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Sonntag, 19. Dezember 2010

keine kraft mehr

kurz nach der eröffnung meines büros für besondere maßnahmen (juli 2009) machte ich mir gedanken, wieviel output ich hier produzieren möchte und kann. eine kolumne in der woche, war mein fazit.

ministövchen: o-ton berlin
rosentasse mit goldrand: nathalija dolenc


das ging lange gut. zwischendurch gab es zusätzlich zu den ‚besonderen‘ sogar ‚kurze maßnahmen‘. weil mir die zeit zwischen zwei längeren texten zu lang wurde. weil so viel raus wollte ins WeltWeiteWeibernetz.

seit dem sommer an der see schaffe ich meine wöchentlichen maßnahmen nur noch mit mühe. dieser klinikaufenthalt liegt nun schon mehr als ein vierteljahr zurück. immer noch bin ich nur damit beschäftigt, irgendwie wieder festen boden unter die füße zu kriegen.

es gelingt mir nicht. ich fühle mich entsetzlich verloren. genau jetzt sollte ich aber fleißig texte produzieren. mein blog steht wieder auf der vorschlagsliste der mädchenmannschaft zur bloggerin des jahres.

es ehrt mich, dass mich wer vorgeschlagen hat. ich freu mich. das tut gut. schmeichelt mir ein bißchen. die mädchenmannschaft ist eine wichtige seite, macht gute arbeit, ist unverzichtbare informationsquelle und diskussionsplattform geworden.

gleichzeitig setzt es mich unter druck, besonders attraktive, gute und womöglich ‚publikumswirksame‘ maßnahmen produzieren zu müssen. das war schon im frühjahr so, als ich auf der vorschlagsliste stand für den grimme online award 2010.

nun ist so eine vorschlagsliste ja noch sehr weit entfernt von einer nominierung. die ehre, den preis dann auch zu erhalten, ist erst recht noch lange nicht in sicht. trotzdem fühle ich mich verpflichtet, dem vorschlag gerecht zu werden und die erwartungen – von wem auch immer – nicht zu enttäuschen.

das gefällt mir nicht. es nimmt mir die unbefangenheit, jetzt auch einfach mal in aller ruhe nichts zu produzieren. ausgerechnet jetzt, wo ich mich am liebsten in den winterschlaf kuscheln möchte. na ja. irgend was is‘ eben immer.

als kind hatte ich ein buch über die mumins von tove jansson. was habe ich diese kleinen wesen damals geliebt! und ich habe sie sehr beneidet: mumins dürfen sich kurz vor dem einbruch des winters den bauch kugelrund voll futtern mit tannennadeln. dann suchen sie sich ein weiches warmes dunkles plätzchen irgendwo im haus, legen sich schlafen und werden erst im frühling wieder wach, wenn draußen die ersten blümchen blühen.

ich beneide sie immer noch, meine mumins. von jahr zu jahr mehr. von jahr zu jahr erscheint mir der winter dunkler. länger. kälter. feindseliger. schwieriger auszuhalten.

in dieser jahreszeit stelle ich meinen geliebten, meinen heiligen milchkaffee auf ein kleines stövchen, damit er nicht zu schnell kalt wird. trotzdem muss ich ihn schneller trinken als sonst. stövchenkaffee schmeckt bitter, wenn er zu lange auf der flamme steht.

ihr seht, ich trinke weiter milchkaffee und halte mich wach – obwohl ich mir viel lieber auch den bauch mit tannennadeln vollschlagen, mich in eine dunkle warme ecke zurückziehen und meine nase erst dann wieder unter der bettdecke rausstecken möchte, wenn draußen frühling ist und die krokusse blühen und die primeln.

leider ist es mir nicht gelungen, mich von den mumins adoptieren zu lassen. also muss ich da durch. bei lebendigem leib. jahr für jahr.

dieses jahr fällt es mir besonders schwer. es ist die kälte, die von innen kommt. der frühe winter lässt mich umso mehr von außen frieren.

mein zwanzigzehn war entsetzlich anstrengend. dabei hatte ich mich - ganz tigresse - so gefreut auf das jahr des tigers und war mit großem mut gestartet.

ab neujahr die neue arbeitsstelle als sekretärin an der hochschule – die ich dann ende juli aufgeben musste, weil ich es schier nicht ausgehalten habe dort und weil es mich so sehr belastet, so sehr krank gemacht hat.

danach sechs wochen reha, um die ich mehr als drei jahre gekämpft und auf die ich mich so sehr gefreut hatte: es war alles falsch. ich kam kranker zurück als ich hingefahren bin und habe seither meine mitte nicht wieder gefunden. i feel so lost. und so durcheinander.

nicht einmal einen abschlussbericht habe ich hingekriegt über diese seltsamen sechs wochen in der ostseeklinik und poste seither nur noch petitessen. so vieles purzelt mir im kopf herum und in der seele. aber nix scheint geordnet rauszuwollen. es ist, als ob ich innerlich ersticke an meinen eigenen gedanken und gefühlen. wir drehen uns im kreis.

ich schleppe mich durch meinen prekären alltag, alles kostet so viel kraft. keine ahnung, wie das jemals wieder besser werden soll. kein mut mehr. keine hoffnung. ich bin schon froh, wenn ich nur meinen haushalt einigermaßen ‚gedingelt‘ kriege.

an manchen tagen ist schon das zähneputzen so dermaßen anstrengend, dass ich mich danach gleich wieder hinlegen möchte. das erlaube ich mir allerdings selten und hänge statt dessen unproduktiv vor dem pc. das sieht wenigstens so aus, als ob ich arbeite.

nur der katzencontent gelingt regelmäßig. könnte nicht mal wer diese seite für einen preis vorschlagen? das äuglein ist ja auch ein mädchen, immerhin. ein sehr flauschiges nämlich.

2011 wird das jahr der katze. so viel steht schon mal fest.


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Kommentare :

  1. Ich drück dich ganz liebe aus der Ferne, liebe Mo. Es ist so schrecklich, dass ein so lieber und fast schon erschreckend kluger Mensch wie du, momentan solche Probleme haben muss.
    Ich denke so gerne an deinen Besuch zurück. Das waren ganz wunderbare Stunden.
    Herzliche Grüße und noch einmal ganz lieb im Arm gehalten. Svenja

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  2. Liebe Mo, ich kommentiere ja eher spärlich im WWW, aber zu diesem Beitrag muss ich jetzt was sagen.

    Ich lese Dich seit einer guten Weile, das Ding mit der Begabung verbindet uns ebenso wie die Vorschlagliste der Mädchenmannschaft. Ich kenne diesen "Druck", jetzt aber fleißig produzieren zu müssen. Mir geht das jedes Mal so, wenn irgendjemand meine Seite lobt oder ich für irgendwas vorgeschlagen werde.

    Mittlerweile habe ich eine Entscheidung getroffen: immer wenn ich mich unter Druck fühle und mir der Spaß abhanden kommt, produziere ich einfach nichts. Totalverweigerung. Irgendwann kommt die Sehnsucht nach Mitteilung von alleine wieder. Kann ja sein, dass das dem ein oder anderen nicht gefällt, aber dann ist das halt so. Und auf Deinem Blog gibt es für die Mädchenmannschaft-Besucher viel zu entdecken, auch ohne dass Du ständig Output hast. Schließlich hast Du doch bisher etliche interessante Beiträge hier "angehäuft", da muss man sich auch erstmal durchlesen, als Neuling.

    In Kürze: Du machst das wunderbar hier, und auch wenn ich Dich nur als virtuelle Persönlichkeit kenne, hast Du mich schon oft beeindruckt. Es ist ganz wurscht, wenn Du es mal eine Weile langsam angehen lässt: das ist DEIN gutes Recht und niemand wird Dich deshalb schlechter "bewerten". Also: pass gut auf Dich auf.

    Alles Liebe
    Lizzz

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  3. hey, so was zu lesen macht mich immer ganz betroffen und ich weiß dann immer auch gar nicht, wie ich eine kleine aufheiterung in worte fassen soll.... zumal ich deinen blog noch nicht sehr lange verfolge und ratschläge bei eher unbekannten oftmals auch was vermessenes haben können....

    na ja aber vielleicht als kleinigkeit :) ich füll meinen kaffe immer in eine kleine termoskanne und benutze dann eine nicht so große tasse. so bleibt er lange schön heiß....

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  4. "erschreckend klug". "das ding mit der begabung".
    ;-)))
    vielen dank für den virtuellen knuddler, liebe svenja. der kieltag mit dir hat einen festen platz in meinem herzen!

    @lizzz: ich freue mich sehr über dein feedback, vielen dank! mit dem kopf kenne ich meine rechte sehr wohl. bloß meine olle angst, nicht gut genug zu sein, lässt sich nicht wegrationalisieren.

    es hat mir gestern ganz gut getan, meine derzeitige 'ladehemmung' hier mal für mich zu thematisieren. das hat schon wieder ein bißchen was in fluss gebracht.

    ein guter freund sagte dazu: "wenn die kreativit mal klemmt, dann hilft nur eines: in bewegung bleiben und mit anderen dingen beschäftigen."

    that's it!

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  5. liebe Sarah-Maria, deine nette aufmunterung kam, während ich den anderen kommentar schrieb - vielen dank!

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  6. Du sollst nicht produzieren - aber schreiben darfst du, wenn dir danach ist.
    Niemand kann von dir Beiträge erwarten - sie sollen geschrieben werden, weil du es willst.

    Und wenn dir gerade der Boden unter den Füßen fehlt - schwebe über den Dingen, betrachte sie aus einer anderen Perspektive und setze zu einer sanften und allmählichen Landung an.

    Alles kann und nichts muss! Du darfst, wenn du es möchtest - aber müssen mußt du gar nichts ;-)

    Und ein Abschlussbericht für etwas, was du nicht als abgeschlossen betrachtest? Da sträuben sich garantiert auch bei der Katzebutz die Haare... (streichel sie mal von mir, die Kluge.)

    Ich würde die "Woche" umdefinieren. Eine Woche umfaßt die Zeit zwischen zwei Einträgen. Basta! Nicht mehr und nicht weniger. Deine Leser(innen) halten die eine Woche schon aus. Auch wenn die mal 2 Monate dauern sollte. Alles nur eine Definitionsfrage...

    Fühl dich ganz lieb umärmelt von Bärbellinda

    PS: Ich glaube, die Jahre, von denen man ganz viel erwartet, nehmen einem das übel - die schiessen dann immer ganz besonders quer. Und manchmal wird das darauf folgende Jahr einfach schön...

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  7. Liebe Mo, ich entdecke gerade die Bloggerwelt und habe mich bei dir festgelesen, weil wir viel gemeinsam haben, Alter, Beruf, Geldmangel usw. usf. Ich hab noch nicht alles von dir gelesen, deswegen ist meine Frage jetzt vielleicht etwas dumm. Trotzdem. Sie lautet: Warum zur Hölle denkst du dir keine Themen aus, schreibst Exposes und bietest sie Zeitschriften an? Weil die oft nein danke sagen? Das tun sie tatsächlich oft, aber nicht immer.

    Ich will sagen: Du bist eine Schreiberin, du kannst schreiben und du solltest daran festhalten. Auch wenn es schwer ist.

    Liebe Grüße und Kopf hoch

    Brigitte

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  8. liebe Bärbellinda, das hast du sehr nett geschrieben, aus deinem kommentar kommt ganz viel gute energie bei mir an. vielen dank!

    @brigitte: fein, wenn es dir im Büro für besondere Maßnahmen gefällt! nimm platz und einen tee dazu, wir plauschen ein weilchen ;-)
    zu deiner frage: ich habe ja lange als freie journalistin und autorin gearbeitet. aus verschiedenen gründen will und kann ich das nicht mehr. über den finanziellen aspekt habe ich in den honorarspitzen geschrieben.

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