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Januar 2021

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Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

Freitag, 9. Mai 2014

Heimatlos

Wenn ich aus den Fenstern meiner Dachwohnung schaue, sehe ich blühende Landschaften. Rundum. Derzeit blühen die Reben. Eher unscheinbar und grün, aber sie blühn. Quadratkilometerweise. In den Haus- und Gemüsegärten des Dorfes, in den Balkonkästen und Terrassenkübeln blüht alles, was die Natur hergibt. Rosen und Akelei, Iris und Flieder, Ringelblumen und Männertreu, Geranien, Schöllkraut und Kartoffelstrauch. Schön. Und bunt.

Jesus - der genagelte Mann

Ich lebe in einem optischen Paradies. Als ich vor mehr als zehn Jahren aus der Großstadt hierher aufs Land zog, war es genau das, was ich haben wollte. Die vogelzwitschernde Blümchenidylle.

In Berlin war mir alles zu viel gewesen: Zu viele Menschen. Zu viele Autos. Zu viele Häuser. Zu viel schlechte Luft und zu viel schlechte Stimmung. Zu viel Armut und zu viel Hundekot auf den Straßen. Die kontinuierliche Überflutung an Sinneseindrücken, die allgegenwärtige Zu-viel-isation überforderte mich. In all dem Überfluss war ich schon längst nicht mehr zu Hause.

Zudem hatte ich ständig das Gefühl, etwas zu verpassen. Ich war unzulänglich, den Anforderungen der Millionenstadt nicht gewachsen. Viel zu groß war das kulturelle Angebot. Selbst wenn ich jeden Abend ins Theater, ins Kino, ins Konzert gegangen wäre – einmal vorausgesetzt, ich hätte die persönlichen und finanziellen Möglichkeiten dazu gehabt – so hätte ich doch für jede besuchte Vorstellung mindestens zwei Dutzend andere nicht erleben können.

Ich war vierzig. Ich hatte den Dalai Lama interviewt und zweierlei Teuf(f)el. Viel mehr würde nicht kommen. Da konnte ich auch Holz aufsammeln im Wald. Hauptsache, der Job hielt mich einigermaßen über Wasser und die KollegInnen wären nett. Ich packte meine Lebens-Mittel-Krise und die zwei Katzen in einen Korb und zog in den Süden, in ein Zweieinhalbtausend-Seelen-Winzerdorf.

Wie war ich froh, angekommen zu sein! Ich wollte endlich sesshaft werden und erkundigte mich sogar, ob ich katholisch werden muss, um auf dem Gemeindefriedhof begraben werden zu dürfen.

„Hier ist es so schön ruhig, es gibt noch nicht einmal eine Ampel“, schwärmte ich einer Freundin vor.
Sie runzelte die Stirn und fragte freundlich zurück: „Wie kommst du denn dann über die Straße?“ 
„Ich gehe einfach immer im Kreis“, antwortete ich ebenso so freundlich. Dann grinsten wir uns an und brachen beide in schallendes Gelächter aus.

Das Lachen sollte mir bald vergehen. Der ampelfreie Frieden wurde zur tödlichen Friedhofsruhe. Weil die Idylle nur optisch ist. Die reine Fassade.

Es gibt nichts im Außen, das einen ablenkt. Nur Lärm und Gestank von Weinbergstrekkern, Heimwerkerterroristen, Rasenmähern und Laubgebläsen. Weil es auch abends nichts zu tun gibt, werden schon pünktlich zur Tagesschau die Gehsteige fein säuberlich gekehrt und nach oben gefaltet. Das Leben hat hier wenig Platz. 

Weil draußen nichts los ist, über das die Menschen lachen oder zumindest lästern könnten, sitzen sie hinter ihren Fassaden und belauern sich gegenseitig. Ich habe hier noch niemals jemanden herzlich lachen hören. In all den Jahren nicht. Höchstens mal ein verkrampftes, schadenfrohes Wiehern war zu vernehmen oder ein verkniffenes Grinsen aus lippenlosem Mund zu beobachten.

Wehe, ich mache mal einen Scherz oder habe meinen Spaß einfach so – das wird sofort misstrauisch beargwöhnt. Als ob man neidisch wäre und mir mein Lachen nicht gönnt.

Das ist schrecklich. Ich lebe in einem klimatischen Paradies. Fruchtbarer Boden weit und breit. Keine Naturkatastrophen. Man könnte hier einfach glücklich sein.

Aber nein. Irgendwie lassen sie einen nicht. Die Menschen in ihrem totalitären Glauben sind schlimmer als jeder Vulkanausbruch, jedes Erdbeben es jemals sein könnten. Überall hängen sie einen zu Tode leidenden Mann am Balkenkreuz auf, seine Schmerzen sind unübersehbar. Alle paar hundert Meter hängt einer in den Reben oder sonstewo. Und stirbt!

Hängt es damit zusammen, dass mir hier das Lachen im Halse stecken bleibt? Weil es sich nicht schickt, im allgegenwärtigen Angesicht von Leid und gewaltsamen Tod fröhlich und unbeschwert zu sein? Darüber wachen sie. Schmallipppig und freudlos. Bloß nicht zu laut gelacht. Höchstens mal wohlerzogen gelächelt. Gute Laune? Durch verkrampftes Grinsen zu Tode dressiert. Es ist schlimmer als auf einer Beerdigung.

Sind die Menschen, die diesen Toten immer wieder neu ans Kreuz nageln, nicht mindestens genau so brutal wie diejenigen, die ihn vor bald zweieinhalb Jahrtausenden in echt haben sterben lassen? Was ist das für eine Gesellschaft, in der die Lebendigen wegen der längst Toten leiden müssen und nicht einmal mehr lachen dürfen?

Was habe ich mit den Ungerechtigkeiten der Geschichte zu tun?

Ich habe nicht nur meine Anpassungsfähigkeit an das katholische Spießertum überschätzt, sondern auch meinen Anpassungswillen. Denn dass auch mir selbst hier das Lachen vergehen würde, dass mir gar die Lebensfreude abhanden käme im Lauf der Jahre, damit hatte ich nicht gerechnet.

Weil das so ist, laufe ich große Gefahr, selbst zur biestigen, verkniffenen und verbissenen Alten zu werden. Das will ich natürlich nicht. Weil ich das nicht bin. Weil ich mich so nicht einmal mehr in mir selbst noch zu Hause fühle.

Ich muss fort. Woanders hin. Hier bin ich nicht zu Hause, hier stehen nur meine Möbel. Meine Seele ist verschollen im optischen Paradies.

„Zu Hause“ fühle ich mich nur, wenn ich auch lachen darf. So richtig: mit zurückgelegtem Kopf und von ganz tief unten aus dem Bauch heraus. Schallend.

Heimat ist kein Ort. 

Heimat ist da, wo ich die sein darf, die ich bin. Lebendig, mutig, neugierig, klug, zuversichtlich – und lachend.

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Montag, 5. Mai 2014

Chanel No. 5

Eine Duftmischung von Rosen, Jasmin und einem "Aldehyd-Akkord" verzaubert seit bald 100 Jahren nicht nur französische Nasen.

Es war 1921, am 5. Tag des 5. Monats, als Madame Coco Chanel der Weltöffentlichkeit ihr Parfum No. 5 präsentierte, das bis heute als erfolgreichster Damenduft aller Zeiten gilt. Noch zu ihren Lebzeiten soll es der Modemacherin mehr als 15 Millionen Dollar allein an Lizenzgebühren eingebracht haben.

Veronique B. - Aufbruch ins neue Rosenjahr

Nun muss ich wohl zu meiner Schande gestehen, dass ich die No. 5 von Chanel nicht mag. "Schade um die schönen Rosen", denke ich jedes Mal, wenn mir ein Hauch davon in die Nase weht.

Den ersten Hauch echten Rosendufts, den genieße ich nun schon seit Tagen, ungewöhnlich früh in diesem Jahr. Meine schöne Veronika auf dem südlichen Schattenbalkon treibt dutzende Knospen, die ersten sind kurz vor dem Aufbruch ... Ihr Duft ist Verheißung und Versprechen zugleich:

... und plötzlich weißt du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen,
und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
(Meister Eckhart, 1260 - 1328)

Die Rosen werden sich frei entfalten, sie werden duften und leuchten. Wollen wir es ihnen gleichtun!

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Freitag, 2. Mai 2014

Große Frauen - Lesefreude 2014 verschenkt!

Am 23. April 2014, dem "Welttag des Buches und des Urheberrechts" habe ich mich an der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" beteiligt und das Buch "Große Frauen" von Irma Hildebrandt zur Verlosung ausgeschrieben.


Elf Leserinnen haben sich beteiligt und gültige Kommentare hinterlassen.

Die Gewinnerin habe ich mit Hilfe von random.org ermittelt:

Verlosung bunt gemischt mit random.org

Liebe Christiane von mylittleworldofbooks, herzlichen Glückwunsch! Bitte teile mir deine Anschrift mit, dann geht das Buch alsbald auf die Reise.

Dir und allen anderen vielen Dank fürs Mitmachen und für Eure Anregungen! Ich freue mich, wenn Ihr auch in Zukunft ab und zu mal vorbeischaut hier im Büro für besondere Maßnahmen. Es gibt zwar nicht jedes Mal etwas zu gewinnen, aber immer wieder etwas zu entdecken.

PS @lle:
Wer in den Kommentaren unter der Verlosung eine E-Mail im Klartext hinterlassen hat und nicht möchte, dass die dort noch länger steht, darf sich gerne an mich wenden, und ich nehme das dann raus. Versprochen!

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Montag, 28. April 2014

Rosa Manus

- Rosenworte zum Montag - 

Jedes Mal, wenn ich an einem Montag die Quellen durchforste nach einer Frau, der ich meine "Rosenworte" widmen könnte, bin ich entsetzt, wie wenige Frauen der Geschichte bekannt sind.

Rote Rosen im April - für Rosa

Männer! Immer nur Männer! Seitenweise! Jahrtausendelang! Als ob Frauen nie gelebt hätten. Als ob Frauen niemals etwas Bemerkenswertes getan oder Berichtenswertes erreicht hätten. In all den Jahrhunderten nicht. Es ist empörend, wie sehr unsere Frauenleben und fraulichen Lebenswelten  von der Männerwelt da draußen ignoriert werden. Immer noch. Immer wieder! Nicht nur in Lexika, in den Nachrichten. Auch in der Wikipedia will es nicht besser werden.

Umso mehr freut es mich, dass ich eine Frau entdecken konnte, deren Name nicht nur Rosa ist: Die niederländische Feministin Rosette Susanna Manus, geboren 1881 in Amsterdam.

Sie war Stimme und Organisatorin der Frauenbewegung vor dem zweiten Weltkrieg. Sie kämpfte für das Frauenwahlrecht. Sie machte sich stark gegen das Berufsverbot für verheiratete Frauen. Sie war Aktivistin und Initiatorin verschiedener Organisationen:

1935 gründete sie in Amsterdam das „Internationale Archiv für die Frauenbewegung“ (IAV Internationaal Archief voor de Vrouwenbeweging, heute Aletta Instituut voor Emancipatie en Vrouwengeschiedenis).

Rosa Manus war Jüdin, und sie war politisch. Das wurde ihr im von den Nazis besetzten Amsterdam zum Verhängnis: Im August 1941 wurde sie wegen ihrer „pazifistischen und internationalen Neigungen“ verhaftet und später deportiert.

Rosa Manus starb am 28. April 1943 im Konzentrationslager Ravensbrück (evtl. auch in Auschwitz).

Mehr über Rosa Manus im Jewish Women's Archive.

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Donnerstag, 24. April 2014

Reisen in Burma - Lesefreude verschenkt!

Am Ostersonntag habe ich von meiner Reise nach Burma erzählt - und dabei im Rahmen der Aktion „Blogger schenken Lesefreude 2014“ zum Welttag des Buches und des Urheberrechts ein Exemplar des Buches „Reisen in Burma“ von Alice Schwarzer und Bettina Flitner zur verlost.

Reisen in Burma (Schwarzer/Flitner)

Allen KommentatorInnen herzlichen Dank fürs Mitmachen!

Um Mitternacht lief die Teilnahmefrist ab. In allen neun Kommentaren wurde meine Frage „Wie heißt die Hauptstadt von Myanmar?“ richtig beantwortet mit Naypyidaw oder Naypyitaw.

Im vergangenen Jahr hat meine liebe Büromieze Ginivra die Gewinnerin fachkätzisch ausgelost – aber in diesem Jahr ist sie mit ihrer eigenen Buchverlosung viel zu beschäftigt. Deswegen habe ich die/den GewinnerIn diesmal mit Hilfe von random.org ermittelt:

Verlosung bunt gemischt mit random.org

Liebe/r B-Hörnchen, herzlichen Glückwunsch!

Bitte teile mir innerhalb einer Woche (bis einschließlich 1. Mai 2014) deine Postadresse mit, damit ich das Burma-Buch zu dir auf die Reise schicken kann. (Danach ginge das Buch sonst an die Listenzweite).

An dieser Stelle noch einmal ein großes „Dankeschön!“ an den Dumont Verlag, der mir das kostbare Buch für die Verlosung so großzügig zur Verfügung gestellt hat.

@llen andern:
Wer in den Kommentaren unter der Verlosung eine E-Mail im Klartext hinterlassen hat und nicht möchte, dass die dort noch länger steht, darf sich gerne an mich wenden, und ich nehme das dann raus. Versprochen!

Und: Nicht traurig sein, wenn es diesmal nicht geklappt hat mit dem Gewinn. Nebenan läuft weiterhin meine zweite Buchverlosung, „Große Frauen“ bis zum 30.04.2014, vielleicht mögt ihr ja dort noch einmal Euer Glück versuchen?

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Mittwoch, 23. April 2014

Große Frauen

Welttag des Buches am 23. April
Blogger schenken Lesefreude
Buchverlosung!

Heute vor dreihundertachtundneunzig Jahren starb William Shakespeare. So ungefähr. Dieser literarische Trauertag wurde 1995 von der UNESCO zum Welttag des Buches und des Urheberrechts erklärt.

Aus diesem Anlass haben die GeschichtenAgentin Dagmar  und Christina von Pudelmützes Buchwelten die Aktion “Blogger schenken Lesefreude“ gestartet, an der sich nun in dieser Woche mehr als 900 Blogs beteiligen und je mindestens ein Buch verlosen. Hier geht es zur kompletten TeilnehmerInnen-Liste.

Blogger schenken Lesefreude

Auch in diesem Jahr habe ich nicht lange gefackelt, mich sofort in meine umfangreiche Bibliothek begeben und ein weiteres Buch herausgesucht, das eines internationalen Welttags würdig ist:

Irma Hildebrandt, Große Frauen

„Große Frauen“, das sind 30 sehr persönliche Biographien, verfasst von Irma Hildebrandt: Sorgfältig recherchierte Porträts aus fünf Jahrhunderten von der Barockzeit bis in die Gegenwart — darunter Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Kämpferinnen für gesellschaftlichen wie für wissenschaftlichen Fortschritt. Eher unerwartete Persönlichkeiten wie zum Beispiel Goethes Mutter Katharina Elisabeth und Freuds Tochter Anna oder Bachs zweite Ehefrau Anna Magdalena; solche, die schon zu Lebzeiten berühmt waren ebenso wie jene, von denen die Welt erst nach ihrem Tod erfuhr: Maria Sybilla Merian, Fanny Mendelssohn, Berta von Suttner, Rosa Luxemburg, Käthe Kollwitz, Mileva Einstein-Marić, Helene Lange, Sophie Scholl, Anne Frank, Dorothee Sölle, Christa Wolf und viele andere ...

Irma Hildebrandt, Große Frauen, Diederichs
2008
Hardcover, 502 Seiten
ISBN 978-3720530491
Die schöne Printausgabe ist vergriffen, aktuell gibt es ein E-Book für 9,99 €.

Und, neugierig geworden auf das Buch? Dann beantwortet mir doch (m)eine Frage:

Welche bekannte Frau ist eure persönliche Heldin?
Eure große Vorbildfrau, euer best role model?

Wer das Buch gewinnen möchte, hinterlässt einfach unten einen Kommentar mit persönlicher Antwort und gültiger E-Mail-Adresse. Einsendeschluss ist Mittwoch, 30. April 2014 um 23:59 Uhr.

JedeR ab 18 Jahren darf EINmal teilnehmen. Bei mehr als einer Antwort entscheidet das Los, und der oder die GewinnerIn wird am Freitag, 2. Mai 2014 per E-Mail benachrichtigt. Ich gebe keine Daten an Dritte weiter, versende das Buch nur innerhalb Deutschlands, leiste keinen Ersatz bei Versandverlust, zahle den Gewinn nicht in bar und schließe den Rechtsweg aus.

Viel Glück!


PS.
Ich verlose noch ein zweites Buch, "Reisen in Burma" mit Deadline 23:59 am 23. April 2014 - also heute abend! Geht ruhig mal rüber ...

PPS.
Die süße Büromieze Ginivra lässt es sich nicht nehmen, ebenfalls ein Buch zu verlosen — bei ihr geht es um Literatur von, für und mit Katzen. Was sonst?!


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