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Freitag, 25. Juni 2010

retro: junineumond 2

meine aktuelle besondere maßnahme besteht darin, mir das aushalten meines blöden bürolebens ein wenig zu erleichtern, indem ich nix neues produziere, sondern euch an meinem "japan-jubiläum" teilhaben lasse.


nun also der zweite teil meiner japanischen seifenoper:
[teil 1 zum nachlesen bitte hier entlang ...]
ihr erinnert euch? sommer in japan 1990, mein abschiedsfest am 23. juni – die nacht verbringe ich beim damals aktuellen subjekt meiner begierde. so ging‘s weiter:
sie hatte einen dicken kopf. kein wunder nach dem vielen alkohol der ver­gangenen nacht. kein wunder vor allem nach dem vielerlei alkohol der ver­gangenen nacht. im grunde haßte sie diese feste, zu denen jeder zu trinken mitbrachte, was ihm gerade einfiel. sie war dann gezwungen, alles mögliche durcheinander zu trinken. nein: sie bevorzugte die wohl organisierten feste, bei denen sie von anfang an bei einer sorte alkohol bleiben konnte.
sie mußte unwillkürlich lachen. es war ihr eigenes fest gewesen.
sie hatte einen schrecklich schlechten geschmack im mund. sie scheute sich geradezu, sich von ihm küssen zu lassen, weil sie sicher war, daß er sie dann abstoßend würde finden müssen - so wie auch sie selbst schlecht schmeckende männermäuler schon immer verabscheut hatte.
verlangen nach einem kaffee.
kaffee?
das kaffeepulver war ausgegangen.
sie mußte schmunzeln über dieses deutsche wort „ausgegangen“: fort­gegangen und noch nicht zurückgekehrt. sie stellte sich marschierendes kaffeepulver vor. ein bild, daß zu ihrem surrealistischen gefühl gut paßte. marschierendes kaffeepulver auf ausgang. irgendwo downtown, vielleicht. unterwegs von einer kneipe zur andern.
dann tee?
er stieg aus dem bett. langsam und mit wunderschönen, katzenhaften bewe­gungen, um heißwasser zu bereiten.
ein kätzischer mann. der abschied würde ihr schwer fallen. warum mußte sie ausgerechnet jetzt auf einen kätzischen mann stoßen, wo sie doch in nur­mehr fünf tagen dieses land, aus dem sie immer nix wie weg hatte wollen, vom ersten tag an schon, nun endgültig verlassen sollte?!
er kam ihr vor wie ein wunderschönes, ein bitteres abschiedsgeschenk. abschied zartbitter. es blieben noch einhundertvierundvierzig stunden. immerhin.
sie rechnete nach. ihre tage waren gerade erst vorbei - und selbst, wenn sie es noch so sehr wollte: sie blieb nicht lange genug, um von ihm schwanger zu werden.
ein seltsamer gedanke, das. daran war sicher nur die große hitze schuld.

es war noch genau ein teebeutel übrig geblieben, den er geschickt durch zwei tassen wandern ließ. ihr gefiel dieser junggesellenhaushalt, die schwe­relosigkeit des gelebten provisoriums. sie hatte männer schon öfter beneidet um ihre sorglosigkeit, mit der sie am morgen danach feststellen konnten, daß der kaffee gerade ausgegangen war. sie selbst hätte sich nichts schlimmeres vorstellen können, als eines morgens aufzuwachen, ohne kaffee im haus zu haben. bei anderen leuten fand sie das dagegen immer romantisch. seltsamerweise. sie, die immer ein ganzes hamsternest voll hatte von kaffeepulver, tee und schokoladenkeksen.

es machte ihr spaß, ihn zu beobachten. manchen menschen gehörte einzig schon für die schönheit ihrer bewegungen der erste preis verliehen. wenn es so etwas gegeben hätte.
der da hätte obendrein noch einen preis verdient für samtweiche seiden­glatte haut. diese zauberhaut war selbst für niveareklame noch viel zu gut.
nachdem sie das hier, nachdem sie den hier erlebt hatte - wie sollte sie jemals wieder den anderen lieben, der dort in dem fernen land, das sie aus längst vergessenen gründen ‘heimat’ nannte, auf sie wartete? lieber wollte sie alleine bleiben für den rest ihres lebens, als sich an dessen nordischer haut weiter wundzuscheuern.

er hatte eine platte aufgelegt. um ihr einen gefallen zu tun vielleicht, und daß sie sich weniger in der ferne fühlen möge, war es das berühmte klavier­konzert, das an ihrem geburtsort aufgenommen worden war. sie war damals gerade dreizehn gewesen, und das wort ‘jazz’ hatte noch nicht zu ihrem fremdwörterschatz gehört.
er brachte ihr den tee ins bett, legte sich wieder daneben. große göttin, war der schön! das war ja wirklich wie im film.
der heiße tee tat ihr gut, vertrieb das kopfweh ein wenig.

er grinste sie an, ziemlich frech: „ich will...“ er suchte nach dem deutschen wort, und als er es dann gefunden hatte und aussprach, klang es, als läge es auf einem silbertablett: „...geschlechtsverkehr!“ etwas überrascht über die unerwartete und in diesem land der versteckten anspielungen ungewohnte direktheit, sah sie ihn ziemlich erstaunt an, und dann mußten beide im sel­ben moment lachen: da war das beiderseitige verlangen - und gleichzeitig diese hitze, die einfach alles unmöglich machte.
so lagen sie noch eine weile beieinander, träumten von berührungen, die nicht stattfanden. waren träge zufrieden.
in solchen augenblicken können einhundertvierundvierzig stunden eine unglaublich lange zeit sein.

sie beschlossen, sich auf die suche zu machen nach einem café fürs früh­stück. während sie sich langsam anzog, dachte sie daran, wie gekonnt er sie erst vor ein paar stunden ausgezogen hatte. die katze.
beim hinausgehen bedachte die vermieterin, die gerade vor dem haus die blumen goß, sie mit einem mißtrauischen blick. das gehörte wohl dazu, zum film.

so weit teil 2 meiner japanischen seifenoper .... fortsetzung folgt.
demnäxt.
[zum dritten teil bitte hier entlang ....]


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