kaum zu fassen, aber das gibt es noch: ich bin verliebt! seit mittwoch, um fünfzehnuhrzehn.
fast zweieinhalb jahre sind vergangen, seitdem meine letzte katze starb. mafia cioccolata war 18 jahre alt und schwer krank. ein halbes jahr zuvor hatte frau maier uns verlassen. sie war fast 19 – und ebenfalls sehr krank.
nachdem die mir von einer freundin zeitweilig anvertraute katzebutz sich im vergangenen oktober auf den weg nach china gemacht und mich ebenfalls verlassen hatte, war meine wohnung kalt und leer und sehr sehr einsam.
wie ich den winter ohne katze überstanden habe, weiß ich schon gar nicht mehr. zum glück war ich zumindest unter der woche etwas abgelenkt durch die neue arbeitsstelle. im verlag ist es hell und geheizt.
noch vor wenigen wochen war ich ganz fest der meinung, keine eigene katze mehr zu wollen, weil ich mit meinen prekären finanzen nicht die verantwortung für ein anderes lebewesen übernehmen wollte. ich kriege mich ja schon selbst kaum ausreichend ernährt.
statt dessen wollte ich lieber ab und zu mal ein tier in pflege nehmen, auf zeit.
aber während ich noch am rechner saß, um einen flyer zu basteln, den ich in den tierarztpraxen und katzenfutterboutiquen der nachbarschaft hätte auslegen wollen, da wuchsen meine einsamkeit und die sehnsucht nach kätzischer zuwendung ins unermessliche.
drei tage später geschah das februarwunder: ganz unerwartet hat das jobcenter eingelenkt und mir die volle miete für weitere drei monate zugestanden. eine fette nachzahlung blinkte fröhlich und ganz überraschend auf meinem konto. eigentlich hat diese nachzahlung nur die lücke gefüllt. aber uneigentlich hatte ich dadurch in meinem dispolimit wieder etwas mehr luft.
„reichtum“ hatte mir die tarotkarte aus der neujahrsnacht für den februar vorhergesagt. da war er!
„die kaiserin folgt ihrem innersten gesetz“ hieß an jenem mittwoch bei zinnoberfluss.
reichtum!? innerstes gesetz?! ich fuhr sofort ins tierheim meines vertrauens und ließ mich durch die katzenzimmer führen.
da war sie. im vierten zimmer. dutzende andere hatte ich gesehen, aber sie sah mich. quasi mitten in den weg setzte sie sich und wollte nicht einen zentimeter weichen. aus großen bernsteingoldenen augen sah sie mich an. ich kam nicht an ihr vorbei. sie sprang auf die obere ablage und breitete sich in ihrem körbchen vor mir aus, unwiderstehlich!
sie ließ sich sogar von mir anfassen: kein zurückweichen kein fauchen keine abwehr. ich bin dein! schien sie mir zu telepathieren. protest zwecklos, entkommen unmöglich. die goldenen katzenaugen hielten mich in ihrem bann. zack! unsterblich verliebt. kein zurück mehr.
die pflegerin erzählte, dass sie vor rund einem jahr als pensionskatze eingezogen und dann von den besitzern nicht abgeholt worden war, sehr scheu und zurückhaltend sei. auch ich kann hemmungslos schüchtern sein: die katze her zu mir!
seither steht mein büro für besondere maßnahmen wieder unter kätzischer regie. die neue büromieze heißt Ginivra. in anlehnung an königin Gwenhwyfar aus der artussage. das bedeutet die schöne, die weiche; es bedeutet auch "die weiße fee" - bezaubernde Gini!
eine eigene webseite hat sie auch schon. aber Ginivra ist nicht so der literarische typ, sagt sie. es kann also sein, dass ihr blog eher eine art fotoalbum wird.
Ginis fellfarbe, übrigens, ist ein verdünntes schildpatt. das kannte ich vorher gar nicht. aber zum glück gibt es ja das internet. da wird nicht nur ziemlich genau erklärt, wie diese farbe genetisch zu stande kommt, sondern auch, dass sie bei manchen züchtern angeblich sehr beliebt sei und auch blau-creme heißt oder tortie. meine neue katze ist also ein süßes törtchen. ein sweet pie! *hach*
wir grinsen uns eins. denn im grunde ist Ginivra graubraun gesprenkelt, also nix besonderes: „en fussisch julche met bläcke fööß“ - von irgendwie undefinierbarer farbe - wie man in meiner geburtsstadt sagen täte.
das einzige, was mir bislang unangenehm aufgefallen ist: ihre farbe beißt sich ein wenig mit der farbe des aktuellen teppichbodens. helles holz als untergrund wäre besser, sowieso - so wie wir das früher hatten, als ich noch in berlin lebte.
nun, wir werden uns arrangieren. Ginivra und ich. ansonsten verstehen wir uns bestens.
immerhin habe ich jetzt endlich eine katze, die nicht nur bei nacht, sondern auch am tage grau ist. das finde ich sehr schön!
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Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Denn irgendwas is' immer ....
[über den Umgang mit Katzen & Vermietern - und andere wichtige Dinge im Leben einer Frau]
Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!
Januar 2021
Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de
Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)
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Sonntag, 4. März 2012
Sonntag, 21. März 2010
in memoriam - katzengeschichte no 5
„jetzt ist sie schon wiiieder weg!“ - ich hatte bloß kurz das fenster aufgemacht und zack! war mii-zeh maier nach draußen entwitscht. wir wohnten erst seit kurzem in der nähe vom flughafen, und meiner älteren katze schien es hier überhaupt nicht zu gefallen. dabei hatte ich mich auch den beiden katztieren zuliebe für die wohngemeinschaft im reihenhäuschen mit garten entschieden.
„jetzt wohnst du in berlin-westdeutschland,“ hatte eine freundin leicht spöttisch gesagt. sie fand meine neue wohngegend spießig. ich hingegen empfand die fliegersiedlung in der gartenstadt von neu-tempelhof nach langen jahren im sozialen brennpunkt zwischen kreuzberg und neukölln - wo ich schon mal im eigenen treppenhaus mit dem messer bedroht worden war - als wohltuend harmlos.
das haus war auch ganz hübsch, eins von den fritz-bräuning-häusern, sozialer wohnbau aus den 1920er jahren. ich empfand es als ehre, dort wohnen zu dürfen.
die katze hingegen war ständig unterwegs. für wochen! das ging von anfang an so. sie hatte sehr viel schneller gemerkt als ich, dass das nicht das richtige war für uns: das haus lag in der ein-/ausflugschneise des innenstadtflughafens. ende der neunziger jahre war in tempelhof noch mächtig betrieb. die flugzeuge warfen ihre lauten schatten auf den frühstückstisch. je nach wetterlage schmeckte nicht nur der salat nach kerosin.
ob es nun der flughafen war, der meiner katz‘ nicht in den kram passte oder der kater aus der nachbarschaft, der unser wohnzimmer als transit benutzte auf seinem weg vom garten über das vordach durch mein zimmer in die oberen stockwerke, wo er bei den mitbewohnern willkommen war - egal!
ich verbrachte einen großen teil von sommer und herbst damit, suchezettel aufzuhängen an laternenmasten oder in tierarztpraxen sowie in den gärten im umkreis von einem dreiviertel kilometer nach der katze zu fahnden.
mal rief mich jemand an, er habe die katze gesehen, und ich hatte zumindest einen ungefähren anhaltspunkt für meine suche. mal ließ sie sich finden, mal nicht. wenn ich sie gefunden hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sich auch einfangen ließ. sie schien zu wissen, dass ich sie ins ungeliebte haus zurückbringen würde und wich mir aus – ganz egal wie viel schabefleisch ich ihr auch hinhielt.
mein zweites katztier – mafia cioccolata - war geduldiger und blieb bei mir. sie war schon immer die häuslichere gewesen von den beiden. aber richtig wohl gefühlt hat auch sie sich nicht in dem haus, wo wir meist fenster und türen geschlossen halten mussten wegen des anderen katers und sie sich nicht frei bewegen konnte.
anfang juli 1998 waren wir umgezogen. im august war mii-zeh das erste mal weg. ich fand sie wieder, nach wochen. im september war sie das zweite mal weg. ich fand sie wieder. am 9. oktober verschwand sie endgültig aus dem leonhardyweg. ich suchte sie sehr, wochenlang - aber ich fand sie nicht. im geiste sah ich sie abwechselnd mit sonnenbrille, köfferchen und ticket auf dem rollfeld stehen und auf ihren flieger warten oder bei einer alten dame rundum verwöhnt auf dunkelroten samtkissen mit goldrand thronen.
was der katze nicht gefiel, war auch für mich nicht gut: peu à peu bemerkte ich neben den lästigen flughafenbegleiterscheinungen andere unappetitlichkeiten: unter der treppe türmten sich schimmelnd leere bierflaschen, die mitbewohner züchteten wissenschaftliche experimente im kühlschrank – und mir wurde verboten, unangenehmes auszusprechen, weil doch das kind ein waldorfkind war und keinerlei disharmonie vertrug.
ab mitte oktober war ich wieder auf wohnungssuche. einen neuen mietvertrag für ein schmuckstück von altbauwohnung am oberen kurfürstendamm gab es bereits ende november, kurz vor weihnachten zog ich endlich um. ich hatte nur noch eine katze: mafia schmiss sich auf die frisch abgezogenen dielen, sie liebte das hochbett und den kleinen balkon, die kartons ganz oben auf dem regal waren ihr ausguck.
an mii-zeh maier dachte ich oft. es tat weh, nicht zu wissen, was aus ihr geworden war. ging es ihr gut? hatte sie sich ein feines plätzchen gefunden? die hoffnung, sie wiederzufinden, hatte ich aufgegeben und versuchte, mich mit dem verlust des geliebten tieres zu arrangieren. ich produzierte in der masurenallee viele viele hörfunkbeiträge und erhielt im januar 1999 die chance, als feste freie regelmäßig für die kulturwelle zu arbeiten.
als ich am ersten februar aus dem funkhaus kam, blinkte der anrufbeantworter, eine jungenstimme: „ich glaube, wir haben ihre katze gefunden, bitte rufen sie zurück.“
es war ein kalter wintertag. schnee in berlin, die straßen vereist. mii-zeh hatte vor dem tempelhofer st.-josefs-krankenhaus fast einen verkehrsunfall verursacht, als sie über die straße gelaufen war. der junge hatte sie beobachtet, sie hatte hunger und ließ sich von ihm einfangen. er brachte sie zu sich nach hause, öffnete die kapsel an ihrem halsband, das sie trotz der langen zeit da draußen in der millionenstadt nicht verloren hatte.
er fand darin meine alte telefonnummer. damals war die telekom noch sehr streng: wenn man in berlin von einem stadtteil in den anderen zog, durfte man die telefonnummer nicht mitnehmen. ich hatte auf der alten leitung eine tonbandansage schalten lassen, dass die nummer sich geändert hatte – mit angabe der neuen rufnummer. dieser service war kostenlos, immerhin.
der junge hatte die alte nummer gewählt. hatte dem tonband geduldig zugehört, sich die neue nummer notiert und mich dort noch einmal angerufen. er hatte tatsächlich meine katze gefunden!
wie ferngesteuert schnappte ich mir den katzenkorb, schlitterte mit meinem alten auto quer durch die schon dunkle stadt; verursachte einen stau, als die batterie mitten auf einer großen kreuzung versagte und starthilfe brauchte – und kniete plötzlich in einer fremden wohnung vor einem großen ohrensessel, unter dem sich meine! meine! meine! katze mit angstvoll leuchtenden augen verkrochen hatte.
ich bedankte mich, zahlte einen finderlohn und brachte das wunder mii-zeh maier nach hause: mehr als vier monate lang hatte sie sich in der großstadt alleine draußen durchgeschlagen, den ganzen langen winter lang. sie war unverletzt, sie war gesund, sehr schlank und unverändert schön.
in der „neuen“ wohnung schnupperte sie kurz an fressnapf und katzenklo, gab ihrer tochter mafia cioccolata einen nasenstüber, stieg die treppe zum hochbett hoch und setzte sich schnurrend auf die regalkartons als hätte sie nie etwas anderes getan.
die schwierigste aufgabe war jetzt, meinem damaligen vermieter vorsichtig zu erklären, dass ich plötzlich zwei katzen hatte. der milde dr. M duldete sie freundlich.
nur wenige tage später hat die telekom das tonband mit der umzugsmeldung abgeschaltet.
mii-zeh maier war weiterhin oft und lange draußen unterwegs, aber sie lief nie wieder weg.
wir hatten danach noch zehn schöne jahre miteinander.
wo sie war und was sie erlebt hat in jenem winter 1998/99 allein im wilden und gefährlichen großstadtdschungel - das hat sie mir nicht erzählt.
die nacht vom 21. auf den 22. märz vor einem jahr war ihre letzte.
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„jetzt wohnst du in berlin-westdeutschland,“ hatte eine freundin leicht spöttisch gesagt. sie fand meine neue wohngegend spießig. ich hingegen empfand die fliegersiedlung in der gartenstadt von neu-tempelhof nach langen jahren im sozialen brennpunkt zwischen kreuzberg und neukölln - wo ich schon mal im eigenen treppenhaus mit dem messer bedroht worden war - als wohltuend harmlos.
das haus war auch ganz hübsch, eins von den fritz-bräuning-häusern, sozialer wohnbau aus den 1920er jahren. ich empfand es als ehre, dort wohnen zu dürfen.
die katze hingegen war ständig unterwegs. für wochen! das ging von anfang an so. sie hatte sehr viel schneller gemerkt als ich, dass das nicht das richtige war für uns: das haus lag in der ein-/ausflugschneise des innenstadtflughafens. ende der neunziger jahre war in tempelhof noch mächtig betrieb. die flugzeuge warfen ihre lauten schatten auf den frühstückstisch. je nach wetterlage schmeckte nicht nur der salat nach kerosin.
ob es nun der flughafen war, der meiner katz‘ nicht in den kram passte oder der kater aus der nachbarschaft, der unser wohnzimmer als transit benutzte auf seinem weg vom garten über das vordach durch mein zimmer in die oberen stockwerke, wo er bei den mitbewohnern willkommen war - egal!
ich verbrachte einen großen teil von sommer und herbst damit, suchezettel aufzuhängen an laternenmasten oder in tierarztpraxen sowie in den gärten im umkreis von einem dreiviertel kilometer nach der katze zu fahnden.
mal rief mich jemand an, er habe die katze gesehen, und ich hatte zumindest einen ungefähren anhaltspunkt für meine suche. mal ließ sie sich finden, mal nicht. wenn ich sie gefunden hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sich auch einfangen ließ. sie schien zu wissen, dass ich sie ins ungeliebte haus zurückbringen würde und wich mir aus – ganz egal wie viel schabefleisch ich ihr auch hinhielt.
mein zweites katztier – mafia cioccolata - war geduldiger und blieb bei mir. sie war schon immer die häuslichere gewesen von den beiden. aber richtig wohl gefühlt hat auch sie sich nicht in dem haus, wo wir meist fenster und türen geschlossen halten mussten wegen des anderen katers und sie sich nicht frei bewegen konnte.
anfang juli 1998 waren wir umgezogen. im august war mii-zeh das erste mal weg. ich fand sie wieder, nach wochen. im september war sie das zweite mal weg. ich fand sie wieder. am 9. oktober verschwand sie endgültig aus dem leonhardyweg. ich suchte sie sehr, wochenlang - aber ich fand sie nicht. im geiste sah ich sie abwechselnd mit sonnenbrille, köfferchen und ticket auf dem rollfeld stehen und auf ihren flieger warten oder bei einer alten dame rundum verwöhnt auf dunkelroten samtkissen mit goldrand thronen.
was der katze nicht gefiel, war auch für mich nicht gut: peu à peu bemerkte ich neben den lästigen flughafenbegleiterscheinungen andere unappetitlichkeiten: unter der treppe türmten sich schimmelnd leere bierflaschen, die mitbewohner züchteten wissenschaftliche experimente im kühlschrank – und mir wurde verboten, unangenehmes auszusprechen, weil doch das kind ein waldorfkind war und keinerlei disharmonie vertrug.
ab mitte oktober war ich wieder auf wohnungssuche. einen neuen mietvertrag für ein schmuckstück von altbauwohnung am oberen kurfürstendamm gab es bereits ende november, kurz vor weihnachten zog ich endlich um. ich hatte nur noch eine katze: mafia schmiss sich auf die frisch abgezogenen dielen, sie liebte das hochbett und den kleinen balkon, die kartons ganz oben auf dem regal waren ihr ausguck.
an mii-zeh maier dachte ich oft. es tat weh, nicht zu wissen, was aus ihr geworden war. ging es ihr gut? hatte sie sich ein feines plätzchen gefunden? die hoffnung, sie wiederzufinden, hatte ich aufgegeben und versuchte, mich mit dem verlust des geliebten tieres zu arrangieren. ich produzierte in der masurenallee viele viele hörfunkbeiträge und erhielt im januar 1999 die chance, als feste freie regelmäßig für die kulturwelle zu arbeiten.
als ich am ersten februar aus dem funkhaus kam, blinkte der anrufbeantworter, eine jungenstimme: „ich glaube, wir haben ihre katze gefunden, bitte rufen sie zurück.“
es war ein kalter wintertag. schnee in berlin, die straßen vereist. mii-zeh hatte vor dem tempelhofer st.-josefs-krankenhaus fast einen verkehrsunfall verursacht, als sie über die straße gelaufen war. der junge hatte sie beobachtet, sie hatte hunger und ließ sich von ihm einfangen. er brachte sie zu sich nach hause, öffnete die kapsel an ihrem halsband, das sie trotz der langen zeit da draußen in der millionenstadt nicht verloren hatte.
er fand darin meine alte telefonnummer. damals war die telekom noch sehr streng: wenn man in berlin von einem stadtteil in den anderen zog, durfte man die telefonnummer nicht mitnehmen. ich hatte auf der alten leitung eine tonbandansage schalten lassen, dass die nummer sich geändert hatte – mit angabe der neuen rufnummer. dieser service war kostenlos, immerhin.
der junge hatte die alte nummer gewählt. hatte dem tonband geduldig zugehört, sich die neue nummer notiert und mich dort noch einmal angerufen. er hatte tatsächlich meine katze gefunden!
wie ferngesteuert schnappte ich mir den katzenkorb, schlitterte mit meinem alten auto quer durch die schon dunkle stadt; verursachte einen stau, als die batterie mitten auf einer großen kreuzung versagte und starthilfe brauchte – und kniete plötzlich in einer fremden wohnung vor einem großen ohrensessel, unter dem sich meine! meine! meine! katze mit angstvoll leuchtenden augen verkrochen hatte.
ich bedankte mich, zahlte einen finderlohn und brachte das wunder mii-zeh maier nach hause: mehr als vier monate lang hatte sie sich in der großstadt alleine draußen durchgeschlagen, den ganzen langen winter lang. sie war unverletzt, sie war gesund, sehr schlank und unverändert schön.
in der „neuen“ wohnung schnupperte sie kurz an fressnapf und katzenklo, gab ihrer tochter mafia cioccolata einen nasenstüber, stieg die treppe zum hochbett hoch und setzte sich schnurrend auf die regalkartons als hätte sie nie etwas anderes getan.
die schwierigste aufgabe war jetzt, meinem damaligen vermieter vorsichtig zu erklären, dass ich plötzlich zwei katzen hatte. der milde dr. M duldete sie freundlich.
nur wenige tage später hat die telekom das tonband mit der umzugsmeldung abgeschaltet.
mii-zeh maier war weiterhin oft und lange draußen unterwegs, aber sie lief nie wieder weg.
wir hatten danach noch zehn schöne jahre miteinander.
wo sie war und was sie erlebt hat in jenem winter 1998/99 allein im wilden und gefährlichen großstadtdschungel - das hat sie mir nicht erzählt.
die nacht vom 21. auf den 22. märz vor einem jahr war ihre letzte.
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Donnerstag, 10. Dezember 2009
in memoriam - katzengeschichte no. 3
mafia cioccolata kam ende juli 1991 im begehbaren kleiderschrank meiner berliner altbauwohnung in berlin neukölln zur welt. sie war das einzige mädchen im dreierwurf. die anderen beiden waren rote tigerkater – ganz der vater.
der rote kater peter aus dem haus nebenan war damals der einzige zeugungsfähige seiner art - in der gesamten nachbarschaft im sozialen brennpunkt am reuterplatz. nicht, dass er oder sein besitzer jemals alimente gezahlt hätten. aber die ähnlichkeit war unübersehbar. ein jahr später war er nicht nur mafias vater, sondern auch ihr liebhaber und vater ihrer fünf kinder.
eigentlich hatte ich das kätzchen gar nicht behalten wollen. wie die anderen beiden war sie versprochen und sollte im alter von drei monaten abgeholt werden. aber der neue besitzer kam nicht. sie blieb übrig. bis dahin hatte ich sie schon so lieb gewonnen, dass ich sie niemals wieder hergeben wollte. außerdem waren sie ein superteam, sie und ihre mutter mii-zeh maier. gemeinsam haben die beiden sogar dicke doofe stadttauben erlegt.
mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so frech war und so süß. nie zuvor habe ich eine katze erlebt, die so freundlich war, so zärtlich und so liebevoll. immer. egal was man mit ihr machte – und die so lautstark renitent werden konnte, wenn sie ihren willen nicht gleich bekam.
mafia hätte man am schwanz ziehen können – sie hätte trotzdem noch geschnurrt. aber wehe, ihr futter wurde nicht pünktlich um dreiviertel sechs serviert! dann konnte sie so vorwurfsvoll quäken, als hätte sie drei wochen lang nix zu fressen gekriegt.
überhaupt ihre stimme. die war eigentlich schrecklich. geradezu penetrant, aber unverkennbar! hätte ich gewusst, dass sie die ein katzenleben lang behält, dann hätte ich sie nicht mafia getauft, sondern sirene.
mafia cioccolata war eindeutig die häuslichere von meinen beiden katztieren. es war ganz auffällig, dass sie – im gegensatz zu ihrer mutter – abends regelmäßig nach hause kam und selten eine nacht draußen verbrachte. wenn doch, dann war sie irgendwo eingesperrt.
zum beispiel im kohlenkeller. im kohlenkeller waren die einzelnen verschläge mit groben latten abgetrennt, die türen wacklig gezimmert. es gab viel luft oben und unten. mafia sprang aus dem stand auf die oberen türkanten und auf der anderen seite wieder runter. wenn sie einmal über eine türe drüber war, konnte sie sich dahinter von abteil zu abteil bewegen, irgendwo gab es immer eine lücke.
nur einen keller gab es wohl, da kam sie zwar irgendwie von hinten rein, aber nicht wieder raus. das dumme war, dass ich für diesen keller keinen schlüssel hatte. ich hörte mafia dann irgendwo kläglich maunzen, konnte sie aber nicht befreien.
es hat ziemlich lange gedauert, bis ich herausfand, dass ich von der äußeren hauswand aus das kleine kellerlukengitter ein stück wegbiegen und sie herauswitschen lassen konnte. zum glück hat von den anderen hausbewohnerInnen nie jemand gepetzt, wer für das verbogene kellerlukengitter verantwortlich war.
mafia kletterte maschendrahtzäune hoch wie ein äffchen: zweieinhalb meter in nullkommanix! dann balancierte sie oben auf dem schmalen zaunpfosten und hops! stand sie im nachbarhof.
mafia wußte immer ganz genau, was sie wollte. wenn sie zum beispiel aus dem treppenhaus in den hof hinaus wollte, stand sie so lange innen an der hoftüre, bis jemand vorbeikam, den sie klagend anmaunzte, bis ihr gefälligst die türe geöffnet wurde. wenn es ihr zu lange dauerte, bevor jemand kam, dann rannte sie die treppe wieder hoch und schaute nach, ob im ersten stock das fenster zum hof offen stand. wenn ja, sprang sie da raus. aus dem ersten stock. weil sie so unbedingt auf den hof wollte.
das habe ich mehr als einmal erlebt. einmal stand ich mit der nachbarin plaudernd bei den fahrrädern. plötzlich macht es „plopp“. da stand meine katze mitten im hof, bei geschlossener hoftüre - aber geöffnetem treppenhausfenster eine etage höher. sie war wie vom himmel gefallen und maunzte mich vorwurfsvoll an, wie ich nur dazu käme, sie so lange warten zu lassen!
mafia hat es immer wieder geschafft, mich zu verblüffen mit ihrem kätzischen wagemut und ihrem liebenswerten eigensinn.
genau wie ihre mutter war auch sie oft unterwegs in den schrebergärten, die sich an den zweiten hinterhof und den kirchhof und den kindergartenspielplatz mit der großen wiese anschlossen. wenn ich sie abends vermisste, umrundete ich das große areal mit lauten lockrufen.
während mii-zeh maier sich dann regelmäßig taub stellte und manchmal wochenlang verschollen blieb, kam mafia meist angetrabt aus der hintersten ecke und quer über die wiese mit lautem „maumaumau“, sobald sie meine stimme hörte.
dann kruschtelte sie so lange „maumaumau“ am zaun entlang durch büsche und gestrüpp, bis sie einen weg zu mir nach draußen fand. oder sie marschierte den maschendrahtzaun hoch und ich konnte sie kopfüber vom pfosten herab in empfang nehmen.
auf dem rückweg balancierte sie auf meiner rechten schulter sitzend um den häuserblock herum. oder sie lief vor und neben und hinter mir her, bis wir wieder zu hause waren. von ihrem schulterthron herab fauchte sie jeden kampfhund in die flucht. siegessicher. so war sie: ganz löwe!
fast zwei jahrzehnte lang hat sie mich begleitet. heute vor neun wochen ist sie gestorben. ich vermisse sie sehr.
immer noch erscheint mir die wohnung ohne katze doppelt so groß wie vorher, entsetzlich leer und sehr sehr kalt – ganz egal, wie hoch ich die heizung dreh'.
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der rote kater peter aus dem haus nebenan war damals der einzige zeugungsfähige seiner art - in der gesamten nachbarschaft im sozialen brennpunkt am reuterplatz. nicht, dass er oder sein besitzer jemals alimente gezahlt hätten. aber die ähnlichkeit war unübersehbar. ein jahr später war er nicht nur mafias vater, sondern auch ihr liebhaber und vater ihrer fünf kinder.
eigentlich hatte ich das kätzchen gar nicht behalten wollen. wie die anderen beiden war sie versprochen und sollte im alter von drei monaten abgeholt werden. aber der neue besitzer kam nicht. sie blieb übrig. bis dahin hatte ich sie schon so lieb gewonnen, dass ich sie niemals wieder hergeben wollte. außerdem waren sie ein superteam, sie und ihre mutter mii-zeh maier. gemeinsam haben die beiden sogar dicke doofe stadttauben erlegt.
mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so frech war und so süß. nie zuvor habe ich eine katze erlebt, die so freundlich war, so zärtlich und so liebevoll. immer. egal was man mit ihr machte – und die so lautstark renitent werden konnte, wenn sie ihren willen nicht gleich bekam.
mafia hätte man am schwanz ziehen können – sie hätte trotzdem noch geschnurrt. aber wehe, ihr futter wurde nicht pünktlich um dreiviertel sechs serviert! dann konnte sie so vorwurfsvoll quäken, als hätte sie drei wochen lang nix zu fressen gekriegt.
überhaupt ihre stimme. die war eigentlich schrecklich. geradezu penetrant, aber unverkennbar! hätte ich gewusst, dass sie die ein katzenleben lang behält, dann hätte ich sie nicht mafia getauft, sondern sirene.
mafia cioccolata war eindeutig die häuslichere von meinen beiden katztieren. es war ganz auffällig, dass sie – im gegensatz zu ihrer mutter – abends regelmäßig nach hause kam und selten eine nacht draußen verbrachte. wenn doch, dann war sie irgendwo eingesperrt.
zum beispiel im kohlenkeller. im kohlenkeller waren die einzelnen verschläge mit groben latten abgetrennt, die türen wacklig gezimmert. es gab viel luft oben und unten. mafia sprang aus dem stand auf die oberen türkanten und auf der anderen seite wieder runter. wenn sie einmal über eine türe drüber war, konnte sie sich dahinter von abteil zu abteil bewegen, irgendwo gab es immer eine lücke.
nur einen keller gab es wohl, da kam sie zwar irgendwie von hinten rein, aber nicht wieder raus. das dumme war, dass ich für diesen keller keinen schlüssel hatte. ich hörte mafia dann irgendwo kläglich maunzen, konnte sie aber nicht befreien.
es hat ziemlich lange gedauert, bis ich herausfand, dass ich von der äußeren hauswand aus das kleine kellerlukengitter ein stück wegbiegen und sie herauswitschen lassen konnte. zum glück hat von den anderen hausbewohnerInnen nie jemand gepetzt, wer für das verbogene kellerlukengitter verantwortlich war.
mafia kletterte maschendrahtzäune hoch wie ein äffchen: zweieinhalb meter in nullkommanix! dann balancierte sie oben auf dem schmalen zaunpfosten und hops! stand sie im nachbarhof.
mafia wußte immer ganz genau, was sie wollte. wenn sie zum beispiel aus dem treppenhaus in den hof hinaus wollte, stand sie so lange innen an der hoftüre, bis jemand vorbeikam, den sie klagend anmaunzte, bis ihr gefälligst die türe geöffnet wurde. wenn es ihr zu lange dauerte, bevor jemand kam, dann rannte sie die treppe wieder hoch und schaute nach, ob im ersten stock das fenster zum hof offen stand. wenn ja, sprang sie da raus. aus dem ersten stock. weil sie so unbedingt auf den hof wollte.
das habe ich mehr als einmal erlebt. einmal stand ich mit der nachbarin plaudernd bei den fahrrädern. plötzlich macht es „plopp“. da stand meine katze mitten im hof, bei geschlossener hoftüre - aber geöffnetem treppenhausfenster eine etage höher. sie war wie vom himmel gefallen und maunzte mich vorwurfsvoll an, wie ich nur dazu käme, sie so lange warten zu lassen!
mafia hat es immer wieder geschafft, mich zu verblüffen mit ihrem kätzischen wagemut und ihrem liebenswerten eigensinn.
genau wie ihre mutter war auch sie oft unterwegs in den schrebergärten, die sich an den zweiten hinterhof und den kirchhof und den kindergartenspielplatz mit der großen wiese anschlossen. wenn ich sie abends vermisste, umrundete ich das große areal mit lauten lockrufen.
während mii-zeh maier sich dann regelmäßig taub stellte und manchmal wochenlang verschollen blieb, kam mafia meist angetrabt aus der hintersten ecke und quer über die wiese mit lautem „maumaumau“, sobald sie meine stimme hörte.
dann kruschtelte sie so lange „maumaumau“ am zaun entlang durch büsche und gestrüpp, bis sie einen weg zu mir nach draußen fand. oder sie marschierte den maschendrahtzaun hoch und ich konnte sie kopfüber vom pfosten herab in empfang nehmen.
auf dem rückweg balancierte sie auf meiner rechten schulter sitzend um den häuserblock herum. oder sie lief vor und neben und hinter mir her, bis wir wieder zu hause waren. von ihrem schulterthron herab fauchte sie jeden kampfhund in die flucht. siegessicher. so war sie: ganz löwe!
fast zwei jahrzehnte lang hat sie mich begleitet. heute vor neun wochen ist sie gestorben. ich vermisse sie sehr.
immer noch erscheint mir die wohnung ohne katze doppelt so groß wie vorher, entsetzlich leer und sehr sehr kalt – ganz egal, wie hoch ich die heizung dreh'.
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Donnerstag, 8. Oktober 2009
besondere maßnahmen IV - kill the cat
ein trauriger tag, es regnet in strömen. ein nasser tag heute.
mafia cioccolata ist tot.
achtzehn jahre zwei monate und elf tage war sie meine treue begleiterin. nach langer schwerer krankheit habe ich sie heute einschläfern lassen. sie wog noch zweieinhalb kilo, und nachdem alles vorbei war hatte sie eine art von posthumem schluckauf.
die tierärztin war hier, in meiner wohnung mit der schönen aussicht. es war ganz friedlich, und es fühlt sich auch richtig an. ich bin dieser katze unendlich dankbar, dass sie so lange bei mir war. sie war eine ganz besondere. natürlich - was sonst?!
ich weine in strömen. es ist ein nasser tag heute.
ich werde mafia cioccolata morgen beerdigen im garten im elsass, direkt neben ihrer mama, sozusagen ein doppelgrab. obenauf blüht schon ein großer busch katzenminze, der ist im letzten halben jahr gut gewachsen. kein wunder, es liegt ja auch bester dünger untendrunter.
ich bin - bei aller trauer - gleichzeitig erstaunlich heiter und fühle mich geradezu befreit. unsere letzten gemeinsamen wochen waren viel trauriger als heute. es war schwieriger, die katze krank und mager und schwach zu sehen, ohne helfen zu können.
für heute war alles gut vorbereitet: mit der tierärztin war schon seit monaten abgesprochen, dass sie dann ins haus kommt. ich hatte sogar ihre handynummer samt erlaubnis, sie jederzeit anrufen zu dürfen.
die sargkiste mit zubehör lag auf dem dachboden parat, und wie bestellt blüht heute die letzte knospe meiner duftendsten lieblingsrose "fisherman's girlfriend".
meine freundin in frankreich freut sich schon, mich wiederzusehen. sie sagte neulich: „dadurch, dass deine katze in meinem garten begraben ist, werden wir immer eine verbindung miteinander haben." so liebevoll kann man das sehen!
ich habe in den nächten der letzten zwei wochen fast nicht geschlafen, weil die kranke katze so unruhig war, mal hier mal da mal jaulte mal daneben pieselte, weil die beine zu schwach waren, um noch über den rand vom katzenklo zu klettern. sie fraß nichts mehr, sie trank viel und spuckte alles in hohem bogen wieder aus.
und immer die angst, wenn ich mal das haus verlassen habe - ob sie noch lebt, wenn ich zurück komme? oder ob sie schon tot in irgendeiner ecke ....
jetzt ist alles friedlich. auch in mir drin. sie liegt da so gemütlich, die ohren gespitzt wie eh und je.
zwischendurch habe ich eine kurze phantasie, dass sie wieder raushüpst aus ihrer weinkiste und grinst "ätschbätsch! - es war alles nur ein trick! wir fangen noch mal von vorne an .... hahah!"
ich erinnere mich an einen abend in der selbsthilfegruppe, ganz am anfang meiner abstinenten zeit. da saß die moderatorin - die damals bereits mir unvorstellbar lang erscheinende zehn jahre abstinent lebte - am kopfende des großen tisches und berichtete, dass ihre katze an dem tag gestorben war. dabei hatte sie tränen in den augen.
ich weiß noch, wie ich damals dachte und das auch sagte: „au weia. DAS würde und werde ich NIEMALS OHNE alkohol überstehen."
dieser abend liegt zehn jahre zurück.
ich habe mich geirrt. ich bin gewachsen.
nun bin ich selbst diese mir damals unvorstellbar langen zehn jahre abstinent. und es tut gut, zu sehen, dass auch ich nun OHNE alkohol ganz gesund mit dem tod meiner geliebten katze umgehen kann.
loslassen ist möglich.
der tod ist kein tabu.
ich finde, damit habe ich viel gelernt in diesem jahr.
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mafia cioccolata ist tot.
achtzehn jahre zwei monate und elf tage war sie meine treue begleiterin. nach langer schwerer krankheit habe ich sie heute einschläfern lassen. sie wog noch zweieinhalb kilo, und nachdem alles vorbei war hatte sie eine art von posthumem schluckauf.
die tierärztin war hier, in meiner wohnung mit der schönen aussicht. es war ganz friedlich, und es fühlt sich auch richtig an. ich bin dieser katze unendlich dankbar, dass sie so lange bei mir war. sie war eine ganz besondere. natürlich - was sonst?!
ich weine in strömen. es ist ein nasser tag heute.
ich werde mafia cioccolata morgen beerdigen im garten im elsass, direkt neben ihrer mama, sozusagen ein doppelgrab. obenauf blüht schon ein großer busch katzenminze, der ist im letzten halben jahr gut gewachsen. kein wunder, es liegt ja auch bester dünger untendrunter.
ich bin - bei aller trauer - gleichzeitig erstaunlich heiter und fühle mich geradezu befreit. unsere letzten gemeinsamen wochen waren viel trauriger als heute. es war schwieriger, die katze krank und mager und schwach zu sehen, ohne helfen zu können.
für heute war alles gut vorbereitet: mit der tierärztin war schon seit monaten abgesprochen, dass sie dann ins haus kommt. ich hatte sogar ihre handynummer samt erlaubnis, sie jederzeit anrufen zu dürfen.
die sargkiste mit zubehör lag auf dem dachboden parat, und wie bestellt blüht heute die letzte knospe meiner duftendsten lieblingsrose "fisherman's girlfriend".
meine freundin in frankreich freut sich schon, mich wiederzusehen. sie sagte neulich: „dadurch, dass deine katze in meinem garten begraben ist, werden wir immer eine verbindung miteinander haben." so liebevoll kann man das sehen!
ich habe in den nächten der letzten zwei wochen fast nicht geschlafen, weil die kranke katze so unruhig war, mal hier mal da mal jaulte mal daneben pieselte, weil die beine zu schwach waren, um noch über den rand vom katzenklo zu klettern. sie fraß nichts mehr, sie trank viel und spuckte alles in hohem bogen wieder aus.
und immer die angst, wenn ich mal das haus verlassen habe - ob sie noch lebt, wenn ich zurück komme? oder ob sie schon tot in irgendeiner ecke ....
jetzt ist alles friedlich. auch in mir drin. sie liegt da so gemütlich, die ohren gespitzt wie eh und je.
zwischendurch habe ich eine kurze phantasie, dass sie wieder raushüpst aus ihrer weinkiste und grinst "ätschbätsch! - es war alles nur ein trick! wir fangen noch mal von vorne an .... hahah!"
ich erinnere mich an einen abend in der selbsthilfegruppe, ganz am anfang meiner abstinenten zeit. da saß die moderatorin - die damals bereits mir unvorstellbar lang erscheinende zehn jahre abstinent lebte - am kopfende des großen tisches und berichtete, dass ihre katze an dem tag gestorben war. dabei hatte sie tränen in den augen.
ich weiß noch, wie ich damals dachte und das auch sagte: „au weia. DAS würde und werde ich NIEMALS OHNE alkohol überstehen."
dieser abend liegt zehn jahre zurück.
ich habe mich geirrt. ich bin gewachsen.
nun bin ich selbst diese mir damals unvorstellbar langen zehn jahre abstinent. und es tut gut, zu sehen, dass auch ich nun OHNE alkohol ganz gesund mit dem tod meiner geliebten katze umgehen kann.
loslassen ist möglich.
der tod ist kein tabu.
ich finde, damit habe ich viel gelernt in diesem jahr.
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Dienstag, 22. September 2009
in memoriam – katzengeschichte no. 2
bis vor kurzem hatte ich zwei katzen, nicht bloß eine. katztier no. 1 holte ich aus dem tierheim berlin-lankwitz, damals, im september 1990. das war kurz nachdem ich aus japan zurück war - und kurz vor dem großen deutschen einheiz-gedöns.
drei monate war sie alt. schildpatt-schwarz mit großen bernsteingelben augen und wunderschön saß sie allein in der engen tierheimbox und schnurrte mit dem schnäuzchen am gitterdraht entlang. „die da ist schön, die nehm' ich“ - mit diesen worten besiegelte ich eine fast zwei jahrzehnte dauernde lebensgemeinschaft.
ich transportierte das quirlige tierchen in einem plastikcontainer den ganzen langen weg zurück von lankwitz nach neukölln mit bus und s-bahn und u-bahn. sie war sehr gesprächig unterwegs und unterhielt halb berlin. dabei sagte sie nicht „miau“, wie andere katzen, sondern „miiiiee“.
auch, als ich sie später zu hause immer wieder fragte „kätzchen, wie heißt du denn?“ - da war die antwort jedes mal „miiiee“. tagelang. so nannte ich sie dann auch. MII. in japanisch bedeutet das „schön, die da“. und genau das waren ja meine worte gewesen im tierheim, mit denen ich die pflegerin bat, mir bitte genau diese mii-zeh-katze zu vermitteln. also nannte ich sie mii. hintendran hängte ich die japanische kosesilbe CHAN. nicht das distanzierte SAN. also mii-chan. in den katzenpass trug ich mii-zeh maier ein. nicht mii-chan, weil das ihr kosename war, den benutzten wir nur "en famille". ihr offizieller name war mii-zeh, „die ehrenwerte mii“. maier mit nachnamen. denn ordnung muss sein, sie war im mai geboren, und auch ein katztier braucht einen nachnamen.
mii-chan war eine ganz besondere katze. trotz ihres profanen nachnamens. sie war der fleischgewordene beweis für die redensart "wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufstellen". mit gelassener selbstverständlichkeit postierte sie sich in der geometrischen mitte eines jeden raumes. oder im goldenen schnitt zwischen allen anwesenden.
außerdem konnte sie mehrstimmig schnurren. quasi mit sich selbst im duett - inklusive obertönen. und sie hat geschnarcht, ganz entzückend. wie ein kleiner mercedes benz diesel.
mii-chan ist mehr als ein halbes dutzend mal mit mir umgezogen, kreuz und quer durch die republik. diese zigeunerkatze war überall zu hause und oft wochen-, ja monatelang allein unterwegs. sie ist doch immer wieder zu uns zurückgekommen. wo immer sie war, war auch ein miezhaus.
als wir in süddeutschland beim radio arbeiteten, da hat sie mich des öfteren zum bahnhof begleitet. im morgengrauen um halb fünf, wenn ich zur nachrichtenschicht ins funkhaus ging. einen halben kilometer zu fuß durch unser wohndorf bis an die fußgängerbrücke zum bahnsteig. da blieb sie sitzen, schaute zu, wie ich in den zug stieg. dreiviertel fünf. sie drehte sich um und ging zurück, bevor der zug losfuhr. wenn ich heimkam nach der letzten redaktionssitzung am nachmittag, lag sie schlafend unter meinem schreibtisch.
einmal wurde mii-zeh maier entführt. das war damals im sozialen brennpunkt in berlin-neukölln. durchs küchenfenster hatte ich sie gerade eben noch gesehen, wie sie vier stockwerke tiefer unten auf dem hinterhof ihr revier inspizierte. minuten später klingelte das telefon, die türkengang aus dem kebab-salon vom reuterplatz: „wir haben ihre katze gefunden. wir wollen finderlohn. mindestens 50 mark. sonst schmeißen wir die katze auf die straße.“ ich war noch studentin. so viel geld hatte ich gar nicht mehr im portemonnaie. aber natürlich ging ich erst mal runter, da standen die kerls, feixend. und der ganze muslimische anhang feixte mit. pardon. der ganze anhang mit migrationshintergrund. samt kebapsalonbesitzer. alle feixten sich eins. ich hatte noch zwanzig mark. mit mühe konnte ich das lösegeld auf genau diesen betrag herunterhandeln. döner kebap habe ich dort nie wieder gegessen.
andere frauen haben kronjuwelen. ich habe katzen.
mii-chan war die mama von mafia cioccolata, meinem katztier no. 2.
heute ist es genau ein halbes jahr her, dass mii-zeh uns verlassen hat. kein anderes lebewesen war mir jemals so lange so nah wie diese katze: wir hatten mehr als achtzehneinhalb gemeinsame jahre, und es war das erste mal für mich, dass ich ein geliebtes wesen in den tod begleitet habe.
woran sie letztlich gestorben ist, bleibt nur zu vermuten. eine hüftarthrose hatte sie schon lange, die chronischen schmerzen wurden mit medikamenten gelindert, um sie beweglicher zu halten. so konnte sie immer noch allein aufs fensterbrett hüpfen. mit stop-over auf dem stuhl, den ich ihr beflissen hinstellte.
ein katzenbiblisches alter hatte sie mit ihren fast neunzehn jahren. ihre letzte nacht war grausam schwer, mit atemnot, keuchen und lähmung der hinterbeine: da habe ich sie sonntag früh in die notfallpraxis gebracht.
sie war schon so kühl, dass nicht einmal mehr das fieberthermometer reagierte. es gab nichts, das ihr leiden mehr als nur ein paar tage verlängert hätte. da habe ich sie einschläfern lassen.der fremde arzt war sehr freundlich und sehr respektvoll.
hypertrophe kardiomyopathie und sattelthrombose hat er als todesursache vermutet. dazu passte mii-chans verhalten in ihren letzten tagen, der kleine schlaganfall. was katzen nicht alles kriegen können ....
sie starb 22. märz 2009. das ist gleichzeitig auch der geburtstag meines besten, langjährigsten freundes. das wundert mich nicht: mii-chan war immer eine diva - so hat sie auf ihre eigene katzenweise dafür gesorgt, dass ich sie nie vergessen werde.
nicht, dass das nötig gewesen wäre: noch heute sehe ich ihren schatten fast täglich um die ecke huschen, aus dem augenwinkel.
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drei monate war sie alt. schildpatt-schwarz mit großen bernsteingelben augen und wunderschön saß sie allein in der engen tierheimbox und schnurrte mit dem schnäuzchen am gitterdraht entlang. „die da ist schön, die nehm' ich“ - mit diesen worten besiegelte ich eine fast zwei jahrzehnte dauernde lebensgemeinschaft.
ich transportierte das quirlige tierchen in einem plastikcontainer den ganzen langen weg zurück von lankwitz nach neukölln mit bus und s-bahn und u-bahn. sie war sehr gesprächig unterwegs und unterhielt halb berlin. dabei sagte sie nicht „miau“, wie andere katzen, sondern „miiiiee“.
auch, als ich sie später zu hause immer wieder fragte „kätzchen, wie heißt du denn?“ - da war die antwort jedes mal „miiiee“. tagelang. so nannte ich sie dann auch. MII. in japanisch bedeutet das „schön, die da“. und genau das waren ja meine worte gewesen im tierheim, mit denen ich die pflegerin bat, mir bitte genau diese mii-zeh-katze zu vermitteln. also nannte ich sie mii. hintendran hängte ich die japanische kosesilbe CHAN. nicht das distanzierte SAN. also mii-chan. in den katzenpass trug ich mii-zeh maier ein. nicht mii-chan, weil das ihr kosename war, den benutzten wir nur "en famille". ihr offizieller name war mii-zeh, „die ehrenwerte mii“. maier mit nachnamen. denn ordnung muss sein, sie war im mai geboren, und auch ein katztier braucht einen nachnamen.
mii-chan war eine ganz besondere katze. trotz ihres profanen nachnamens. sie war der fleischgewordene beweis für die redensart "wo eine katze wohnt, braucht man keine skulpturen mehr aufstellen". mit gelassener selbstverständlichkeit postierte sie sich in der geometrischen mitte eines jeden raumes. oder im goldenen schnitt zwischen allen anwesenden.
außerdem konnte sie mehrstimmig schnurren. quasi mit sich selbst im duett - inklusive obertönen. und sie hat geschnarcht, ganz entzückend. wie ein kleiner mercedes benz diesel.
mii-chan ist mehr als ein halbes dutzend mal mit mir umgezogen, kreuz und quer durch die republik. diese zigeunerkatze war überall zu hause und oft wochen-, ja monatelang allein unterwegs. sie ist doch immer wieder zu uns zurückgekommen. wo immer sie war, war auch ein miezhaus.
als wir in süddeutschland beim radio arbeiteten, da hat sie mich des öfteren zum bahnhof begleitet. im morgengrauen um halb fünf, wenn ich zur nachrichtenschicht ins funkhaus ging. einen halben kilometer zu fuß durch unser wohndorf bis an die fußgängerbrücke zum bahnsteig. da blieb sie sitzen, schaute zu, wie ich in den zug stieg. dreiviertel fünf. sie drehte sich um und ging zurück, bevor der zug losfuhr. wenn ich heimkam nach der letzten redaktionssitzung am nachmittag, lag sie schlafend unter meinem schreibtisch.
einmal wurde mii-zeh maier entführt. das war damals im sozialen brennpunkt in berlin-neukölln. durchs küchenfenster hatte ich sie gerade eben noch gesehen, wie sie vier stockwerke tiefer unten auf dem hinterhof ihr revier inspizierte. minuten später klingelte das telefon, die türkengang aus dem kebab-salon vom reuterplatz: „wir haben ihre katze gefunden. wir wollen finderlohn. mindestens 50 mark. sonst schmeißen wir die katze auf die straße.“ ich war noch studentin. so viel geld hatte ich gar nicht mehr im portemonnaie. aber natürlich ging ich erst mal runter, da standen die kerls, feixend. und der ganze muslimische anhang feixte mit. pardon. der ganze anhang mit migrationshintergrund. samt kebapsalonbesitzer. alle feixten sich eins. ich hatte noch zwanzig mark. mit mühe konnte ich das lösegeld auf genau diesen betrag herunterhandeln. döner kebap habe ich dort nie wieder gegessen.
andere frauen haben kronjuwelen. ich habe katzen.
mii-chan war die mama von mafia cioccolata, meinem katztier no. 2.
heute ist es genau ein halbes jahr her, dass mii-zeh uns verlassen hat. kein anderes lebewesen war mir jemals so lange so nah wie diese katze: wir hatten mehr als achtzehneinhalb gemeinsame jahre, und es war das erste mal für mich, dass ich ein geliebtes wesen in den tod begleitet habe.
woran sie letztlich gestorben ist, bleibt nur zu vermuten. eine hüftarthrose hatte sie schon lange, die chronischen schmerzen wurden mit medikamenten gelindert, um sie beweglicher zu halten. so konnte sie immer noch allein aufs fensterbrett hüpfen. mit stop-over auf dem stuhl, den ich ihr beflissen hinstellte.
ein katzenbiblisches alter hatte sie mit ihren fast neunzehn jahren. ihre letzte nacht war grausam schwer, mit atemnot, keuchen und lähmung der hinterbeine: da habe ich sie sonntag früh in die notfallpraxis gebracht.
sie war schon so kühl, dass nicht einmal mehr das fieberthermometer reagierte. es gab nichts, das ihr leiden mehr als nur ein paar tage verlängert hätte. da habe ich sie einschläfern lassen.der fremde arzt war sehr freundlich und sehr respektvoll.
hypertrophe kardiomyopathie und sattelthrombose hat er als todesursache vermutet. dazu passte mii-chans verhalten in ihren letzten tagen, der kleine schlaganfall. was katzen nicht alles kriegen können ....
sie starb 22. märz 2009. das ist gleichzeitig auch der geburtstag meines besten, langjährigsten freundes. das wundert mich nicht: mii-chan war immer eine diva - so hat sie auf ihre eigene katzenweise dafür gesorgt, dass ich sie nie vergessen werde.
nicht, dass das nötig gewesen wäre: noch heute sehe ich ihren schatten fast täglich um die ecke huschen, aus dem augenwinkel.
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Mittwoch, 29. Juli 2009
der 90. geburtstag - eine katzengeschichte ....
eine katze habe ich noch, derzeit. genau heute vor 18 jahren - am 29. juli 1991 - ist sie geschlüpft, heraus aus dem bauch ihrer schönen mutter hinein in die tomatenrote wäschewanne im begehbaren kleiderschrank meiner kleinen altbauwohnung im damaligen sozialen brennpunkt in berlin neukölln, direkt am reuterplatz. der lag allerdings vier stockwerke tiefer (ohne fahrstuhl) und hat die katzen damals nun wirklich nicht interessiert.
noch eine dreifarbige! eine glückskatze! eine mit geheimnisvollen verbindungen ins feenreich .... mafia cioccolata habe ich sie genannt, weil sie so süß und so frech war. mein kleines flauschiges schmuckstück!
dass sie so lange bei mir bleiben würde, habe ich natürlich bei ihrer geburt noch nicht gewusst.
ich hatte sie jemandem versprochen - wie auch ihre beiden rotgetigerten brüder versprochen waren. aber mafia cioccolata wurde niemals abgeholt. also blieb sie.
mit ihrer mutter, frau mii-zeh maier, verstand sie sich meistens gut, bis auf die kurzen zeiten, in denen sie einen bisweilen heftigen mutter-tochter-konflikt aneinander auslebten: sich bös' anfauchten und mit dem arsch nicht mehr anguckten.
dazu muss man wissen, dass katzen ihre geliebten wesen, denen sie ihr vertrauen und ihre zuneigung schenken, möglichst oft mit dem arsch angucken. also, sie setzen sich davor und wenden einem den rücken zu. unsereins mensch darf das nicht missverstehen. wir neigen ja eher zum gegenteiligen verhalten und schauen einem geliebten wesen möglichst tief und möglichst lange in die augen. dies wiederum würde eine katze als bedrohung empfinden. so haben wir alle ein verschiedenes vokabular, die menschen und die katzen auch.
mir hat das nichts ausgemacht. ich bin sprachbegabt und habe die ausdrucksweise der katzen schnell gelernt. verwirrend wird es erst, wenn ich vergesse, dass diese anderen menschen nicht immer geläufig ist. wenn ich also manchmal freundlich im raum umherschaue und damit - wie eine katze - entspannt neugierige aufmerksamkeit zum ausdruck bringen möchte, wird das von mitmenschen leicht als gedankenverlorenes desinteresse gedeutet. das ist nicht immer richtig.
wenn also katzen sich mit dem arsch nicht mehr angucken, dann ist das vertrauen futsch und sie sind ziemlich sauer aufeinander. das gab es auch bei mafia cioccolata und frau mii-zeh maier immer wieder. aber es hat nie lange angehalten. kurze zeit später lagen sie wieder dicht nebeneinander und putzten sich gegenseitig das fell auf dem kopf und an anderen stellen, wo sie selbst schlecht dran kamen mit ihrer zunge.
zurück zum katzengeburtstag:
die katze mafia ist - aus kätzischer sicht - heute 90 jahre alt geworden. denn ein menschenjahr gilt wie fünf katzenjahre. ungefähr. sie ist also nicht mehr die jüngste, und das merkt man natürlich. sie ist abgemagert bis aufs hemd und schläft die meiste zeit. sie hat eine chronische nierenschwäche und bekommt täglich medikamente, alle paar tage eine spritze und alle paar wochen eine infusion.
als die krankheit vor einem guten halben jahr bei ihr entdeckt wurde, da sah es nicht so aus, als ob mafia cioccolata ihren 90. geburtstag noch erleben würde.
aber jetzt ist sie doch noch da, und ich bin sehr froh und sehr dankbar!
zur feier des tages gab es gegrilltes hühnchen. einen halben goldbroiler.
früher ist sie drüber hergefallen. heute frisst sie wie ein vögelchen: nur drei, vier fetzchen hühnerbrust.
eines aber ist wie in jungen jahren:
mafia cioccolata liebt ihren wäschekorb - auch wenn der schon lange nicht mehr aus tomatenrotem plastik ist.

am allermeisten liebt sie den wäschekorb, wenn frischgewaschene wäsche darin liegt. dann thront sie obenauf, wie ein kostbares juwel auf einem samtenen kissen.
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dass sie so lange bei mir bleiben würde, habe ich natürlich bei ihrer geburt noch nicht gewusst.
ich hatte sie jemandem versprochen - wie auch ihre beiden rotgetigerten brüder versprochen waren. aber mafia cioccolata wurde niemals abgeholt. also blieb sie.
mit ihrer mutter, frau mii-zeh maier, verstand sie sich meistens gut, bis auf die kurzen zeiten, in denen sie einen bisweilen heftigen mutter-tochter-konflikt aneinander auslebten: sich bös' anfauchten und mit dem arsch nicht mehr anguckten.
dazu muss man wissen, dass katzen ihre geliebten wesen, denen sie ihr vertrauen und ihre zuneigung schenken, möglichst oft mit dem arsch angucken. also, sie setzen sich davor und wenden einem den rücken zu. unsereins mensch darf das nicht missverstehen. wir neigen ja eher zum gegenteiligen verhalten und schauen einem geliebten wesen möglichst tief und möglichst lange in die augen. dies wiederum würde eine katze als bedrohung empfinden. so haben wir alle ein verschiedenes vokabular, die menschen und die katzen auch.
mir hat das nichts ausgemacht. ich bin sprachbegabt und habe die ausdrucksweise der katzen schnell gelernt. verwirrend wird es erst, wenn ich vergesse, dass diese anderen menschen nicht immer geläufig ist. wenn ich also manchmal freundlich im raum umherschaue und damit - wie eine katze - entspannt neugierige aufmerksamkeit zum ausdruck bringen möchte, wird das von mitmenschen leicht als gedankenverlorenes desinteresse gedeutet. das ist nicht immer richtig.
wenn also katzen sich mit dem arsch nicht mehr angucken, dann ist das vertrauen futsch und sie sind ziemlich sauer aufeinander. das gab es auch bei mafia cioccolata und frau mii-zeh maier immer wieder. aber es hat nie lange angehalten. kurze zeit später lagen sie wieder dicht nebeneinander und putzten sich gegenseitig das fell auf dem kopf und an anderen stellen, wo sie selbst schlecht dran kamen mit ihrer zunge.
zurück zum katzengeburtstag:
die katze mafia ist - aus kätzischer sicht - heute 90 jahre alt geworden. denn ein menschenjahr gilt wie fünf katzenjahre. ungefähr. sie ist also nicht mehr die jüngste, und das merkt man natürlich. sie ist abgemagert bis aufs hemd und schläft die meiste zeit. sie hat eine chronische nierenschwäche und bekommt täglich medikamente, alle paar tage eine spritze und alle paar wochen eine infusion.
als die krankheit vor einem guten halben jahr bei ihr entdeckt wurde, da sah es nicht so aus, als ob mafia cioccolata ihren 90. geburtstag noch erleben würde.
aber jetzt ist sie doch noch da, und ich bin sehr froh und sehr dankbar!
zur feier des tages gab es gegrilltes hühnchen. einen halben goldbroiler.
früher ist sie drüber hergefallen. heute frisst sie wie ein vögelchen: nur drei, vier fetzchen hühnerbrust.
eines aber ist wie in jungen jahren:
mafia cioccolata liebt ihren wäschekorb - auch wenn der schon lange nicht mehr aus tomatenrotem plastik ist.

am allermeisten liebt sie den wäschekorb, wenn frischgewaschene wäsche darin liegt. dann thront sie obenauf, wie ein kostbares juwel auf einem samtenen kissen.
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