Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

Sonntag, 3. März 2013

sweet thoughts


besondere maßnahme no. XXVII

„… auf meinem Nachttisch steht ein Schokoladenhase,
traurig und allein.
Ich weiß ihm nicht zu helfen
und stopf ihn in mich rein ...“
(Element of Crime, CD An einem Sonntag im April, 1994)


ich denke, also bin ich.

wenn ich denke, dann meistens mit dem kopf. genauer: mit einigen arealen meines im kopf befindlichen gehirns. mein gehirn kann auch noch anderes. gucken zum beispiel - mit hilfe der augen. oder horchen - mit den ohren. da sind die „instrumente“ offensichtlich.

Schokoladenhase Gold Edition

auch denken tut mein gehirn nicht einfach so. aber man sieht ihm nicht direkt an, dass es dazu zucker braucht. und zwar traubenzucker. in reinform. etwas anderes lässt es als gedankentreibstoff gar nicht zu. dazu hat es die blut-hirn-schranke. damit hält sich das gehirn unnützes zeugs wie vitamine und ballaststoffe vom leibe. höchstens alkohol oder koffein lässt es mal noch durch.

deswegen essen wir zum beispiel in prüfungen diese gepressten traubenzuckerwürfel. das ist erlaubtes gehirndoping, damit wir schneller denken können. traubenzucker hilft auch bei langen autofahrten, die konzentration zu bewahren. deswegen ist zucker mein ständiger beifahrer im handschuhfach. je nach jahreszeit und witterung abwechselnd in form von traubenzucker, schokolade, fruchtgummi oder auch schon mal getrockneten früchten. mein auto hat weder klimaanlage noch garage. schokolade geht da nicht immer.

natürlich ist es auch möglich, das gehirn durch die ausreichende zufuhr sonstiger kohlenhydrate in gang zu halten. unser genialer stoffwechsel dingelt das schon: er wandelt pasta oder pflaumenkuchen zuverlässig in traubenzucker um. exclusivement fürs kombinierkäschtle. leicht zeitverzögert, versteht sich.

wenn das gehirn „zuckersüß“ schmeckt, dann erwartet es auch zucker. und zwar in echt. nicht irgendeinen ersatz, der es gar nicht über die bluthirnschranke schafft.

aus süßungsmitteln wie aspartam oder steevia aber kann auch der beste stoffwechsel keinen traubenzucker produzieren. das gehirn lässt sich da nicht betuppen!

solcherlei täuschungsmanöver sind sehr ungesund, weil sie nicht nur den kopf, sondern auch das darmhirn unabsehbar durcheinander bringen. das kann sehr schädliche folgen haben. es geht niemals nur um die zufuhr abgezählter kalorien - auch wenn manche „ernährungsexperten“ das behaupten. so ein „beschiss-zucker“ kommt mir nicht ins haus!

erst recht nicht, weil zucker auf wundersame weise die serotonin-produktion ankurbelt und damit eine leicht antidepressive wirkung hat. schon allein deswegen brauche ich im winter mehr schokolade als im sommer. wie gut, dass das mit den „schokolade-im auto-transport"-kompatiblen temperaturen jahreszeitlich korrespondiert! kein wunder, dass low-carb-diäten auch depressiv machen können.

auch zu hause ist schokolade das denkschmiermittel meiner wahl. da brauche ich gar nicht meine traurige kindheit bemühen, in der die schokolade im lila papier zwar ständig verfügbar, aber entsetzlich streng rationiert war. gerade so, als ob meine mutter nicht gewollt hätte, dass ich schneller denke. nur am rande: das wollte sie wirklich nicht: "kind, zieh nit immer die stirn esu kraus!" - weil das bleibende falten macht.

zurück zum thema:
ich bin ein denkender mensch, also brauche ich zucker.

allein ballaststoffreiche rohkost hilft mir da nicht weiter. ich esse, was mir schmeckt und setze wie auch sonst im leben auf eine milde wilde mischung. meine ernährung ist dann ausgewogen, wenn sie mich stark, schön, schlau & glücklich macht.

wenn ein goldiger schokoladenhase all diese bedingungen an einem nebligen märzensonntag erfüllt, dann kommt er mir als besondere maßnahme gerade recht.


dieser text ist ein beitrag zu Sabienes blogparade „Mahlzeit - zuckersüß“.



ps.
für die fundierten informationen zu lebensmittelchemischen prozessen im gehirn und sonstewo danke ich Udo Pollmer und dem EULE e.V.
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Sonntag, 24. Februar 2013

stundenglas

let us be kind to one another
we can try ….
before the sand does all run out
of the hourglass
(jeremy, 1973)

ich habe diese große sanduhr. ungefähr eine stunde lang rinnt der sand durch die gläserne taille.

vor vielen jahren habe ich sie gekauft, eigentlich zum baden. ich finde das schön, im meersalzigen badewasser zu wannen und dem sand zuzuschauen, wie er unten immer mehr und oben immer weniger wird. oben bildet sich eine vertiefung im sand, unten fließt ein hügel auf. unausweichlich. unaufhaltsam.

dann stelle ich mir vor, wie das wäre ….

Sanduhr & Sorgenpüppchen

ich bin ganz winzigwinzigklein und stehe da oben, innen drin: dort am rand, wo sich im sand der trichter bildet. ich bin so ein männchen im sand, ein sandmännchen. das ist gefährlich! ich muss die ganze zeit achtgeben, nicht den halt zu verlieren, denn sonst werde ich abrutschen und vom abfließenden sand in die tiefe gerissen. ich kämpfe und strample - vergeblich. irgendwann passiert es doch, und ich stürze ab. unausweichlich. unaufhaltsam.

nach dem sturz in die tiefe lande ich zunächst weich auf dem sandkegel in der unteren hälfte, der durch den aufprall kein gleichmäßiger kegel mehr ist. aber das macht nichts. der weiterfließende sand wird das schon ausgleichen. was die perfekte optik der sanduhr betrifft, ist mein absturz kein großes problem.

anders mein persönlicher zustand: augen, mund und nase, haare, hemd und hose sind voller sand. ich habe durst. es gibt kein wasser in der nähe. weder zum trinken, noch zum auswaschen. wasser im stundenglas würde den perfekten, reibungslosen ablauf gefährden wie andernorts sand im getriebe.

jenseits meines sandigen glashauses sehe ich in der ferne blaues wasser blitzen. ich komme nicht heran. die runden wände halten absolut dicht.

zum ausruhen ist jetzt sowieso keine zeit, denn nun muss ich acht geben, nicht verschüttet zu werden. der sandstrahl von oben rieselt stetig auf mich herab. unausweichlich. unaufhaltsam. wenn ich dem nicht geschickt ausweiche, werde ich darunter begraben.

ich kann nur hoffen, dass die obere hälfte bald leer ist. dann kann ich ein wenig zur ruhe kommen. gegen den durst wird mir schon noch etwas einfallen. ich hoffe und bete, dass ich eine verschnaufpause kriege, dass die sanduhr nicht sofort wieder auf den kopf gestellt wird. aber jemand wird kommen und sie umdrehen. unausweichlich. unaufhaltsam.

das leben in der sanduhr ist ein alptraum. es ist mein leben. es ist ein paradox.

es gibt kein entrinnen. das leben quält mich. von frühester kindheit an. ich strample und rackere mich ab, stürze im stundenglas von oben nach unten und wieder hinauf. ich habe großen durst. ich hoffe und hoffe, dass, wenn ich mich ganz besonders anstrenge, es dann irgendwann aufhört, dass es besser wird. aber es hört nicht auf, und es wird nicht besser. mein leben zerrinnt im quarz, der scheuert mir die seele wund. gnadenlos. ich bin sisyphos in der sanduhr.

während ich noch - hermetisch eingeschlossen im stundenglas - als geplagtes sandmännchen von wasser träume, sehe ich mich da draußen genüsslich in der wanne liegen. ich sehe, wie ich mich beobachte. ich beobachte, wie ich von mir gesehen werde. ich bin hier und dort, groß und klein, durstig und satt, innen und außen, zermürbt und entspannt - alles zugleich.

im stundenglas krabble ich im sand, in der wanne liegend sehe ich mir selbst dabei zu. und umgekehrt. ich sehe mir dabei zu, wie mein sandmännchen-ich sich zerquält, und ich …. tue nichts.

das ist seltsam schön und grausam zugleich. ich stelle die sanduhr absichtlich mit etwas entfernung von meiner wanne auf, damit ich dieses imaginäre schauspiel nicht unterbrechen kann, ohne auch mein bad abzubrechen.

während ich mich meiner sanduhr-meditation hingebe, summe ich das lied aus dem film jeremy. jedes mal:

lass uns nett zueinander sein. 
wir können es versuchen. 
bevor aller sand 
aus dem stundenglas geronnen ist.


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Mittwoch, 13. Februar 2013

so geht das nicht II

.... fortsetzung des bilderklaus - zum stand der dinge:

nach meinem letzten post hatten beide 'bilderdiebe' mein foto noch am selben tag aus dem netz genommen.

geliebte tulpen

nachtrag 22. februar 2013:

auch meine rechnungen wurden beglichen.
deswegen habe ich hier die namen der 'bilderdiebe' wieder herausgenommen.


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Freitag, 1. Februar 2013

so geht das nicht

seit mehr als dreieinhalb jahren fülle ich dieses weblog mit bildern und texten, mit viel persönlichkeit und emotion und energie.

über positive reaktionen freue ich mich immer, mit kritik und ratschlägen kann ich umgehen.

ich finde es auch toll, wenn komplimente zu meinen fotos kommen.

Rosinenrosen & Kronjuwelen

wenn aber jemand meint, es sei ein kompliment, meine bilder ungefragt, ohne mich zu informieren und ohne honorar auf seiner kommerziellen webseite einzusetzen, dann irrt er ganz gewaltig.

da freue ich mich nicht drüber, da bin ich indigniert. also ganz gepflegt wütend!

meine bilder ohne namensnennung, ohne quellenangabe auf fremden webseiten zu entdecken - das passierte mir diese woche gleich ein halbes dutzend mal.

hapüh!

den 'bilderdiebischen' unternehmen habe ich nun - nach eingehender anwaltlicher und fachlicher beratung - eine rechnung geschickt für die unberechtigte nutzung meiner bilder. weitere rechtliche schritte und die inanspruchnahme anwaltlicher unterstützung behalte ich mir vor.

damit das mal klar ist.

bei privaten webseiten bin ich - bisher - immer sehr kulant. ich schreibe eine mehr oder weniger freundliche email. wenn daraufhin meine urheberinnenschaft nachgetragen oder das bild von der webseite entfernt wird, okay.

kann sein, dass ich auch da bald strenger werde. irgendwann ist meine geduldige geduld am ende. meine fotos, meine bilder aber ungefragt kommerziell zu nutzen - das geht gar nicht!

fortsetzung folgt ....

ps:
die beweisbilder und die namen der 'bilderdiebe'  an dieser stelle habe ich wieder herausgenommen, da es mir nicht um einen dauerhaften internet-pranger geht
 
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Sonntag, 27. Januar 2013

mondyoga

eine buchbesprechung

als ich selbst vor fast 30 jahren mit dem üben von yoga begann, freute ich mich einfach, dass „turnen“ so viel freude machen und mir so gut tun konnte. zu tief saß mir die schreckliche erinnerung an die „leibesübungen“ meiner schulzeit in den knochen.

seither begleitet yoga meinen alltag. ich habe viele verschiedene lehrerInnen und unterschiedliche stilrichtungen kennengelernt. die „technik“ kann ich inzwischen gut genug, um auch alleine zu üben.

genau das aber ist es, was mir unendlich schwer fällt. allein zu hause geht es irgendwie nicht, auch wenn ausreichend zeit und schönster raum vorhanden sind. mir fehlt die energie der gruppe. eine leitung, an die ich mich abgeben kann, die mir das „denken und planen“ abnimmt - sonst kommt mein kopf nicht zur ruhe.

ich habe das home-yoga mit video versucht, mit cd, mit selbst geschriebenen listen. es hat nicht funktioniert. zeitweilig habe ich mich auf den sonnengruß beschränkt. ein paar runden gleich nach dem aufstehen sind immerhin besser als nichts.

Sabine Schmelmer, Mondyoga

im herbst 2010 entdeckte ich das blog „mondyoga“  von Sabine Schmelmer und war dermaßen beglückt, dass ich ihr eine goldene maßnahme widmete. so sehr gefiel mir die idee, täglich nicht ein ganzes programm, sondern nur wenige asanas zu üben, ganz gezielt im monatlichen zyklus des mondes.

mit der anwendung des mondkalenders im täglichen leben beschäftige ich mich seit mitte der 1990er jahre. im haushalt, beim putzen und gärtnern, bei ernährung und körperpflege richte ich mich gerne danach - und erziele damit ganz erstaunliche ergebnisse.

kein wunder, denke ich: der mond „macht“ ebbe und flut, bewegt unendliche wassermassen. auch der menschliche körper besteht zu ungefähr zwei dritteln aus wasser. warum sollte der einfluss des mondes auf das wasser und damit auf meinen körper ausgerechnet an der nordseeküste aufhören? er wirkt auf uns und alle lebewesen und pflanzen um uns herum.

nach dem mondkalender wird jedem tierkreiszeichen eine körperregion zugeordnet. mondyoga greift diese idee auf und überträgt sie auf die täglichen übungen: heute zum beispiel, an vollmond im löwen, ist der einfluss auf herz, kreislauf und blutdruck besonders spürbar.

selbst, wenn man nicht daran 'glaubt', so kann es doch nichts schaden, im vier-wochen-rund des mondes jeder körperregion einmal ganz besondere aufmerksamkeit zu widmen.

Sabine Schmelmer hat ihr mondyoga über viele jahre hinweg entwickelt, von der lose-blatt-sammlung über eine statische webseite hin zu einem fast täglich aktualisierten blog. nun hat sie ihre erkenntnisse liebevoll in einem buch zusammengefasst:

einer kurzen einführung zu yoga, mondyoga, regeln und allgemeinen hinweisen folgen die übungsvorschläge für die einzelnen tierkreiszeichen.

der große mittelteil widmet sich zunächst auf leicht verständliche weise den so wichtigen atem-asanas, die in den meisten kursen viel zu kurz kommen. danach wird jede erwähnte asana einzeln vorgestellt mit ihren positiven wirkungen. es folgt die sorgfältige erklärung der ausführung in einzelnen schritten.

wie auf der webseite illustriert Sabine Schmelmer auch im buch alle übungen mit fotos ihrer treuen gliederpuppe Karlheinz - die in ihrer reduzierten optik sich auf das wesentliche beschränkt: die bilder wirken ganz schlicht - und sind doch einzigartig kunstvoll angefertigt - mit großem wiedererkennungswert:

Yoga mit Gliederpuppe Karlheinz
© Sabine Schmelmer

abgerundet wird das buch durch einen anhang mit zeichenerklärungen sowie - sehr praktisch! - mondkalendern für die nächsten zwei jahre.

für mich ist dieses buch eine große bereicherung. wie ein geländer unterstützt und begleitet es bei der täglichen übung, gibt wechselnde impulse und hilft der erinnerung auf die sprünge, wenn die genaue ausführung einer asana einmal verlorenging.

als yoga-geübte mit vorerfahrung passe ich genau in die zielgruppe: für neulinge ist dieses buch allein nicht ausführlich genug. es ersetzt weder den achtsam korrigierenden yogalehrer noch einen yogakurs. und - nur damit niemand auf dumme gedanken kommt: das üben nach diesem buch erfolgt selbstverständlich auf eigene gefahr.

Sabine Schmelmer, Mondyoga - Ein Übungsprogramm im Rhythmus mit der Natur ist erschienen bei Bloggingbooks, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-8417-7047-9; erhältlich im buchhandel eures vertrauens und kostet derzeit 29,00 €.
empfohlen vom Büro für besondere Maßnahmen!


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Mittwoch, 23. Januar 2013

zuversicht

ein wortgeplänkel

es ist januar. im tal hängt ein undurchsichtig grauer himmel, aus dem es nasses, gefrorenes zeugs auf die kalte erde schmeißt. seit wochen schon.

der job ist gekündigt, das konto leer, neue aufträge sind nicht absehbar.

„zuversicht“ heißt das zauberwort der stunde. ach, was sage ich?! des tags! der woche! des monats! des jahres! meines ganzen lebens gar!

die ersten tulpen 2013 - porzellanrosa geflammt

ohne zuversicht geht nichts. an tagen wie diesen, wenn alles grau in grau versinkt, wenn es nicht hell werden will, weder draußen noch in meinem herzen - dann ist ihr allerdings nur schwer beizukommen.

zuversicht, was ist das eigentlich?

„optimismus“, sagen die einen - „glauben an das gute“, sagen die anderen. es könnte aber auch ein gefühl sein. oder eine lebenseinstellung. ein flüchtiger gedanke oder eine charaktereigenschaft: „vertrauen in den eigenen weg“ - so würde ich es wohl selbst umschreiben. aber ist das nun ein knubbel im kopf? oder eher eine windung im darmhirn?

mag sein es ist - wie eine gute freundin es einmal formuliert hat: „die fähigkeit, positiv zu denken angesichts schwieriger lebensumstände“

ja, das trifft es wohl. aber was tun, wenn schon wieder etwas schief geht, das mit so viel erwartungsvoller energie gestartet wurde? was tun, wenn die kraft nicht ausreicht, um den widrigen lebensumständen die stirn zu bieten?

„man muss an so vielen fronten stark sein“ - sagte eine kollegin, als wir beim mittagessen in der verlags-kantine über die verschiedenen lebensaufgaben sprachen. und sie, die sonst immer alle herausfordernd anblitzt, senkte resigniert den blick.

"so viele fronten", sagte sie. nicht nur ein einzelner kampf, zu dem sie herausgefordert ist. für solche fälle gibt es das wort „zuversicht“ auch im plural. „zuversichten“ heißt es dann. so kann man für jede einzelne front eine eigene zuversicht haben, dass man den kampf gewinnt - oder zumindest locker und lebendig durchkommt.

wieviele zuversichten braucht der mensch? und wieviele hat er? werden sie uns in die wiege gelegt? kriegt jedeR gleich viel? sind unsere zuversichten irgendwann alle aufgebraucht? woher kriegen wir dann neue? basteln wir zuversichtlich welche selbst? werden zuversichten in fabriken hergestellt, und wir müssen sie dann kaufen? oder werden zuversichten gezüchtet und vermehrt, geerntet oder geschlachtet und auf dem wochenmarkt angeboten? kriegen wir sie vielleicht geschenkt? oder gilt „wenn weg, dann weg“ - wie bei besonders günstigen und nur begrenzt vorrätigen sonderangeboten? müssen wir gut auf sie aufpassen? etwa in den kühlschrank legen, damit sie länger halten? oder in einen blumentopf pflanzen, damit sie gut gedeihen?

wenn es zuversichten im plural gibt, sind die dann alle gleich? oder gibt es für jede lebenslage eine andere zuversicht, große und kleine, dicke und dünne, rote und gläserne und eckige und heiße? woher weiß ich, welche art von zuversicht für meine aktuelle lebenssituation die jeweils bestmögliche ist?

und falls ich die benötigte art von zuversicht gerade nicht vorrätig habe, woher kriege ich die dann? kann man sie überhaupt vorrätig haben? oder nimmt man lieber eine frische?

wenn das alles so kompliziert ist mit den zuversichten, wäre es dann nicht besser, gleich auf sie zu verzichten? ökologischer? nachhaltiger? wohin wird eigentlich eine nicht mehr benötigte bereits benutzte zuversicht entsorgt? kann eine qualitativ hochwertige zuversicht sich nach gebrauch in ihr gegenteil verkehren und irgendwo-irgendwann-irgendeinen schaden anrichten? brauchen wir ein produktmanagement und eine DIN-zertifizierung?

man ist ja lieber vorsichtig mit solch ungreifbaren begriffen ...

und doch … irgendwo höre ich es leise flüstern. ich verstehe jedes wort, auch wenn ich es nicht immer glauben kann. aber ich bin ganz sicher: die zunge meiner rheinländischen kindheit lügt nicht.

artikel 3 des kölschen grundgesetzes lautet:
„et hät noch emmer joot jejange“
(es ist bisher noch immer gut gegangen)

und das ist für mich der inbegriff aller zuversicht - ganz egal, ob in der luxus- oder in der alltagsversion!
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