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Montag, 28. Juni 2010

retro: junineumond 3

mir tut nicht nur die pause gut, sondern auch die hitze: ich schwitze gern! welch eine schöne koinzidenz, dass die hiesigen sommertemperaturen immer mehr denen aus der geschichte entsprechen: um die 37 grad waren es an jenem sonntag vor zwanzig jahren, meinem letzten in japan. hier der dritte teil meiner leicht surrealen seifenoper:


wir erinnern uns: unsere heldin ist verkatert [teil 1] und blickt beim aufwachen in ein lächelndes gesicht [teil 2], mit dessen charmantem besitzer sie nun frühstücken wird:
sie hatte keine sonnenbrille, und die gleißende hitze schmerzte in den augen.
er kannte die schleichwege und selbst die kleinsten gassen der umgebung, ihr weg führte sie an mehreren cafés vorbei. sie waren alle geschlossen. welch ein sonntagmorgen. die große odyssee auf der suche nach einer tasse kaffee, durch die hitze, durch das licht.

auf der hauptstraße schließlich fanden sie eins, das geöffnet hatte. sie hatte es noch nie bemerkt, vorher, obwohl sie fast täglich hier entlang gekommen war. all die zeit war es ihr völlig verborgen geblieben, daß es an dieser stelle ein café gab. sie wunderte sich. es hätte ihr doch auffallen müssen. sie kannte doch sonst jedes haus und jedes geschäft in diesem stück der straße.

sie zögerten erst, hineinzugehen. es hatte überhaupt nichts gemeinsam mit der art von café, die sie sonst besuchten. es war nicht gestylt und nicht designed, und mit der dichten, vergilbten raffgardine vor dem fenster wirkte es eher in sich zurückgezogen.

aber immerhin: durch die gardine hindurch konnten sie einen tisch in der fensternische erkennen, und der war frei. sie gingen hinein.

das erste, was ihnen auffiel: die klimaanlage funktionierte. sie waren froh, der grellen hitze entkommen zu sein, und sie sanken in die roten plüsch­sessel, mit dem gesicht zum fenster.

beim eintreten war ihnen von jenseits der theke ein krächzendes „kommen sie nur herein!“ entgegengetönt. doch ihre augen, noch geblendet von der sonne draußen und noch nicht gewöhnt an das halbdunkel hier drinnen, hat­ten nicht erkennen können, wer zu dieser stimme gehörte.

nun kam sie auf sie zu, diese stimme, um ihnen eine fast schon verwitterte, in schnörkeligen schriftzeichen gemalte karte zu bringen.

die stimme gehörte zu einer frau. sie war mindestens anderthalb kopf kleiner als sie selbst, der körper leicht gedrungen, wie zusammengestaucht, und der kopf schien ohne hals direkt auf den schultern zu sitzen. sie trug ein ver­waschenes kittelkleid von irgendwie roter farbe mit streublümchen-muster. darüber eine halbe küchenschürze, die war fleckig und vergraut, ließ aber ebenfalls die ehemalige existenz eines blümchenmusters erkennen. ihre kurzen beine steckten in söckchen von undefinierbar braun-grauer farbe, die sich locker um die fesseln in falten legten. die söckchen wiederum steckten in leuchtend rosa plastikschlappen.

zum ersten mal fragte sie sich, ob es in diesem land wohl auch so etwas wie hexen gäbe. wenn es welche gäbe, dann würden sie sicher so aussehen wie diese caféfrau. heutzutage zumindest.

sie war gar nicht unfreundlich, obwohl sie die einzigen gäste waren und offensichtlich die ruhe ihres sonntagmorgens gestört hatten. höflich nahm sie ihre bestellung entgegen, und während er auf einen gebra­tenen reis wartete - im set mit einer tasse kaffee - und sie auf ihren kaffee ohne gebratenen reis, hatten sie zeit genug, sich im café umzusehen.

überall roter plüsch, verblichen und fadenscheinig. vor den fenstern vergilbte raffgardinen. ein altes klavier an der einen wand. darauf spitzendeckchen und plastikblümchen. sie waren die einzigen gäste. es gab keine musik, das einzige geräusch war das ungeduldige säuseln der klimaanlage. fenster und türen schlossen dicht, so daß der großstadtverkehr draußen tonlos tobte.

sie saßen wie in einer anderen welt, für die menschen, die draußen vorbei­hasteten, unerreichbar. sie sahen sogar bekannte gesichter, die sie durch die scheibe hindurch ansahen und doch nicht wahrnahmen.

sie sahen sich an. und grinsten. hier wäre es kühl genug gewesen. die klimaanlage funktionierte hervorragend. er sah ihr tief in die augen. schöne augen hatte er. sie bemerkte es nicht zum ersten mal: von einem tiefen braun, schräggestellt - keine schlitzaugen. eher wie die einer katze. ruhig und klug. offen und neugierig. nie zuvor war sie in diesem land einem mann mit so offenen augen begegnet.

sie erwiderte seinen blick. wieder grinsten sie. berührungen in der öffentlich­keit waren nicht vorgesehen im land des lächelnden wahnsinns.

jede zelle ihres körpers sehnte sich.
so weit teil 3 meiner japanischen seifenoper.... fortsetzung folgt.
[bitte hier entlang zum 4. teil]


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