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Mittwoch, 29. Dezember 2010

fitness

leider tendiere ich in den letzten jahren zum matronenspeck. ich habe an gewicht zugelegt in einer menge und einer geschwindigkeit, die mir selbst peinlich sind. ungefähr dreißig kilo in zwölf jahren.


meterweise feministische literatur haben bei mir immerhin bewirkt, dass ich weiche rundungen bei anderen frauen sehr charmant und feminin finde – bei mir selbst aber nach wie vor unterträglich. ich mache zwar selten eine konkrete diät, bin aber ständig damit beschäftigt, irgendwie abzunehmen.

das geht schon seit dreißig jahren so mit dieser irrigen, ungesunden, sehr paradoxen und bisweilen selbstschädigenden annahme, dass ich erst dann wirklich liebenswert sei, wenn ich mich erfolgreich dünne mache.

im sommer war es mir gelungen, einen teil vom übergewicht loszulassen, gut sechs kilo waren weg. ich stelle mir das abgespeckte dann gerne in buttertürmchen vor. also in einem stapel von 250g-butter-normverpackungen. jeder butterziegel ist 35 mm hoch. macht bei sechseinhalb kilo gewichtsverlust einen turm von 3,5x4x6,5 immerhin 91 zentimetern höhe. fast ein meter! dieser fett-turm war also vorher in mir drin. jetzt nicht mehr. genial!

ich war sehr stolz und fühlte mich sehr leicht und stark und hatte ambitionen, bis ende des jahres so weiter zu machen und auf der waage zumindest mal wieder eine sieben vorne stehen zu sehen. zuerst sah es auch so aus, als ob mir das gelingen könnte.

es gelang mir jedoch nicht auf dauer, mich weiterhin ausreichend zu bewegen. irgendwann saugte ich mich in alter gewohnheit am schreibtisch fest und dockte auf nimmerwiederlösen am bürostuhl an. ende oktober kippte es, und ich nahm wieder zu. oh schreck. wie gemein! wie doof! da muss ich was machen!

mehr bewegung musste her! weil ich zwar weiß, wie das geht - mir allein aber die energie und disziplin dazu fehlen, brauchte es dringend einen impuls von außen. da kam mir eine aktion des fitnessparks in der benachbarten kurstadt gerade recht:

vier wochen nutzung aller geräte des studios inklusive sauna, teilnahme an allen kursen und einmal die woche myline-ernährungsberatung für schlappe 39 öre. versprochen wurde eine gewichtsabnahme von einem kilo pro woche. zackzack!

da bin ich hin. trotz meiner vorbehalte gegen fitness-studios: ende der neunziger jahre hatte ich mal ein jahres-abo bei diesen rückenspezialisten in berlin. damals habe ich noch alkohol konsumiert. irgendwo hatte ich gelesen, dass alkoholiker muskelschwund kriegen. mein hochintelligenter umkehrschluss: wenn ich mir ein muskelaufbautraining verordne, kann ich keine alkoholikerin sein.

es war schrecklich langweilig. ich habe viel zeit investiert und mich schlechtgelaunt durch den geräteparcour gequält, mindestens einmal die woche. kaum veränderungen gespürt – und alkoholikerin war ich dann doch. trotzdem habe ich das jahresabo abgeturnt bis zum ende.

seither sind mehr als zehn jahre vergangen, und alkohol trinke ich längst nicht mehr. ich dachte also, ein neuer versuch kann nicht schaden. vielleicht hat sich in den fitnessparks dieser welt ja auch was geändert im letzten jahrzehnt? außerdem ist hier kleinkurstadt. nicht großhauptstadt.

also vier wochen fitness von ende november bis den tag vor heiligabend. ich habe mir wirklich mühe gegeben. wie im programm empfohlen, bin ich zwei- bis dreimal mal in der woche hingefahren - auch bei eis und schnee - und habe den sogenannten milon-zirkus absolviert.

das ist ein ding! per chipkarte weiß jedes gerät, wie es sich für mich einstellen muss. ich war beeindruckt. an jeder maschine sind 15 bis zwanzig bewegungswiederholungen in nur 60 sekunden zu absolvieren. dann zack! schnell runter schnell weiter ans nächste gerät die pause dauert nur dreißig sekunden.

es gibt jeweils drei kraftmaschinen und ein ausdauergerät im wechsel, insgesamt acht maschinen stehen da im kreis, zwei runden bittesehr macht 35 minuten und schon bin ich topfit und schlank wie ein tulpe!

in der kreismitte steht eine mit wasser gefüllte glassäule, die von allen immer fest im auge behalten wird wie ein götzenbild: wenn das wasser sprudelt, arbeiten! sprudelt es nicht, schnell schnell! das gerät wechseln, die anderen warten schon!

das alles ging so rasant, dass ich gar nicht wusste, wie ich da atmen und regelmäßig luft holen soll. die schnaufenden schwitzenden leiber um mich herum hätte ich ja noch irgendwie ertragen. ganz schlimm aber fand ich, dass einige – meist ziemlich dicke männer – gerne auf ihr handtuch verzichteten und munter schweißpfützen auf die gerätesitze produzierten.

in dreißig sekunden wurden die nicht trocken. den rhythmus musste ich aber einhalten und mich trotzdem auf die nassen geräte setzen. baah, was war das eklig. ich fühlte mich nicht wohl. der unverzichtbare dudelfunk zu jeder tageszeit strapazierte meine nerven zusätzlich.

die umkleiden waren nicht besser: eng und schlecht gelüftet. es roch unsauber, nicht sehr appetitlich. einmal war so viel betrieb, dass es an der rezeption keinen einzigen schlüssel mehr gab für die ohnehin zahlreichen, winzigen metallkleiderschränke.

nach dem ollen zirkeltraining ging ich jeweils eine knappe halbe stunde aufs laufband. für die ausdauer. das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber das war für mich noch das beste an dem programm. da konnte ich mir den mp3 ins ohr legen, die augen zumachen und einfach marschieren: mich abgeben, nicht organisieren, nicht achtgeben, ob und wer mir entgegenkommt. nicht denken und nichts checken müssen. das fand ich sehr erholsam. zumindest, solange nicht direkt neben mir so ein oberschnaufschweißversprüher zugange war.

an der sogenannten ernährungsberatung habe ich auch immerhin zwei mal teilgenommen, ziemlich unsortiertes geplauder. da ich im lauf meines lebens jede einzelne kalorie persönlich mit vornamen kennengelernt habe, hatte ich da allerdings auch nicht viel neues erwartet.

nett fand ich immerhin, dass es im studio wasser und sirups und tee und kaffee kostenlos gab, dass ich sogar eigene getränke mitbringen durfte. das habe ich schon anders erlebt. leider fand ich die atmosphäre insgesamt nicht sehr einladend, so dass ich weder an weiteren kursen teilnahm noch die sauna benutzt habe.

nach meinem programm wollte ich immer nur „nix wie weg“ da und raus an die frische luft. die strapazierte studioluft mussten wir uns mit zahlreichen adventskerzen teilen. ist das üblich?

abgenommen habe ich in dem ollen fitnespark nichts. ganz im gegenteil. kein wunder. bei so viel frust und selbstüberwindung, für mich unangenehme dinge zu unternehmen, braucht‘s mehr schokolade zum trost und schlagsahne zur belohnung.

immerhin kann ich jetzt sagen: „ich habe es versucht“. um mich weiterhin in form zu bringen, werde ich mir etwas anderes überlegen.

bis dahin gilt für alle speckröllchen:
das sind die inneren werte. die haben in einem zierlichen körper einfach keinen platz mehr.


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Kommentare :

  1. Ha, das kenn ich! Obwohl ich viele dicke Frauen kenne, die viel reizvoller sind als so manche dünne, kriege auch ich die Vorstellung nicht aus dem Kopf, dass es toll ist, schlank zu sein.
    Aber ich arbeite dran. In Bezug auf das Essen und die Bewegung lenke ich meine Gedanken konsequent auf Spaß, Genuss und Gesundheit. Bewegung ist nicht nur für die Linie gut, sondern vor allem für die Seele und für den Geist. Fitnessstudios ausgenommen. Das ist nix! Ein ganz normaler Sportverein schon eher. Die haben oft ganz vielseitige Gymnastikprogramme, bei denen es überhaupt nicht ums Können oder gar um Pokale geht. Und billig sind sie auch! Am besten ist aber für mich: Schlittenfahren, Schlittschuhfahren, Schwimmen, Wandern. Natur. Und du, du kannst doch tanzen! Das ist doch auch toll ...
    Bei mir liegt das Übergewicht an der Lust auf Süßigkeiten. Eine Reformhausangestellte sagte mir mal, das sei ein Zeichen dafür, dass ich zu einseitig esse. Ich soll vielseitig essen und schauen, dass ich viele Farben auf dem Teller habe. Wenn ich das beachte, hab ich manchmal den Eindruck, dass das hilft.
    Ansonsten verbiet ich mir im Zuge meiner vielen Selbsterziehungsmaßnahmen das Kalorienzählen und verkrampfte Kalorienverbrennungsaktivitäten konsequent, weil ich werd bald fünfzig und man lebt nicht ewig.
    LG
    Brigitte

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  2. liebe brigitte, ja - vielen dank! mit der kognitiven disziplin, das ist so eine sache ;-)

    es ist und bleibt eine der schwierigsten und gleichzeitig schönsten aufgaben des lebens, den eigenen weg zu finden und zu gehen. bei was auch immer.

    mein fitness-versuch zeigt einmal mehr:
    wenn eine in die irre geht, heißt das noch lange nicht, dass sie auf dem verkehrten weg ist.

    beste grüße zu dir!

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  3. Liebe Mo, na klar, man geht doch ständig in die Irre und man muss das auch, weil es gibt ja viele Möglichkeiten und man muss ja erst herausfinden, was passt. Ich kenne Fitnessstudios auch von innen und ich hab da interessante Studien angestellt und es gibt ja auch solche und solche. Nur auf Dauer gesehen habe ich sie für mich unter die Spaßbremsen eingereiht und abgehakt. Ganz abgesehen davon, dass sie schlicht zu teuer sind für einen brotlosen Schreiberling.
    Apropos Schreiberling, ich habe deine Honorarspitzen gelesen und weiß natürlich, wovon du sprichst. Ich mach trotzdem weiter, weil ich die Festanstellungen, die mir zur Verfügung standen und stünden, als noch entfremdender empfand, sie haben mir die Lust auf das irdische Dasein erst recht vergällt. Aber ich verstehe deine Entscheidung gut und ich bewundere Deinen Blog.
    So wünsche ich Dir ein schönes neues Jahr. Mit dem Glück ist es ja immer so eine Sache - "Gott allein verfügt über das Glück", hat Hans Christian Andersen einmal gesagt, und irgendwie gefällt mir der Satz - aber lass uns mutig sein, Menschen bleiben, genau wahrnehmen. Und die Außenwelt, trotz allem, nicht ausblenden, denn das schwächt. Immer wieder rausgehen, schaun, was sich draußen tut.
    Lege mich bitte auch Deiner Katze zu Pfoten, auch ihr ein gutes neues Jahr.
    Brigitte

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