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Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

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Montag, 31. März 2014

Freude im Leben

- Rosenworte zum Montag - 

Heute ist so ein Tag voller Angst und Panik: Cortisol und Adrenalin rasen wie ferngesteuert auf Hochtouren durch meine Adern und verbrennen mich innerlich.

Das HartzIV-Amt zahlt nicht, wie es sollte. Laut Bescheid hätte heute das monatliche Arbeitslosengeld eintreffen sollen - mit dem ich dann morgen die Miete, den Strom, die Krankenkasse, die Versicherungen und was nicht sonst noch alles hätte bezahlen können.

Rosen des Frühlings: Ranunkeln

Es ist aber nichts überwiesen worden. Woran das liegt, kann ich nicht herausfinden. Im Jobcenter ist - wie üblich - niemand zu erreichen.

Mein Dispo-Limit ist am Monatsende knapp am Anschlag. Ich versuche seit Jahren vergeblich, da wieder herauszukommen.

Was immer morgen zum Monatsanfang bezahlt werden muss, kann also diesmal nicht abgebucht werden. Oder es wird abgebucht und kurz darauf zurückgebucht wegen fehlender Deckung. Dann werden zusätzliche Mahn- und sonstige Gebühren fällig. Wo ich doch ohnehin schon nicht mehr weiß, wie ich meinen kargen Alltag überhaupt finanzieren soll.

Hinzu kommen peinliche Erklärungen und Entschuldigungen für mein verspätetes Bezahlen (das noch nicht einmal in meiner Verantwortung liegt), bei denen ich vor Scham in Grund und Boden versinken möchte.

Ganz früher hätte ich mir jetzt die Kante gegeben und mich besinnungslos besoffen. Das fällt aus.

Bis vor kurzem noch hätte ich zur Beruhigung erst einmal zwei Tafeln Schokolade gegessen. Auch das fällt aus.

Ich weiß nicht, wie ich diese Katastrophe ertragen soll. Tigere in der Wohnung auf und ab, kann mich auf nichts konzentrieren. Es ist schrecklich. Gegen Bürokraten ist weder Durch- noch Ankommen.

"Irgendeine dritte Person entscheidet über dein Leben: 
Das ist die ganze Essenz der Bürokratie."

Dieses Zitat ist nicht neu. Es stammt aus dem Werk "Die Arbeiteropposition" von 1921, verfasst von der der russischen Revolutionärin, Diplomatin und Schriftstellerin Alexandra Michailowna Kollontai. Sie wurde am 31. März 1872 in Petersburg geboren.

Ob und wie es mich trösten kann, dass ich mit diesen Erlebnissen und Erkenntnissen nicht alleine bin, darüber könnte ich mir nun in Betrachtung meiner zauberhaften Ranunkeln auf dem Balkon ein paar Gedanken machen. So zwei, drei Stück.

Ändern kann ich an dieser Situation allein durch positive Gedanken hingegen überhaupt nichts mehr.

"Es ist wie es ist und es gefällt mir nicht."
(mo jour, heute)

Auch das muss einmal gesagt werden dürfen!


Nachtrag am 1. April 2014
(Nein, kein Scherz):
  • Gestern am Vormittag hatte ich meinem Sachbearbeiter beim Jobcenter auf den AB gesprochen, dass mit der Zahlung für April offensichtlich etwas schief gelaufen ist und um Rückmeldung gebeten. Seine Durchwahl steht auf all seinen Schreiben. Im Jobcenter Breisgau-Hochschwarzwald machen sie aus den Telefonnummern kein Geheimnis.
  • Am Nachmittag war ich persönlich bei der Sparkasse meines Vertrauens und habe die Situation erklärt und um Kulanz gebeten. Eine Kopie meines letzten Arbeitslosengeldbescheides hatte ich dabei als Nachweis dafür, dass Geldeingang unterwegs ist.
  • Heute ist das ALG für April, das gestern hätte eintreffen sollen, immer noch nicht angekommen.
  • Trotzdem hat die Sparkasse alles abgebucht, was anstand. Ohne Deckung, in vollem Vertrauen auf meine Angaben. Ich muss nirgendwo sonst betteln gehen oder Erklärungen abgeben. Natürlich zahle ich jetzt ordentlich Zinsen für die Kontoüberziehung, aber das Schlimmste ist erst einmal verhindert (nämlich dass zum Beispiel mein oller Vermieter wegen verspäteter Mietzahlung Grund hätte für eine fristlose Kündigung).
  • Im Laufe des Vormittags rief mein Sachbearbeiter vom Jobcenter mich persönlich zurück und teilte mit, dass er sich das nicht erklären könne, die Zahlung für April sei pünktlich angewiesen worden.Er hat mir sogar von sich aus angeboten, mir den Betrag unverzüglich in bar auszuzahlen.
  • Wir sind so verblieben, dass ich erst einmal diese Woche abwarte. Wenn die Zahlung angewiesen ist, muss sie ja irgendwann demnächst eintreffen. Der Weg in die Stadt zum Jobcenter ist weit und teuer.
  • Ich warte also ab - und bin sehr erleichtert, dass da nicht nur Monster im Jobcenter und in der Sparkasse arbeiten. Ich habe mich bei beiden brav und artig bedankt.


Nachtrag am 4. April 2014
Bis heute hat es gedauert. Nun ist das Arbeitslosengeld für April endlich angekommen. Ich kann also auch wieder am Goldautomaten ein bißchen Bargeld abheben und mir etwas zum Essen kaufen.
Für satte 4,63 Euro am Tag. Offiziell.

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Donnerstag, 6. Februar 2014

Mein Fett weg

- Besondere Maßnahme No. XXXII -

Früher mal war ich schlank und rank: 176 cm groß, zwischen 59 und 64 kg lebendiges Gewicht, je nach Zyklusphase. Das war so seit der Oberstufe. Jahrzehntelang hielt ich mir die Waage: Ich war in meinem Gleich-Gewicht. Meine Maße waren 93 – 65 – 97.

Ungefähr mit dem 40. Lebensjahr änderte es sich. Oder ehrlicher: Ich änderte mich. Und zwar ganz einseitig: Ich wurde immer mehr. Bis ich irgendwann das Anderthalbfache wog. Ich war sozusagen 150 Prozent von mir selber.

Über den ungeliebten - und doch irgendwie akzeptierten Matronenspeck und seine Geschichte habe ich vor mehr als vier Jahren einmal berichtet. Es gab nichts daran zu deuteln: Ich war fett. Adipös sogar. Oh böses, hässliches Wort!


Alle Gelassenheit im Umgang damit war vorgetäuscht: Ich mochte mich nicht mehr leiden, fand mich hässlich, hasste mich, ekelte mich gar vor meinem eigenen Körper.

Mehr als ein Jahrzehnt lang habe ich versucht, mein Fett wieder wegzukriegen. Oder zumindest nicht weiter zuzunehmen. Die Kilos hoch und wieder runter.

Insgesamt ein Mehrfaches meiner Selbst habe ich zu- und abgenommen, zugenommen und wieder ab- und wieder zugenommen. Nicht nur mein Leben ging (via Erwerbslosigkeit, Vereinsamung, Armut …) den Bach runter, sondern auch meine Selbstbeherrschung, meine Selbstachtung.

Viel zu oft reicht das Budget nur noch für „past'asciuta – trockene Nudeln“ im wörtlichen Sinne: Nudeln mit nix. Einen Löffel Öl und Salz, vielleicht ein paar Krümel Partisanenkäse. Wenn ich dann mal wieder an emotionaler Unterzuckerung litt, tröstete ich mich mit Billig-Schokolade in Krankenhausmengen.

Im späten Sommer 2013 gab es in einer langen, schweren depressiven Phase - in der ich hier munter die Rosenworte erfunden habe, um mich selbst am Laufen und Funktionieren zu halten – einen seltsamen Wendepunkt:

Beim Friseur hörte ich meine Lockenabschneiderin einer anderen Kundin erzählen, dass sie in nur 8 Wochen 12 kg abgenommen hatte. Ich war verblüfft. Sie sah fabelhaft aus!

Ich war so dermaßen beeindruckt und ich hatte mein Dicksein so dermaßen satt, dass ich mich Ende September bei den WeightWatchers angemeldet habe. Wer aufmerksam mitgelesen hat, konnte leichte Spuren davon in meinen Texten entdecken, zum Beispiel bei der Elsässer Tarte aux Quetsches.

Das ist natürlich ein Paradoxon sondergleichen, dass ausgerechnet eine ALG2-Empfängerin ihr bißchen Geld in einen Diätkonzern trägt – wo doch das monatliche Budget für Nahrungsmittel von 138,83 € (= 4,63 € täglich) ohnehin schon so knapp bemessen ist, dass es kaum für eine ausgewogene Ernährung reicht (zumal, wenn eine auch noch das Katzenfutter davon bezahlt).

Es war meine Entscheidung. Im Oktober kam das Minigehalt des Minijobs dazu und hilft mir, durchzuhalten.

Seit vier Monaten gehe ich also regelmäßig in die Treffen, zähle fleißig meine Futterpunkte und schreibe Listen. Das kommt meiner leicht autistischen Seinsweise entgegen – und es funktioniert: Ich habe mich um 15 kg "verdünnisiert", bin jetzt wieder im Bereich des 'Normalgewichts', in jeder Hinsicht „erleichtert“ und bisweilen ganz hingerissen von mir selber.

Nun weiß ich wieder, wie zauberhaft Schlüsselbeine aussehen könnnen. Oder Wangenknochen. All die schönen Dinge, die wieder passen. Sogar Fingerringe, die ich ich jahrelang nicht tragen konnte, gleiten nun widerstandslos an die Hand. Ein Gewicht wie derzeit hatte ich zuletzt vor zehn Jahren. Damals, bevor die schreckliche Hartz4-Verzweiflung begann.

Das Hexenhäuschen oben war ein Weihnachtsgeschenk: 850 g feinste Vollmilchschoki. Früher hätte ich das in einer Woche locker verputzt. Nun knabbere ich schon seit Monaten daran. Nur Hänsel und Gretel hat die Hexe gleich vernascht: Die waren nicht ausreichend standfest.

Vor ein paar Tagen war ich im Klamottenladen, Hosen anprobieren. Meine Standardjeans brauche ich jetzt zwei Nummern kleiner – und selbst die saß noch locker. Trotzdem kann ich den Erfolg immer noch nicht ganz glauben. Jedes Mal, wenn ich mich auf die Waage stelle, habe ich Angst, dass sie - quasi über Nacht - wieder nach oben flippt und die alten 90 kg anzeigt. tut sie nicht. Sie bleibt bei ihrer freundlichen 75.

Ich denke oft in Bildern. Die Masse, die ich abgenommen habe, stelle ich mir gerne in Butterpaketen vor:

Ein Standard-Butterpäckchen ist 3,5 cm hoch. 15 kg sind 60 Butterpakete. Wenn ich die übereinander stapele, ergibt das eine Buttersäule mit einer Höhe von 2,10 m. Dieser Butterturm steht jetzt quasi neben mir, ich habe ihn outgesourced, habe wieder Kontur.

Auch jetzt schon bin ich stolz auf meine kognitive Disziplin: Wenn schon sonst fast alles schief läuft in meinem Leben, dann habe ich wenigstens mein Körpergewicht wieder unter Kontrolle. „Selbstwirksamkeit“ heißt das stärkende Zauberwort in meiner seit Jahren so unerfreulichen Situation. Ich gehe davon aus, dass es auf andere Lebensbereiche ausstrahlt.


PS.
Hätte mir vor einem halben Jahr wer prophezeit, dass ich hier mal in einer kostenlosen Werbesendung ein Loblied auf die WeightWatchers singen würde – ich hätte sie oder ihn angesehen wie ein giftgrünes Wesen aus einer feindlichen Galaxie. Dachte ich doch, dass es sich um eine Art Sekte handelt und ich nur noch deren Produkte essen darf. So ist das nicht. Hinter der etwas seltsamen Werbung steckt – so weit ich das beurteilen kann - ein ausgeklügeltes und auch psychologisch geschicktes System. Sie lassen mir viel Freiheit, verbieten mir weder den Milchkaffee noch die Schokolade (also meine Grundnahrungsmittel). Nur was die Mengen angeht, da lerne ich wieder Achtsamkeit und erinnere mich an alte, an gesündere Muster: Zum Beispiel das Schnuckeln vor dem PC, das lasse ich möglichst weg. Und ich achte darauf, dass ich mich wieder mehr und regelmäßiger bewege. Auch kleine Schritte zählen!



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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Minijob

Seitdem im Herbst vor einem Jahr der Medienkonzern meine Halbtagsstelle gekündigt hat, bin ich unverändert auf Arbeitssuche und versuche, mit dem kargen Arbeitslosengeld II irgendwie über die Runden zu kommen.

Zwischen Rheinebene und Schwarzwald

Bisher ist es mir nicht gelungen, im bezahlten Erwerbsarbeitsleben wieder Fuß zu fassen. Zwar hatte ich mehrere Vorstellungsgespräche und war auch bei einer Stelle ganz nah dran. Das ist schon ein Wunder, wenn eine über 50 ist, bestens qualifiziert und etwas mehr Honorar erwartet als den ungesetzlichen Mindestlohn.

Aber für einen Arbeitsvertrag hat es dann doch nicht gereicht.

Nun ist es mir immerhin gelungen, einen Minijob zu ergattern:

Ich darf Anzeigen Korrektur lesen bei einem regionalen Wochenblatt. Stundenweise, auf Abruf.

Das Honorar beträgt 10 Euro die Stunde. Für eine, die mal Kulturredakteurin war bei der ARD, ist das lächerlich. Da habe ich schon als Studentin vor 30 Jahren mehr verdient.

Die Zeiten haben sich geändert.Ich bin schon froh, dass ich das überhaupt machen darf, denn das habe ich nur der Verkettung von ein paar mehr oder weniger großen Zufallen zu verdanken:
Angefangen damit, dass ich die Zeitung überhaupt in meinem Briefkasten hatte. Bis vor kurzem klebte da nämlich noch ein Aufkleber „Keine Werbung bitte (und auch keine kostenlosen Zeitungen)“, weil mich diese Anzeigenblätter so nerven! Jahrelang haben sich die Zusteller daran gehalten.

Der Aufkleber war altersschwach, ich hatte ihn entfernt und noch nicht durch einen neuen ersetzt. Zack! Da war mein ungeliebtes Wochenblatt wieder da. Im Allgemeinen benutze ich es ohnehin nur, um Kartoffelschalen darin einzuwickeln oder den Mülleimer damit auszulegen.

Dass ich das Blatt an jenem Vormittag ausnahmsweise gelesen habe, lag nur daran, dass ich noch eine knappe halbe Stunde Zeit zu überbrücken hatte, bevor ich mich auf den Weg machen wollte, um pünktlich zu einer Frühstücksverabredung in der Stadt zu sein.

Die weiteren günstigen Koinzidenzen waren dann, dass ich a) das „Stellenangebot“ überhaupt entdeckt habe, b) sofort – trotz Feiertag! - dort anrief, dass ich es c) rechtzeitig gelesen habe um d) die erste zu sein, die sich darauf meldete und e) die zuständige Kollegin - wegen Feiertag! - in einer entspannten Atmosphäre am Telefon erwischte, so dass sie f) sich über meinen Anruf freute, g) mir geduldig zuhörte, h) Zeit und Lust hatte, mir ausführlich zu antworten und i) mir sofort einen Termin für ein Kennenlerngespräch vorschlug.

Wie viele Bewerbungen es insgesamt gab, weiß ich nicht. Es müssen sehr viele gewesen sein. Das Telefon klingelte noch, als ich eine Woche später bei ihr im Bewerbungsgespräch saß.

Tags darauf war ich eingeladen zu einem ersten „Probearbeiten“. Auf meine Kosten naürlich, unbezahlt. Einarbeitung wird bei Aushilfsjobs wohl nicht mehr vergütet, diese Zeit muss ich als prekär Beschäftigte meinen Arbeitgebern schenken.

Da bin ich ja schon froh, dass ich nicht noch draufzahlen und vorher eine teure Schulung absolvieren muss, in der mir als bestens qualifizierter journalistischer Fachkraft das Korrektur lesen erst noch auf meine Kosten beigebracht wird.

Immerhin, „auf Probe“ war nur ein Nachmittag, die paar Stunden meiner Lebenszeit schenke ich Euch Arbeitgebern. Ab dem zweiten Arbeitstag schenkt ihr mir ja jetzt Geld für die Zeit, die ich in Euren geheizten Räumen mit Aussicht verbringen und Tippfehler rot ankringeln darf. Ihr hättet mich auch vom Jobcenter geschenkt kriegen können als kostenlose Praktikantin für ein paar Monate. Darauf habt ihr verzichtet. Dafür danke!

Nun fahre ich also zwei Mal die Woche für zwei bis drei Stunden in die benachbarte Kurstadt. Bei trockenem Wetter kann ich die paar Kilometer radeln. Das trägt zu meiner Fitness bei. Quasi ein kostenloser Zusatznutzen zum zu erwartenden finanziellen Rebbach.

Natürlich werde ich als Hartz-4-Empfängerin nicht allen Lohn behalten und sorglos verprassen dürfen. Ich finde das auch völlig in Ordnung, wenn ich den SteuerzahlerInnen so viel wie möglich und nötig zurückgebe von den Geldern, mit denen sie mein Existenminimum so großzügig unterstützen.

Es ist allerdings keineswegs so, dass ich – wie oft angenommen – die ersten 170 Euro behalten darf.

Behalten darf ich nur die ersten 100 Euro. Die gelten als Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten, Arbeitskleidung, Arbeitsmaterial, Versicherungen, Bewerbungs- und Kommunikationskosten, Verpflegungsmehraufwand ...

Darüber hinaus gebe ich von jedem Euro Einkommen 80 Prozent ab, darf also nur 20 Eurocent behalten. Das ergibt bei einem Minijob mit einem Monatsverdienst von durchschnittlich maximal 450 Euro maximal 170 Euro im Monat.

So viel werde ich aber gar nicht verdienen. Bei vier bis sechs Wochenstunden komme ich auf höchstens 250 Euro im Monat, von denen ich dann 130 Euro für mich behalten darf. Aber besser als nix. Ich bin ja schon froh, wenn mein Leben ein bißchen weniger schlimm ist. Dass es jemals wieder gut werden könnte, wage ich kaum noch zu hoffen.

Was noch? Ach ja: Theoretisch stehen mir bei meinem Minijob auch Urlaubstage und anteilige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu. Ob ich die auch erhalte, bleibt abzuwarten. Eine schriftliche Vereinbarung habe ich bislang noch nicht gesehen.

Wenn ich den Minijob behalten will, werde ich tunlichst nicht nach weiteren Details fragen und nicht auf die Einhaltung der mir zustehenden Rechte pochen: Es stehende Dutzende weiterer BewerberInnen Schlange, die die Arbeit zu den bestehenden Konditionen mit Handkuss übernehmen würden.

Welcher (Zeitungs-)Verlag leistet sich heute noch eine Korrekturleserin? Da sind zehn Euro die Stunde vergleichsweise viel. Das verdienen oft nicht einmal die freien JournalistInnen. Dass es nur ein Bruchteil ist von dem, was ich früher einmal verdient habe, zählt nicht. Viele 450-Euro-Jobs sind inzwischen ausgelegt als Halbtagsstellen mit einem Stundenlohn von Fünfeuroäpfelputz. Da habe ich es doch gut!

Außerdem ist das Korrekturlesen eine Arbeit, die ich einfach gut kann, bei der ich fast gar nicht in Stress gerate. Im Verlag sitze ich mit den Korrekturstapeln allein in einem ruhigen, gerade nicht genutzten Raum oder in der Küche – ohne Telefon und ohne PC. Das ist geradezu erholsam.

Mit das Schönste: Mein inneres Kind freut sich ein Loch in den Bauch, wenn es mit dem Rotstift lustige Kringel aufs Papier malen darf. Auf Papier! Ganz analog!

Deswegen bin ich jetzt einfach mal dankbar und ignoriere das bisschen zähneknirschende Grummeln im Bauch. Lieber wäre mir natürlich, wenn ich mich von meiner Arbeit auch endlich wieder ernähren könnte - und von den Demütigungen des Jobcenters nicht mehr abhängig wäre.


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Montag, 7. Oktober 2013

Glückseligkeit

- Rosenworte am Montag -

An manchen Tagen muss ich ganz weit zurück gehen in die Ursprünge der Philosophie, um mich des Menschenrechts auf einen eigenen Lebenssinn zu vergewissern und ihn mir wieder neu zu stiften.

Das ist immer dann besonders wichtig, wenn das Jobcenter als Unterstützer meiner prekären Lebensumstände mich - so wie derzeit - unter Ignoranz sämtlicher fachärztlicher Atteste und klinischer Gutachten mal wieder in die Depression "fördert und fordert".

Félicité Parmentier, Belgien 1843

Um intellektuell nicht vollends zu verlottern, habe ich mich ausnahmsweise** mit der Aristoteleschen Glückseligkeit beschäftigt und bin - etwas platt verkürzt - zu folgendem Ergebnis gekommen:

Herr Aristoteles hielt die Glückseligkeit (Eudämonie, aus dem griechischen εὐδαιμονία = einen guten Dämon haben) als "seelisches Glück" für das höchstes Gut und Endziel des menschlichen Handelns.

Das bedeutet, durch gelingende, rechtschaffene Lebensführung und wohlwollendes Schicksal ein seelisches Wohlbefinden zu erreichen inklusive äußerlicher, körperlicher und seelischer Güter.

Den Weg dahin gestaltet jede nach eigener Fa­çon und Möglichkeit mit bestmöglichem Menschenverstand.

Nach dieser erklärenden Präambel nun meine Rosenmontagsworte:

Mögen die Damen und Herren vom Amt 
sich bei der Auslegung der (Hartz4-)Paragraphen 
rechtschaffen wie gute Dämonen verhalten und 
kraft ihres Verstandes zu der Erkenntnis gelangen, 
dass es ihrer persönlichen Glückseligkeit 
überhaupt nicht zuträglich ist, 
wenn sie mir die meine zu verhindern trachten.


PS.
** Aristoteles war der Meinung, die Frau sei ein verfehlter Mann. Deswegen ist er für mich im Allgemeinen keine ernst zu nehmende Autorität und ich bin mir nicht sicher, ob seine Theorie der Glückseligkeit überhaupt auf die weibliche Mehrheit der Bevölkerung in unserem Land anwendbar ist. Einen Versuch ist es mir dennoch wert - als besondere Maßnahme quasi.


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Freitag, 30. August 2013

innenspiegel

jeden tag aufs neue nehme ich mir vor: „aber heute schreibe ich endlich etwas in mein blog.“ und dann schaffe ich es doch wieder nicht.

Spiegellichter

nicht, weil mir die zeit dazu fehlte. nicht, weil mir die themen ausgingen. nicht, weil ich nichts mehr zu sagen hätte. ganz im gegenteil: das, was ich sagen will, ist zu viel. ich drohe daran zu ersticken und weiß nicht, wo ich anfangen soll.

es ist so schrecklich viel und so schrecklich schmerzhaft, dass ich es einfach nicht aufschreiben kann. weil mein eigenes leben mich so dermaßen triggert und fertig macht, dass ich über der tastatur heule und spucke, bis die platine geflutet ist.

angst, verzweiflung, hass und wut lösen sich ab, wohnen ganz nah beieinander. ich weiß keinen ausweg.

viel zu viel.
aber wenigstens mal ein zwischenstand:

die vom jobcenter angekündigte sanktion von neulich habe ich abwenden können. panik und schrecken bleiben. weil diese behörde mit ihren demütigungen und schikanen am längeren hebel sitzt. ich kann es mir nicht leisten, einfach mal eben für ein paar monate auf das existenz-minimum zu verzichten.

die neue arbeitsvermittlerin, frau Nicola, findet ihre art und weise, mir gleich mal eine sanktion anzudrohen, bevor wir uns auch nur guten tag gesagt haben, ganz normal. ich sei die erste, die sich darüber beschwert. weder konnte sie nachweisen, dass sie die erste einladung, die sie mir angeblich geschickt hat, auch ausgedruckt hat („das passiert irgendwo zentral und wird dann gleich verschickt“), noch dass der brief abgeschickt wurde („das wäre doch viel zu teuer, alles mit einschreiben zu verschicken“). erst recht nicht konnte sie beweisen, dass ich die von ihr „einladung“ genannte zwangsvorladung tatsächlich erhalten habe. damit war die sanktion zwar vom tisch. aber der schrecken bleibt und sitzt tief. die kundInnen werden bedroht, schikaniert und in verzweiflung gestürzt, um im zweifelsfall ein paarunddreißig euro zu sparen. wie viel brutalität, sadismus, bosheit und hinterhältigkeit braucht ein mensch, um so etwas tun zu können?

frau Nicola entpuppte sich zudem als manipulative, eiskalte und knallharte amtsperson. sie hörte mir nicht zu, ließ keinerlei argumente gelten. die eingliederungsvereinbarung, die sie mir aufzwängte, enthält nur pflichten für mich, mehr als jemals zuvor. von seiten des jobcenters passiert jetzt gar nichts mehr. sie informierte mich nicht einmal, dass ich nun im besonders strengen und repressiven „programm 50 plus“ gelandet bin. das erfuhr ich eher zufällig, als ich die EV später in der beratungsstelle meines vertrauens checken ließ. die EV ist brutal, aber rechtens.

die chance, im jobcenter im markgräflerland auf eine menschliche arbeitsvermittlerin wie die in hamburg lebende Inge Hannemann zu treffen, ist eher gering. hier im südwesten bei den katholischen spießern wird schikaniert, was nur geht.

frau Nicola zwingt mich, völlig sinnlose bewerbungen zu schreiben auf stellen, wo ich niemals dauerhaft arbeiten könnte. bloß damit frau Nicola ihre statistik abhaken kann. nur, dass unter druck bei mir nichts geht. under PRESSure werde ich dePRESSiv. das raubt mir alle kraft für sinnvolles, für eigenes, stimmiges, für kreatives. der druck, den sie ausübt, macht mich krank. ich kann mich nicht dagegen wehren, bin gnadenlos überfordert und stürze kopfüber in die selbstverletzung.

ich reagiere mit depressionen, schlaflosigkeit, zähneknirschen (schon wieder die beißschiene kaputt; vorgestern eine krone vom zahn gebissen), panik, tinnitus, kopfschmerzen. ich kratze mir die haut am kopf, im gesicht, am ganzen körper blutig, ballere mit den fäusten gegen meinen schädel bis es knirscht: „Kind, schlag dir das aus dem Kopf! Du wirst niemals die sein dürfen die du bist!“ - höre ich die böse mutter keifen. die schmerzlindernde rotweinflasche vor meinem inneren auge nimmt gigantische ausmaße an und rückt in meiner phantasie bedrohlich nahe.

wenn ich mit dem auto unterwegs bin, schaue ich mir in den rebhängen ganz genau an, in welcher kurve ich einfach nur stur geradeaus fahren müsste, um den absturz garantiert nicht zu überleben.

neulich nachts visionierte mir sehr plastisch, dass es mir gelungen war, ein wirklich schmerzlos tödliches gift zu finden. ich spritzte es erst der katze und dann mir. danach bin ich sehr friedlich eingeschlafen, die katze in meinen armen.

im traum war ich unendlich erleichtert. umso schlimmer war das erwachen: ich bin immer noch auf dem falschen planeten. erwerbslos. einsam. arm. nichts ist gut. gar nichts.

das resultat ist - mal wieder - eine erschöpfungsdepression, vorstufe von burnout. inzwischen auch fachärztlich attestiert. ich bin krank, falle für wochen aus. durch frau Nicolas druck finde ich erst recht keine arbeit, sondern werde ich von tag zu tag teurer fürs amt und liege der gesellschaft nun wirklich auf der tasche. dafür schäme ich mich in grund und boden.

mehr als achteinhalb jahre hartz4 sind längst mehr, als ein mensch ertragen kann. egal was ich gearbeitet habe seither: ich war immer angewiesen auf ergänzendes ALG2. weil es nur noch billiglohn gibt. für frauen erst recht. völlig wurscht, dass ich abitur und studiert hab, dass ich ne gute ausbildung hab, einen iq weit über 130, vielseitig begabt und kompetent bin. ich finde nichts passendes. meine arbeit ist nichts (mehr) wert. ich ebenso wenig.

neulich gab ich IT-nachhilfe für senioren. 5 öre die stunde. ein ehrenamt kann sich nur leisten, wer auch die ehre hat. 

ehre und sinn des lebens aber sind mir längst abhanden gekommen. ich existiere nur noch, um die gesetzlichen vorgaben und schikanen des jobcenters zu erfüllen. das ist kein leben.

trösten kann mich nicht einmal mehr der gedanke, dass all die gnadenlosen amtsbratzen ebenso wie die politikerInnen aller couleur, die die hartz4-folter für erwerbslose menschen beschlossen und in gesetze gegossen haben, es spätestens auf dem sterbett büßen werden.

der unermeßliche schmerz und terror, den sie millionenfach aussenden, wird auf sie zurückfallen. stück für stück. das ist ein kosmisches gesetz. dann können die frau Nicolas dieser republik sich röchelnd und wimmernd, aber mit rigidem buchhalterstolz auf die sadistisch dumpfe brust klopfen: "ICH habe unzählige unschuldige erwerbslose gefoltert, getriezt und gequält, mit „sanktionen“ und anderen schikanen in den finanziellen, emotionalen und gesundheitlichen ruin getrieben haben. ICH bin ein toller mensch und habe immer getan, was im gesetz steht. ich war eine gute deutsche!“

wie lange noch?

Sonntag, 4. August 2013

folgeeinladung

seitdem ich im herbst 2012 meine halbe stelle als redaktions-mitarbeiterin im medienkonzern verlor, bin ich wieder erwerbslos.

da die stelle dort so gering honoriert war, dass ich ohnehin auch während meiner zeit als angestellte ergänzendes alg2 in anspruch nehmen musste, bin ich seither wieder „voll auf hartz4“.

der große luxus von unten - phalaenopsis orchidee

nein, das ist nicht lustig. ich kann meine erwerbslosigkeit nicht als „fröhlichen zwangsurlaub“ betrachten, wie eine im umgang mit den deutschen jobcentern eher unbedarfte bekannte mir neulich aufmunternd vorschlug. hartz4 ist kein spaß in der sozialen hängematte, sondern folter.

ich will hier jetzt gar nicht darüber schreiben, dass der regelsatz von 382 euro – der angeblich das existenzminimum sichern soll – vorne und hinten selbst zu einem schlichtesten überleben nicht reicht, dass es krank macht und vereinsamt. ich übe mich in der kunst, stilvoll zu verarmen. darin bin ich sogar recht erfolgreich. es darf nur nichts kaputt gehen. und ich darf das haus nicht allzu oft verlassen.

ich will hier jetzt auch gar nicht darüber schreiben, dass das hartz4-verrechnungs-amt sich ständig zu seinen gunsten verrechnet und meine „leistungen“ auf diese weise noch weit unter das angebliche „existenzminimum“ drückt. auch nicht darüber, dass unsereins das dann erst einmal herausfinden, aufwendig recherchieren und sich beraten lassen muss, um widerspruch einlegen zu können und ggfs. anwälte und sozialgerichtsbarkeit in gang zu setzen, um dann erst monate oder gar jahre später unter aufwendung erheblicher zusatzkosten (und aller zur verfügung stehenden nervenenden) das klitzebißchen zu kriegen, was einer gesetzlich zusteht – und was für das alltägliche überleben JETZT dringend benötigt wird.

nein.

ich dachte, ich schreibe heute einmal über 'post vom amt':

alle arbeitslosenämter der republik benutzen seit jahren das immergleiche ekelhafte dunkelgraue recycling-papier in allerschlechtester qualität. es sieht nicht nur schäbig aus, es stinkt auch ganz unangenehm (und das mir, die ich den duft von papier doch sonst so sehr liebe!) das muss nicht einmal das billigste papier sein. ich vermute, dass da ein parteigenosse oder kuseng des arbeitslosenministers mit einem never-ending großauftrag den reibach seines lebens macht (dass das arbeitslosenamt mit öffentlichen geldern sehr großzügig ist, wenn es um die privaten vorteile der eigenen mitarbeiter geht, wissen wir ja nicht erst seit 2010).

schon wenn ich so einen dreckig grauen recycling-umschlag ohne briefmarke und ohne absenderaufdruck im briefkasten sehe, krampft sich mein magen zusammen, fängt mein herz in panik an zu rasen und wird mir spei-übel. können die sich denn nicht einmal anständiges papier leisten? es gibt auch schönes recyclingpapier, mit einem höheren weißegrad, das weder teurer noch umweltschädlicher ist.

wir sehen: das amt behandelt seine „kundInnen“ schlecht. also unsereine. schon das benutzte briefpapier schreit aus allen deutschgrauen recycling-fasern: „du böse erwerbslose sozialschmarotzerin bist genauso schmutzig wie unser papier und absolut wertlos.“

das wird durch den blauen engel auf dem briefumschlag nicht besser. auch nicht dadurch, dass mein finanzamt ein ähnlich deutschgraues recycling-papier benutzt.

der unterschied liegt im inhalt und im ton. mit dem finanzamt korrespondiere ich als steuern zahlende bürgerin „auf augenhöhe“.

das jobcenter hingegen bezeichnet mich zwar offiziell als „kundin“ - behandelt mich aber a priori wie eine rechtsbrüchige verbrecherin, die es zu maßregeln und aus der angeblich so kommoden faulenzerInnen-hängematte zu mobben gilt.

geld spart das jobcenter vor allem dadurch, dass es weniger auszahlt als gesetzlich vorgeschrieben ist. in der freiburger nachbarbehörde wurden schon vor jahren die mitarbeiterInnen angewiesen, möglichst „sparsame“ bescheide zu verschicken. die folge: mehr als 80 % der bescheide waren fehlerhaft. sprich: es wurden rechtswidrig geringe leistungen bewilligt.

das amt hoffte darauf, dass die mehrheit der erwerbslosen das vor lauter hängematten-idylle verpennt und sich mit der hälfte des ihnen zustehenden zufrieden gibt. das hat sich durchaus gelohnt. leider schafft es immer nur eine minderheit, gegen falsche bescheide widerspruch einzulegen und den eigenen anspruch tatsächlich durchzusetzen.

um zusätzlich geld einzusparen, scheint es zum handwerkszeug der jobcenter zu gehören, „kundInnen“ für böse verbrechen zu bestrafen, die sie gar nicht begangen haben. es werden sanktionen verhängt ohne rücksicht auf das geltende grundgesetz – das bedeutet, dass die leistungen für die betroffenen noch weiter unter das existenzminimum gesenkt werden. auch dann, wenn die kundIn sich gar nichts hat zuschulden kommen lassen.

von einer rechtskundigen augenzeugen weiß ich, dass ein vertreter des hiesigen jobcenters sich mit großem stolz auf die amts-brust klopft: „WIR sind das jobcenter, das die meisten sanktionen verhängt!!!“ eichmann wäre stolz auf ihn.

von diesem brutalen, menschenverachtenden ehrgeiz bin ich leider gerade betroffen:

der schreckliche graue brief von meinem jobcenter kam am freitag und hat mich so dermaßen aufgeregt (und tut es noch), dass ich bis heute gebraucht habe, um mich einigermaßen zu beruhigen und darüber schreiben zu können.

geschrieben hat ihn „Frau Nicola M.***“. die kenne ich noch nicht. wir haben uns noch nicht einmal guten tag gesagt. offensichtlich ist sie mir nun als „arbeitsvermittlerin“ zugeordnet. aber ich weiß schon jetzt, dass sie genau das – nämlich mir eine arbeitsstelle vermitteln – garantiert NICHT tun wird.

statt dessen schreibt sie, dass sie mein ALG II gleich mal für die nächsten drei monate um 10 prozent kürzt, weil ich letzte woche nicht bei ihr im termin war. von dem termin wusste ich nichts!

angeblich habe sie mir eine „einladung“ (jobcenterdeutsch für „zwangsvorladung mit androhung von geldstrafe bei nichterscheinen“) geschickt. seltsam, dass die nicht bei mir ankam. ich bin hier mit den postzustellerInnen persönlich bekannt, seit jahren. es ist noch nie post nicht angekommen.

nun habe ich also eine „folgeeinladung“ erhalten. das ist jobcenterdeutsch für „zweite zwangsvorladung mit androhung von weiteren und noch größeren geldstrafen bei nichterscheinen in folge“. das halte ich nicht für kundenfreundlich, sondern für erpressung.

zumal ich als erwerbslose gleich einmal vorab und pauschal unter den generalverdacht der leistungserschleichung gestellt werde. welch eine unverschämte unterstellung. ich bin weder freiwillig noch gerne ohne sinnvolle arbeitsstelle. ich hasse es, meinen lebensunterhalt nicht selbst verdienen zu können.

vermutlich wollte frau M. mich gar nicht erst kennenlernen, sondern lieber gleich geld sparen. es ist anzunehmen, dass sie das schreiben an ihrem pc zwar bearbeitet und gespeichert – dann aber weder ausgedruckt noch an mich abgeschickt hat.

da sie nun ihr schlechtes gewissen zu kompensieren hat, ist sie in diesem zweiten schreiben besonders pampig und extra schikanös. es ist zu vermuten, dass sich das bei der „anhörung“ nächste woche fortsetzen wird.

es ist aber aufgabe der arbeitsvermittlerin, mich als kundIn auf augenhöhe zu informieren und zu beraten. ich habe ein recht auf die mir gesetzlich zustehenden leistungen. das sind keine almosen. mit dem antrag auf das arbeitslosengeld habe ich nicht gleichzeitig auch meine menschenwürde im arbeitslosenamt abgegeben. mit bösartigen unterstellungen und schikanen kommt sie bei mir nicht weit.

darauf werde ich „Frau M.“ im 'folgetermin' ausdrücklich hinweisen. höflich, aber bestimmt. so, wie ich es auf der journalistenschule für den umgang mit schwierigen interviewpartnerInnen gelernt habe: Fortiter in re, suaviter in modo

zu diesem termin gehe ich natürlich nicht alleine. außerdem bin ich informiert, dass sie mir für die rechtswirksamkeit ihrer sanktion nachweisen muss, dass ich ihre erste einladung tatsächlich erhalten habe.

fortsetzung folgt ….


*** name ist der redaktion bekannt
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Sonntag, 29. Januar 2012

wie isset denn so?

leserInnenbrief no. 1*

das erste zwölftel vom neuen jahr ist fast geschafft. schnee hatte ich in diesem bislang nur in sichtweite, aber noch nicht unter den eigenen füßen. das soll (leider) sich in den näxten tagen ändern. sodass die schneeglöckchen, die hier derzeit in voller blüte stehen, ihren schönen namen auch zu recht tragen.

die schneefallgrenze rückt bedenklich nahe

nach dieser einleitung der japanischen art – d.h., unter allen umständen immer zuerst ein paar worte über das wetter zu sprechen, bevor man zum eigentlichen thema kommt – möchte ich euch nicht länger auf die folter spannen. denn ich weiß, hier warten alle nur auf eines:

wie isset denn so – im neuen job?
in kürze: jut isset.

in länge:
es ist eine große umstellung für mich, nach der langen zeit des selbstbestimmten arbeitens mit freier themenwahl und freier zeiteinteilung nun wieder zu regelmäßigen arbeitszeiten an einem fremdbestimmten ort zu sein und dort aufgaben nach festen vorgaben zu erledigen.

ich stelle aber fest, dass mich das auch sehr erleichtert und meinem leben einen ganz neuen sinn (zurück-) gibt. es gefällt mir, wieder in eine redaktion zu gehen. da habe ich schon immer einen unterschied gemacht: ich wollte niemals eine "ins-büro-geherin" sein.

außerdem brauche ich bei der arbeit nicht darüber nachdenken, was ich tue, sondern nur noch wie ich etwas mache. auch das erleichtert mich, auch wenn es mir nicht immer gefällt.

die arbeit im verlag ist sehr komplex. alle sagen, dass es mindestens ein halbes jahr dauert, bevor man richtig eingearbeitet ist. erst nach etwa einem ganzen jahr fängt so etwas wie routine an, bei der man auf erfahrungen zurückgreifen kann.

ich bin dort ja nur für vier monate gebucht, bis ende märz. but I'm doing my very best, so gut zu sein, dass mein einsatz verlängert wird. ich mag die stelle, ich mag den arbeitgeber, ich mag auch (fast) alle kollegInnen im team des großraumbüros. ich will da möglichst lange bleiben! und das nicht nur, weil der kaffee gratis ist.

das großraumbüro allerdings stellt eine große energetische herausforderung dar: wenn ein dutzend leute arbeiten, hin und her laufen und reden, wenn ständig telefone klingeln und der riesige druckerscannerkopierer papier umwälzt – dann ist das schon eine ziemliche belastung für meine feinen sinne. mo jour hat auch hinten ohren.

noch dazu, wo derzeit das meiste sehr neu ist für mich, die arbeit und die menschen. ich habe es zu tun mit diversen verlagsprogrammen und riesengroßen datenbanken. die arbeitsabläufe sind hoch komplex und mir noch fremd, die vorgaben unendlich kompliziert und detailliert. ich darf täglich neues lernen – insofern erlebe ich schon auch fachliche herausforderung.

intellektuell aber muss ich mich sehr verarmen, um meine aufgaben erledigen zu können. ich darf nix neues erfinden, sondern ich habe vorgaben zu erfüllen. es ist wie malen nach zahlen.

falls hier irgend jemand dachte, es sei etwas romantisches, in einem verlag zu arbeiten, die/der möge sich dieses freundliche klischee bitte abschminken:

es ist knallharte, graue, kühle, gewinnorientierte arbeit!

aber ich kann das schaffen, denn es ist nur halbtags. dennoch: wenn ich am frühen nachmittag nach hause komme, sitze ich oft heulend in der ecke, weil ich so erschöpft bin. oder hänge vor dem pc und daddle über stunden stumpfsinnig vor mich hin, weil nix aktives, kreatives mehr geht.

ich gehe davon aus, dass das mit der zeit besser wird: wenn ich bei der arbeit mehr routine habe, wenn ich mich besser eingelebt und eingewöhnt habe, souveräner werde. derzeit ist alles noch sehr surreal, sehr fremd, sehr unpersönlich. andererseits erlebe ich auch sehr viel wohlwollen und freundlichkeit – ich kann es nur noch nicht so genau spüren vor lauter aufregung, all das neue auch erst einmal kennenzulernen, einzuordnen und zu verarbeiten. gleichzeitig habe ich große angst, nicht gut genug zu sein für den renommierten arbeitgeber.

es ist ja auch noch winter, die dunkle jahreszeit war schon immer die schwierigste für mich. bloß, weil ich nun eine halbe befristete arbeitsstelle habe, sind weder die depressionen verschwunden noch ist das trauma behandelt.

hinzukommt, dass das jobcenter seine drohung wahr gemacht hat. meine gesundheit und arbeitsfähigkeit gehen dem amt bekanntlich am arsch vorbei. meine miete wird seit anfang des jahres nur noch 'in angemessener höhe' übernommen. es klafft eine riesenlücke. das gehalt aus meinem halbtagsjob füllt diese lücke nicht. ich bin auf ergänzendes alg2 angewiesen und habe jetzt weniger geld zur verfügung als noch im dezember 2011 – und das, obwohl ich arbeite.

da darf ich nicht drüber nachdenken, sonst knalle ich noch öfter mit dem kopf gegen die wand, bis es knirscht.

dennoch bin ich zuversichtlich, dass ich das aushalten kann und dass es besser wird. es gibt prioritäten im leben.

prio no 1:
keinen alkohol trinken, egal was passiert.
das habe ich selbst in der hand. es funktioniert für mich seit mehr als zwölf jahren und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das auch weiter hinkriege.

prio no 2:
den job in die verlängerung retten.
das habe ich nur zum teil selbst in der hand, denn auf die personalpolitik des arbeitgebers habe ich keinen einfluss. aber ich kann so gut und effektiv und kollegial sein wie nur möglich – sodass man mich weiter im team dabeihaben möchte. ich will dort ankommen!

dahin geht jetzt all meine energie. ich betreibe derzeit mehr rekreation als kreation. mit voller absicht. es geht immer nur ein schritt vor den anderen. der gehenden schiebt sich der weg unter die füße. wenn ich drei monate zurückblicke, habe ich ein großes stück geschafft.


während ich dies schrieb, ist die schneefallgrenze auf mich herabgesunken. für heute gehe ich in den winterschlaf. ich wünsche euch allen einen kuscheligen sonntag und noch viel mehr!



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mit dem heutigen post mache ich eine neue kategorie auf, den "leserInnenbrief".
leserInnenbriefe sind briefe an meine leserinnen und leser:
an die vielen, die hier kurz oder lange mitlesen, die mich aus dem weltweiten weibernetz oder persönlich kennen und anteil nehmen an meinem leben und meiner geschichte.
es ist wunderbar, dass ihr da seid, danke! so fühle ich mich verbunden.
ich möchte euch gerne auf dem laufenden halten über das, was ist – auch in zeiten, in denen mir der literarische dreh fehlt, um 'unfug en gros und en détail' zu produzieren.
solche 'updates zur aktuellen lebenssitutaion' gab es auch bisher schon – ab heute haben sie einen namen.
auch leserInnenbriefe sind besondere maßnahmen.


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Donnerstag, 8. Dezember 2011

bärenstark

wunder no. 7

manchmal passieren die dinge im leben so schnell, dass mir schier schwindlig wird. gerade so, als ob ich in einem dieser wirbelnden karusselldinger sitze und nicht mehr raus kann, obwohl mir längst schlecht ist vor lauter aufregung.

manchmal muss es eben Lindt sein. [danke k!]

ich brauchte die kraft einer bärin, um auf den füßen zu bleiben. da steh ich nun – und habe eine unbefristete arbeitsstelle. seit anfang des monats. teilzeit. in einem der größten verlage des landes.

nach den ersten arbeitstagen kann ich sagen: das ist im grunde genau die stelle, nach der ich seit gut zehn jahren gesucht habe. sie finanziert meine basis. fast. nur noch ein bißchen mehr, damit es auch für die wohnung reicht – und dann ist der rest fröhliche kür.

plötzlich stehe ich wieder ganz anders in der welt. klar: ich werde meine freien kapriolen fortsetzen! die kolumnen, die kurse, das büro für besondere maßnahmen. aber zunächst setze ich prioritäten: auf diesem neuen arbeitsplatz will ich nicht nur die probezeit überstehen!

die bezahlung ist …. übertariflich. die tarife sind zwar nicht so dolle, aber egal. immerhin ist es mehr als an der hochschule im vergangenen jahr.

die sache hat einen kleinen haken, den ich respektvoll vernachlässige, weil sonst alles stimmt: der unbefristete vertrag läuft über eine zeitarbeit. mein einsatz auf der jetzigen stelle ist zunächst auf mehrere monate befristet – allerdings mit ausdrücklicher übernahmeoption.

es geht um formalien: die arbeit ist da, aber der zusätzliche arbeitsplatz von der geschäftsleitung noch nicht bewilligt. also springt zunächst das budget für aushilfen ein, bis anderweitig fakten geschaffen wurden.

für mich ist das eine riesige chance! ich kann mich noch einmal neu orientieren, darf vieles dazulernen. muss mich zunächst nicht festlegen. darf reinschnuppern und mich bewähren. ich fasse es noch gar nicht, so groß ist mein glück.

es war alles anders als beim letzten stellenantritt vor ziemlich genau zwei jahren: die erste reaktion auf meine online-bewerbung bei der personalvermittlung (vor gut vier wochen) kam diesmal schon am selben tag. keine vierundzwanzig stunden später saß ich bereits im vorstellungsgespräch. der personaler freundlich, wertschätzend. keinerlei fangfragen! ein profi.

man werde meine unterlagen weitergeben und mich dem auftraggeber als geeignete bewerberin empfehlen. dann dauerte es zwei geduldige wochen, bis die rückmeldung kam: der verlag wollte mich kennen lernen, ende november. yesss!

ich starb vor aufregung und machte mit der besten freundin eine modenschau, um ein geeignetes outfit festzulegen. nach fast sechs jahren in hartzIV ist von den feinen vorzeige-klamotten der rundfunkredakteurin von damals nicht mehr viel übrig. ausgaben für textile neuanschaffungen sind derzeit nicht vorgesehen. wir fanden einen kompromiss aus second hand, unkaputtbarem hess natur und italienischen schuhen.

neu für mich: für einen einzigen job zu zwei verschiedenen vorstellungsgesprächen zu gehen. meine aufregung war enorm, der gemessene blutdruck lag knapp unter 200. ich habe es ausgehalten.

aber auch das zweite gespräch verlief sehr angenehm: sachlich, freundlich, professionell. wertschätzend. gar kein personaler dabei. statt dessen der abteilungsleiter und der redaktionsleiter – also genau die menschen, mit denen ich nun im arbeitsalltag zu tun habe.

danach hatte ich zwar ein gutes gefühl, war aber total verunsichert. zu viele demütigungen habe ich erfahren in den vergangenen jahren, zu viele leere versprechungen gehört. zu stark die konkurrenz: oft hatten nur nuancen den ausschlag gegeben. immer hatte ich verloren. die bewerbungen habe ich schon längst nicht mehr gezählt.

diesmal habe ich gewonnen. der erlösende anruf kam gleich am tag darauf: arbeitsbeginn in wenigen tagen! das war vergangene woche. inzwischen stecke ich schon mitten in der einarbeitung.

nun bin ich wieder teil der erwerbstätigen bevölkerung. mein leben hat einen rahmen, in den ich mich einfügen kann. das wort 'freizeit' bekommt einen stellenwert, den es lange nicht hatte. welch ein genuss!

täglich gehe ich hinaus in die welt, erledige meine aufgaben in einem kleinen, kollegialen team. ich werde gesehen.

dass es das wieder gibt für mich, empfinde ich als großes wunder. ich hatte nicht mehr daran geglaubt. nun ist es einfach so. es geht mir sehr sehr gut damit.

nicht so gut geht es mir mit dem ergänzenden arbeitslosengeld 2, auf das ich zunächst noch angewiesen bin: 'eigentlich' sollte jetzt das jobcenter ein einsehen haben und mir die wohnung lassen. wo ich doch meinen lebensunterhalt zum größten teil endlich wieder selbst verdiene.

aber pustekuchen: erst gestern kam ein neuer bescheid, dass meine miete ab 01.01.2012 nur noch 'in angemessener höhe' anerkannt werden soll. dann reicht mein eigener verdienst nicht mehr zum leben: nach abzug der miete bleiben mir noch knappe 150 euro für lebensmittel, strom, telefon/internet, versicherungen etc.

ich bin also weiterhin mit überleben beschäftigt. trotz allem: mein motto für dieses jahr war gut gewählt: „erwarte nichts. lebe genügsam von überraschungen.“

es bewahrheitet sich nun, dass ich sogar darauf vertrauen kann. diese überraschung zum jahresende, der unbefristete vertrag, macht mich fast satt. ein paar bären sind noch übrig, für noch mehr kraft, die ich jetzt dringend brauchen werde.

ich habe einen bärenhunger!


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Montag, 31. Oktober 2011

check in: strange planet

notizen aus dem landeskrankenhaus . 1
[dieser text ist entstanden am 26.10.2011, dritter tag meines aufenthalts]

als ich am vorigen sonntag schrieb, dass ich nun in eine klinik gehe wegen meiner andauernden depressionen und zunehmenden tendenz, mich selbst zu verletzen, hatte ich keinerlei ahnung, was mich erwartet und worauf ich mich da eigentlich einlasse.


die tage und nächte davor war ich in angst und panik; habe das jobcenter verflucht, die klinik und die ganze welt, am allermeisten mich selbst - weil ich so unfähig bin, mit diesem entsetzlichen druck eines drohenden zwangsumzugs angemessen umzugehen.

anlass für die einweisung war meine unvorsichtige bemerkung der ärztin gegenüber, dass ich angesichts meiner hoffnungslosen alltagsumstände lieber tot wäre als lebendig. sie ist erschrocken und hat das sehr ernst genommen.

da sie der meinung war, dass es schnell gehen müsse und weil ich kassenpatientin bin, residiere ich nun im für meinen wohnort zuständigen landeskrankenhaus, dem ZPE. das zentrum für psychiatrie hat keinen sonderlich guten ruf, aber andere fachkliniken haben längere wartezeiten und fielen deswegen aus.

zusätzlich saßen schlimmste vorurteile und befürchtungen fest in meinem kopf: alte bilder aus der 50er-jahre-psychiatrie voller zwangsjacken, gummizellen, mit medikamenten dumpfgestellte zombiepatientInnen ....

ich schrieb ja bereits, dass ich dazu tendieren kann, es mir selbst schlecht gehen zu lassen, um andere zu bestrafen. so als ob ich selbst gift nähme in der hoffnung, dass die anderen daran zugrunde gehen, auch wenn sie nicht einmal den hauch einer ahnung davon haben, wie sehr sie mich verletzt und gedemütigt haben.

wartet's nur ab, dachte ich. nun gehe ich in die psychiatrie und ihr seid schuld, doofes jobcenter! ich bin schließlich nicht die erste kluge und starke frau, die an der brutalen männerwelt zugrunde geht und in der klapse landet (hierzu empfehle ich die wunderbaren bücher „Wahnsinnsfrauen“ I bis III von Luise F. Pusch).

um es vorweg zu nehmen: meine schlimmen und schlimmsten befürchtungen sind nicht in erfüllung gegangen. ich bin auf einer offenen psychotherapeutischen krisenstation gelandet. nicht in einem irrenhaus.

die meisten hier sind ausgesprochen nett zu mir. ich muss keine medikamente nehmen, wenn ich nicht will. ich werde nicht eingesperrt, darf mich nicht nur im haus und auf dem parkähnlichen, weiten klinikgelände frei bewegen, sondern auch ganz und gar rausgehen und bis sonstewo hinmarschieren - vorausgesetzt, ich sage vorher bescheid und bin rechtzeitig zur nachtruhe wieder zurück.

ich brauche keine zwangsjacke tragen und dämmre nicht sediert vor mich hin. auch bin ich nicht abgeschnitten von der welt: das handy auf dem zimmer ist erlaubt, das netbook darf ich – außerhalb der station - zur zeit zwei stunden am tag benutzen.

aus therapeutischen gründen nicht länger, und das reicht mir auch vorerst für einen täglichen text. allerdings muss ich mich dafür ins kühle kahle besucherzimmer setzen und jederzeit bereit sein, meine textsitzung sofort zu beenden, falls sich hier eineR der mitpatientInnen mit besuch aufhalten möchte.

sehr dankbar bin ich dafür, dass sofort ein bett auf der therapiestation frei war und ich nicht erst in die psychiatrische aufnahme musste. bis zu dreissig patientInnen leben im 'haus no.12' in zwei- und drei-bett-zimmern. ich habe großes glück, bin in einem zwei-betten-zimmer untergebracht.

es gibt keine wirkliche privatsphäre: katzenwäsche hinter dem vorhang am waschbecken im zimmer, duschbad für alle und toiletten sind ein stück den gang hinunter. ich bin es nicht gewohnt, zu jeder tages- und nachtzeit beobachtet zu werden, ständig für alle ansprechbar zu sein, mich ununterbrochen in gesellschaft zu bewegen. das finde ich sehr anstrengend.

das zimmer hat ein großes fenster auf den garten hinaus nach südwesten, sonne ab nachmittags bis zum sonnenuntergang. zu öffnen geht es nur einen spaltbreit, damit sich niemand hinunter stürzt. lüften ist dadurch etwas schwierig.

therapeutisch ist mir hier bislang noch nicht viel passiert. am ersten tag – also vorgestern - gab es ein aufnahmegespräch am späten nachmittag. gestern und heute eine sogenannte kurzvisite. da sitzen dann morgens um neun rund zehn patientInnen im kreis mit der zugeordneten therapeutin und erzählen alle in insgesamt etwa fünfzehn minuten, wie die nacht war und wie es ihnen geht. ungefähr 90 sekunden für jede. „vielen dank, mir geht es gut. keine beschwerde.“ passt.

ich freue mich über drei mahlzeiten am tag, die ich nicht selbst zubereiten muss. auch kein planen, kein einkauf vorher, kein abwasch und aufräumen danach. luxus! das essen selbst ist …. nicht weiter erwähnenswert.

die mahlzeiten selbst übrigens zählen als therapiezeiten. naja. besser als nichts. für wie lange ich hier sein werde? keine ahnung. wie die therapie konkret aussehen wird? keine ahnung. wann ich in den genuss meines ersten therapeutischen einzelgesprächs komme? keine ahnung. ich bin ja auch erst den dritten tag da.

schade, dass man mir das geld, das der aufenthalt hier kostet, nicht zur freien verfügung gibt. ich könnte mich einmieten in einem haus am meer, noch eine gute freundin mitnehmen und es mir für sehr lange zeit sehr gut gehen lassen.

man könnte das geld auch dem jobcenter geben. das würde - bei einem tagessatz von ca. 150 euro - meine wohnung für eine ziemlich lange zeit finanzieren.

ganz abgesehen davon, dass ich das arbeitslosengeld vielleicht gar nicht so lange bräuchte, wenn der ständige druck, überhaupt umziehen zu müssen und mir eine wohnung zu finden, die es gar nicht gibt, endlich wegfiele. eine krankschreibung habe ich jetzt „bis auf weiteres“. in dieser zeit kann ich weder arbeiten noch umziehen, koste also doppelt. das jobcenter macht mich nicht nur krank, sondern auch teuer für die allgemeinheit.

am liebsten würde ich eine lange, abenteuerliche weltreise von dem geld machen. aber die wird leider nicht von der krankenkasse finanziert.

fortsetzung folgt ….



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Sonntag, 23. Oktober 2011

ich bin dann auch mal weg

auch das schönste ehrenamt der welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich nach wie vor nicht ausreichend eigenes geld verdiene und auf ergänzendes arbeitslosengeld angewiesen bin.


seit der neuregelung der hartzIV-gesetze anfang des jahres 2011 ist es sogar noch etwas schwieriger geworden.

was habe ich mich anfangs gefreut über die 5 euro mehr im monat! schier geschämt habe ich mich, diesen betrag überhaupt anzunehmen für fundamentales nichtstun. und nicht nur das – es war ja noch viel mehr!

es gab nämlich eine versteckte erhöhung des regelsatzes dadurch, dass ich die kosten für mein warmes wasser zum duschen nicht mehr komplett aus dem regelsatz bestreiten muss. dort war es allerdings (von 2005 bis 2010) gar nicht erst berücksichtigt, so dass alle langzeiterwerbslosen (theoretisch) immer kalt duschen mussten.

das kann man doch auch mal erwarten. irgendwie muss der kreislauf schließlich in schwung gebracht werden, wenn unsereins schon nicht für geld arbeiten geht.

neuerdings – also seit april 2011 - sind wir laue warmduscherInnen mit staatlicher unterstützung! bis zu einem monatlichen betrag in höhe von 6,47 euro gehört das warme wasser jetzt zu den kosten der unterkunft. das ist voll der luxus! wenn ich ein bißchen spare, kann ich mir vielleicht auch mal wieder ein heißes ganzkörperbad leisten. im winter. wenn es kalt ist.

die neuregelung von alg2 ergab also insgesamt eine erhöhung des regelbedarfs um sagenhafte 11,47 euro im monat. ab januar 2012 werden es sogar noch 10 euro mehr. einfach so: für die pflege der faulen haut, die längst wundgelegen ist. ich weiß noch gar nicht wohin dann mit dem vielen geld.

nun aber mal die ironie abgeschaltet:

seitdem das alg2 um 5 euro erhöht wurde, muss ich von meinem monatlichen zuverdienst wesentlich mehr abgeben. ich bezahle die erhöhung also quasi aus eigener tasche – und das geht so:

nehmen wir mal an, ich hatte 2010 einen 400-euro-job (oder ein dozentenhonorar oder einen lektoratsauftrag oder was auch immer) und zusätzlich ein ehrenamt mit aufwandsentschädigung.

die aufwandsentschädigung fürs ehrenamt durfte ich bis zu einem betrag von 175 euro monatlich in voller höhe behalten. vom anderen einkommen durfte ich die ersten 100 euro behalten, vom rest 20 prozent, macht 160 euro. die freibeträge wurden addiert, ich durfte von 575 euro einnahmen 335 euro behalten.

seit diesem jahr gilt nur noch der höhere freibetrag, einkommen aus erwerbstätigkeit und ehrenamt werden nicht mehr unterschiedlich behandelt. das bedeutet, dass mir von 575 euro einnahmen nur noch 270 euro übrig bleiben. also 65 euro weniger als bisher. abzüglich der „erhöhung“ des regelsatzes habe ich dadurch jetzt monatlich 53,53 euro weniger zur verfügung als vorher.

frau von der leyen, unsere halbadelige bundesblondine mit keifestimme, hat also (in meinem beispielfall) eine kürzung des erlaubten zuverdiensts um 25 prozent durchgesetzt. oder auf deutsch: wer mehr arbeitet, wird auch mehr bestraft. herzlichen dank!

(die gesetzeslage dazu im einzelnen ist nachzulesen bei gegen-hartz.de)

darüberhinaus ist dem jobcenter scheinbar gar nicht daran gelegen, dass ich überhaupt arbeiten kann. nach wie vor torpedieren sie von dort meine gesundheit. trotz gegenteilig lautender fachärztlicher atteste werde ich weiter gezwungen, eine neue wohnung zu finden und umzuziehen. ich habe hier vor monaten mal darüber geschrieben.

neuerdings werden mir sogar sanktionen angedroht wegen angeblich unzureichender mitwirkung. die folge von alledem: durch den vom jobcenter ausgeübten zwang und druck, durch die hoffnungslose ausweglosigkeit der situation werde ich krank und kränker. seit anfang des jahres war ich - allein durchs amt verursacht - mehr als elf wochen arbeitsunfähig.

ich halte den druck nicht mehr aus, kriege die balance nicht mehr hin, entgleise mir immer öfter. einen rückfall in den alkohol konnte ich bislang zwar verhindern, aber der druck bricht sich bahn in sehr ungesunder selbstverletzung.

ich erschrecke über mich selbst und über die wucht meiner ohnmächtigen wut. inzwischen kann ich sogar die gedanken von selbstmordattentäterInnen nachvollziehen. meine schrecklichsten rachephantasien gehen in solche richtungen.

nein, habt keine angst um mich mich: für so ein zerstörerisches krawumm bin ich viel zu gut erzogen. statt dessen richte ich den hass gegen mich selbst. das ist, als ob ich selbst todesgift schlucke in der hoffnung, dass die anderen daran zugrunde gehen.

ich halte es nicht mehr aus, bin am ende meiner kraft, aber ich kann es aucht nicht selbst abstellen. deswegen bringe ich mich in sicherheit vor mir selbst, in eine therapeutische klinik. für länger. das jobcenter hat es also geschafft und mich krankenhausreif schikaniert.

„alle symptome eines burnout“ - sagte eine befreundete therapeutin. als erwerbslose kann/darf man aber natürlich keins haben. deswegen verschreibt die ärztin: „depressive dekompensation mit selbstmordgedanken“

auch in der klinik werde ich vieles aufschreiben. weil mein schreiben mir immer geholfen hat, erlebtes zu strukturieren, zu verarbeiten und zu genesen. ob ich dort aber einen internetanschluss habe oder ob ich überhaupt von dort texte veröffentlichen will, kann ich jetzt noch nicht sagen.

über kurz oder lang melde ich mich zurück, so viel ist sicher. habt es gut!


ps.
hier erzähle ich, wie's war:
teil 1

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Freitag, 7. Oktober 2011

working poor III

besondere maßnahme no. XXV

vor ein paar wochen ist es mir gelungen, eine neue beschäftigung an land zu ziehen. nein, keine feste stelle. bezahlte arbeit, die die menschen auch angemessen ernährt, scheint es immer weniger zu geben – erst recht nicht für sogenannte langzeitarbeitslose.

Gutedel im Markgräflerland

immerhin: ich habe ein neues ehrenamt ergattert und nehme nun teil am bürgerschaftlichen engagement mit aufwandsentschädigung.

das ist ... äähm .... toll!

mehrmals in der woche sitze ich in einem netten kleinen lieferwagen und fahre durch die kleinen dörfer in meinem derzeit besonders schönen rebenherbstland, bringe heiße mittagsmahlzeiten hin zu alten oder behinderten menschen, die nicht selbst kochen können. „essen auf rädern“ heißt das.

das gefällt mir: ich komme vor die tür, begegne menschen, bin in bewegung.

dafür erhalte ich siebeneinhalb euro die stunde aufwandsentschädigung (auch 'übungsleiterpauschale' genannt), steuerfrei bis zu einem gesamtbetrag von 2100 euro im jahr. da die organisatoren einer christlichen glaubensgemeinschaft angehören, bin ich nun sogar caritativ unterwegs im namen des herrn.

siebeneinhalb euro die stunde sind ziemlich viel gotteslohn. dafür spart der herr sich aber auch einen arbeitsvertrag: ich kriege zwar einen dienstplan, aber weder kranken- noch sozialversicherung noch urlaub. auch rentenanwartschaften erwerbe ich nicht.

so kommt der herr auch nicht in konflikt mit den gewerkschaften.

andere träger - wie zum beispiel die AWO - machen aus dieser art von arbeit zum gleichen stundenlohn einen korrekten 400-euro-job - und zahlen pauschale steuern und sozialversicherung von sich aus drauf. das weiß ich aus zuverlässiger quelle (winkewinke & danke!). aber der christengott ist caritativ, also habe ich es auch zu sein. wozu brauche ich lohnfortzahlung im krankheitsfall oder mal urlaub oder später rente? ich habe doch plenty hartz IV!

das beste: obwohl ich hartz IV habe, darf ich meine kleine aufwandsentschädigung behalten, bis zu einem betrag von 175 euro im monat. yeah! das ist der vorteil zum 400-euro-job. da wären maximal 160 euro selbstbehalt möglich.

also bin ich unendlich dankbar und nehme, was ich kriegen kann. ich bin alt und brauche das geld.

dass ich da überhaupt mitmachen darf, habe ich nur dem ehemaligen doktor herrn von und zu guttenberg zu verdanken: schließlich hat der den zivildienst abgeschafft. nun gibt es seit juli 2011 keine neuen zivis mehr.

billige mittagessenlieferanten und andere soziale bzw. zivile dienstleister werden händeringend gesucht. und zwar so dermaßen dringend, dass ich bei der 'informationsveranstaltung' (nicht: "einstellungsgespräch"!) weder nach dem führerschein noch nach meiner konfession gefragt wurde. aummm.

mit siebeneinhalb euro gehöre ich da direkt zu den besserverdienenden:

einige meiner kollegInnen sind 1-euro-jobberInnen. hartz IV plus maximal 160 euro monatlich zuverdienst für eine halbe stelle.

oder praktikantInnen: ein halbes oder ganzes jahr lang vollzeit für ein taschengeld von 200 euro monatlich. diese art von ausbeutung wird noch nicht einmal als freiwilliges soziales jahr anerkannt.

dann gibt es noch die engagierten aus dem bundesfreiwilligendienst. genau, das sind die mit der öbszönen, abwertenden abkürzung: bufdi.

wenn ich den hässlichen ausdruck 'bufdi' schon höre, kriege ich die krätze. welch eine unverschämt: schließlich sind das menschen, die hier ihre kostbare lebenszeit, ihre unwiederbringbare freizeit einfach so herschenken. für eine "taschengeld" genannte vergütung, die weit unter dem liegt, was ihre zeit und arbeit wert sind - und sogar noch weniger ist als das, was bis vor kurzem die zivis erhalten haben. hätte man für die keinen respektvolleren namen finden können?!

wer sich diese unerträgliche abkürzung ausgedacht hat, gehört lebenslänglich selbst so genannt. mindestens.

auch die bufdis erhalten nur ein taschengeld, von dem sie niemals existieren könnten: die ausbeutung funktioniert aufgrund der tatsache, dass es sich hierbei meist um noch junge menschen handelt, deren eltern ihnen netterweise weiterhin kost und logis spendieren. auf diese weise subventionieren steuerzahlende eltern die gemeinnützigen einrichtungen.

will sagen: dass der gebrechliche 'herr von und zu kunde' für 5,90 euro sein heißes mittagessen kriegt inklusive bringdienst und servieren und fleisch kleinschneiden - das hat er nicht nur der jungen frau bufdi zu verdanken, die ihre freizeit opfert, sondern auch den spendablen eltern der jungen frau bufdi, die ihr mit kost und logis und kleidung ein leben im hotel mama finanzieren – anstatt von ihr zu erwarten, dass sie eigenes geld verdient.

also, wie gesagt, ich habe es gut. besser siebeneinhalb euro die stunde als nix. im auftrag des herrn.


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Mittwoch, 27. Juli 2011

sparsam II

besondere maßnahme no. XXIII

ich schäme mich. ich schäme mich so sehr, dass ich diesen text bereits seit zwei wochen vor mir herschiebe. dabei ist er mit verdammt wichtig!


schon schlimm genug, dass eine nicht arbeiten darf bzw. für ihre arbeit nicht angemessen honoriert wird, ihren lebensunterhalt nicht mehr selbständig bestreiten kann, sich irgendwann in hartzIV wiederfindet und von der politischen und medialen öffentlichkeit als sozialschmarotzerin aus der bildungsfernsten schicht bezeichnet wird.

da ich ohnehin nur noch bodensatz der gesellschaft bin, kann ruhig noch einer drauftreten:

nun bin ich auch noch kreditunwürdig!

meine anleihen haben nicht einmal mehr schrottstatus, sind allerunterster ramsch! meine sparbank will mit mir keine geschäfte mehr machen.

das kündigte sich ja bereits anfang des jahres an, als die erbsenzählerische dorfsparbankfilialleiterin mir am telefon einen moralischen vortrag hielt über sinn und zweck von dispokrediten.

vergangene woche gab es die fortsetzung, als an einem sonnigen nachmitag zur besten mittagspausenzeit um halb drei mein telefon klingelte.

es begrüßte mich überschwenglichst oberfreundlich die mir persönlich bekannte und bislang nicht unsympathische schalterangestellte meiner dorfbankfiliale: sie wollte mir gratulieren.

erst war ich etwas verdutzt: gratulieren?! ich konnte mich nicht erinnern, an einem preisausschreiben teilgenommen zu haben.

sie gratulierte mir aber nicht zu irgendeinem hauptgewinn, sondern dazu, dass ich innerhalb eines halben jahres meinen dispokredit bzw. dessen inanspruchnahme um mehr als die hälfte gesenkt hatte. „ich bin richtig stolz auf Sie - und Sie können das auch sein, das ist in der heutigen zeit eine starke leistung!“

so sprach sie von oben herab, als ob ich ein schulmädchen sei, das am weltspartag mit einem vollen sparschwein und stolzem breitwandgrinsen vor ihrem schalter steht.

wie demütigend! ich kenne meine finanzen! ich bin zwar oft am limit, aber dafür zahle ich gebühren - und zwar nicht zu knapp! es ist ja nicht so, dass die sparbank mir irgendwelche almosen gäbe, ganz im gegenteil. meine zinsen zahlen der frau schalterangestellten nicht nur das gehalt, sondern auch ihr schickes geheiztes büro samt altersvorsorge.

sogleich änderte sie den ton und druckste herum: „Sie kriegen ja arbeitslosengeld zwei ....“ richtig. und zwar regelmäßig jeden monat in angemessener höhe. ich bejahte also diese seltsame banker-rhetorik. jeder anderen mit einem ähnlichen einkommen würde sie einen dreifach dimensionierten disporahmen anbiedern.

madame sparbank druckste weiter. ob wir denn jetzt das dispolimit mal allmählich senken könnten?

ich verneinte. wozu? schließlich ist es ihr business, anderen leuten geld zu leihen. an mir verdient sie nicht schlecht: ihre zinsen sind nicht von pappe und haben sich gewaschen. außerdem sieht sie doch, dass ich in der lage bin, meine schulden auch zügig wieder abzuzahlen. dazu hatte sie mir ja eben erst gratuliert!

trotzdem wollte sie mit der sprache nicht so recht heraus. also sagte ich ihr klar aber freundlich meine meinung und dass ich mit meinem dispo in der bisherigen höhe sehr zufrieden sei.

dass ich seit fast zehn jahren ihre kundin bin mit ebendiesem dispo, beeindruckte sie nicht: „damals waren wohl die regeln noch nicht so streng.“ welche regeln, wollte sie mir nicht sagen. ich nehme an, dass der unterschied darin liegt, dass man ein beliebiges einkommen pfänden kann, arbeitslosengeld2 aber nicht.

ich erzählte ihr von dem neujahrstelefonat mit ihrer vorgesetzten, dass das ja wohl alles andere als professionell gelaufen war. nebenbei: ich fand das überhaupt nicht gut, dass auch sie mich nun am telefon überfiel, um so heikle dinge wie meinen dispokredit zu besprechen.

frau sparbank: „ja, ich sehe Sie ja gar nicht mehr in der filiale!“ - wozu? ich habe ein onlinekonto, da brauche ich den schalter nicht. „außerdem, so am telefon, da hört doch wenigstens keiner mit. oder wäre es Ihnen lieber, wir besprechen das am schalter, wo alle zuhören können?“

wie bitte?! gibt es kein bankgeheimnis?! habt ihr keinen besprechungsraum?! könnt ihr keinen termin vereinbaren?! ich war nicht mehr nur genervt, sondern wurde allmählich grantig.

ich erzählte ihr weiter, dass ich nach der für mich sehr negativen erfahrung mit der filialleiterin anfang des jahres beschlossen hatte, meinen dispo abzuzahlen und dann zu einer anderen bank zu wechseln. das beeindruckte sie nicht:

„ja so ist das nun aber nicht gemeint, dass wir sie als kundin nicht mehr wollen.“ - aha. und?! „aber den dispo müsste „man“ jetzt trotzdem mal allmahlich senken.“ sie versuchte also weiter, mir eine streichung meines dispos unterzujubeln – aber ich wollte nicht. nicht freiwillig.

frau sparbank redete immer noch keinen klartext. also fragte ich sie auf den kopf zu:

„habe ich das richtig herausgehört, dass sie anweisung haben von ihren vorgesetzten, mir den dispo zu kappen und dass sie hier telefonisch mit mir ein erfolgserlebnis brauchen, weil sie sonst selbst großen ärger kriegen?!“

es kam zwar kein klares ja, aber sie druckste weiter und widersprach mir nicht. ich war inzwischen nicht nur sehr gedemütigt, sondern auch sehr wütend – denn ich kann schleimige halbwahrheiten nicht ausstehen:

da hatte also die fiese dorfsparbankfilialleiterin ihre nette angestellte vorgeschickt mit dem auftrag, mir druck zu machen. ich tat ihr den gefallen nicht, damit freudig und demütig dankend einverstanden zu sein. ich weiß, dass sie weiß, dass eine sofortige kündigung meines dispos zwecklos ist, weil sie mein alg2 nicht pfänden darf.

aber ich ließ mich schließlich darauf ein. wir vereinbarten eine senkung des disporahmens um dreißig prozent. ihr zuliebe. damit sie nicht meinetwegen ärger kriegt. das sagte ich ihr genau so.

um mal tacheles zu reden: es geht um 1400 euro disporahmen. derzeit stehe ich da noch mit 600 in den miesen. also echte peanuts! aber für mich sind die wichtig. wer wenig geld hat, kommt schneller mal in die bredouille, wenn es überschneidungen gibt.

nun gut. es ist wie es ist. ich werde dieser 'besonderen behandlung' nicht nur mit einer, sondern gleich mit zwei besonderen maßnahmen begegnen:

nach einer anderen bank habe ich mich schon umgesehen: ich mache mit bei der aktion krötenwanderung von attac. das wurde sowieso höchste zeit.

da werde ich zwar zunächst keinen dispo kriegen, den muss ich erst auslösen. aber egal. dafür darf dann eine ethisch-grüne bank mit meinen kleinen pfunden wuchern.

gleichzeitig habe ich mich beteiligt am aktuellen aufruf der stiftung warentest: der Bundesverband der Verbraucherzentralen sucht menschen für eine musterklage gegen überhöhte dispozinsen. meine sparbank steht da auf der liste. und ich bin der meinung, dass ich in den letzten jahren eindeutig zu viele zinsen bezahlt habe. die verbraucherzentrale sieht das genau so.


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Dienstag, 21. Juni 2011

wohnen bleiben II

kleines aufatmen

heute vor genau sieben jahren bin ich zum ersten mal in dieser wohnung aufgewacht. mit ganzer absicht hatte ich mir zum 'erstlingsschlafen' die kürzeste nacht des jahres gewählt, die sommersonnenwende. zur schönen aussicht gab es nur mein bett und - natürlich – alle notwendigen utensilien für meinen geliebten frühstücksmilchkaffee.


alle meine anderen dinge kamen erst ein paar tage später. es war gigantisch schön, in der leeren wohnung zu sein, platz zu haben für mich und meine gedanken: es war ein bißchen wie camping, ein picknick mit mir selbst.

die wohnung war für meine verhältnisse relativ teuer, mit meiner arbeitslosenhilfe aus einer teilzeitstelle als kulturredakteurin in berlin konnte ich sie mir so gerade eben leisten.

aber ich kenne mich doch und mein prekäres inneres gleichgewicht: seit vielen jahren weiß ich, dass meine vier wände hell und luftig sein müssen, damit ich mich auf dauer darin wohlfühlen, die depressionen im zaum, die multiplen traumata bändigen, einen rückfall in die alkoholsucht verhindern – und damit meine erwerbsfähigkeit erhalten - kann.

also spare ich lieber an anderer stelle. nach abzug der miete blieb mir auf einen euro unterschied genau das, was ein halbes jahr später 'regelbedarf hartzIV' heißen sollte. vor dem arbeitslosengeld 2 hatte ich keine allzu große angst. schließlich hatte der damalige superminister für wirtschaft und arbeit, wolfgang clement, im jahr 2004 hoch und heilig versprochen „niemand, der jetzt arbeitslosenhilfe erhält, wird nachher mit hartzIV schlechter dastehen“.

außerdem hatte ich überhaupt nicht vor, so lange erwerbslos zu bleiben, sondern statt dessen große und durchaus berechtigte hoffnung, ganz bald wieder eine feste stelle zu finden.

damals steckte ich mitten in einer weiteren ausbildung zur projektmanagerin, die ich im herbst des jahres sehr erfolgreich abschloss.

aus beidem wurde nichts: weder fand ich feste arbeit, noch hielt der alte mann sein versprechen.

seit inkrafttreten der hartzIV-gesetze am 01.01.2005 gilt meine schöne aussicht 'amtlich' als 'unangemessen'. ebenso lange lege ich 'dem amt' ein attest, ein gutachten nach dem anderen vor zum nachweis dafür, dass aus gesundheitlichen gründen ein zwangsumzug für mich unzumutbar ist. dieses verfahren wird – je nach gusto des 'amtes' - jährlich oder halbjährlich wieder neu aufgelegt.

um dem nachdruck zu verleihen, wird die überprüfung meiner 'umzugsfähigkeit' vom amt gerne auch mal mit einstellung aller zahlungen kombiniert. oder mit der auflage, die arbeitslosenhilfe monat für monat neu beantragen zu müssen, weil sich mein gesundheitszustand ja zwischenzeitlich bessern könnte.

natürlich ist das gegenteil der fall: die schreiben des amtes versetzen mich regelmäßig in angst und schrecken, ich reagiere mit stärkeren depressionen und schlimmerem. diesen entsetzlichen druck auszuhalten, ohne wieder alkohol zu trinken, wird immer schwieriger.

ich bin heute nur noch ein verzeifelter, heulender schatten der lebensmutigen und zuversichtlichen frau, die vor sieben jahren in diese wohnung einzog.

durch den druck ruiniert 'das amt' nicht nur meine gesundheit, sondern es produziert auch zusätzliche kosten: häufigere arztbesuche, atteste, gutachterliche überprüfungen, mehr medikamente, längere krankschreibungen, gerichtsgebühren, anwaltshonorare, porto-kopien-und-fahrtkosten, zusätzliche therapeutische sitzungen, sogar ein klinikaufenthalt im vergangenen jahr und damit unnötige verlängerung meiner erwerbsunfähigkeit sind teure folgen der amtlichen schikanen.

dem 'amt' aber ist das schnurzepiep. es will einen teil meiner miete einsparen. wenn das an anderer stelle anderer leute geld kostet oder meine gesundheit (und damit mein leben) ruiniert – dann ist das egalegalegal.

das derzeitige verfahren zieht sich nun schon ein knappes halbes jahr hin. einen tag vor dem jahreswechsel erhielt ich am 30.12.2010 die amtliche mitteilung, dass nun alles wieder neu aufgerollt wird. seitdem habe ich keine ruhige minute mehr. angst und panik ziehen mir den letzten boden unter füßen weg – und der war ja im herbst des vergangenen jahres ohnehin schon sehr dünn und brüchig.

mit der maßgeblichen beurteilung, ob mir ein umzug zumutbar ist oder nicht, wird regelmäßig der ärztliche dienst der arbeitsagentur beauftragt. je nachdem, welcher arzt gerade dienst hat, ist immer jemand anders zuständig.

diesmal habe ich es zu tun mit einem doppelten doktortitel: dr. med. dr. med. vet.! dieser tierarzt aus rostock, den in mecklenburg-vorpommern scheinbar nicht mal mehr die schweine* wollten, ist wohl gerade noch gut genug, um westdeutsche arbeitslose zu begutachten. jedenfalls scheint er all seinen frust, dass er als arzt in der zone gescheitert und nun im badischen arbeitsamt gelandet ist, an multipel traumatisierten wessis auszulassen:

der dr.dr. hat sich schriftlich per fragebogen ein paar angaben zu meinem allgemeinen gesundheitszustand beantworten lassen. einmal von mir, einmal von meiner ärztin. weder hat er die mich behandelnde fachärztin zu ihrer einschätzung meiner „umzugsfähigkeit“ befragt, geschweige denn hat er mich einmal persönlich eingeladen und begutachtet.

der dr.dr. entscheidet alles auf dem geduldigen papier, ignoriert sämtliche atteste von mich schon seit jahren behandelnden menschen und tut nun so, als würden alle ärzte und ärztinnen, fachärzte und fachärztinnen und therapeutinnen und sogar die chefärztin der reha-klinik heiligendamm für mich lügen. er als 'sozial-mediziner' sei schließlich übergeordnet und er findet, dass einem zwangsumzug überhaupt nichts im wege steht.

amtsärzte sind unanfechtbare götter. ihre gutachten sind gesetz, ganz egal wie sie zustande kommen. es gibt keinerlei juristische handhabe.

'das amt' will also nun, dass ich – trotz gegenteilig lautender atteste – innerhalb kürzester zeit eine neue wohnung finde, die 45m² groß ist und maximal 275 euro kaltmiete kostet. wer den südwesten und die hiesige universitätsstadt kennt, der weiß, dass das eine kafkaeske aufgabe ist.

am wochenende erhielt ich vom amt bescheid, dass meine volle miete für drei weitere monate übernommen wird, bis zum 30. september 2011. ein kleines aufatmen.

meine befürchtung war, dass schon am monatsletzten (also in 10 tagen) schluss sei, dass ich dann meine miete nicht mehr zahlen kann und demnächst obdachlos werde. insofern gibt es eine letzte gnadenfrist. es ist noch längst nicht wieder gut. aber es ist mal für einen kleinen augenblick weniger schlimm.

all denen, die mich persönlich kennen und sich fragen, warum ich mich lange nicht gemeldet habe – und denjenigen, die sich wundern, dass ich hier in den vergangenen monaten nur noch so wenig schrieb - das ist die antwort:

es ging mir im herbst beschissen. ich wusste gar nicht, dass eine steigerung dessen noch möglich war. aber jetzt geht es mir noch schlechter.

die angst lähmt mich. ich habe keine kraft mehr, bin nur noch mit überleben beschäftigt, setze vorsichtig einen fuß vor den anderen. stürze, stehe wieder auf und versuche, nicht allzusehr in alte selbstschädigende muster zurückzufallen oder gar neue zu entwickeln. es gelingt mir nicht immer, ich entgleise mir oft.

eines aber gelingt mir doch, und dafür bin ich unendlich dankbar: ich bin ohne alkohol. tag um tag, meiner würde wegen.

nicht genug zu verdienen, nicht allein für den eigenen lebensunterhalt sorgen können, das ist schon schlimm genug. aber auch noch zum umzug gezwungen bzw. geradewegs in die obdachlosigkeit gedrängt zu werden und damit auch noch die allerletzte sicherheit zu verlieren - das ist die hölle.

dennoch bin ich entschlossen zu kämpfen und werde versuchen - wenn nötig - auch das bei lebendigem leibe und ohne drogen auszuhalten.

hartzIV ist folter. vielleicht sollten wir alle mal dem herrn clement unsere rechnungen schicken.


ps.
* ich bitte an dieser stelle alle schweine und ganz mecklenburg-vorpommern um verzeihung für diese entsetzlich abwertende bemerkung, die ich nur im bezug auf den dr.med.dr.med.vet. ernst meine. das ist vielleicht die schlimmste aller folgen von harz4: dass es so kränkt, so demütigt - so krank und so verbittert macht.

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Mittwoch, 16. Februar 2011

working poor II

ich arbeite gern. ehrlich. ich finde es toll, dinge zu tun und dafür geld zu kriegen, mit dem ich dann meinen lebensunterhalt bestreiten kann.

knospe: amaryllis

leider funktioniert das in den letzten jahren immer weniger. mein leben als freie radikale wurde zunehmend prekär: die honorare fürs texten, übersetzen, als dozentin oder kursleiterin reichen mir schon lange nicht mehr. im grunde mache ich nur noch diverse ehrenämter. für gemeinnützige vereine.

immerhin wurden mir deren aufwandsentschädigungen bis zu der höhe, die 1-euro-jobber kriegen (also rund 160 euro im monat), bislang nicht aufs arbeitslosengeld2 angerechnet. diese regelung soll mit der neuberechnung der regelsätze übrigens wegfallen. dann werden übungsleiterpauschalen als einkommen angerechnet. so viel zur ‚erhöhung von hartzIV' und ‚verbesserung der zuverdienstmöglichkeiten‘.

also habe ich gedacht, ich wechsel mal die branche, werde dienstleisterin und entdecke eine marktlücke. und zwar was echt nettes, wo ich nicht ständig allein am schreibtisch sitze, sondern viel rumkomme und wieder mehr mit menschen zu tun habe: eine ganz besondere maßnahme!

seit oktober habe ich an einer schicken idee gebastelt und entwickelt, recherchiert und gedingelt, vorbereitet und geplant. ich habe mit behörden gesprochen, mit  potentiellen kundInnen und diversen fachleuten. meine idee hat durchaus aussicht auf erfolg. ich könnte sofort loslegen, bräuchte noch nicht mal einen kredit.

aber halt! ich bin arm, lebe am prekären rand der gesellschaft (obwohl ich weder bildungsferne schicht bin noch einen migrationshintergrund habe) und beziehe hartz4. da kann eine sich nicht einfach selbständig machen! das muss vorher beim amt beantragt werden:

auf meine freundliche anfrage, wie denn die modalitäten seien, wenn ich mich neben dem bezug von alg2 im zunächst geringfügigen umfang im gewerblichen nebenerwerb selbständig betätigen möchte, kam nach nur viereinhalb wochen eine antwort vom „jobcenter“ meiner zuständigkeit:

die gute nachricht: ich brauche keinerlei genehmigung vom amt. das ist doch schon mal was! nur die gewerbeanmeldung. kein problem so weit.

was ich aber dringend brauche, ist die „Anlage EKS – Erklärung zum Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, Gewerbebetrieb (…) im Bewilligungszeitraum“. ohne die geht gar nichts. auszufüllen und zu beantragen im voraus. ungefähr fünf seiten kleinstbedrucktes dinA3-format quer bedruckt. dazu ungefähr sieben seiten kleinstbedruckte erklärungen und „ausfüllhilfen“. meine freundin sagte „so ein formular muss man sich auch erst mal ausdenken können. dazu bedarf es einer gewissen gesinnung.“

alle zu erwartenden ausgaben und eingaben soll ich penibelst nach monaten aufgeschlüsselt für sieben monate im voraus hellsehen. für jeden bleistift, für jedes stück papier brauche ich einen beleg bzw. einen kostenvoranschlag. was ich nicht plane, gilt nachher nicht als ausgabe. dann zählen nur die einnahmen.

ich darf auch nicht einfach anschaffen, was mir sinnvoll erscheint: das fräulein vom amt hat da ein gutes wörtchen mitzureden und kann mir meine betriebsausgaben nach persönlichem gutdünken als „nicht angemessen“ aberkennen. wenn ich also den luxusbleistift aus dem fachgeschäft kaufe und nicht den aus dem hier-alles-china-billig-laden, ist das meine privatverzweiflung.

ein paar kleinigkeiten wie internetdomain und telefon, die ich während meiner planung schon bezahlt habe, werden ebenfalls nicht als betriebsausgaben anerkannt. klar, die habe ich ja auch vom regelsatz bestreiten können.

was mich nun völlig verwirrt und ausbremst: als alg2-empfängerin muss ich doppelte buchführung machen. eine fürs finanzamt und eine zweite völlig andere fürs arbeitslosenamt. denn „steuerrechtliche bestimmungen“ gelten nicht im jobcenter.

zum beispiel die fahrtkosten: ‚normale‘ selbstständige dürfen pro gefahrenen kilometer 30 cent als betriebsausgabe absetzen. emma arbeitnehmerin immerhin noch 30 cent pro entfernungskilometer als werbungskosten – also halb so viel wie die selbständige.

die selbstständige alg2-bezieherin hingegen muss mit 10 cent pro kilometer auskommen. obwohl ich nur ein klitzekleines sparauto besitze, decken die 10ct noch nicht mal die benzinkosten. den rest muss ich vom regelsatz bestreiten.

so rechnet das amt mich ‚reich‘, noch bevor ich überhaupt einen einzigen cent eingenommen habe. von dem hochgerechneten einkommen werden mir dann wiederum rund 80% vom alg2 abgezogen.

mal ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, wie die mir zugeteilte freundliche sachbearbeiterin beim amt das alles beurteilen und dann auch noch korrekt berechnen will. sie hatte ja schon schwierigkeiten mit den grundrechenarten, als sie im vergangenen jahr nur mit den zwei zahlen von meinem brutto- und nettosold als hochschulsekretärin zu kämpfen hatte.

kein einziger ihrer bescheide war auf anhieb korrekt. neben all dem kokolores, den ich sonst an der backe hatte, musste ich ihr auch noch nachhilfe in den einfachen grundrechenarten addition und substraktion erteilen. von den schwierigeren wie plutimikation und diversion ganz zu schweigen!

mein fazit, leider: meine gerade erst knospende idee ist gestorben. erstens, weil ich mir nicht leisten kann, meine selbständigkeit mit dem regelsatz zu finanzieren. zweitens, weil ich den stress nicht ertrage, noch mehr mit dem amt zu tun haben zu müssen.

schade drum – deutschesland scheint irgendwie nicht zu wollen, dass arbeitslose aktiv und tätig werden. ich bin sehr frustriert.

die tollen formulare EKS gibt es übrigens bei der arbeitsagentur zum download. nur für den fall, dass mir vielleicht jemand helfen möchte und findet, dass das alles gar nicht so schlimm ist, wie es aussieht: arbeitsagentur.de > Formulare > Formulare für Bürgerinnen und Bürger > Arbeitslosengeld II


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