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Januar 2021

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Sonntag, 30. Mai 2010

herablassung

… ist so ein wort, dass es offiziell fast nicht gibt. nicht einmal die wikipedia hat derzeit einen artikel dazu. wörter wie ehre und respekt hingegen sind der wikipedia durchaus bekannt.

rosenblüten: louise odier

herablassung aber ist scheinbar nicht gesellschaftsfähig, igitte! - wird auch selten ganz direkt in der öffentlichkeit praktiziert: passiert nicht offen, sondern als abwertung versteckt zwischen den zeilen, im zwischenmenschlichen subtext.

ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, dass es – nicht nur, aber auch - herablassung ist, die mir meine derzeitige arbeitsstelle so unerträglich macht.

im bewerbungsgespräch bin ich damals unter anderem gefragt worden, wie das denn für mich wäre, wo ich doch für die stelle als sekretärin eindeutig überqualifiziert sei, dann auch eher „niedere“ arbeiten verrichten zu müssen wie fotokopieren und botengänge.

meine damalige antwort war, dass ich persönlich zwischen den einzelnen arbeiten keine hierarchie sehe, egal ob ich eigene texte schreibe, fremde texte abtippe, zur post laufe oder ein fax verschicke. die aufgaben sind andere – aber nicht besser oder schlechter, nicht mehr oder weniger wert. auch ich als mensch fühle mich nicht mehr oder weniger wert, wenn ich das eine oder das andere mache (dass die lohntabellen das anders sehen, steht auf einem anderen blatt).

ich habe das auch wirklich so gemeint, damals. seitdem ich den dalai lama interviewt habe, kann ich auch holz aufsammeln im wald. da fühle ich mich nicht schlecht mit. vorausgesetzt, das team stimmt.

genau das ist der punkt an meiner aktuellen arbeitsstelle: das team stimmt nicht. es gibt einfach keines. ich bediene ein konglomerat von wissenschaftlerInnen, von denen die meisten nur ihr eigenes fortkommen im sinn haben. die sekretärinnen sind daran zwar irgendwie beteiligt, werden aber nicht wertgeschätzt als wichtig für das ergebnis der eigenen arbeit. jedeR ist seine eigene diva.

die herablassung, die mir begegnet, ist vielfältig und meist subtil. und zwar so subtil, dass sie sich von mir zunächst unerkannt in meinen arbeitsalltag festgesetzt hat. ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte. nicht in einem umfeld, in dem ich gebildete, weltoffene menschen erwartete; nicht bei der elite der nation, die die ehrenwerte aufgabe hat, lehrerInnen für ganze generationen zukünftiger kinder auszubilden; die alle abitur haben, langzeitstudiert sind mit hochdekorierten abschlüssen und eigentlich vernetzt denken können sollten.

nein, es sind nicht alle gleich, und ich will hier auch nicht alle über einen kamm scheren. ich begegne dort auch menschen, die ich inzwischen sehr sehr gerne mag. solche, die sich neben dem pädagogentum noch ein mensch-sein bewahrt haben.

beispiele für herablassende behandlung im alltag passieren mir dort viele, aber sehr subtil. ich kann das dann oft gar nicht richtig einordnen. spüre nur, dass ich mich immer schlechter, immer kleiner, immer wertloser fühle und weiß gar nicht so genau, woher das eigentlich kommt.

in der vergangenen woche bin ich dem auf die schliche gekommen. viel zu oft höre ich einen respektlosen, abwertenden und diskriminierenden unterton. unterm scheißgrinsefreundlichen deckmäntelchen: „ich prof(in) bin alles, du sekretärin bist nichts, hast keine ahnung weil du sowieso zu dumm bist und hast es deswegen auch nicht weiter gebracht im leben als bis auf diese schlecht bezahlte unqualifizierte hausfrauenstelle.“ das wird natürlich niemals offen ausgesprochen – ist aber doch immer wieder deutlich herauszuhören. herablassung eben. kastendenken.

es gibt da vor allem eine professorin, die sich gerne von vorn bis hinten bedienen lässt, die mich mit vorliebe durch die gegend kommandiert „springen sie da mal kurz rüber“, mich „mal eben schnell“ hin und her zitiert, mir zig-seitenweise unleserlich hingeschmierte bleistiftkritzeleien zum abtippen hinwirft (eine zumutung, das sagen alle ….) und immer alles sofort und unter großem zeitdruck erledigt haben will. wehe man wagt widerworte, dass möglicherweise noch tausend andere dinge vorher zu tun seien. oder dass gar keine kapazitäten mehr frei sind, weil man gerade noch zwei abwesende kolleginnen vertreten muss und 200 prozent arbeitsauslastung mit einer halben stelle einfach nicht zu schaffen sind.

ich hatte mir also erlaubt zu erwähnen, dass andere aufgaben vorrang haben, ich das gewünschte nicht am selben tag noch (zwanzig minuten vor feierabend!) abarbeiten könne und dass ich im übrigen nicht ihre privatsekretärin sein. da legte sie los und fauchte mich an, dass ich nur eine sekretärin sei wie alle anderen auch, dass ich das gefälligst alles zu erledigen hätte, weil es zu meinen ureigensten aufgaben gehöre.

als gnädige frau professorin von gottes gnaden ließ sie so ihre reaktionäre und diskriminierende gesinnung durchblicken, nicht zum ersten mal übrigens. so fassungslos war ich da, dass ich ihr ins gesicht sagte „sie behandeln mich wie eine dienstmagd. das verbitte ich mir.“

die kollegin, der ich später davon erzählte, fand mich mutig. ich fand mich eher wütend und bin es noch.

eine andere professorin, für die ich neulich in sehr langwieriger kleinarbeit viele buchseiten schön leserlich gescanned und zu pdfs gebastelt habe, beschwerte sich anschließend bei mir darüber, dass die pdf mit knapp 2MB doch viel zu groß seien. ich schluckte und gab zu, dass ich nicht wüßte, wie es kleiner ginge. tags drauf kam sie wieder in mein büro, sie habe sich nun bei ihrem mann erkundigt, der sei it-fachmann und habe ihr bestätigt, dass die pdf-dateien für den inhalt von der größe her völlig angemessen seien.

aha. unterschwellige botschaft: „du „sekretärin“ weißt gar nichts (sekretärin arbeitet erst seit 1985 mit computern, aber das interessiert professorin nicht). was du sagst und machst ist nicht der rede wert. erst wenn mein mir angetrauter „it-fachmann“ (der ist ja auch ein mann!) dasselbe macht und bestätigt, ist es in ordnung.“

soweit zur herablassung und zu meinem fazit: wenn ich meine arbeit (und damit mich) als so abgewertet wahrgenommen und gespiegelt kriege, dann kann ich meinem persönlichen anspruch, alle aufgaben als „nicht hierarchisch“ anzusehen, nur schwer gerecht werden. dazu habe ich nicht genug kraft im herzen. ich brauche die unterstützung der anderen, die das ähnlich sehen wie ich.

„hüte dich vor einem entschluss, zu dem du nicht lächeln kannst.“

das mache ich beim nächsten mal besser: als ich den vertrag verlängerte, habe ich geseufzt, die zähne zusammengebissen und die stirn gerunzelt. jetzt habe ich noch acht wochen giftgrün-deutschgraues-pädagogen-paralleluniversum vor mir. countdown läuft, und auch ich konzentriere mich nur noch auf mein eigenes "fortkommen".


ps.
der duft von louise odier hilft mir gerade, so manches rosiger zu sehen


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Samstag, 29. Mai 2010

new cat on the blog

katzen sind heutzutage auch nicht mehr das, was sie früher mal waren.

 katzebutz: äuglein

da komme ich gestern nach einer anstrengenden arbeitswoche nach hause und freue mich auf einen entspannten abend mit meiner schnurrenden schwiegerkatze – und was ist? einäuglein zwingt mich an den pc und maunzt, sie wolle jetzt auch so ein ding im internet. weil sie fernschnurren auf dauer zu anstrengend findet.

hapüüh! die katze darf das. und sie kriegt, was sie will. bitte, soll sie doch ein catlog schreiben!

tierische maßnahme gefällig? voilà! katzebutz erzählt


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Mittwoch, 26. Mai 2010

schwiegerkatze

kurze maßnahme no 12 ist eine neue mitbewohnerin, zeitweilig. einäuglein kommt von der anderen seite des großen flusses, aus dem nahen westen.


eine sehr geliebte freundin hat mir heute ihre katze gebracht. die gute geht fort, in die weite ferne nach osten. womöglich für länger. ich werde sie sehr vermissen. die freundin.

nun schauen einäuglein und ich, ob wir solange miteinander auskommen. während die gute freundin im fernen osten ist.

das sieht schon ganz gut aus. einäuglein frisst und trinkt, schlendert durch die wohnung und gähnt auf meinem sofa, als wäre es niemals anders gewesen.

es ist ganz wunderbar, ein schnurrendes wesen im haus zu haben. endlich ist dies wieder ein miezhaus! wenn die sehnsucht nach der guten freundin zu groß wird, dann fernschnurren wir im duett bis china.


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Montag, 24. Mai 2010

pfingstrosen

das ist das allerschönste im jahr! der erste echte rosenduft nach langer stockstacheliger winterpause. in diesem jahr hat die sonnenzitronengelbe rose friesia das rennen gemacht. so wie sie aussieht, so duftet sie auch: rosensonnig und leicht nach zitrone.

rose: friesia

darüber heute ein blauer himmel von fast unverschämt wolkenloser nacktheit! eigentlich sollte ich nicht traurig sein, so lange es etwas so schönes gibt.

ich bin aber doch traurig und weiß gar nicht, wo all diese tränen immer noch herkommen. seit tagen, wochen, monaten, jahren schon gibt es nicht einen einzigen tag, an dem ich nicht eine ziemlich lange zeit lang mit tränen im gesicht in irgendeiner ecke hocke und nicht weiß, wohin mit mir.

antidepressiva haben nicht geholfen. nicht pflanzliche und nicht chemische. ablenkung hilft manchmal, eine zeitlang. selbst (das ohnehin selten gewordene) reisen hilft nur noch bedingt. es ändert ja doch alles nichts, egal wie sehr ich mich auch anstrenge.

mein leben ist so eng, so ausweglos. ich hab‘s voll gegen die wand gefahren und weiß nicht, wie ich aus all dem jemals wieder rauskommen soll.

die einsamkeit ohne familie, ohne partnerschaft frisst mich auf; die finanziellen probleme rauben mir den schlaf; die verhasste arbeit lässt mir keine luft zum atmen und das leben in einem haus, in dem ich mich nicht willkommen fühle, macht mich vollends unfrei.

ich wage mich kaum aus der wohnung, wenn ich nicht unbedingt muss. selbst zu den rosenkübeln auf dem garagendach schleiche ich mich nur unter vorbehalt, weil ich der vermietersippe nicht begegnen mag.

zur arbeit fahre ich tapfer, vier mal die woche, weil ich beschlossen habe, das bis zum sommer dort durchzuhalten. auf halber stelle. ich funktioniere so gut es geht. auch wenn es mir schwer fällt, mich wie eine dienstmagd behandeln lassen zu müssen.

neulich mal sagte eine der professorinnen „ich verstehe nicht, dass MAN ihnen frei gibt, wenn hier so viel zu tun ist.“ die passende antwort „gnädige frau, ich habe einen arbeitsvertrag, der nur eine begrenzte wochenarbeitszeit vorsieht, und daran halte ich mich.“ fiel mir leider erst auf der treppe ein. ein treppenwitz eben.

dieselbe professorin hat es auch schon fertig gebracht, mir für das anfertigen von fotokopien und das senden eines faxes anerkennend den oberarm zu tätscheln. als ob ich ein pferd sei. dann wieder nennt sie am telefon nicht einmal ihren namen und rattert gleich los mit aufträgen. oder sie kommt grußlos in mein büro, knallt mir ihre sachen auf den tisch „das muss soundso“. dazu ein scheißfreundlich schleimiges grinsen von oben herab. keine widerrede!

ein professor schreibt in emails an entfernte kollegen mit cc an mich „darum kümmert sich meine sekretärin“. aha. ich bin also nicht institutsangestellte, sondern 'seine'. und ich erfahre cc, was ich zu tun habe, werde nicht einmal mehr persönlich damit beauftragt geschweige denn gefragt, ob ich das überhaupt machen kann. man(n) verfügt über mich. bin ich eine leibeigene?

sogar studierende scheinen davon auszugehen, dass hinter einer tür, auf deren schild steht „sekretärin“ alles mögliche sitzt, bloß kein mensch. sie halten sich weder an sprechzeiten noch an ein minimum an höflichkeit im zwischenmenschlichen umgang.

anklopfen funktioniert meist noch, aber ein „herein“ abwarten, das geht schon nicht mehr. erst recht nicht ein freundliches „guten morgen“. das ist wohl einfach zu viel verlangt.

ich bin die bürohure, die ständig allen für alles zur verfügung zu stehen hat. alles und jeder ist wichtiger als die arbeit, auf die ich mich eigentlich konzentrieren müsste – und die ewig lang dauert, weil ich ständig unterbrochen werde und mich dann erst mühsam wieder hineinfinden muss.

wenn ich einmal etwas nicht weiß, in diesem riesenbildungskonzern, dann wehe! „Es HAT Sie aber zu interessieren, ob ich meine Veranstaltung finde - ich zahle schließlich Studiengebühren!“ oder „Warum sind Sie hier überhaupt Sekretärin, wenn Sie noch nicht einmal Auskunft geben können?!“ sind studentische standardsprüche.

cholerische anfälle, wenn mal eine raumbuchung nicht funktioniert – ausgerechnet von dem dozenten, den ich wegen seiner penetranten rasierwasserwolke schon aus der ferne unerträglich finde.

bloß weil ich nett sein wollte, und weil ich so ein beklopptes verantwortungsgefühl habe und die kolleginnen nicht im stich lassen wollte, habe ich den vertrag verlängert bis zum ende des semesters. neun wochen noch. countdown läuft.

während andere ihre pfingsfeiertage genießen, hocke ich hier und schreibe ein ausführliches fax an das arbeitslosenamt mit der inständig demütigen bitte, bitte bitte mein ergänzendes arbeitslosengeld rechtzeitig vor dem monatsende neu zu berechnen, wo ich doch jetzt nur noch drei fünftel von dem verdiene, was vorher ohnehin zum leben nicht gereicht hat.

wieso habe ich mich eigentlich zu anfang dieses textes so sehr darüber gewundert, dass ich immer so abgrundtief traurig bin? es ist doch alles prekär wie eh und je, also her mit dem luxus! ich genieße die optisch schöne aussicht und den gelben rosenduft so gut es geht.


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Mittwoch, 19. Mai 2010

sandstrandsand-sammlung

in der kurzen maßnahme no 11 dreht sich alles um den mandelkern. oder wie auch immer dieses kleine fitzelchen im limbischen system meines gehirns heißt, wo durch düfte gefühle ausgelöst werden:



das ist quasi ein positiver trigger, der auch für das schreiben von lebendigen texten gilt: schreibe ich statt des allgemeinen wortes „rote blume“ das konkretere wort „duftende rote rose“ hier hin, dann wird in den gehirnen meiner geneigten leserInnen dasselbe hirnareal angeregt, als ob sie tatsächlich an einer rose schnuppern! genial, oder?!

leider gilt das anders herum auch für ‚gülle‘ – aber nur so lange, bis ich mir wieder in erinnerung rufe, dass ‚gül‘ das türkische wort für rose ist.

so trickse ich in meinem kleinen landleben mir das eine oder andere alltagsgraue bunt und lecker. das funktioniert nicht nur mit gerüchen, sondern auch mit anderen schönen erinnerungen.

meine schönsten erinnerungen habe ich in kleinen einweckgläsern konserviert - lange bevor irgendwer vom mandelkern genaueres wusste: von den stränden der letzten zwanzig jahre habe ich sandproben mitgebracht. die stehen etikettiert in reih und glied. ohne verfallsdatum. wenn ich mal fernweh habe, dann suche ich mir mein traumziel aus und streue davon eine prise in die mit meersalzwasser gefüllte badewanne.

das kribbelt so schön. und duftet nach ganz weit weg!


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Sonntag, 16. Mai 2010

unfug en gros & en détail III - die blaue glockenelfe

von den sonnenstrahlenkindern habe ich euch ja schon berichtet. aber hier in den weinbergen passieren noch ganz andere dinge: zur zeit habe ich etwas stress mit der blauen glockenelfe im blauglockenbaum vor dem südbalkon.

blauglockenbaum (paulownia tomentosa)

dabei ist das ein großes glück, dass die überhaupt da ist. denn blaue glockenelfen sind in unseren breitengraden noch seltener als die ohne­hin schon rare chinesische pawlonia, von dem ein großes exemplar im garten der vermieter steht.

der blauglockenblumenbaum, der so heißt wegen der großen blauen blütenstände im mai, wächst hier wie ein wunder. aus den schönen blauen blüten werden im sommer saftige grüne blauglocken­baum­nüsse, die dann im herbst an den zweigen trocknen und braun werden.

diese nüsse sind groß wie murmeln, innen fast hohl, und sie raschelklappern im wind. für diese ver­wandlung braucht der blauglocken­baum enorm viel kraft und wärme. beides kommt hier in den weinbergen von der sonne, aber auch aus dem vulkangesteinsboden. davon profitiert der blau­glocken­baum. und auch die kleine blaue glockenelfe.

blaue glockenelfen sind nämlich noch verfrorener als blauglockenbäume. unsere hier ist aus versehen mit dem samen­korn des baumes aus südchina herübergekommen.

ihr sagt, das geht nicht, dass die blaue glockenelfe im samenkorn des blau­glockenbaumes herübergekommen ist! ja wie denn sonst?!die blaue glockenelfe ist doch ganz ganz klitzeklein, nur wie ein streichholz so groß. und alle welt weiß, dass die blauen glockenelfen nachts am liebsten und immer in den samen-nüsschen des blauglockenbaumes schlafen, weil sie da so sanft hin und her geschaukelt werden.

unsere blaue glockenelfe, die war schon in ihrer heimat dafür bekannt, dass sie besonders gern und besonders viel in diesen schönen nussbettchen geschlafen hat. am liebsten jeden tag in einem anderen, wenn noch genügend da waren.

als die blauglockenbaumsamen zum versand verpackt wurden, hat die blaue glockenelfe das einfach verschlafen. der chinesische gärtner hatte keine ahnung, dass er da quasi einen blinden passagier geerntet hat. er wußte noch nicht einmal, dass es blaue glocken­elfen überhaupt gibt.da kann man mal wieder sehen, dass die menschen in china auch nicht viel klüger sind als wir hier.

tja. da war die blaue glockenelfe ganz allein. weil sie sich alleine etwas fürchtete, ist sie einfach in der nussschale liegen geblieben. sie ist auch geblieben, als aus dem blauglockenbaum­samenkorn erst ein kleines blauglocken­bäumchen wurde, das man samt elfe in die weinberge verpflanzte. und jetzt, wo aus dem kleinen blauglockenbäumchen ein großer starker blauglockenbaum geworden ist, da bleibt sie natürlich erst recht. denn blauglockenbaumnüsse gibt es nur am blau­glockenbaum. und wo sollte sie sonst schlafen?

weil die blaue glockenelfe hier ganz allein ist wie eine mutterseele ohne ihre gewohnte zahlreiche verwandt­schaft und weil sie immer ein bißchen friert in ihrem blauen glockenkleidchen, ist sie – besonders in diesem jahr, wo der winter so lang war - oft ein bißchen zickig vor lauter heimweh. im grunde aber ist sie genau so schön und gut und wunder­bar wie ihr wohnbaum.

es war natürlich eine riesige umstellung vom fernen china hierher nach germany südwest. aber blauglockenbaum bleibt blau­glocken­baum, und das ist die haupt­sache! so lange sie so lange sie will in ihren nüsschen schlafen kann, geht es der blauen glockenelfe gut und alles andere ist ihr piepegal. außer wenn sie geweckt wird. das kann sie schon mal gar nicht leiden!

nun ist es ja aber so, dass es da noch den dorfspecht gibt. der hat eine rote mütze auf dem kopf und kommt jeden morgen, um sein früh­stück aus dem blauglockenbaum herauszu­klopfen. meistens bringt er noch seinen kumpel mit. der kumpelspecht hat auch eine rote mütze auf dem kopf. dann klopfen sie zu zweit. so sind sie, die männer: jede menge lärm schon vor dem frühstück!

die blaue glockenelfe kann bei dem lärm natürlich nicht weiter schlafen und wird wach von dem ganzen spechts­geklopfe. dann ist sie sauer. aber wie! sie ist immer ganz indigniert, wenn sie schon vor dem wachwerden aufstehen muss!

ganz empört krabbelt sie dann aus ihrer schlafnuss und guckt sich kurz an, wer da so früh schon so laut klopft. sie nimmt die nuss, in der sie bis gerade eben noch geschlafen hat und schmeißt sie nach dem specht. oder nach dem kumpelspecht.

für uns menschen wäre das natürlich unvorstellbar, jeden morgen mit dem eigenen bett nach dem wecker zu schmeißen oder sonstewem. das ist aber nur des­wegen so, weil in jeder wohnung für jeden menschen immer nur ein bett steht. wenn man das morgens weg­schmeißt, hätte man ja für die nächste nacht keines mehr.

bei den blauen glockenelfen ist das anders. denn sie leben ja nicht in wohnun­gen, sondern immer nur auf blauglocken­bäumen. auf jedem blau­glocken­baum gibt es unzählige blau­glockenbaumsamen­nüsse. immer. die fallen nämlich im winter nicht ab wie die blätter, sondern sie bleiben hängen. damit die blauen glocken­elfen auch im sommer und sowieso immer darin schlafen können.

ganz egal zu welcher tages- oder jahres­zeit: wenn eine blaue glockenelfe müde wird, dann legt sie sich zum poofen direkt in die nächste nuss. so einfach kann das leben sein!

schlafnüsse gibt es für die blaue glocken­elfe also immer genug. des­wegen kann sie es sich auch leisten, ihre verschlafene nuss morgens gleich nach dem aufstehen mit karacho durch die gegend zu pfeffern.

den beiden spechten macht das übrigens gar nichts, denn sie haben ja rote mützen auf dem kopf. selbst wenn sie von so einer blauglockenbaum­nuss mal getroffen werden sollten: die roten mützen schützen sie vor dem gröbsten.

um ehrlich zu sein: die kleine blaue glockenelfe ist immer noch ziemlich nacht­blind, wenn sie so wachgeklopft ihr gute­nachtnüsschen durch die gegend schmeißt. deswegen hat sie auch den specht oder seinen kumpel noch nie getroffen.

leider passiert es immer öfter, dass ihre nuss aus versehen auf meinem balkon landet. wenn ich zufällig gerade die blumen gieße, muss ich mich schnell ducken. sonst landet die blauglockenbaumnuss an meinem kopf statt bei den spechten. das wäre mir sehr unangenehm. denn ich habe ja nicht so eine schützende rote mütze auf dem kopf wie die beiden spechtjungs.

einmal hätte die blaue glockenelfe mit ihrer wurfnuss fast die katze getroffen. obwohl die katze gar nicht geklopft hatte. meine katzen haben nie am frühen morgen an irgend­einem baum herum geklopft! niemals nicht. nirgendwo.

na ja.
jedenfalls liegen immer ziemlich viele samennüsse vom blauglockenbaum auf meinem balkon herum und unten im garten auch. was mit denen weiter passiert, das erzähle ich euch ein andermal. und auch, wie lustig das mit der blauen glockenelfe sein kann, wenn sie gute laune hat!


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