu quittieren, meinen
schreibtisch sofort zu räumen, die mitarbeiterkarte auf den tisch zu
legen und das haus zu verlassen.
oh leben, du luder!
ich war geschockt und bin es noch.
offensichtlich hatten die drei „herrinnen“ (o-ton chefin) seit
wochen und monaten über mich gesprochen - und nicht ein einziges mal mit mir. ich hatte keine chance, stellung zu nehmen und - was auch
immer - zu verändern, verhalten oder arbeitsweisen zu korrigieren
und anzupassen. statt dessen haben sie meine - angeblichen - defizite
gesammelt und mich ins offene messer laufen lassen.
luder.
ich war nicht gut. ich war ihnen nicht einmal
gut genug, dass ich ihnen die zeit wert gewesen wäre, meine
angeblich ungenügenden leistungen mit mir zu besprechen. ich war scheinbar sogar so
dermaßen schlecht und unerträglich und schädlich fürs geschäft, dass man mich lieber von jetzt
auf gleich wegschickt - und dafür in kauf nimmt, trotz arbeit im
überfluss die stelle nun wieder mindestens sechs wochen lang
unbesetzt zu haben, um anschließend mit einer neuen kollegin und
der einarbeitung wieder ganz von vorne zu beginnen.
abgesehen von dem schock über dieses
unerwartete ende von etwas, das für mich mit ganz viel zuversicht
begonnen hat …; abgesehen von der verzweiflung, jetzt wieder ohne
eine regelmäßige arbeit dazustehen und dem hartz4-amt aufs neue
vollzeit ausgeliefert zu sein …; abgesehen von der trauer, so von
jetzt auf gleich einen wichtig gewordenen teil meines lebensinhalts
abgeschnitten zu bekommen …; abgesehen von der großen
ratlosigkeit, was die entsetzlich große differenz angeht zwischen eigen- und
fremdwahrnehmung …; abgesehen von der verunsicherung, wie ich denn
nun in meinem lebenslauf elegant unterbringe, dass ich bereits während
der probezeit rausgeworfen wurde …
abgesehen von alledem ... bin ich ganz
schön wütend!
denn auch, wenn ich jetzt im augenblick
überhaupt noch nicht weiter weiß, folgendes ist schon mal klar:
es ist überhaupt nicht schön, dass
ich meine arbeit schon nach so kurzer zeit wieder verloren habe. aber
es ist überhaupt nicht schlimm, dass ich diese arbeit nicht mehr
habe:
in einer umgebung, wo ich ohne
hellseherische fähigkeiten ständig angst haben müsste, das falsche
zu tun oder zu sagen, weil jemand anders darauf lauert, mich
vorzuführen, könnte ich auf dauer nicht gedeihen.
für einen betrieb, dessen
devise (u.a.) lautet „Bei uns fahren alle Vollgas. Immer. Wer nicht immer
Vollgas fährt, fährt besser woanders!“, habe ich einfach nicht
genug testosteron im blut, liebe ich das achtsame unterwegs-sein viel
zu sehr.
wenn ich schon im firmensprech, das den
maskulinen singular zur norm erklärt und frauen für nicht weiter
der rede wert hält, nicht vorkomme - dann habe ich dort zwar jetzt meinen job, als kluge frau aber ansonsten nichts verloren.
nicht nur die probezeit der katze habe ich vor kurzem erfolgreich bestanden und abgeschlossen (sie hat beschlossen, bei mir zu bleiben), sondern auch die ersten sechs monate auf meiner halben zeitarbeitsstelle im verlag habe ich bärinnenstark hinter mich gebracht.
Dolceaqua - Brücke über die Nervia
das war schon anfang mai, als ich aus meinen italienischen zeiten zurückkam. ich war sehr froh, dass ich als redaktionsaushilfe so lange durchgehalten hatte, dass meine kündigungsfrist nun nicht mehr nur zwei, sondern sogar vier wochen betrug.
so viel sicherheit hatte ich fast noch nie zuvor in meinem leben! wir erinnern uns: zu beginn meiner zeitarbeitskarriere im dezember des vergangenen jahres war die kündigungsfrist genau einen tag lang, vierundzwanzig stunden!
immer um zwei monate war mein einsatz verlängert worden, dreimal insgesamt, zum schluss bis ende juli. auch davon erfuhr ich im mai, allerdings mit bitterem beigeschmack. es hatte mir zwar keiner konkret gesagt, aber ich spürte es doch: diese verlängerung war die letzte. die erkrankte kollegin war längst genesen und hatte - unter anderem mit meiner unterstützung - alle rückstände aufgearbeitet. ob meine zeitarbeitsfirma mich danach noch woanders hätte unterbringen können, ist fraglich.
von wegen übernahmeoption! war das doch nur die lockende karotte gewesen, die die zeitarbeitsfirma mir die ganze zeit vor die nase gehalten hatte? mit der in den medien ständig geworben wird? die meist unhaltbare versprechung, dass zeitarbeit wirklich nur 'auf zeit' ist? und ich eselin war brav hinterhergetrottet?!
ja.
und nein.
ja, weil es in der bisherigen abteilung für mich definitiv nicht weiterging.
nein, weil genau zur selben zeit in einer anderen abteilung im haus eine stelle als redaktionsassistenz neu ausgeschrieben wurde: teilzeit, unbefristet. meine große chance!
nach rücksprache mit dem alten team habe ich mich beworben, wurde eingeladen zum vorstellungsgespräch, später ein kennenlernkaffee mit den neuen kollegInnen - und wurde genommen! nicht zuletzt, weil ich bereits im haus gearbeitet hatte und mir vieles bereits vertraut ist; weil die vorgesetzten untereinander geredet haben, was zu bereden war.
als halb-interne quereinsteigerin aus der zeitarbeit hatte ich den entscheidenden vorsprung. für diese chance bin ich allen beteiligten unendlich dankbar!
ich war - einmal im leben! - zur richtigen zeit am richtigen ort! plötzlich ging alles ganz leicht, und deswegen hat nun für mich an anderer stelle eine neue probezeit gerade erst begonnen:
auch wenn ich im selben betrieb bin, so ist in der neuen redaktion doch sehr vieles neu für mich: die inhalte, das team, der umgangston. es ist fast so, als ob ich nun in einer anderen firma arbeite - aber eben nicht ganz.
endlich habe ich auch einen eigenen festen arbeitsplatz (in mehrfacher hinsicht) - und wandere nicht länger von einem schreibtisch zum anderen - wo immer gerade platz ist, weil jemand urlaub macht oder krank ist. statt dessen gibt es sogar ein schild an 'meiner' großraumbürotür, auf dem - alphabetisch eingeordnet - mein name zwischen den anderen steht. ich bin jetzt mittendrin.
leider sind auch hier im 'reichen südwesten' die einstiegslöhne erheblich gesunken. ich verdiene nur noch ein bruchteil von dem, was mir 'früher' im 'armen nordosten' mal gezahlt wurde. deswegen kann ich auf ergänzendes arbeitslosengeld im augenblick noch nicht verzichten. immerhin ist mein gehalt ein bißchen mehr als in der zeitarbeit. das amt kann sich also freuen. ich werde billiger. es fehlt nicht mehr viel.
meine zwanzig stunden wochenarbeitszeit darf ich auf vier tage legen, welch ein luxus! nach einer solchen stelle habe ich mehr als zehn jahre gesucht: eine, die zwar nicht so ganz 'meins' ist - aber einigermaßen erträglich, vielleicht sogar hin und wieder spannend, die mir die basics finanziert, eine durchaus anspruchsvolle herausforderung - aber weder mich noch meine gesundheit überfordert.
sogar meine ärztin hat mir gratuliert. auch sie ist der meinung, dass ich jetzt erst einmal alle kraft auf die erfolgreiche einarbeitung legen und mich nicht zusätzlich belasten sollte (das amt und der vermieter sehen das leider nicht so. aber davon ein andermal - heute ist party!).
das wichtigste ist jetzt, dass ich das halbe jahr probezeit gut bestehe und auch tatsächlich in den unbefristeten vertrag übernommen werde.
es sieht ganz danach aus, als hätte ich einen arbeitsplatz gefunden, an dem ich bleiben kann.
und will.
und soll!
ein wunder!
eine brücke über den reißenden fluß!
damit ist von meinen vielen, mich so unendlich belastenden lebensbaustellen wenigstens bei einer alles bestmöglich auf den weg gebracht und - so hoffe ich - ein heiteres geradeaus in sicht.
ich werde jedenfalls von meiner seite alles dafür tun.
das erste zwölftel vom neuen jahr ist fast geschafft. schnee hatte ich in diesem bislang nur in sichtweite, aber noch nicht unter den eigenen füßen. das soll (leider) sich in den näxten tagen ändern. sodass die schneeglöckchen, die hier derzeit in voller blüte stehen, ihren schönen namen auch zu recht tragen.
die schneefallgrenze rückt bedenklich nahe
nach dieser einleitung der japanischen art – d.h., unter allen umständen immer zuerst ein paar worte über das wetter zu sprechen, bevor man zum eigentlichen thema kommt – möchte ich euch nicht länger auf die folter spannen. denn ich weiß, hier warten alle nur auf eines:
wie isset denn so – im neuen job?
in kürze: jut isset.
in länge:
es ist eine große umstellung für mich, nach der langen zeit des selbstbestimmten arbeitens mit freier themenwahl und freier zeiteinteilung nun wieder zu regelmäßigen arbeitszeiten an einem fremdbestimmten ort zu sein und dort aufgaben nach festen vorgaben zu erledigen.
ich stelle aber fest, dass mich das auch sehr erleichtert und meinem leben einen ganz neuen sinn (zurück-) gibt. es gefällt mir, wieder in eine redaktion zu gehen. da habe ich schon immer einen unterschied gemacht: ich wollte niemals eine "ins-büro-geherin" sein.
außerdem brauche ich bei der arbeit nicht darüber nachdenken, was ich tue, sondern nur noch wie ich etwas mache. auch das erleichtert mich, auch wenn es mir nicht immer gefällt.
die arbeit im verlag ist sehr komplex. alle sagen, dass es mindestens ein halbes jahr dauert, bevor man richtig eingearbeitet ist. erst nach etwa einem ganzen jahr fängt so etwas wie routine an, bei der man auf erfahrungen zurückgreifen kann.
ich bin dort ja nur für vier monate gebucht, bis ende märz. but I'm doing my very best, so gut zu sein, dass mein einsatz verlängert wird. ich mag die stelle, ich mag den arbeitgeber, ich mag auch (fast) alle kollegInnen im team des großraumbüros. ich will da möglichst lange bleiben! und das nicht nur, weil der kaffee gratis ist.
das großraumbüro allerdings stellt eine große energetische herausforderung dar: wenn ein dutzend leute arbeiten, hin und her laufen und reden, wenn ständig telefone klingeln und der riesige druckerscannerkopierer papier umwälzt – dann ist das schon eine ziemliche belastung für meine feinen sinne. mo jour hat auch hinten ohren.
noch dazu, wo derzeit das meiste sehr neu ist für mich, die arbeit und die menschen. ich habe es zu tun mit diversen verlagsprogrammen und riesengroßen datenbanken. die arbeitsabläufe sind hoch komplex und mir noch fremd, die vorgaben unendlich kompliziert und detailliert. ich darf täglich neues lernen – insofern erlebe ich schon auch fachliche herausforderung.
intellektuell aber muss ich mich sehr verarmen, um meine aufgaben erledigen zu können. ich darf nix neues erfinden, sondern ich habe vorgaben zu erfüllen. es ist wie malen nach zahlen.
falls hier irgend jemand dachte, es sei etwas romantisches, in einem verlag zu arbeiten, die/der möge sich dieses freundliche klischee bitte abschminken:
es ist knallharte, graue, kühle, gewinnorientierte arbeit!
aber ich kann das schaffen, denn es ist nur halbtags. dennoch: wenn ich am frühen nachmittag nach hause komme, sitze ich oft heulend in der ecke, weil ich so erschöpft bin. oder hänge vor dem pc und daddle über stunden stumpfsinnig vor mich hin, weil nix aktives, kreatives mehr geht.
ich gehe davon aus, dass das mit der zeit besser wird: wenn ich bei der arbeit mehr routine habe, wenn ich mich besser eingelebt und eingewöhnt habe, souveräner werde. derzeit ist alles noch sehr surreal, sehr fremd, sehr unpersönlich. andererseits erlebe ich auch sehr viel wohlwollen und freundlichkeit – ich kann es nur noch nicht so genau spüren vor lauter aufregung, all das neue auch erst einmal kennenzulernen, einzuordnen und zu verarbeiten. gleichzeitig habe ich große angst, nicht gut genug zu sein für den renommierten arbeitgeber.
es ist ja auch noch winter, die dunkle jahreszeit war schon immer die schwierigste für mich. bloß, weil ich nun eine halbe befristete arbeitsstelle habe, sind weder die depressionen verschwunden noch ist das trauma behandelt.
hinzukommt, dass das jobcenter seine drohung wahr gemacht hat. meine gesundheit und arbeitsfähigkeit gehen dem amt bekanntlich am arsch vorbei. meine miete wird seit anfang des jahres nur noch 'in angemessener höhe' übernommen. es klafft eine riesenlücke. das gehalt aus meinem halbtagsjob füllt diese lücke nicht. ich bin auf ergänzendes alg2 angewiesen und habe jetzt weniger geld zur verfügung als noch im dezember 2011 – und das, obwohl ich arbeite.
da darf ich nicht drüber nachdenken, sonst knalle ich noch öfter mit dem kopf gegen die wand, bis es knirscht.
dennoch bin ich zuversichtlich, dass ich das aushalten kann und dass es besser wird. es gibt prioritäten im leben.
prio no 1:
keinen alkohol trinken, egal was passiert.
das habe ich selbst in der hand. es funktioniert für mich seit mehr als zwölf jahren und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das auch weiter hinkriege.
prio no 2:
den job in die verlängerung retten.
das habe ich nur zum teil selbst in der hand, denn auf die personalpolitik des arbeitgebers habe ich keinen einfluss. aber ich kann so gut und effektiv und kollegial sein wie nur möglich – sodass man mich weiter im team dabeihaben möchte. ich will dort ankommen!
dahin geht jetzt all meine energie. ich betreibe derzeit mehr rekreation als kreation. mit voller absicht. es geht immer nur ein schritt vor den anderen. der gehenden schiebt sich der weg unter die füße. wenn ich drei monate zurückblicke, habe ich ein großes stück geschafft.
während ich dies schrieb, ist die schneefallgrenze auf mich herabgesunken. für heute gehe ich in den winterschlaf. ich wünsche euch allen einen kuscheligen sonntag und noch viel mehr!
*
mit dem heutigen post mache ich eine neue kategorie auf, den "leserInnenbrief".
leserInnenbriefe sind briefe an meine leserinnen und leser:
an die vielen, die hier kurz oder lange mitlesen, die mich aus dem weltweiten weibernetz oder persönlich kennen und anteil nehmen an meinem leben und meiner geschichte.
es ist wunderbar, dass ihr da seid, danke! so fühle ich mich verbunden.
ich möchte euch gerne auf dem laufenden halten über das, was ist – auch in zeiten, in denen mir der literarische dreh fehlt, um 'unfug en gros und en détail' zu produzieren.
solche 'updates zur aktuellen lebenssitutaion' gab es auch bisher schon – ab heute haben sie einen namen.
auch leserInnenbriefe sind besondere maßnahmen.
manchmal passieren die dinge im leben so schnell, dass mir schier schwindlig wird. gerade so, als ob ich in einem dieser wirbelnden karusselldinger sitze und nicht mehr raus kann, obwohl mir längst schlecht ist vor lauter aufregung.
manchmal muss es eben Lindt sein. [danke k!]
ich brauchte die kraft einer bärin, um auf den füßen zu bleiben. da steh ich nun – und habe eine unbefristete arbeitsstelle. seit anfang des monats. teilzeit. in einem der größten verlage des landes.
nach den ersten arbeitstagen kann ich sagen: das ist im grunde genau die stelle, nach der ich seit gut zehn jahren gesucht habe. sie finanziert meine basis. fast. nur noch ein bißchen mehr, damit es auch für die wohnung reicht – und dann ist der rest fröhliche kür.
plötzlich stehe ich wieder ganz anders in der welt. klar: ich werde meine freien kapriolen fortsetzen! die kolumnen, die kurse, das büro für besondere maßnahmen. aber zunächst setze ich prioritäten: auf diesem neuen arbeitsplatz will ich nicht nur die probezeit überstehen!
die bezahlung ist …. übertariflich. die tarife sind zwar nicht so dolle, aber egal. immerhin ist es mehr als an der hochschule im vergangenen jahr.
die sache hat einen kleinen haken, den ich respektvoll vernachlässige, weil sonst alles stimmt: der unbefristete vertrag läuft über eine zeitarbeit. mein einsatz auf der jetzigen stelle ist zunächst auf mehrere monate befristet – allerdings mit ausdrücklicher übernahmeoption.
es geht um formalien: die arbeit ist da, aber der zusätzliche arbeitsplatz von der geschäftsleitung noch nicht bewilligt. also springt zunächst das budget für aushilfen ein, bis anderweitig fakten geschaffen wurden.
für mich ist das eine riesige chance! ich kann mich noch einmal neu orientieren, darf vieles dazulernen. muss mich zunächst nicht festlegen. darf reinschnuppern und mich bewähren. ich fasse es noch gar nicht, so groß ist mein glück.
es war alles anders als beim letzten stellenantritt vor ziemlich genau zwei jahren: die erste reaktion auf meine online-bewerbung bei der personalvermittlung (vor gut vier wochen) kam diesmal schon am selben tag. keine vierundzwanzig stunden später saß ich bereits im vorstellungsgespräch. der personaler freundlich, wertschätzend. keinerlei fangfragen! ein profi.
man werde meine unterlagen weitergeben und mich dem auftraggeber als geeignete bewerberin empfehlen. dann dauerte es zwei geduldige wochen, bis die rückmeldung kam: der verlag wollte mich kennen lernen, ende november. yesss!
ich starb vor aufregung und machte mit der besten freundin eine modenschau, um ein geeignetes outfit festzulegen. nach fast sechs jahren in hartzIV ist von den feinen vorzeige-klamotten der rundfunkredakteurin von damals nicht mehr viel übrig. ausgaben für textile neuanschaffungen sind derzeit nicht vorgesehen. wir fanden einen kompromiss aus second hand, unkaputtbarem hess natur und italienischen schuhen.
neu für mich: für einen einzigen job zu zwei verschiedenen vorstellungsgesprächen zu gehen. meine aufregung war enorm, der gemessene blutdruck lag knapp unter 200. ich habe es ausgehalten.
aber auch das zweite gespräch verlief sehr angenehm: sachlich, freundlich, professionell. wertschätzend. gar kein personaler dabei. statt dessen der abteilungsleiter und der redaktionsleiter – also genau die menschen, mit denen ich nun im arbeitsalltag zu tun habe.
danach hatte ich zwar ein gutes gefühl, war aber total verunsichert. zu viele demütigungen habe ich erfahren in den vergangenen jahren, zu viele leere versprechungen gehört. zu stark die konkurrenz: oft hatten nur nuancen den ausschlag gegeben. immer hatte ich verloren. die bewerbungen habe ich schon längst nicht mehr gezählt.
diesmal habe ich gewonnen. der erlösende anruf kam gleich am tag darauf: arbeitsbeginn in wenigen tagen! das war vergangene woche. inzwischen stecke ich schon mitten in der einarbeitung.
nun bin ich wieder teil der erwerbstätigen bevölkerung. mein leben hat einen rahmen, in den ich mich einfügen kann. das wort 'freizeit' bekommt einen stellenwert, den es lange nicht hatte. welch ein genuss!
täglich gehe ich hinaus in die welt, erledige meine aufgaben in einem kleinen, kollegialen team. ich werde gesehen.
dass es das wieder gibt für mich, empfinde ich als großes wunder. ich hatte nicht mehr daran geglaubt. nun ist es einfach so. es geht mir sehr sehr gut damit.
nicht so gut geht es mir mit dem ergänzenden arbeitslosengeld 2, auf das ich zunächst noch angewiesen bin: 'eigentlich' sollte jetzt das jobcenter ein einsehen haben und mir die wohnung lassen. wo ich doch meinen lebensunterhalt zum größten teil endlich wieder selbst verdiene.
aber pustekuchen: erst gestern kam ein neuer bescheid, dass meine miete ab 01.01.2012 nur noch 'in angemessener höhe' anerkannt werden soll. dann reicht mein eigener verdienst nicht mehr zum leben: nach abzug der miete bleiben mir noch knappe 150 euro für lebensmittel, strom, telefon/internet, versicherungen etc.
ich bin also weiterhin mit überleben beschäftigt. trotz allem: mein motto für dieses jahr war gut gewählt: „erwarte nichts. lebe genügsam von überraschungen.“
es bewahrheitet sich nun, dass ich sogar darauf vertrauen kann. diese überraschung zum jahresende, der unbefristete vertrag, macht mich fast satt. ein paar bären sind noch übrig, für noch mehr kraft, die ich jetzt dringend brauchen werde.