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Mittwoch, 23. Juni 2010

retro: junineumond 1

vor lauter aushalten fehlt mir zur zeit der literarische dreh. sogar besondere maßnahmen zu schreiben für mein geliebtes büro empfinde ich als zusätzliche belastung. ich erlaube mir daher, euch virtuell an meinem vergangenen leben zu beteiligen:



vor genau zwanzig jahren war ich in japan. nach fast anderthalb jahren im land der aufgehenden sonne war für den 30. juni mein rückflug gebucht über hongkong; am 1. juli 1990 sollte ich landen in frankfurt am main, pünktlich zur deutschen währungsunion. das war ein ziemlicher kulturschock rückwärts.

vorher aber genoss ich meine letzte woche in kyoto. am 23. juni gab ich mein abschiedsfest. kurz danach entstand dieser text:
junineumond

hell war es draußen schon lange. nach der dunkelheit der mondlosen nacht hatten sie es gemeinsam hell werden sehen hinter den bergen im osten der stadt. ehe sie miteinander eingeschlafen waren auf seinem schmalen bett.
sie hatte sich gewundert, wie gut das ging mit ihm. mit anderen männern war das nie gegangen. auf so schmalen betten. war er vielleicht doch mehr als ein „schmales“ abenteuer?

es war heiß. sehr heiß. nackt lagen sie nebeneinander. schwitzend. die feuchtheiße luft legte sich über sie so schwer und atemraubend wie groß­mutters dicke winterbettdecke und machte sie schwitzen. feuchtheiß. der tag würde unerträglich werden.
die hitze allein hätte ihr gar nicht so viel ausgemacht. es war die luftfeuchtig­keit, die die hitze unerträglich machte und selbst die kleinste bewegung mit immer neuen schweißausbrüchen bestrafte.

sie war bleischwer müde und gleichzeitig hellwach. sie mochte dieses glasklare, surrealistische gefühl nach so langen, viel zu kurzen nächten wie der letzten.
wie lange mochten sie geschlafen haben? vier stunden? oder drei? oder vielleicht auch nur zwei? sie konnte es nicht sagen.
das fest war bis kurz nach vier gegangen. daran konnte sie sich noch erin­nern. dann war sie vielleicht um halb fünf bei ihm gewesen. oder etwas früher. dann hatte er ihr einen tee gekocht, sie hatten musik gehört und geredet. sie hatten es draußen hell werden sehen und den vögeln gelauscht, wie sie den morgen begrüßten. den sonntagmorgen.

die uhr zeigte irgendetwas zwischen neun und zehn. so genau vermochte sie das ohne brille nicht zu sehen. es war ihr auch egal. sie hatte ohnehin nicht vor, durch den griff nach der brille einen neuerlichen schweißausbruch zu provozieren.

als sie die augen aufschlug, da hatte er sie angelächelt. sie hatte es schon immer sehr geliebt, beim aufwachen in das lächelnde gesicht eines gelieb­ten menschen zu sehen. passiert war es ihr allerdings höchst selten. entwe­der sie hatten nicht gelächelt, oder sie hatte sie nicht geliebt. so war sie zu dem schluß gekommen, daß es so etwas eigentlich nur im film gibt.
nun hatte er sie tatsächlich angelächelt beim aufwachen. es war wie im film. dafür liebte sie ihn umso mehr.
mit erstaunen stellte sie fest, daß sie die ganze zeit auf seiner schulter schlafend verbracht hatte. auch das war ihr mit anderen männern selten passiert. aber seine war genau richtig gewesen, um ihr müdes haupt darauf zu betten: nicht zu hart, nicht zu muskulös, als daß sie einen steifen nacken gekriegt hätte. und auch nicht zu schmalbrüstig, als daß sie hätte angst haben müssen, ihn zu zerdrücken.
dafür liebt sie ihn gleich noch ein bißchen mehr.
nackt lagen sie nebeneinander auf dem schmalen bett. sahen sich freundlich und träge an, die körper naßglänzend von schweiß. hin und wieder eine hand, die zärtlich über die nassen linien des anderen körpers schwamm.
es war heiß. selbst zum liebe machen war es zu heiß. später sollten sie erfahren, daß es der heißeste tag des jahres war. viel zu heiß für ende juni. sowas kam sonst nur im august vor, nach der regenzeit. dieses jahr aber war alles wie verdreht. eine regenzeit fast ohne regen. statt dessen war der juni ungewöhnlich heiß. feucht war es trotzdem. die luft war wie geschwän­gert von wasser, ohne sich abregnen zu können....

so weit teil 1 meiner japanischen seifenoper .... fortsetzung folgt. demnäxt.
[zum zweiten teil bitte hier entlang ...]


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