Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

Posts mit dem Label sonne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label sonne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 20. März 2014

Sandalenwetter

- Besondere Maßnahme No. XXXIII - 

„Bei 15 Grad Kniestrümpfe, 17 Grad Söckchen und ab 20 Grad barfuß“ - das war der Dress-Code meiner Kindheit in einem Kölner Industrie- und Arbeiterviertel, irgendwo zwischen Chemischer Fabrik Kalk und Klöckner Humboldt Deutz.

Schöne Füße: Barfuß ab 20 °C

Natürlich ging das nicht ohne Diskussionen ab. Ich hatte den seltsamen Ehrgeiz, in der Schule die erste zu sein, die ohne Strümpfe ankam. Die Mutter hingegen wollte verhindern, dass ich mir nach dem gerade erst überstandenen Winter ausgerechnet im schönsten Frühling eine Erkältung zuzog.

Abend für Abend starrte ich auf den Wetterbericht und hoffte, dass die Mutter mir einen strumpflosen Tag erlauben würde. Sie war streng und hielt sich an ihre Regel, während ich um zehntel Grade feilschte.

Von all den eiskalten Botschaften der Mutter, die ich bis aufs Fieseste verinnerlicht habe, ist mir die Sockenregel die liebste. Weil sie im positiven Sinn etwas mit 'bemuttern' zu tun hat. Für mich zumindest. Um Zehntelgrade feilsche ich heute nicht mehr. Mit mir selbst macht das keinen Spaß.

Dass es in meiner Kindheit jemals schon an einem Frühlingsanfangstag so wie heute mit 23 °C diskussionslos zum barfuß laufen warm genug gewesen wäre, daran kann ich mich nicht erinnern. Diesen Tag heute habe ich deswegen ganz besonders genossen - als persönlichen Beitrag zum International Day of Happiness and Well-Being.

Umso mehr, als ich nun endlich die neuen Sandalen einweihen konnte: Geschenk einer langjährigen Freundin zum letzten Geburtstag. Aus feinstem Leder, innen wie außen. Nur drei Zentimeter Absatz, sehr bequem. Von der Schuhmanufaktur Remonte. Wenn eine erst die halbe Hundert hinter sich hat und obendrein prekär haushalten muss, sind solcherlei Geschenke durchaus erlaubt und willkommen.

Habe ich eigentlich jemals erwähnt, dass ich Socken und Strümpfe aller Art hasse und so oft wie möglich barfuß laufe, auch im Winter? Meine Füße brauchen Licht und Luft, sonst kann ich mit dem Kopf nicht denken!

Mit diesen Sandalen bin ich also nicht nur schöner zu Fuß unterwegs, sondern auch schneller mit dem Kopf. Ich liebe sie!

Dass die Farbe des Sandalenleders der Fellfarbe meiner geliebten Glückskatze Ginivra ähnelt, die zu meinem Wohlbefinden ebenfalls einen unverzichtbar großen Beitrag leistet, ist allerdings eher Zufall. Glaube ich zumindest.


--------

Montag, 21. Oktober 2013

Den Regen spüren

- Rosenworte zum Montag - 

Irgendwie wird es nicht richtig hell heute. Wolken ziehen über den Himmel, bringen Regen und manchmal helle Lücken.

Ich mag Tage wie diesen, wenn große Tropfen aufs Dachfenster trommeln. Ich muss nicht großartig raus heute: Habe nur ein Paket zum Hermes gebracht, abends noch ins Yoga.

Beides Ausflüge in andere Orte, die ich mit dem Auto erledige. Hätte das Paket vorhin in den Fahrradkorb gepasst, wäre ich geradelt. Hat es aber nicht. Später war ich froh drum. Denn auf dem Rückweg wäre ich nass geworden.

Charles de Mills (historische Gallica) nach dem Regen

Ob ich den Regen auch hätte spüren können, muss für heute im vagen Konjunktiv bleiben, weil es von vielen Variablen abhängt und meiner jeweiligen Tagesform:

Hätte der Wind mir den Regen ins Gesicht geweht und die Brille blind gemacht? Hätte ich gefroren? Oder hätte ich gleichzeitig einen Regenbogen gesehen? Ein Auge gehabt für regenschwere Rosenblüten? ....

Some people feel the rain. Others just get wet.**
(Bob Marley zugeschriebenes Zitat ungeklärter Herkunft)

Tränen grinsend erinnere ich mich an sommerliche, auch an mitternächtliche Regengüsse, irgendwo draußen und ohne Regenschirm. Innerhalb von Sekunden nass bis auf die Haut, warm war's und .... sexy. Verdammt lang her.


**
Manche Menschen spüren den Regen. Andere werden einfach nur nass.
Manche Menschen können den Regen spüren. Andere werden nur nass. Some people feel the rain. Others just get wet. --> http://myzitate.de/stichwoerter.php?q=Regen
--------

Sonntag, 1. April 2012

sonnenschirm „sun on screen“

kurze maßnahme no. 27

ganz neu von der CeBIT 2012
exklusiv im büro für besondere maßnahmen:

sonnenschirm "sun on screen"

das display mit UV-strahlung!

damit nerds und nerdas, geeks, geek girls und geekessen nicht mehr so entsetzlich blass sind, weil sie immer nur im dunklen keller vor dem bildschirm ihrer rechner hocken. jetzt können auch 24/7-computerfreaks so aussehen, als ob sie am realen leben in 3D teilhätten:

unser einzigartiger sunscreen i-Sun (wahlweise auch in der günstigen aldi-version MEDI-sun) zaubert eine sportliche bräune in jedes gamerface!

erhältlich als homescreen für den stationären monitor oder mobil für notebook und netbook.

technische details:
  • sonnenstrahlung stufenlos zu regulieren
  • UVA, UVB oder UV-breitband wahlweise zuschaltbar
  • ionisierend und hautfreundlich transmittiert
  • für empfindlichen teint geeignet
  • quecksilberfrei
demnächst auch erhältlich für kleinere screens wie kindle, notepad und smartphones

preis auf anfrage



nachtrag am 2. april 2012:
bevor jetzt noch weitere irritierte anfragen kommen, ob ich wohl das fach gewechselt habe und in zukunft nur noch so hochkompliziertes technikzeugs schreiben will:
april april!



--------

Sonntag, 26. Dezember 2010

sonnenstrahlen im winter

seit vielen wolkenschneenebeltagen lünkert heute zum ersten mal die sonne wieder auf meinen b-berg. also schnell raus aus der hütte! sind das nun große oder kleine sonnenstrahlen, die mich in der nase kitzeln?


im vergangenen herbst habe ich euch die geschichte von den sonnenstrahlenkindern erzählt, die im sommer in den weinbeeren schlafen.

wo die sonnenstrahlenkinder im winter schlafen, wurde ich gefragt? wenn gar keine weinbeeren mehr an den reben sind? und auch kein anderes obst in den gärten reift?

ich habe es ganz lange selbst nicht gewusst: im herbst wurden alle weinbeeren abgeerntet, und plötzlich waren alle sonnenstrahlenkinder verschwunden. ich habe keines mehr gesehen. nirgendwo! erst heute, am zweiten weihnachtstag, bin ich darauf gekommen:

ich bin ihnen wieder begegnet, den sonnenstrahlenkindern. in den weinbergen, wo sie sich um die kahlen kalten winzerdrähte gekringelt haben und von einem zum anderen gehüpft sind! im winter bleiben die sonnenstrahlenkinder die meiste zeit zu hause, haben sie mir erzählt.

ihr zuhause ist ja die sonne, und dort ist es schön hell und warm und kuschelig. von so viel sonnenmutterliebe werden auch die allerklitzkleinsten sonnenstrahlenbabies ein ganzes stück größer, damit sie im nächsten jahr mit auf die erde können.

das ist wichtig, denn im winter schaffen es sowieso nur die ganz großen erwachsenen und allerlängsten sonnenstrahlen bis zu uns auf die erde.

das kommt, weil die erde zwei hälften hat. eine obere hälfte, da wohnen wir. und eine untere hälfte, da wohnen andere leute. am äquator sind die beiden hälften zusammengewachsen. das ist gut so, weil dann können sie sich immer gegenseitig schwung geben, wenn eine mal ein bißchen schlapp macht.

schließlich müssen sie sich die ganze zeit umeinander drehen, damit wir tag und nacht haben. wenn wir nicht tag und nacht hätten, könntest du niemals bei vollmond über deinen eigenen schatten springen. so ist das.

wenn der sommer also schön warm und sonnig war, dann sagt unsere obere erdhälfte: „puh ist mir heiß! ich schwitze ja schon. jetzt reicht es für ein weilchen! ich ziehe mich zurück und will es mal ein bißchen kühler haben.“ - zack! und dreht sich von der sonne weg.

dann wird es bei uns kälter und wir kriegen winter, weil der abstand von der sonne zur erde so groß geworden ist, dass nur noch die allerallerdicksten großen sonnenstrahlen den langen langen weg von der sonne bis in unsere weinberge schaffen. und das auch nicht jeden tag.

da wollen sie die kleinen sonnenstrählchen lieber nicht dabei haben aus angst, dass sie es nicht bis zur erde schaffen. sie wissen ja auch nicht, wann sie wiederkommen, um ihre sonnenstrahlenkinder notfalls wieder abzuholen.

das kann ja mal ein paar tage dauern. wegen der vielen winterwolken. das wäre dumm, falls die sonnenstrahlenkinder an den winzerdrähten hängen, vor lauter glück ein mittagsschläfchen halten und womöglich den rückweg verpassen.

deswegen schickt die sonne die sonnenstrahlenkinder in unserer winterzeit lieber auf die untere hälfte der erde. weil die dann näher an der sonne ist und besser zu erreichen. da wird es dann der erde untenrum schön sommerlich warm! das ist gut, denn die leute auf der unteren hälfte mögen ja auch gerne reife weinbeeren essen. oder kiwi.

wenn unsere obere erdhälfte sich genug abgekühlt hat und ihr vor lauter eis und schnee schon selbst ganz schnatterkalt ist, dann tauschen die zwei wieder: die untere hälfte geht sich abkühlen, und die obere rückt näher an die sonne ran, um sich aufzu­wärmen. wir nennen das frühling, und unsere tage werden wieder länger und heller.

dann kommen auch die sonnen­strahlenkinder wieder öfter mit auf unsere obere erdhälfte und lassen neue weinbeeren vor lauter glück und wärme kugelrund und süß werden! und anderes obst natürlich auch.


--------

Mittwoch, 13. Oktober 2010

kaffeehaus

das tal versinkt im herbstnebel, mein büro ist heute völlig aussichtslos. nicht mal mehr die kirche ist noch im dorf.


was bin ich da froh, dass ich - gestern erst! – mir den luxus einer sonnigen kaffeehaussitzung gegönnt habe. für viele menschen ist das nichts besonderes, die machen das jeden tag. früher war das bei mir nicht anders. die lebensumstände haben sich geändert.

wenn eine am prekären rand der gesellschaft lebt, will jedes ‚die wohnung verlassen‘ sehr gut überlegt und geplant sein, denn es ist (fast) immer mit ‚geld ausgeben‘ verbunden: „wenn ich heute da und da hinfahre, reicht das benzin im tank dann in der kommenden woche noch für den arztbesuch in der stadt?“

ich hasse diese erbsenzählergedanken, aber ich muss sie mir machen. auf dem land sind die wege weit, ich habe nicht immer die kraft, alles mit dem fahrrad zu erledigen.

[.... genau an dieser stelle muss ich beim ‚schreiben im nebel‘ jetzt sehr sehr aufpassen, dass mir nicht nur jämmerliche gedanken und „esistallessoanstrengendleerundlieblosinmeinemleben“-sätze in die tastatur wollen. das ist schrecklich! vier mal schon habe ich neu angefangen mit meinem heutigen text]

also noch mal von vorne:

gestern war ein milder sonniger herbsttag. ich war mit dem rad in der großen stadt zu einem arzttermin. frühmorgens losgeradelt bei temperaturen knapp über null (auf den autoscheiben war noch frost), eingepackt in handschuhe, schal und mütze, konnte ich am mittag ohne jacke draußen bei fast 20 grad in der sonne sitzen. wonne!

kaffeehaussitzungen sind für mich selten geworden. ich tue dann so, als wäre ich im urlaub, nehme mein notizbuch und schreibe auf, was ich sehe, was ich denke.... nix literarisches, eher geschriebene skizzen. so, wie andere leute fotografieren oder bilder malen.

das 'schreiben in cafés' begleitet mich seit mehr als dreißig jahren. immer, wenn ich alleine unterwegs bin. viele meiner tagebücher sind an kaffeehaustischen entstanden. wenn ich das heute noch einmal lese, erinnere ich mich an die schönen aussichten von damals. und an das strahlende lächeln charmanter kellner, die mir den milchkaffee servierten, als wäre es der hauptgewinn im lotto.

wenn ich mit begleitung im café sitze, dann gucke ich gern leute und lästere übers volk. das hat mir mein arzt verordnet. ich soll auf keinen fall immer nur probleme wälzen und psychologisieren. „Das ist Gift für die Seele! Setzen Sie sich mit der besten Freundin auf einen Ausflugsdampfer, ziehen sie über die anderen Passagiere her und machen sich einen lustigen Nachmittag!“ das hat der gesagt. damals, in berlin.

ohne begleitung ist das schwer möglich: ich bin zu schüchtern, um laute selbstgespräche zu führen. also schreibe ich alles auf. das ist sehr erholsam für mein herz, ein kurzes ausruhen vom kargen leben im prekariat. tiefes aufatmen von der oft schwierigen organisation des alltags.

kaffeehaussitzungen zählen zu den besonderen maßnahmen. ich versuche, mir das so oft wie möglich zu schenken: der kleine luxus eines milchkaffees auf der sonnenseite gehört zu meinen lebensnotwendigkeiten. auch wenn die aussichten nicht mehr so schön sind und das lächeln der kellner gerade noch für einen trostpreis reicht.


--------

Samstag, 3. Juli 2010

einen rosengarten? versprochen!

kurze maßnahme no 15 ist mein alljährlicher ausflug in den spektakulärsten park der umgebung. immer im juni oder juli, wenn die rosen am schönsten blühen! landhaus ettenbühl  heißt der zaubergarten, in dem ich am liebsten ganz und gar verduften möchte, alles alltagsgrau vergessen kann und die schnöden gerüche der zuvielisation ebenso.


hier, wo rosen die bäume hinauf wachsen bis in den himmel, ist tatsächlich alles rosenduft wie sonst nie in meinem leben. ein paar stunden lang, mitten in den sanften hügeln des markgräflerlands: im milden schatten sitzen, bienen summen und brunnen plätschern hören. den duft von rosen und lavendel in der nase.

erholung für meine sinne wie selten. in diesem jahr schon sommerhitze, manche blüten morbide welk und erschöpft von sonne und regen. es gibt keine schönheit ohne den wandel!


gewandelt bin ich auch durch das neue labyrinth, erst kürzlich eröffnet. dichte hecken über augenhöhe, kein ausweg in sicht. der imaginäre faden immer in meiner hand - wie ich es von ariadne in knossos lernte – hat mich sicher geleitet.


am ende der reise durch den majestätischen schattenschutz der mammutbaumallee geschritten wie die kaiserin auf dem weg zum festmahl.


--------

Sonntag, 16. Mai 2010

unfug en gros & en détail III - die blaue glockenelfe

von den sonnenstrahlenkindern habe ich euch ja schon berichtet. aber hier in den weinbergen passieren noch ganz andere dinge: zur zeit habe ich etwas stress mit der blauen glockenelfe im blauglockenbaum vor dem südbalkon.

blauglockenbaum (paulownia tomentosa)

dabei ist das ein großes glück, dass die überhaupt da ist. denn blaue glockenelfen sind in unseren breitengraden noch seltener als die ohne­hin schon rare chinesische pawlonia, von dem ein großes exemplar im garten der vermieter steht.

der blauglockenblumenbaum, der so heißt wegen der großen blauen blütenstände im mai, wächst hier wie ein wunder. aus den schönen blauen blüten werden im sommer saftige grüne blauglocken­baum­nüsse, die dann im herbst an den zweigen trocknen und braun werden.

diese nüsse sind groß wie murmeln, innen fast hohl, und sie raschelklappern im wind. für diese ver­wandlung braucht der blauglocken­baum enorm viel kraft und wärme. beides kommt hier in den weinbergen von der sonne, aber auch aus dem vulkangesteinsboden. davon profitiert der blau­glocken­baum. und auch die kleine blaue glockenelfe.

blaue glockenelfen sind nämlich noch verfrorener als blauglockenbäume. unsere hier ist aus versehen mit dem samen­korn des baumes aus südchina herübergekommen.

ihr sagt, das geht nicht, dass die blaue glockenelfe im samenkorn des blau­glockenbaumes herübergekommen ist! ja wie denn sonst?!die blaue glockenelfe ist doch ganz ganz klitzeklein, nur wie ein streichholz so groß. und alle welt weiß, dass die blauen glockenelfen nachts am liebsten und immer in den samen-nüsschen des blauglockenbaumes schlafen, weil sie da so sanft hin und her geschaukelt werden.

unsere blaue glockenelfe, die war schon in ihrer heimat dafür bekannt, dass sie besonders gern und besonders viel in diesen schönen nussbettchen geschlafen hat. am liebsten jeden tag in einem anderen, wenn noch genügend da waren.

als die blauglockenbaumsamen zum versand verpackt wurden, hat die blaue glockenelfe das einfach verschlafen. der chinesische gärtner hatte keine ahnung, dass er da quasi einen blinden passagier geerntet hat. er wußte noch nicht einmal, dass es blaue glocken­elfen überhaupt gibt.da kann man mal wieder sehen, dass die menschen in china auch nicht viel klüger sind als wir hier.

tja. da war die blaue glockenelfe ganz allein. weil sie sich alleine etwas fürchtete, ist sie einfach in der nussschale liegen geblieben. sie ist auch geblieben, als aus dem blauglockenbaum­samenkorn erst ein kleines blauglocken­bäumchen wurde, das man samt elfe in die weinberge verpflanzte. und jetzt, wo aus dem kleinen blauglockenbäumchen ein großer starker blauglockenbaum geworden ist, da bleibt sie natürlich erst recht. denn blauglockenbaumnüsse gibt es nur am blau­glockenbaum. und wo sollte sie sonst schlafen?

weil die blaue glockenelfe hier ganz allein ist wie eine mutterseele ohne ihre gewohnte zahlreiche verwandt­schaft und weil sie immer ein bißchen friert in ihrem blauen glockenkleidchen, ist sie – besonders in diesem jahr, wo der winter so lang war - oft ein bißchen zickig vor lauter heimweh. im grunde aber ist sie genau so schön und gut und wunder­bar wie ihr wohnbaum.

es war natürlich eine riesige umstellung vom fernen china hierher nach germany südwest. aber blauglockenbaum bleibt blau­glocken­baum, und das ist die haupt­sache! so lange sie so lange sie will in ihren nüsschen schlafen kann, geht es der blauen glockenelfe gut und alles andere ist ihr piepegal. außer wenn sie geweckt wird. das kann sie schon mal gar nicht leiden!

nun ist es ja aber so, dass es da noch den dorfspecht gibt. der hat eine rote mütze auf dem kopf und kommt jeden morgen, um sein früh­stück aus dem blauglockenbaum herauszu­klopfen. meistens bringt er noch seinen kumpel mit. der kumpelspecht hat auch eine rote mütze auf dem kopf. dann klopfen sie zu zweit. so sind sie, die männer: jede menge lärm schon vor dem frühstück!

die blaue glockenelfe kann bei dem lärm natürlich nicht weiter schlafen und wird wach von dem ganzen spechts­geklopfe. dann ist sie sauer. aber wie! sie ist immer ganz indigniert, wenn sie schon vor dem wachwerden aufstehen muss!

ganz empört krabbelt sie dann aus ihrer schlafnuss und guckt sich kurz an, wer da so früh schon so laut klopft. sie nimmt die nuss, in der sie bis gerade eben noch geschlafen hat und schmeißt sie nach dem specht. oder nach dem kumpelspecht.

für uns menschen wäre das natürlich unvorstellbar, jeden morgen mit dem eigenen bett nach dem wecker zu schmeißen oder sonstewem. das ist aber nur des­wegen so, weil in jeder wohnung für jeden menschen immer nur ein bett steht. wenn man das morgens weg­schmeißt, hätte man ja für die nächste nacht keines mehr.

bei den blauen glockenelfen ist das anders. denn sie leben ja nicht in wohnun­gen, sondern immer nur auf blauglocken­bäumen. auf jedem blau­glocken­baum gibt es unzählige blau­glockenbaumsamen­nüsse. immer. die fallen nämlich im winter nicht ab wie die blätter, sondern sie bleiben hängen. damit die blauen glocken­elfen auch im sommer und sowieso immer darin schlafen können.

ganz egal zu welcher tages- oder jahres­zeit: wenn eine blaue glockenelfe müde wird, dann legt sie sich zum poofen direkt in die nächste nuss. so einfach kann das leben sein!

schlafnüsse gibt es für die blaue glocken­elfe also immer genug. des­wegen kann sie es sich auch leisten, ihre verschlafene nuss morgens gleich nach dem aufstehen mit karacho durch die gegend zu pfeffern.

den beiden spechten macht das übrigens gar nichts, denn sie haben ja rote mützen auf dem kopf. selbst wenn sie von so einer blauglockenbaum­nuss mal getroffen werden sollten: die roten mützen schützen sie vor dem gröbsten.

um ehrlich zu sein: die kleine blaue glockenelfe ist immer noch ziemlich nacht­blind, wenn sie so wachgeklopft ihr gute­nachtnüsschen durch die gegend schmeißt. deswegen hat sie auch den specht oder seinen kumpel noch nie getroffen.

leider passiert es immer öfter, dass ihre nuss aus versehen auf meinem balkon landet. wenn ich zufällig gerade die blumen gieße, muss ich mich schnell ducken. sonst landet die blauglockenbaumnuss an meinem kopf statt bei den spechten. das wäre mir sehr unangenehm. denn ich habe ja nicht so eine schützende rote mütze auf dem kopf wie die beiden spechtjungs.

einmal hätte die blaue glockenelfe mit ihrer wurfnuss fast die katze getroffen. obwohl die katze gar nicht geklopft hatte. meine katzen haben nie am frühen morgen an irgend­einem baum herum geklopft! niemals nicht. nirgendwo.

na ja.
jedenfalls liegen immer ziemlich viele samennüsse vom blauglockenbaum auf meinem balkon herum und unten im garten auch. was mit denen weiter passiert, das erzähle ich euch ein andermal. und auch, wie lustig das mit der blauen glockenelfe sein kann, wenn sie gute laune hat!


--------

Mittwoch, 28. April 2010

heute. hier. jetzt.

guten morgen! meine kurze maßnahme no. 8 ist eine kleine antwort auf smillas post aus der vergangenen nacht, das mich sehr an meine vielen heiteren zeiten auf griechischen inseln erinnert hat ....


.... und an das zitat von leo tolstoi, das meinen diesjährigen kalender betitelt und mich auf diese weise täglich begleitet:

denke immer daran, dass es nur eine wichtige zeit gibt:
heute. hier. jetzt.

genau. im zweifelsfall ist leben wichtiger als aufschreiben (oder bloggen). deswegen gönne ich mir heute einen sonnigen frühlingstag und wünsche euch allen einen ebensolchen!


--------

Sonntag, 25. April 2010

long distance call

manchmal hätte ich gerne ein tonband für meine gedanken nach mitternacht. da passieren häufig die seltsamsten dinge in meinem krausen kopf. nach den himmlischen sonnenuntergängen der vergangenen woche, bei denen die sonne sich schüchtern und geradezu zärtlich in die vulkanaschewolke aus island hüllte, zum beispiel:


die wanderung der aschewolke nach dem ausbruch des islandischen vulkans eyjafjallajökull verlief über ganz europa und fand ihr ende in einem konzentrierten niedergang ausgerechnet im einzugsbereich des BfbM (*) in südbaden. das umweltbundesamt hats ausgerechnet.

alle rätseln und sind verwirrt, warum ausgerechnet hier? mich wundert das nicht, denn die antwort liegt auf der hand: der noch junge vulkan eyjafjallajökull hat neuerdings die öffentlichkeitsarbeit für die vulkane übernommen, und er kommuniziert über aschewolken. wie sonst?! lateinisch favilla bedeutet asche. es wird doch wohl niemand bestreiten, dass dieses wort eindeutig in seinem namen steckt. mit ein bißchen isländischem zungenschlag, versteht sich.

wenn wir nun diese information - die bislang von allen human made medien übersehen wurde, da diese nicht fähig sind, in aschewolken zu lesen - zugrundelegen, dann ist der aschefall in südbaden sonnenklar:

gerade mal zwanzig kilometer weg von mir ist der kaiserstuhl. das ist ein kleines gebirgsmassiv vulkanischen ursprungs und immer noch bekannt als wärmster obst- und weinberg deutschlands – und das, obwohl er schon seit mehr als 10 millionen jahren nicht mehr aktiv ist! was die vulkanische tätigkeit angeht, ist unser kaiserstuhl also ein fauler alter sack (davon gibt es hier in südbaden mehrere).

weil der kaiserstuhl so lange nicht von sich hat reden machen, hat der eyjafjallajökull im isländischen vulkankommunikationskonpetenzzentrum also mal eben eine kurze anfrage geschickt: „ey alter, schläfst du noch?!“.

damit so eine asche-sms von vulkan zu vulkan auch richtig ankommt, muss am himmel absolute stille herrschen. winde und meeresströmungen wollen exakt koordiniert sein. das ist eine großartige vulkanlogistische meisterleistung, die enormer konzentration bedarf.

deswegen war es absolut wichtig – und das haben die europäer ja auch eingesehen – dass für die zeit der vulkanischen nachrichtenübermittlung absolute ruhe herrscht am himmel, die nicht von kondensstreifen aus düsentriebwerken durchkreuzt werden darf.

wie wir erfahren haben, bestand die aschenachricht aus island hauptsächlich aus silicium, aluminium, eisen, magnesium und kalzium sowie ein paar schwefeldioxiden. das sind alles stoffe, die wir menschen ohnehin als spurenelemente und konservierungsstoffe über die nahrung oder teure tabletten aus der apotheke zu uns nehmen.

die vom ejyafjallajökull versandte nachricht war also umweltfreundlich und so präzise getimed, dass sie genau rechtzeitig eintraf, um nebenbei den südbadischen spargel zu düngen, dessen saison hier soeben begonnen hat - und den ich soo sehr liebe!

daraus können wir schließen, dass vulkane über eine immanente intelligenz verfügen. der vulkanier spock hat das zwar schon immer behauptet, aber nun haben wir auch einen terrestrischen beweis dafür.

besonders interessant ist die tatsache, dass vulkane nicht nur unterirdisch miteinander kommunizieren (was ja der kürzere weg wäre) - sondern auch long distance über die erdatmosphäre. vielleicht, weil ihnen das untenrum manchmal einfach zu heiß ist?

die nachricht aus island ist jedenfalls beim kaiserstuhl angekommen. dessen antwort bleibt abzuwarten.


ps.
eyjafjallajökull könnte zu meinem lieblingswort des jahres werden.
die richtige aussprache üben wir hier

BfbM* = Büro für besondere Maßnahmen


--------

Samstag, 17. April 2010

blümchenwiese

weil es so schön ist, kurze maßnahme no. 7 jedes jahr aufs neue:

sobald es wieder warm genug ist für die ersten kleinen fahrradtouren rund um meinen b-berg, sind auch schon die blumenwiesen reif für die erste ernte:

Blühende Tulpen - Markgräflerland
von diesen blumenackern gibt es in meiner nähe mehrere. sie sind so geschickt bepflanzt, dass ab märz/april bis in den herbst ununterbrochen irgendwelche zur jahreszeit passenden blumen dort blühen.

es ist wie der mädchentraum aus kinderzeiten, mitten auf einer blühenden wiese zu sitzen und mich nach herzenslust bedienen zu dürfen!

ich radel da regelmäßig hin und stelle mir meine lieblingsblumen zusammen. neben dem feld steht ein tisch mit preisliste und ein paar messern: davon eins geschnappt, dann ab auf die blümchenwiese, an allem geschnuppert, farben bewundert, bienchen begrüßt und blumenstrauß ausgesucht!

am ende wird das messer wieder abgegeben, die blumen gezählt und passendes kleingeld in die bereitstehende kassenbüchse geworfen.

ich liebe es!


--------

Montag, 5. April 2010

klapperstorch im weltwunder

das war eine schöne überraschung, als ich neulich vorgestern das dritte weltwunder der antike besuchte: oben auf der letzten noch verbleibenden säule des artemistempels liegt ein bewohntes storchennest. mit mindestens einem storchenkind drin, das von mama und papa storch fleißig mit frischen fröschen und babyschildkröten gecatert wird. das große klappern gehört hier ganz natürlich zum handwerk:


artemis hätte das sicher gefallen, denn sie gilt nicht nur als göttin der tiere, sondern auch als jagende bestimmerin über geburt und sterben, die erde selbst. artemis war nie verheiratet, keinem manne untertan, sie war frei und kinderlos - und wurde verehrt als beschützerin der frauen jeglichen alters und der kinder.

der ihr geweihte tempel bei ephesos an der türkischen ägäisküste war groß wie ein fußballfeld und dreißig meter hoch. jede menge platz also für angemessene verehrung. eine der vielen tempelvarianten, die im lauf der zeiten entstanden und wieder verfielen, war so schön, dass er in der antike zum weltwunder erklärt wurde. übrig ist davon leider nicht mehr viel: die weiße pracht der letzten version wurde in byzantinischer zeit als marmorsteinbruch vernutzt.

die einzige säule, die symbolhaft noch steht (von ehemals mehr als 120), ist so hoch wie die berliner altbauten aus der gründerzeit: traufhöhe 14 meter. das sind immerhin rund dreiviertel ihrer ursprünglichen größe. die säule steht auch nicht zufällig noch da (das wäre dann ein doppeltes weltwunder), sondern wurde neuzeitlich aus vorhandenen resten mit zement zusammengeklebt. das vermittelt immerhin einen ungefähren eindruck.

sonst gibt es da nix mehr, ein paar große steinblöcke liegen herum. in der woche vor meinem besuch hatte es heftig geregnet, ein großteil des geländes steht noch unter wasser: tümpel und sumpfwiese, teils bedeckt von quietschegrünen algen. eine gänsefamilie in formation marschierte hindurch.

da das ehemalige tempelgelände außer der einen säule, den paar herumliegenden trümmern und einer handvoll souvenirständen optisch nicht viel zu bieten hat, halten die touristen hier meist nur für ein beweisfoto – wenn überhaupt. es kostet noch nicht einmal eintritt. die antike ruinenstadt ephesos nebenan ist da weitaus spektakulärer. bloß das meer ist nicht mehr da, wo es früher mal war.

auch ephesos habe ich mir angesehen, und es ist wirklich beeindruckend – aber die dazu berichteten fakten hatten mit den wirklich wichtigen dingen im leben einer frau nicht viel zu tun. ich fand es wenig aufschlußreich, zu erfahren, welcher kaiser wann welchen triumphbogen oder welches theater oder welche bibliothek gebaut oder abgerissen hat.

es ist – wie so oft in der HIStorie - als hätten dort überhaupt keine frauen gelebt, obwohl die stadt schon in der antike rund eine viertel million einwohnerInnen gehabt haben soll. frauen waren wohl auch hier den herren nicht der rede wert – höchstens als jungfräuliche priesterinnen der großen göttin kommen sie vor. das können ja aber nicht alle gewesen sein. HERstory wurde nirgendwo aufgeschrieben.

angesichts dessen wundert es mich wenig, dass so ein riesiger tempel zu ehren der größen göttin quasi zu nichts zerfällt, während das angebliche bordell der antiken hafenstadt noch vergleichsweise prima erhalten ist.

da ich bei artemis also meine ruhe hatte, bin ich ganz lange auf den trümmern im sumpf gehockt, habe die schildkröten beobachtet, den fröschen zugehört, die schöne duftende frühlingsluft genossen und die relative stille. ich fand diesen platz bemerkenswert, fast magisch - und von einer ganz einzigartigen energie, wie ich sie noch nirgendwo gespürt habe. dieses tempelgelände ist ein ort von sehr sehr großer kraft, ohne zweifel.

am liebsten hätte ich an diesem quakenden froschteich auf den steinen unter der säule einen kleinen hulatanz zu ehren der göttin aufgeführt. das hätte ihr sicher gefallen. ich gestehe: ich habe es nicht gewagt. man darf nicht vergessen, dass ich mich hier in einem islamischen land befinde und sehr froh bin, mich als ungläubige frau alleine draußen überhaupt frei bewegen zu dürfen. ich wollte niemanden provozieren und habe getanzt nur in meinen gedanken.

die idee, ausgerechnet in meinem siebenmalsiebten lebensjahr eine wallfahrt zum tempel der artemis bei ephesos zu unternehmen – und das ausgerechnet an einem karfreitag, verdanke ich der heiteren koinzidenz, dass meine eine woche osterurlaub aus finanziellen gründen hier stattfindet: möglichst auf der sicheren sonnenseite, unbedingt direkt am meer und eventuell badebare temperaturen – das waren meine bedingungen. da gab es für mein budget nicht viele möglichkeiten.

im grunde reicht es mir, so viel wie möglich am strand auf und ab zu laufen und bei langeweile ein paar alte steine besichtigen zu können.

dass ich auf einen solchen schatz an alter heiligkeit und mystischer atmosphäre stoßen würde – nicht im traum hätte ich daran gedacht! es ist fast, als wäre ich schon einmal dort gewesen, früher mal. viel früher. durch ephesos bin ich gestapft mit schlafwandlerischer sicherheit, die erklärungen habe ich gar nicht gewollt, ich habe mich bestens ausgekannt. von ferne hörte ich die sprechgesänge der menge im großen amphitheater zu ehren der artemis. stundenlang. das theater dort ist groß, die akustik ist selbst in der ruine noch gigantisch. stellt euch ein steinernes halbrundes stadion vor, gefüllt bis auf den letzten platz. unfassbar.

eine der artemis zugesprochenen pflanzen übrigens - artemesia vulgaris (beifuß) – gilt als besonders wohltuend in den wechseljahren: artemisia regt die hypophyse an, wirkt krampflösend, kreislauffördernd und wird empfohlen als universalentgiftungspflanze für frauen, weil sie die ausscheidung von stoffwechselschlacken über harn, schweiß und menstruationsblut unterstützt.

auch das andere kraut der großen göttin artemis hat in meinem leben lange eine rolle gespielt: artemisia absinthium, die grüne fee. wie oft habe habe ich mir wermut auf die schwermut gekippt, um den schmerz zu lindern und das schreckliche gefühl, nicht gut genug zu sein.

aber das ist lange her. jetzt ist erst einmal die heilende seite von artemis für mich zuständig, für ein ganzes weilchen. das hoffe ich zumindest.


--------

Mittwoch, 24. Februar 2010

kurze maßnahme no. 2: rosenhoffnung

es gibt ja so tage im leben, da passieren kleine wunder. oft sind das diese seltsamen koinzidenzen von scheinbar ganz unscheinbaren dingen, die mir eine große freude bereiten und - ja, wer weiß?! - mir sogar ein glücksgefühl bescheren können:


der schnee ist endlich weg, meine rosen draußen öffnen schon die augen. ein guter tag also, um mit der pflege zu beginnen und vorab ein bißchen was gegen den im sommer regelmäßig auftretenden pilzbefall zu unternehmen.

wie ich so mit der – bienchenungiftigen, versteht sich! - spritzbrühe hantiere (wobei ich sehr darauf achten muss, nicht gegen die ständig wechselnde windrichtung zu arbeiten), zupft louise odier mich mit ihren stacheln am ärmel und grinst mich an: sie hat – schneller als alle anderen! - ihr erstes blättchen entfaltet.

frech, keck und unerschrocken ob der fröste, die vielleicht noch kommen könnten: ich liebe sie! „ja, ich will,“ flüstert sie im vorfrühlingshauch, „bald wieder blühen, auf deinem schreibtisch verduften, dir beim wannenbad gesellschaft leisten und deine rosigste freundin sein.“

ich bin noch ganz gerührt von soviel rosenglück, mag mich kaum von louise auf dem garagendach verabschieden. zwischendurch fängt es an zu regnen, die sonne steht schon fast waagerecht überm tal, und wie ich mich umdrehe sehe ich das da:


so ist das also. es gibt zeiten, da wohne ich fast am fuße des regenbogens. auf jeden fall weiß ich wo er anfängt, und auch das ende ist gar nicht weit weg!


--------

Mittwoch, 6. Januar 2010

übern berg: hinterm horizont geht‘s weiter!

so. die rauhnächte wären geschafft. ab sofort werden die tage nicht mehr nur „um einen hahnenschrei“ - also fast gar nicht - länger, sondern um mindestens zwei minuten täglich! das macht pro woche eine satte viertelstunde mehr tageslicht. es geht also rapide aufwärts. das neue jahr legt sich mächtig ins zeug!



ob hähne auch im winter krähen, weiß ich gar nicht. in meinem kleinen winzerdorf ist derzeit keiner zu hören. in ghana übrigens gibt es dazu ein sprichwort „auch die henne weiß, dass die sonne aufgeht, doch sie überlässt das krähen dem hahn".

was soll eine frau auch groß tun, wenn der mann tagtäglich mit großem getöse selbstverständlichkeiten verkündet und nicht nur so tut, als hätte er den sonnenaufgang selbst erfunden, sondern als fände dieser auch noch ausschließlich auf sein kommando hin statt?!

in ganz uralten zeiten hieß unser heutiger 'dreikönigstag', also der tag nach den zwölf dunkelsten nächten: „sternentag“. das hängt zusammen mit der wiedergeburt des lichts und der verehrung der sonnengöttin – die je nach land und region unterschiedliche namen hatte.

das fiel mir ein, als ich vorhin im radio hörte, dass weder die himmelsforscherInnen noch die katholischen männer und noch nicht einmal der papst selbst heute wissen, was das denn nun für ein besonderes licht gewesen sein könnte am himmel damals vor zweitausend jahren äpfelputz, das den drei sogenannten weisen männern aus dem morgenland den weg leuchtete zum christkindl sein aufenthaltsort.

weder ein komet noch eine supernova noch eine besonders hell leuchtende sternen- oder planetenkonstellation ist für die damalige zeit nachweisbar. meine vermutung ist also hier einmal mehr, dass die christlichen hähne mit lautem krähen die wintersonnenwende neu erfunden haben wollen und dabei alte frauenkulturbräuche mit neuem männerpersonal besetzten.

drei weise männer! pah - wenn ich das schon höre. allein die kombination von „weise“ und „männer“ ist doch pures christliches wunschdenken. „mann“ und „weise" - das sind unvereinbare gegensätze! dann bringen sie auch noch weihrauch, gold und mürre, völlig verpeilt. die waren doch nicht ganz knusper, die herren melchior und kaspar und balthasar.

derlei mitbringsel, mit denen sich männer gerne wichtig machen wollen, gehen doch voll vorbei an den bedürfnissen von mutter und kind zwei wochen nach der geburt! welch ein unfug! hätte die bibel mal besser drei weise frauen erfunden. die hätten ganz gewiss warme decken, jede menge lebensmittel und heilkräuter und feuerholz und falsche pässe mitgebracht für die bevorstehende flucht. außerdem wären sie nicht zwei wochen zu spät gekommen.

drei weise frauen aber konnte die bibel nicht erfinden, denn die gab es ja ursprünglich schon! allen voran die wunderbare frau holle, große weberin und bringerin der kinder. andernorts ist sie auch als berchta bekannt. das war sozusagen die urgroßmutter des nach ihr benannten knecht ruprecht. die weiße freya oder frigga als schutzherrin der mutterschaft wäre ebenfalls mit dabei gewesen. die veranstaltete ja sowieso in den zwölf längsten nächten ihre himmlische sturmfahrt. in babylon – also im nahen osten in der nähe vom christkind sein stall – war die weise göttin nanshe für das deuten von sternen, träumen und vorzeichen zuständig. die hätte den anderen den weg schon rechtzeitig erklärt ....

es war also von anfang an ein himmlisches weiberzechen rund um die jahreswende. kerle waren da nicht vorgesehen, die tauchten dann erst zum frühlingsanfang aus ihrem winterschlaf wieder auf, zwecks zeugung der himmlischen wiedergeburt. an dieser stelle hat's die lustfeindliche bibel dann auch mit den männern nicht gut gemeint und sie kurzerhand zu 'heiligen geistern' erklärt.

ich liebe die alten frauenmythen! mehr - und vor allem: fundierteres als ich das hier biete - über sonnengöttinnen aller kontinente gibt es zu lesen in dem gleichnamigen buch von silke gyadu. der reinste göttinnenkrimi. ich finde es soo wichtig, dass wir frauen große und starke identifikationsfiguren haben, die uns auch kosmisch einbinden. ich will mich nicht nur als minderwertige kopie aus einer überzähligen rippe empfinden müssen, wie uns der angeblich liebe gott das einreden will.

mir hat das schon als kleines mädchen sehr zu schaffen gemacht, wenn die erwachsenen mich glauben machen wollten, dass eva schuld gewesen sei am rauswurf aus dem sogenannten paradies. welch eine himmelschreiende ungerechtigkeit! was konnte denn eva dafür, dass adam nicht umgehen konnte mit seiner apfelallergie?

apropos apfelallergie: zeit für ein stück apfelkuchen mit schlagsahne - zu ehren der großen göttin, versteht sich. apfelkuchen ist mein zweitliebstes lieblingsobst. die große göttin gönnt mir mein paradies.

also lasst euch das neue jahr schmecken – und überlegt vorher gut, mit wem ihr eure äpfel teilen wollt!


--------

Montag, 21. Dezember 2009

wintersonnenwende: mach' das licht an!

die kalten, dunklen monate des jahres sind immer wieder eine herausforderung für mich. seelisch. körperlich auch. die witterung macht mir schwer zu schaffen, der lichtmangel ebenso. schon seit vielen jahren ist deswegen die wintersonnenwende mein persönlicher alleroberwichtigster feiertag im jahr, meine allerheiligste heilige nacht. das ist heute. um 18:47 uhr, um genau zu sein. die lichter dürfen nicht ausgehen!




vor allem freue ich mir ein loch in den bauch, dass ab sofort die tage nicht mehr kürzer werden. auch wenn sie jetzt noch nicht sofort spürbar länger sind, sondern erst nach dem sogenannten dreikönigstag am 6. januar – so ist doch schon allein das wissen um diese tatsache für mich so dermaßen beruhigend und heilsam, dass mir mit sofortiger wirkung leichter wird ums herz: ich habe durchgehalten, ich habe es wieder einmal geschafft, ich lebe noch! am ende der dunkelheit ist licht in sicht!

in anderen, in älteren kulturen gab und gibt es viele mythen und bräuche um diesen kürzesten tag und die längste nacht des jahres. je weiter eine nach norden geht, je weniger das licht wird, um so wichtiger werden die feiern. es gibt ein großes feuer, man feiert die wiedergeburt des lichts, die rückkehr der sonne. das julfest in skandinavischen ländern zum beispiel, das war ursprünglich so eine uralte wintersonnenwendfeier. das lichterfest der heiligen lucia ebenso.

ab jetzt geht es wieder aufwärts. mach' das licht an!

genau das tue ich dann auch heute: ich mache alle lichter an in der wohnung, ich stelle kerzen auf, so viel meine schubladen nur hergeben und wo immer ich einen platz finde. es blitzert und leuchtet, schimmert und wärmt. mein herz, das hüpft!

weihnachten interessiert mich nicht. ich brauche auch keine geschenke. ich bin keine getaufte christin. wenn ich eine wäre, hätte ich die allergrößten schwierigkeiten, an diesen seltsamen lieblosen strengen strafenden vatergott zu glauben, der seinen sohn durch die vergewaltigung einer jungfrau gezeugt und auch sonst eine menge verbockt hat. dem herrn jesus wurde der geburtstag übrigens erst nachträglich auf den 25. dezember gelegt und mit schokkelade verbrämt, um den 'bösen heidis' den abschied von ihren alten wintersonnenwendparties zu versüßen.

seit damals war es dann auch vorbei mit dem wunderbaren alten brauch von „weib, wein & gesang“. das waren der fraulichen dreifaltigkeit, der großen mutter erde, der sonnengöttin gewidmete heitere feiern, bei denen die frauen meines urzeitlichen weiberclans – damals noch gesellschaftlich hoch angesehen - es sich gut gehen ließen miteinander.

das waren wunderbare, laute, unverschämt schamlose freudenfeste. mir ist fast so, als wäre ich selbst dabei gewesen. jedenfalls hatten die damen einen heidenspaß dabei.

irgendwann kamen die christenmänner und taten so, als ob weinweibundgesang ihre ureigene erfindung sei „pah! wo kommen wir denn da hin, wenn wir den frauen das unkontrollierte gemeinsame fröhlichsein erlauben?!“ so tönten die patriarchen, und plötzlich gehörte das feiern nicht mehr den frauen, sondern den männern, und die frauen durften nur noch vorher kochen und backen und nachher den dreck wegputzen, während die kerle auf ihren sofas immer dicker wurden.

die männer machten sich die frauen und die fässer untertan. herausgekommen ist dabei – wie wir alle wissen – jede menge „bier, mann & gebrüll“. aber wer will das schon? deswegen haben die männer weiterhin das schöne alte weiberwort benutzt, um ihre eigene grobheit zu kaschieren. ich finde, es wird höchste zeit, dass wir frauen uns dieses schöne, lebensfrohe ritual zurückholen, den männern das ihre lassen - und es dann aber auch so nennen.

so weit ein kurzer exkurs in die geschichte meiner vormütter. der ist übrigens nicht wissenschaftlich belegt. ich bin keine wissenschaftlerin. ich bin geschichtenerzählerin. trotzdem weiß ich sehr genau, wovon ich schreibe. passt bloß auf!

jedes jahr aufs neue frage ich mich, ob es sein kann, dass ich an einer bislang unerforschten krankheit leide: der kälte-allergie. sobald die temperaturen konstant unter 20 °C sinken, geht es mir nicht mehr richtig gut. die meiste zeit habe ich dann entzündete nebenhöhlen, entweder eine triefnase oder komplett ausgetrocknete schleimhäute, dazu juckende rote verquollene augen, verspannte schultern, einen hartnäckig harten nackenbereich mit einhergehenden kopfschmerzen, was wiederum den tinnitus verstärkt .... kurz: „dann hann isch esu richtisch dat ärm' dier!“ und wenn sonst schon niemand mitleid hat, muss ich auch das noch selber tun!

wie auch immer, leider leide leider leide! keine krankenkasse der welt wollte meine kälteallergie bislang als ernst zu nehmendes gebrechen anerkennen. man weigert sich konsequent, mir regelmäßig das winterhalbjahr zur kur in den tropen zu finanzieren. dabei wäre ich gar nicht teuer und auch schon mit den subtropen zufrieden! vielleicht wäre es sogar .... ähem .... „kostengünstiger“ (dooofes krankenkassenpolitikerwort) als hier zu bleiben? ich könnte mich dort ja auch durchaus nützlich machen.

nun, genug der aussichtslosen kämpfe! heute ist wintersonnenwende, draußen ist dunkel und eisig glatt, hier drinnen ist warmlicht und auch in meinem herzen fühlt es sich diesmal sehr viel heller an als in den jahren zuvor.

euch allen wünsche ich eine ebenso sanfte, heitere winterwende - ganz egal, wie ihr eure feier nennt, an wen oder was ihr glaubt, mit wem ihr seid oder auf welches datum ihr sie legt: lasst es licht und liebe sein. das ist alles.


--------

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...