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Sonntag, 9. Januar 2011

sparsam

es hat mir mal jemand auf den kopf zu gesagt, dass er mich für zwangsneurotisch halte. ich habe dem nicht widersprochen. ganz sicher habe ich den ein oder anderen flitz. ich bin halt eine flitzpiepe.


da gibt es zum beispiel dinge, da kann ich bis aufs blut sparsam sein. obwohl da nicht mal pfennigbeträge bei rumkommen. bleistifte zum beispiel. die spitze ich bis zum bitteren ende.

einen bleistift darf ich erst wegwerfen, wenn er kürzer als fünf zentimeter ist. mein altmodischer stifteverlängerer hilft mir dabei, meine bleistiftstummel auch tatsächlich so lange zu benutzen.

bei anderen dingen hingegen kann ich gnadenlos prassen und geld ausgeben, das ich noch nicht einmal besitze. weiß ich, dass ein honorar unterwegs ist, habe ich es manchmal schon drei mal ausgegeben, bevor es überhaupt auf dem konto eintrifft.

deswegen ist mein konto oft im minus. derzeit mal wieder bis zum anschlag des dispokredits. die disposchulden sind nicht schön. aber sie sind mir lieber als schulden bei freundInnen. geld zerstört freundschaften – deswegen leihe ich da nur was, wenn die kontobank nix mehr hergibt und es überhaupt gar nicht anders geht.

in der silvesternacht war ich sehr verzweifelt, weil das arbeitslosengeld nicht pünktlich eingegangen war. in der annahme, dass das amt mal wieder was verschlampt haben könnte* und ich solche angst hatte, am montag die miete und alles andere nicht bezahlen zu können, schrieb ich am sonntag, den 2. januar 2011 eine email an meine dispobank mit der dringenden bitte um die kulanz, die abbuchungsaufträge nicht zurückzuschicken, sondern ausnahmsweise über das dispolimit hinaus abzubuchen, weil ausreichend geld im lauf der woche ganz sicher eingehen würde.

so waren wir schon mehrmals verfahren in den fast neun jahren, die ich dort kundin bin. meine dispobank und ich. man weiß dort, dass ich eine überziehung des dispos nur im großen notfall erbitte und dass man sich auf meine zahlungsankündigungen immer verlassen kann.

ich hatte wirklich große angst. und wut. weil ich mit dem geld gerechnet hatte. silvester nix hatte einkaufen können für das neujahrswochenende. drei tage heulen und zähneknirschen, silvester und dann auch noch zwei neujahrstage hintereinander, weil der erste januar auf einen samstag fiel. und keine linderung in sicht. niemand nicht telefonisch zu erreichen. weder im amt noch auf der bank.

am montag, den dritten, setzte ich mich in der früh gleich mit dem ersten milchkaffee ans onlinebanking und siehe da: mein geld war da. große erleichterung. miete bezahlt. uff.

eine stunde später klingelte das telefon: eine mir unbekannte frau sparstrumpf von meiner dispobank badisch süd-west. ich war noch ganz in meiner erleichterungsfreude, bedankte mich für den anruf und sagte, dass ich schon online gesehen hätte, dass das geld eingegangen und somit alles in ordnung sei.

frau spartrumpf aber machte überhaupt keine anstalten, sich mit mir mitzufreuen. auf meine nachfrage hin entpuppte sie sich als die mir noch unbekannte "neue" zweigestellenleiterin (die sie seit drei jahren ist). streng belehrend und von oben herab quäkte sie, dass ein dispokredit ja nur vorübergehend bei engpässen zur verfügung stünde und wie denn meine pläne seien, selbigen alsbald wieder zurückzuzahlen.

ich war völlig platt und überfahren. meine finanzielle situation ist seit fast zehn jahren unverändert. mal mehr, mal weniger im dispo. wenn geld kommt, zahle ich ab. ansonsten zahle ich zinsen und gebühren.

frau sparstumpf nörgelte weiter, dass mir ein dispokredit bei so ungeregeltem einkommen gar nicht zustünde und dass - wenn ich wie derzeit arbeitslosengeld erhielte - sie mein konto ja gar nicht pfänden könnte. in solch einer lage würde mir keine bank der welt einen kredit gewähren. was ich denn noch an sicherheiten hätte?

ich hörte nur „dispo sofort zurückzahlen“ und „kontopfändung“. ich weiß natürlich, dass sie theoretisch recht hat. aber warum kommt die damit jetzt? nach mehr als acht jahren? meine zinsen zahlen doch auch ihr gehalt, das schicke geheizte büro und den ergonomischen ledersessel, in den sie täglich furzt. muss das ausgerechnet am ersten arbeitstag des neuen jahres besprochen sein? und dann auch noch am telefon?

nun überlege ich, welche besonderen noch sparsameren maßnahmen ich umsetzen kann und will. ich könnte zum beispiel die bleistiftstummelwegwerfmarge auf drei zentimeter senken. mein fester vorsatz fürs neue jahr lautet jedenfalls:

sobald es mir gelingt, den dispokredit abzuzahlen – wann auch immer das sei – werde ich persönlich dafür sorgen, dass die zinsen, die meiner dispobank dadurch verloren gehen, der frau sparstrumpf dann vom gehalt abgezogen werden.

das hat sie dann davon, mir den jahresanfang so dermaßen zu versauen.


*
die ursache für den späten zahlungseingang lag gar nicht beim amt, sondern bei der dispobank, die zu faul war, am 31.12. das geld meinem konto gutzuschreiben und sich damit bis zum 3.1. zeit gelassen hat.


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Kommentare :

  1. Ein persönliches Gespräch hilft oft. Und solltest du schon sehr lange Kundin bei der Bank sein, würde ich auch darauf hinweisen. Ich war auch mal in so einer Situation wie du. Mein Dispo war vorher 4000 Euro und blieb es auch. Eine Bank lebt vom guten Umgang mit dem Kunden. Und der Mundpropaganda. Nett aber höflich darauf hinweisen, dass sie es mit Menschen zu tun haben! Wenn du allerdings Neukunde bist... nichts sagen und sich nicht bewegen. :-)

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  2. Genau, lieber Hans! Wie ich schrieb, die kennen mich seit mehr als acht Jahren, ich habe immer alles freundlich besprochen und es gab nie Probleme. Jetzt plötzlich - obwohl sich meinerseits nichts geändert hat. Im Augenblick ist wieder Stille. Sie weiß ja, dass sie nichts pfänden kann ;-)

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  3. Ich finde diese Stiftverlängerung klasse. Sowas würde ich mir glatt zulegen, auch wenn ich wenig Bleistift schreibe und außerdem einen schönen Druckbleistift habe.

    Das Ding hat Aussagekraft. Es macht schon einen Unterschied wie man spart. Wenn man so etwas besitzt, sollte es kaum Mühe machen, es auch zu verwenden.

    Schlimm finde ich dagegen verkrampftes Sparen. Auch wenn ich wenig Geld habe, ich weigere mich bislang entschieden beim Einkauf von Lebensmitteln zu sparen. So weit bin ich noch nicht, dass ich im Land der Gammelfleisch- und sonstiger Lebensmittelmüllberge mit dem Taschenrechner in der Hand Prospekte studiere und Sonderangebote vergleiche, um mir dann anschließend mein Sarrazin-Menü zu kochen.

    Und zu deiner Filialleiterin. Einfach traurig diese Kleinkariertheit.

    ~ Timpete

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  4. huhu liebe Timpete! ich hätte noch einen übrig .... kann ich dir geschenkt schicken. mit signatur (anschrift bitte per email). oder erfinde ich hier lieber eine marktlücke und verkaufe für teuer geld?! devotionalien aus dem büro für besondere maßnahmen .... im maßnahmen-shop demnäxt? ach wenn ich doch geschäftsfrau wäre ....

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