Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

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Zum neuen Büro für besondere Maßnahmen // nordost
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Sonntag, 28. Juli 2013

vier

ganz still hatte dieses weblog anfang des monats geburtstag: das Büro für besondere Maßnahmen wurde am 7. juli 2013 vier jahre alt.

nun hat die autorin ein schlechtes gewissen, weil der gratulationstext nicht pünktlich kam:

Lindenblütenknospen mit Glückskäfer

ich wollte ja schreiben … rückschau betreiben … einen ausblick bieten … wie das halt so üblich ist in so jahrestäglichen situationen. es ging nicht. ich hatte muße. ich hatte mein schreibgerät und alle sinne beieinander. aber. es. ging. einfach. nicht.

wie so oft in letzter zeit, wenn ich endlich wieder einmal tacheles schreiben möchte hier. das war doch der vorsatz, mit dem ich hier losgelegt habe vor vier jahren: ganz ich selbst zu sein, immer wieder mein eigenes überraschungspaket und kein blatt vor den mund zu nehmen.

irgendwann bin ich verstummt – weil das, was ich mitzuteilen habe, zu viel geworden ist. zu schwer. viel zu traurig oft. nicht leicht und heiter, wie ich es gern hätte. weil alles so anstrengend geworden ist, dass mir die kraft für den "aufmupf" fehlt. das jahr ist schon mehr als zur hälfte rum – und ich bin noch auf keinen einzigen baum geklettert!

über lebensaufgaben wollte ich berichten und wie ich sie löse: mit „Besonderen Maßnahmen“ nämlich. einmal die woche eine kolumne – das war meine mission. ich habe sie fast erfüllt und hier gut zweihundert mehr oder weniger tiefsinnige texte versammelt.

aber an diesem post werkele ich nun schon einen ganzen monat! je schlechter es mir geht, umso schwieriger ist es für mich, darüber zu schreiben. dazu kommt, dass ich gar nicht immer gleich einsortieren und berichten kann, was mir passiert. vor allem nach katastrophen bin ich langsam; brauche viel zeit, um zurück in meine mitte zu finden, um wieder die zu werden und zu sein, die ich wirklich bin.

als ich auf der suche nach einer inspiration für diesen geburtstagstext hier im Büro für besondere Maßnahmen auf und ab scrollte, fiel mir auf, wie sehr der ton im blog sich geändert hat über die jahre. gar nicht mehr so zuversichtlich, gar nicht mehr fröhlich oder kreativ, immer weniger frech. statt dessen hoffnungsloser, resignierter. und leider: ich drehe mich im kreis. das ist schrecklich!

meine lebensaufgaben sind immer noch die gleichen, die mir wichtigsten angelegenheiten ungelöst. meine maßnahmen greifen nicht. ich bin nach wie vor depressiv, einsam, quasi erwerbslos, kontinuierlich unterkapitalisiert und die meiste zeit meines lebens ziemlich unglücklich. und unzufrieden. neuerdings auch immer öfter genervt und angewidert. vom leben. von mir selbst. das ist bitter. keinerlei grund zum jubeln.

genau deswegen fällt mir das schreiben schwer. ich halte mich und mein jammern schon selbst nicht mehr aus. noch viel weniger möchte ich in meinen texten auch noch euch, meinen leserInnen etwas vorjammern. es gelingt mir immer weniger.

einmal die woche eine kolumne hier – das ist mir gelungen, im schnitt! oft mit großem vergnügen, zwischendurch auch mal mit kleinen tricks, in letzter zeit öfter mal mit ziemlicher selbstdisziplin.

es finde so wenig berichtenswertes an meinem leben. weil es schon so lange kein leben mehr ist. immer nur über-leben. das ist schlimm. cat-content, blümchenthemen und durchhalteparolen als "statt-leben" bringen es dann auch nicht. ich wollte doch „echt“ sein hier.

in „echt“ bin ich sehr verzweifelt.

nach wie vor soll ich aus meiner wohnung vertrieben werden. mein überleben mit hartz4 bleibt hölle. das amt triezt und schikaniert, wo es nur kann. und obwohl ich in meiner wohnung noch bin, fühle ich mich schon längst nicht mehr 'zuhause', war es vielleicht auch nie. weil ich hier nicht sein darf. es ist nur ein ort, wo meine dinge stehen. mein herz ist heimatlos. ich will hier weg.

ich trage mich also mit fluchtgedanken. will mal wieder umziehen. wieder mal neu anfangen irgendwo – wie schon zwei dutzend mal zuvor seit meinem 18. geburtstag. diesmal zieht es mich ans andere ende der republik. von westsüdwest nach nordnordost. weil ich so sehnsucht nach dem meer habe. immer.

dazu fehlt mir im augenblick das nötige kleingeld. besser noch wäre ein wunderbarer arbeitsplatz vor ort, der mich nicht nur sinnstiftend ausfüllt, sondern auch mein leben und das der katze locker finanziert. die ostsee vor der haustür bleibt also vorerst eine entspannungsphantasie.

aber als ausblick, über dessen realisation ich an einem der nächsten bloggeburtstage möchte berichten können, vielleicht gar nicht so schlecht.

mittelfristiges ziel:
das Büro für besondere Maßnahmen kriegt eine andere aussicht. wir brauchen mehr meer. dringend.

bis dahin gibt es hier auch weiterhin eine kolumne pro woche. im schnitt. mindestens. und weiterhin die aussicht auf die sanften hügel des markgräflerlands.


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Kommentare :

  1. Liebe mojour,
    Dein Post hat mich sehr berührt.
    Und ich empfinde Deine vorherigen Beiträge als gar nicht schwer oder jammerig.
    Dein Blog und auch Du ist mir sehr ans Herz gewachsen. Stöber so gern darin herum und finde immer wieder Neues.
    Ich will Dir keine weiteren Durchhalteparolen schreiben, Dir jedoch liebend gerne ein Lächeln schicken und vielleicht eine Hand in den Rücken legen, entweder zum anlehnen und/oder als Hilfe und Stärkung zum neu aufrichten.

    Gestern las ich ein wenig Frau Aliti und wie sie schrieb wie sehr sie das Meer braucht, und das wo sie hoch droben auf einem trockenen Berg hockt :-) Wenn aber der Nebel über allem liegt und fern ein Traktor rattert, dann stellt sie sich vor, das wäre das Meer und fern tuckert ein Fischerboot. Was wohl dort am Horizont sein mag?
    Auch wenn das nur eine kleine Tröstung ist, so kann sie doch ein wenig helfen.
    Imaginationen haben eine starke Kraft.

    Ganz herzliche Grüße! AHOI ;-)

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    1. liebe Regenfrau,
      ich danke dir, dein lächeln kommt an und ist sehr willkommen
      :-)
      leider werden meine visionen und imaginationen kontinuierlich und schmerzhaft von der realität überrollt.
      irgendwann braucht eine dann auch das ECHTE, um das leben wieder als lebenswert zu erleben.

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  2. liebe mo, tut mir sehr leid, daß das amt dir wieder ärger macht mit der wohnung. wenn du dir soviel vom meer erhoffst, vielleicht kannst du wenigstens nochmal eine reha machen in heiligendamm? vielleicht von dort aus auch was suchen (wohnung/job)?
    gratulation zum jubiläum! schade, daß du dir solche vorwürfe machst. aber es soll dir doch gut tun, wenn du hier schreibst und dich nicht stressen, weil du glaubst, du "mußt" jetzt was schreiben. so wie du es machst, ist es toll. und wenn du mal nichts geschrieben hast, dann kann ich mir schon vorstellen, daß es dir gerade nicht so gut geht und du die kraft nicht hast. du darfst stolz sein auf dein "büro"!!! das hast du ganz allein geschaffen und es gibt vielen menschen so viel; deine tollen texte lesen zu dürfen, die schönen fotos anzuschauen, eben deine kreativität zu bewundern. hier bist du dein eigener chef und bestimmst, was und wie oft du schreiben magst. ich wünsche dir, daß dich das glück endlich mal wieder besucht. du hast es verdient, endlich mal wieder freude zu empfinden. alles gute für dich und dein büro !

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    1. liebe anonyma,
      danke für deine guten wünsche!

      eine reha kriege ich leider höchstens nach 5 jahren wieder. ob heiligendamm mich noch einmal nimmt, ist fraglich. sie konnten mir ja schon 2010 nicht helfen.
      ob ich im falle wieder in diese klinik möchte, ist noch fraglicher.
      "reha" ist vollzeitstress und hat mir kaum zeit zum luftholen, geschweige denn am meer gelassen. ich schaue mich schon eine weile sehr intensiv online um, ob und welche möglichkeiten es im nordosten seenah für mich gibt zum wohnen und arbeiten.

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  3. Liebe Mo Jour,
    deine Beiträge erfreuen mich. Ich bewundere deine Kreativität, deinen Ideenreichtum, deine Offenheit. Und ich weiß, dass Du Dich nicht unterkriegen lässt.
    Alles Gute weiterhin.

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    Antworten
    1. vielen dank, liebe Anonyma, deine worte tun gut.
      auch für dich alles gute!
      ich bin fest entschlossen, das Büro für besondere Maßnahmen weiter zu führen.

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