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Mittwoch, 16. Dezember 2009

wunder no. 2: rücke vor auf los

.... und ziehe monatlich deutsche euro 1000 ein!

es wird sogar ein bißchen mehr sein als das, auch netto noch. die stelle von neulich – die nach dem fiesen bewerbungsgespräch: ich habe sie doch noch gekriegt! die erste wahl hat etwas besseres gefunden und wieder abgesagt. ganz kurzfristig rief es mich an, das personalbüro aus der hochschule meines vertrauens: ob ich die sekretariatsstelle noch machen wolle. ich habe mir fünf tage bedenkzeit erbeten, mit gefühlten dreiundneunzig menschen lang und ausgiebig darüber gesprochen und diskutiert und therapiert und mich dann dafür entschieden.




nun fasse ich es noch gar nicht: vor mir auf dem arbeitstisch in meinem büro für besondere maßnahmen liegt ein unterschriebener arbeitsvertrag: 85 % teilzeit. befristet für knappe fünf monate, beginnend mit dem ersten januar 2010. tausenderlei formulare und erklärungen und belehrungen wollen noch ausgefüllt und unterschrieben und wieder zurückgegeben, diverse atteste und bescheinungen eingeholt und abgegeben sein.

ich habe es noch gar nicht alles genau durchgelesen. aber ich glaube, irgendwo muss ich auch bestätigen, dass ich keine schläferin bin.

so kompliziert wie diesmal war es für mich noch nie, eine arbeit zu beginnen! meistens waren die menschen froh, wenn ich für sie arbeiten wollte, und ich habe nach einer kurzen besprechung einfach irgendwie angefangen und irgendwann ein honorar gekriegt. verträge gab es nur selten. der letzte vertrag, den ich unterschreiben durfte, war der rahmenvertrag beim öffentlich rechtlichen rundfunk.

der öffentlich rechtliche rahmen besagte, dass ich bereit war, mich unbegrenzt totzuarbeiten, ohne daraus jemals irgendeinen rechtsanspruch auf eine feste anstellung ableiten zu können. andererseits war der arbeitgeber nicht verpflichtet, mir aufträge zu erteilen. top & go! ich konnte also nie im voraus wissen, ob die honorare reichen würden für die miete am monatsende. es hing ja auch noch davon ab, ob die redaktionsassistentin alles korrekt und rechtzeitig abrechnete. ich erinnere mich an viele viele male, wo ich meinen netten berliner vermieter um einen aufschub bat. er zeigte jedes mal verständnis. dennoch war mir das jedes mal auch unendlich peinlich.

das wird jetzt anders, und diese aussicht erscheint mir wie die reinste erholung! ich darf genau 33,58 stunden in der woche arbeiten. diese zeit wird mir bezahlt, egal ob zu tun ist oder nicht. wenn weniger zu tun ist, kann ich im büro sitzen bleiben und gute laune verbreiten. wenn länger zu tun ist, kriege ich dafür freie zeit an anderer stelle.

überhaupt das allerbeste: geregelte arbeitszeiten! keine späten überstunden, keine nachtschichten, keine wochenenddienste. ich bin entzückt! das bedeutet auch: ich habe geregelte freizeit! das ist echte wertvolle freie zeit dann! denn: wenn eine weniger freie zeit hat, dann ist sie auch mehr wert.

etwas vergleichbares hatte ich zuletzt anfang der neunziger jahre. damals war ich für ein paar monate als bürokraft in einer zeitarbeitsfirma angestellt. die haben mich auf jobs geschickt von der schreibstubenmieze bei der bank meines misstrauens bis hin zur chefsekretärin im mittelstand. der mittelstandschef hätte mich damals gerne behalten. das ging natürlich nicht, denn ich musste doch erst noch rundfunkredakteurin werden und den dalai lama interviewen.

jetzt bin ich als journalistin endgültig gescheitert und kehre zur sekretärin zurück. daher trete ich die stelle mit sehr gemischten gefühlen an, denn es ist für mich auch ein - zumindest zweitweilig empfundener - gesellschaftlicher, ein sozialer abstieg damit verbunden. nicht, dass ich jemals das gefühl gehabt hätte, oben gewesen zu sein! ich doch nicht. und doch ….

der tarif für den öffentlichen dienst ist so mager, dass ich weiterhin beim hartzamt aufstocken muss, um auf mein existenzminimum zu kommen. das werde ich dann auch tun. obwohl es mir sehr schwer fallen wird, den gepflegten damen im personalamt die entsprechenden vordrucke zum ausfüllen zu geben. wer in diesem land will, worauf er einen gesetzlichen anspruch hat, muss sich was schämen und demütig katzbuckeln. ich werd's überleben und gegebenenfalls darüber berichten.

mein traumjob ist das also leider nicht, was da nun auf mich zukommt. trotzdem freue ich mich natürlich. dieser arbeitsvertrag wirkt besser als jedes pharmazeutische antidrepessivum. nach neun langen jahren ohne versicherungspflichtige beschäftigung (vom minimum für die künstlersozialkasse einmal abgesehen) werde ich wieder ein fast vollwertiges mitglied der bürgerlichen gesellschaft sein: zu 85 prozent, um genau zu sein. yeah! hosianna! zündet die lichter an!

meine vielen ehrenämter, die ich mir in all den jahren als daseinsberechtigung zugelegt habe, werde ich dann peu á abgeben und zurückfahren. die kostenlosen übersetzungen für das kinderhilfswerk, stapelweise: canceln! ehrenamtliche seminare in projektmanagement für nen appel ohne ei: canceln! die geschäftsführung eines gemeinnützigen vereins: minimieren! keine vorträge mehr ohne honorar. schluss mit der sittenwidrigen selbstausbeutung!

bloß meine abendkurse an der volkshochschule zweimal im jahr, die werde ich weiter machen. denn die sind zwar auch schlecht bezahlt, aber energetisch das reinste honigbonbon für mein herz.

ach ja, das büro für besondere maßnahmen bleibt natürlich geöffnet. mo jour wird nur zeitweilig die perspektive wechseln und über andere aussichten berichten.

gefeiert haben wir gestern abend übrigens auch schon, die teure treue freundin und ich: mit rosenblütenbiozisch. das kann ich sehr empfehlen!


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Kommentare :

  1. Liebe Mo,
    ich freue mich riesig mit dir mit!
    Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe und Gute und habe irgendwie das Gefühl, dass 2010 dein Jahr werden könnte...
    Wer weiß, welche Türen sich nicht noch öffnen werden?
    Liebe Grüße von der Ave-Anja

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  2. liebe ave - rosendank für deine guten wünsche. genau! das jahr zwanzigzehn .... beginnt mit dem vollen mond im krebs in der neujahrsnacht. das ist mein assistent. wer weiß, was das noch alles bringen mag. möge es uns allen nur gutes tun!

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  3. Super - da gratuliere ich mal ganz herzlich!
    Viele Grüße und frohe Weihnachtstage.

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  4. Hallo Mo,

    ich wünsche dir alles Gute für deinen neuen Job! (Und dass es irgendwann mal ohne "Aufstocken" geht.)

    Bist du eigentlich ne gelernte Bürokauffrau? "Geschäftsführung" klingt für mich schon so professionnel.

    "Irgendwie ein Job im Büro" war auch mal mein Plan B, falls es mit dem Magister nichts wird. Ich musste dann allerdings feststellen, dass es offensichtlich genug arbeitslose Bürokaufleute gibt und geisteswissenschaftliche Quereinsteiger null gefragt sind.

    Liebe Grüße
    Timpete (die ;))

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  5. liebe junimond - die gratulation, die guten wünsche, die grüße: ich freue mich sehr. bitte lass auch du es dir ganz besonders gut gehen!

    liebe timpete - ich glaube ganz fest daran, dass deine guten wünsche in erfüllung gehen!
    was die bürokauffrau angeht: nein, ich habe keine ausbildung mit brief und siegel. statt dessen jahzehntelange erfahrung im 'management' diverser 'organisationen', inklusive der eigenen büroführung als selbständige freiberuflerin. ich weiß, was wichtig ist. ich weiß, wie's geht. ich arbeite professionell. was ich noch nicht kenn', das lerne ich schnell. so wie du wahrscheinlich auch.
    und ja: als überqualifizierte quereinsteigerin wird es immer schwieriger. weil in deutschland der stempel auf dem papier zählt. nicht die erfahrung. deswegen bin ich ja so unendlich dankbar, dass endlich einmal eine bewerbung erfolgreich war.
    außerdem macht die hohe arbeitslosigkeit es schwierig, irgendwo reinzukommen - egal wie gut du bist. die wenigen stellen, die es noch gibt, werden dann doch lieber mit nichten und neffen besetzt. das kann man niemandem verdenken. trotzdem ist es natürlich hart, mitzuerleben, dass selbst auf simple teilzeitstellen hunderte von bewerbungen eingehen. arbeit finden, das wird immer mehr zur lotterie - und keine ist mehr ihres glückes schmied, wie so oft behauptet wird.
    selbst meine fallmanagerin beim hartzamt weiß, dass der spruch "wer wirklich arbeiten will, der findet auch was" schon seit den achtziger jahren des vergangenen jahrhunderts nicht mehr gilt.
    ich wünsche dir glück!

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  6. Herzlichsten Glückwunsch! und die tage werden auch wieder länger- das klingt doch alles vielversprechend! Freu mich für dich. Auch wenn ich dich überhaupt nicht kenne... aber so ist das.

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  7. smilla, du gute! - großen rosendank für deine liebevollen zeilen. ich bin ganz gerührt. so habe ich jetzt deine bilder entdeckt: die mag ich sehr! du schaust so liebe- und respektvoll durch die kamera. da werde ich wohl jetzt öfter mal bei dir vorbeischauen! ne schööne jrooß, dat mo

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  8. Ja, das Vitamin B ist auch noch so ne Sache. Jeder Freund oder Mitstudent, den ich noch mal gefragt hab, ist auf diesem Weg zu seinem Büro-Nebenjob gekommen.

    Ich versuche die Misere mal ein paar Tage zu verdrängen und die Feiertage zu genießen...

    Und ich wünsche auch dir eine schöne Weihnachtszeit!

    Timpete

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  9. ??Komisch... mein Kommentar ist verschwunden.*snüf* Dann nochmal in kurz und ungesetzten Worten: ich freu mich sehr mit Dir und wünsch Dir einen guten Jahresausklang sowie einen ebensolchen Start in "Dein" 2010.
    Deine IngMarie

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  10. IngridMarie, du meine liebe im norden! das system hat ausgerechnet *deinen* kommentar gefressen??!? wie garstig!!! (aber eines muss man dem system lassen: es weiß was GUT ist :sly:) ich freu mich jetzt umso mehr über dein extrakt!
    auch euch da oben wünsch ich eine feine zeit mit allem drum&dran!

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  11. ohhh, hab jetzt erst deine antwort hier gelesen... wie nett!! das freut mich sehr sehr sehr, danke!!!

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  12. hallo mo,
    wahrscheinlich sollte ich auch gratulieren, dass väterchen(!) staat dich in seine dienste stellt-dafür hat mich dein text aber zu traurig gestimmt.
    den morgen mit deinen gedanken zu verbringen, war schön.danke dafür.
    als vollzeitbeamtin mit abtrünnigkeitsansinnen ist es mir jetzt ein bedürfnis dich auf einen rosentee einzuladen und dazu greif ich schon mal nach "deiner" tasse...
    grüße auch aus dem südwesten von birgit

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