Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

Dienstag, 18. Dezember 2012

auf bäume klettern

jahreszitat 2013: habemus motto

es ist soweit! nachdem noch bis kurz vor einsendeschluss des wettbewerbs zahlreiche kommentare eingingen mit vorschlägen für unseren besonderen leitspruch des jahres 2013, saß die jury nun tagelang mit rauchenden köpfen brütend über einer entscheidung.

die preise: exklusive kalender 2013


diese fiel wirklich schwer - aber nun genug der dicken luft, wir können wieder klar sehen und haben den vorschlag von pat zum gewinnner gekürt!

astrid lindgrens weise worte

„es gibt kein verbot für alte weiber, auf bäume zu klettern“

haben uns so gut gefallen, dass wir sie ein ganzes jahr lang um uns haben wollen. herzlichen dank für diese entzückende entdeckung! das zitat stammt übrigens aus dem jahr 1974, als astrid mit ihrer freundin, der bibliothekarin elsa olenius an deren 80. geburtstag ein baumwettklettern veranstaltete. astrid selbst war damals 66 jahre alt.

liebe pat, als dankeschön erhältst du den exklusiven termin-/tagebuch-kalender 2013. herzlichen glückwunsch!


nun zum versprochenen trostpreis!

der/die gewinnerIn wurde per los ermittelt. dazu habe ich alle zitate auf ganz gleich aussehende zettelchen geschrieben und diese ganz identisch gefaltet, so dass äußerlich keinerlei unterschiede zu sehen waren.

dann waltete die chief exeCATive lottofee ihres amtes:

chief exeCATive lottofee


den trostpreis gewonnen hat Anonym mit einem zitat des Erasmus von Rotterdam "Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit." dass das durchaus zum gekürten jahresmotto passt, ist aber nun wirklich reiner zufall. unsere bürokatze schwört, dass sie nicht gelünkert hat!

[liebeR anonymA, leider kenne ich deinen namen nicht! also melde dich bitte schnell, ob du deinen gewinn (einen tollen wandkalender mit zwölf der schönsten fotos aus dem blog) erhalten möchtest oder nicht - damit ich weiß, wohin ich den schicken darf. falls du nicht willst und ich bis morgen abend (mittwoch 19.12.2012 23:59 uhr) deine anschrift nicht kenne, wird der preis anderweitig vergeben. er soll doch noch vor weihnachten bei euch eintreffen!]


und weil da wirklich soooo viel tolle vorschläge zusammengekommen sind, gibt es noch einen sonderpreis, und der geht an …. tataa!

anja - für den vorschlag des zitats von van Gogh "Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen - aber es wachsen keine Blumen auf ihr." das (ich nehme an) niederländische original habe ich zwar nirgends finden können, aber ich vertraue jetzt einfach mal darauf, dass das authentisch von Vincent van Gogh ist. falls jemand die ursprüngliche quelle kennt oder noch herausfindet: ich freue mich über eine nachricht!

liebe anja, als sonderpreis gibt es auch für dich einen terminkalender 2013 mit dem neuen jahresmotto. für täglich mehr blumen im leben!

[liebe pat, liebe anja! bitte lasst mich bitte bis spätestens übermorgen abend (donnerstag, 20.12.2012 23:59 uhr) wissen, wohin die preise flugs am freitag verschickt werden wollen (sonst werden sie anderweitig vergeben, ist ja schließlich termingebundene ware ;-) ]

allen, aber wirklich ALLEN teilnehmerInnen ganz herzlichen dank für die teilnahme und die vorschläge. uns hier hat das viel spaß gemacht!

Sonntag, 16. Dezember 2012

absagen einstecken II

besondere maßnahme no. XXV

wie ihr euch denken könnt, ist die lücke in meinem leben, die im oktober durch die kündigung meiner teilzeitstelle beim verlag entstanden ist, noch längst nicht wieder gefüllt.


daher halte ich augen und ohren offen, schau mich um, versuche neues, gehe auch mal unbekannte wege …. alles wie immer, eigentlich. wenigstens langweile ich mich nicht.

eine bezahlte arbeit (die mir die butter auf die richtige seite vom knäckebrot finanzieren täte) ist dabei zwar bisher noch nicht herausgekommen - aber immerhin neue erfahrungen, was die methoden und üblichkeiten auf dem aktuellen arbeitsmarkt so angeht.

letzte woche schrieb ich eine bewerbung auf eine mini-stellenanzeige im hiesigen kostenlosen lokal-anzeigenblatt: gesucht wurde eine mitarbeiterin für den empfang in einer beratungsstelle auf 400-EUR-basis, „erfahrungen im verwaltungs- und/oder sozialen bereich von vorteil“.

na bitte, das kann ich prima machen, dachte ich: war selbst jahrelang geschäftsführerin und vorstand in einem gemeinnützigen verein im gesundheitsbereich, kann alle office-anwendungen aus dem eff², telefonieren sowieso, je nach bedarf freundlich oder auch mal resolut dreinschaun und habe obendrauf auch noch erfahrungen mit der zu erwartenden klientel - sogar aus eigener erfahrung! es ging nämlich um sucht und drogen. zudem ist mir die leiterin der beratungsstelle persönlich bekannt.

also entwarf ich einen indivuellen bewerbungstext, abgeschickt per email mit aktuellem lebenslauf und dem letzten aussagekräftigen, sehr guten zeugnis im anhang.

und?!
ihr ahnt es schon?!
es kam eine absage, ebenfalls per email, innerhalb von 24 stunden.

den text des dreizeilers lässt man sich am besten gar nicht genüsslich auf der zunge zergehen, sondern spuckt ihn gleich angewidert wieder aus:
…. leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ihre Angaben nicht völlig unseren Erwartungen entsprechen. Aus diesem Grunde können wir Ihre Bewerbung leider nicht ….

was fehlte denen denn, ich bin doch bestens qualifiziert?! ich war ziemlich wütend, holte zur beruhigung ungefähr sieben mal tief luft und habe dann die derzeitige empfangsdame angerufen. sie sei leider auch nur ausführende und mache, was man ihr aufgetragen habe, und die leitung sei sowieso erst im nächsten jahr wieder zu erreichen.

ahja.
ich bedankte mich artig für die information und riss mich schwer zusammen, nicht meinerseits die absage mit einer absage der anderen art zu beantworten:
leider leider! …. bin ich nicht fähig, Ihre mir unbekannten erwartungen ohne vorherige nähere angaben hellzusehen. ja, im grunde bin ich nicht einmal willens, in einem schlecht bezahlten aushilfsarbeitsverhältnis überhaupt irgend etwas hellzusehen! da Ihre schon im bewerbungsverfahren zutage getretenen überzogenen arbeitgeberseitigen erwartungen an u.a. hellseherische fähigkeiten einer neuen mitarbeiterin nach antritt einer stelle erfahrungsgemäß nicht auf ein erfüllbares maß gesenkt, sondern statt dessen aufrecht erhalten und häufig sogar in unverhältnismäßiger weise noch gesteigert zu werden pflegen, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich mich veranlasst sehe, meine bewerbung zurückzuziehen. bei der weiteren mitarbeitersuche wünsche ich Ihnen viel erfolg ....

das nur mal zwischendurch als nette entspannungsphantasie zur psychologisch sinnvollen verarbeitung seltsam abwertender absageantworten auf ernst gemeinte bewerbungsschreiben, in denen man sich ja für gewöhnlich echt nackig macht.

dabei hatte ich denen noch gar nicht mitgeteilt, dass mein (langjährig postalkoholischer, in einer offiziellen untersuchung nachgewiesener) IQ nur sieben punkte unter dem (gemutmaßten) IQ von albert einstein liegt.



Donnerstag, 13. Dezember 2012

grinselinser

wir machen es selbst!

weil es inzwischen draußen winterweiß und schnatterkalt geworden ist, erscheint es von vorteil, wenn man es sich drinnen warm und gemütlich macht.

dazu passt es ganz wunderbar, den backofen anzuwerfen und etwas leckeres hineinzulegen, was dann nicht nur die küche bestens aufwärmt, sondern außerdem auch noch aromatische duftwolken in der ganzen etage verbreitet und im anschluss ein essbares ergebnis produziert.


bei mir gibt es dann vorzugsweise gebäck, das sich länger hält, denn schließlich lebe ich allein. außerdem soll es sich schlicht und heiter dekorieren lassen. ihr ahnt es schon: ich mag keine gitter, nirgends - nicht einmal auf dem kuchen!

bestens geeignet ist da eine Linzertorte, die eigentlich Linsertorte heißt, weil sie gar nicht aus Linz in Österreich stammen sondern angeblich von einem ansonsten völlig unbekannten herrn namens Linser erfunden worden sein soll. die wikipedia weiß das allerdings auch nicht besser, und da mir in diesem tortenfall die knallhart recherchierten fakten fehlen, werde ich mich in die dortige diskussion nicht weiter einmischen.

mischen werde ich allerdings weiterhin meinen kuchenteig nach einem urgroßmutter-rezept aus baden, was ja früher auch mal zu österreich gehörte und damit quasi ein vorort von linz ist.

wir essen die linzertorte hier in badisch südwest das ganze jahr über, nicht nur zur weihnachtszeit, und zwar am liebsten schon zum frühstück. deswegen sowie aus anderen gründen ist meine variante ohne den andernorts obligatorischen schuss schwarzwälder kirschwasser. wer es nun aber gar nicht lassen kann, der möge den zitronensaft durch geistliches nach geschmack ersetzen.

zutaten für eine runde springform:
  • 125 g Butter
  • 125 g Zucker
  • 125 g Mehl
  • 125 g geriebene Mandeln (oder Walnüsse oder Haselnüsse)
  • 1 Ei
  • 1 EL Kakao
  • ½ TL Zimt
  • 2 zerstoßene Nelken
  • abgeriebene Schale von einer unbehandelten Zitrone
  • 2-3 EL Zitronensaft von ebenselbiger
  • Messerspitze Backpulver
  • Prise Salz
  • Glas Himbeermarmelade zum Füllen (oder rotes Johannisbeergelee, das sieht nicht so pickelig aus)

und so geht’s ….
butter zucker ei zimt nelken salz zitronenabrieb und zitronensaft gut miteinander verrühren, dann gemahlene nüsse einarbeiten. mehl kakao backpulver erst trocken mischen, dann löffelweise zum teig geben. der wird ziemlich fest, gut kneten bis alles glatt verarbeitet ist! den teigball in folie wickeln und mindestens eine halbe bis ganze stunde im kühlschrank ausruhen lassen.

in der zwischenzeit ruhen wir uns ebenfalls aus und trinken eine lecker tass tee oder kaffee (superhausfrauen räumen dieweil die küche auf). danach schalten wir den backofen auf 200° und glühen ihn schon mal vor.

vom gekühlten teig etwa zwei drittel zu einer runden platte ausrollen und in die gefettete springform legen. den kuchenboden an mehreren stellen mit einer gabel einstechen.
zwei drittel vom teigrest zu einer wurst rollen und daraus rundum einen kuchenrand basteln, indem man mit dem daumen gleichmäßige dellen hineindrückt (wer in der schule fürs leben gelernt und gut aufgepasst hat, kann jetzt mal schnell mit π mal daumen den tortenumfang berechnen!).
nun den boden mit der marmelade bestreichen und dann! dann endlich! aus dem letzten rest vom teig eine schicke deko formen und obenauf legen. je nach jahreszeit lasst ihr euch etwas anderes einfallen. bei mir wird es meistens ein grinsesmilie.
weil ich es sooo schön finde, wenn meine torte mich anlacht!

backzeit ist ungefähr 20 minuten bei - wie oben bereits erwähnt - 200° im normalen backofen. 

viel spaß und leckerschmecker!


ps.
achso! wer will könnte ja mal ein foto von ihrer tollen torte bei facebook posten - vielleicht gibt's was zu gewinnen ....


Dienstag, 27. November 2012

jahreszitat 2013

ein wettbewerb.

fünf wochen noch, dann ist schluss mit 2012!

allerbeste zeit, um sich mit einer überschrift für das kommende jahr zu beschäftigen. ihr wisst ja, dass ich mein büro für besondere maßnahmen alljährlich unter ein anderes motto stelle.

in 2012 war's „Jeder Tag ist eine Reise. die Reise selbst ist das Zuhause.“ von Matsuo Basho.

was machen wir mit 2013? was passt als (beg)leitsatz fürs nächste jahr? was trifft die perspektive? oder die quersumme zukünftiger ereignisse?


damit ich mit dieser aufgabe nicht so alleine bin, dachte ich mir: mach mal einen kleinen wettbewerb, dann wird’s lustiger!

gesucht wird also ein besonderer spruch, ein satz, ein zitat für 2013 - würdig des büros für besondere maßnahmen - oder so dermaßen ambitioniert, dass das büro für besondere maßnahmen sich dessen erst im lauf des jahres würdig erweisen wird.

vielleicht ein eigener ausspruch, der selbst eine besondere maßnahme war? oder ein satz, der zu besonderen maßnahmen anstiftet und verleitet? oder ein nicht alltägliches zitat für alle tage?! fraulich darf es gerne sein, sinnlich oder frech. gerne quer gedacht, nachdenklich natürlich auch, in jedem fall aber lebensbejahend …

wer mitmachen will, schreibt ihr/sein lieblingszitat bitte bis zum 16. dezember 2012 24.00 Uhr in einen kommentar unter diesen post, gerne mit einer kleinen begründung ;-)

unter allen vorschlägen wird eine kompetente jury (also ich und vielleicht noch jemand anders) dann das "jahreszitat 2013" auswählen (ganz undemokratisch und ohne vorhersehbare regeln). das ergebnis wird am 18. dezember 2012 in diesem blog verkündet.

zur belohnung für alle teilnehmerInnen erwartet euch meine besondere maßnahme zum jahresende:

1)
wer das gewinner-motto vorschlägt, erhält den exklusiven terminkalender „Büro für besondere Maßnahmen 2013“, versehen mit dem gekrönten jahreszitat und rosenkatzen-logo! (falls mehrere vorschläge für dasselbe zitat eingehen, entscheidet das los). die agenda kommt als spiralgebundenes notizbuch im format 21 x 14 cm, eine woche auf zwei seiten - mit europakarte, weltzeitzonen und ein paar seiten extra für eure notizen.

2)
unter allen anderen teilnehmerInnen verlosen wir als dickes-mitmach-dankeschön! den - nicht weniger exklusiven - wandkalender „Büro für besondere Maßnahmen 2013“ mit dreizehn wunderschönen fotos aus diesem blog - format 28 x 21 cm (aufgeklappt 43 x 28 cm, mit reichlich platz für eigene einträge).

so. nun bitte ich um eure vorschläge! macht schnell, ihr habt nur knapp drei wochen zeit!

ps.
kleingedrucktes:
- der rechtsweg ist ausgeschlossen
- persönlich übermittelte daten werden nur für die verlosung gespeichert und ggf. für den versand des gewinns genutzt. sonst nix. keine werbung oder so'n shice, versprochen!

Donnerstag, 25. Oktober 2012

suchmaschinen-wunder

kurze maßnahme no 28

mein „Büro für besondere Maßnahmen“ ist im grunde ein ziemliches nischenprodukt.

kein mainstream, keine werbung, keine gutscheine, (fast) keine verlosungen, nur ausnahmsweise produkttests ...

statt dessen viel herz auf der tastatur, ehrliches frauen-leben, erfundene phantasien, höhen und tiefen, feinsinniges, humorvolles, freud und leid, philosophisches, kulturhaltiges, alltägliches, schönes, häßliches, ja sogar katzencontent - kurz: frauen und gedöns.

von allem etwas, aber für spezialinteressierte und suchmaschinen viel zu breit gefächert - so wie ich eben auch als frau und als mensch bin.


umso erstaunter war ich vorgestern, als die statistik mir anzeigte, dass mein blog bei google auf rang 12 steht, wenn man - irgendwo in der nähe von Hannover - das allerwelts-stichwort „Büro“ ins suchfeld eingibt. yeah!

hier im südwesten der republik sehe ich mich bei google nicht mal unter den ersten fünfhundert der ungefähr 230 millionen ergebnisse, geschweige denn unter den top twenty.

Hannover muss ein ganz besonderer ort sein! denn gugle irrt sich nicht. niemals.


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Montag, 22. Oktober 2012

alles auf anfang

das leben kann so ein luder sein.

gerade erst hatte ich gedacht: „jetzt haste aber ne menge erfahrungen gemacht. gerade die letzte war ja mal wieder eine echte herausforderung, zu buchen auf das lebenskonto 'erfahrungen - sollseite'. nun könnte zur abwechslung einmal etwas kommen, das ich aus dem fundus an bereits gemachten erfahrungen locker bewältigen kann - damit ich ein bißchen luft habe, um mich mit aller kraft in die neue stelle einzuarbeiten, gut fuß zu fassen und souverän zu werden ...!“

blühender glücksklee (oxalis tetraphylla)

aber immer dann kommt das leben, watscht mir ins gesicht und sagt „äätsch-bäätsch! ich habe noch was neues für dich!“ ZACK! 

dieses luder.

keine drei monate war ich im medienkonzern, halbtags, als redaktionsassistenz für drei verschiedene redakteurinnen. im grunde musste ich dreierlei jobs neu lernen, für jede einen, ganz unterschiedliche aufgaben in unterschiedlichen redaktionssystemen und software-backends. vielerlei, alles sehr komplex.

obwohl ich als zeitarbeiterin schon fast ein dreiviertel jahr in einer anderen abteilung gearbeitet hatte, kam ich mir vor wie in einer neuen firma. erfahrene kolleginnen sagten: „da brauchst du mindestens ein jahr, um dich einzuarbeiten.“ eine ganz ehrliche kollegin sagte: „um sich wirklich auszukennen, braucht man zwei jahre.“

sehr viel auf einmal, so schnell wie möglich, oft sekundenschnelles hin- und her-switchen: auf emails und kundenanfragen umgehend reagieren; dazwischen komplexe übersetzungen juristischer texte aus dem deutschen ins englische (zu denen eine befreundete diplomübersetzerin gesagt hatte, dass sie sich das nur zutrauen würde, wenn ein muttersprachlicher arbeitsrechtler das gegenliest); gleichzeitig zweierlei portalsforen auf neue einträge überwachen (und beantworten); stundenlanges akribisches prüfen diffiziler textbausteine in der software (ist die englische übersetzung korrekt, stimmt die zuordnung …); das alles und noch viel mehr - im geräuschpegel von teils laut telefonierendem großraumbüro und baustellenlärm vor dem fenster.

unmöglich, mir alles gleich beim ersten mal zu merken. ich habe kein fotographisches gedächtnis. mein mensataugliches hochleistungshirn im overload. ich schwamm. stück für stück fand ich mich ein, tag für tag schaffte ich mir mehr boden mehr unter die füße.

wenn ich nicht weiterkam, fragte ich die kollegInnen. so war es vereinbart. wenn ich fehler machte, wurde ich darauf hingewiesen, hörte zu, lernte daraus. wie das eben so ist in einer einarbeitung.

in den vierzehntägigen rücksprachen mit der redaktionsleitung bekam ich großes lob für meine übersetzungen. von den beiden anderen erhielt ich kein konkretes feedback. „solange nichts negatives kommt, ist alles gut im fluss.“ - dachte ich und strengte mich weiter an.

umso entsetzter war ich, als die chefin in meiner elften woche am neuen arbeitsplatz die rücksprache eröffnete mit den worten: „ich habe schlechte nachrichten für Sie.“ - ?!?!?! - „Sie wissen sicher schon, worum es geht.“ - ?!?!?! - „wir wollen Ihnen kündigen.“ - ?!?!?! - „wir haben uns die entscheidung nicht leicht gemacht.“ - ?!?!?! - „Sie sind zeitlich zu unflexibel (ich war pro arbeitstag im schnitt fast eine stunde länger da).“ - ?!?!?! - „Sie haben überhaupt kein gespür dafür, wann hier viel zu tun ist.“ - ?!?!?! - „Sie haben zum falschen zeitpunkt einen tag urlaub genommen (das war kein urlaub, sondern - auf den vorschlag der chefin hin - das zeitnahe abgleiten von überstunden und mit allen abgesprochen).“ - ?!?!?! - „Sie sind im allgemeinen den belastungen dieser stelle nicht gewachsen.“ - ?!?!?! - „Sie hätten doch merken müssen, dass schlechte stimmung ist.“

dann legte sie mir die kündigung vor (abgezeichnet von dreierlei geschäftsführungen und abgenickt vom betriebsrat). ich hatte den empfang zu quittieren, meinen schreibtisch sofort zu räumen, die mitarbeiterkarte auf den tisch zu legen und das haus zu verlassen.

oh leben, du luder!

ich war geschockt und bin es noch. offensichtlich hatten die drei „herrinnen“ (o-ton chefin) seit wochen und monaten über mich gesprochen - und nicht ein einziges mal mit mir. ich hatte keine chance, stellung zu nehmen und - was auch immer - zu verändern, verhalten oder arbeitsweisen zu korrigieren und anzupassen. statt dessen haben sie meine - angeblichen - defizite gesammelt und mich ins offene messer laufen lassen.

luder.

ich war nicht gut. ich war ihnen nicht einmal gut genug, dass ich ihnen die zeit wert gewesen wäre, meine angeblich ungenügenden leistungen mit mir zu besprechen. ich war scheinbar sogar so dermaßen schlecht und unerträglich und schädlich fürs geschäft, dass man mich lieber von jetzt auf gleich wegschickt - und dafür in kauf nimmt, trotz arbeit im überfluss die stelle nun wieder mindestens sechs wochen lang unbesetzt zu haben, um anschließend mit einer neuen kollegin und der einarbeitung wieder ganz von vorne zu beginnen.

abgesehen von dem schock über dieses unerwartete ende von etwas, das für mich mit ganz viel zuversicht begonnen hat …; abgesehen von der verzweiflung, jetzt wieder ohne eine regelmäßige arbeit dazustehen und dem hartz4-amt aufs neue vollzeit ausgeliefert zu sein …; abgesehen von der trauer, so von jetzt auf gleich einen wichtig gewordenen teil meines lebensinhalts abgeschnitten zu bekommen …; abgesehen von der großen ratlosigkeit, was die entsetzlich große differenz angeht zwischen eigen- und fremdwahrnehmung …; abgesehen von der verunsicherung, wie ich denn nun in meinem lebenslauf elegant unterbringe, dass ich bereits während der probezeit rausgeworfen wurde …

abgesehen von alledem ... bin ich ganz schön wütend!

denn auch, wenn ich jetzt im augenblick überhaupt noch nicht weiter weiß, folgendes ist schon mal klar:

es ist überhaupt nicht schön, dass ich meine arbeit schon nach so kurzer zeit wieder verloren habe. aber es ist überhaupt nicht schlimm, dass ich diese arbeit nicht mehr habe:

in einer umgebung, wo ich ohne hellseherische fähigkeiten ständig angst haben müsste, das falsche zu tun oder zu sagen, weil jemand anders darauf lauert, mich vorzuführen, könnte ich auf dauer nicht gedeihen.

für einen betrieb, dessen devise (u.a.) lautet „Bei uns fahren alle Vollgas. Immer. Wer nicht immer Vollgas fährt, fährt besser woanders!“, habe ich einfach nicht genug testosteron im blut, liebe ich das achtsame unterwegs-sein viel zu sehr.

wenn ich schon im firmensprech, das den maskulinen singular zur norm erklärt und frauen für nicht weiter der rede wert hält, nicht vorkomme - dann habe ich dort zwar jetzt meinen job, als kluge frau aber ansonsten nichts verloren.

so.
ich bleibe in bewegung.
leben, es darf wieder etwas neues kommen.
du luder!



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