Achtung. Achtung. Achtung.
Wir sind umgezogen!

Januar 2021

Das Büro für besondere Maßnahmen ist ab sofort erreichbar auf mojour.de

Nach und nach werden alte Beiträge – ggf. aktualisiert und überarbeitet – dorthin umziehen. Bitte folgen ... :-)

Montag, 22. Juli 2013

rosenelf

- rosenworte zum montag -

markgräflerland: 36,6° C im schatten:

die rosen auf dem balkon sehnen sich nach einer frischen brise, genau wie unsereine.

Mozart (Strauchrose, Lambert 1937)

wenn wir doch flügel hätten! oder etwas geflügeltes in der nähe, das uns kühle fächeln könnte. aber nichts da! die tropfen, die mir über stirn und körper rinnen, sind alles andere als taufrisch.

geflügelte worte kann ich bieten zumindest, die der phantasie ein wenig auf die sprünge helfen, vielleicht, wie das wäre, wenn ...


Der Rosenelf

Inmitten eines Gartens wuchs ein Rosenstrauch, der war ganz voller Rosen, und in einer davon, der schönsten von allen, wohnte ein Elf; er war so winzig klein, daß kein menschliches Auge ihn sehen konnte, hinter jedem Blatt in der Rose hatte er eine Schlafkammer. Er war so wohlgestalt und hübsch, wie ein Kind nur sein konnte, und hatte Flügel an den Schultern, hinab bis zu den Füßen. Oh, es war ein Duft in seinen Zimmern, und wie hell und schön waren die Wände! Sie waren ja die feinen hellrosa Rosenblätter.
Hans Christian Andersen (1805 - 1875)

wer das ganze märchen noch nicht kennt oder noch einmal nachlesen möchte, findet es  beim Projekt Gutenberg.

ich wünsche euch immer einen wohlwollenden, erfrischenden flügelschlag in der nähe!

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Montag, 8. Juli 2013

anarchie & rosen

- rosenworte zum montag - 

heute von Emma Goldman (1869-1940):

"I'd rather have roses on my table
than diamonds on my neck."


[Ich habe lieber Rosen auf dem Tisch
als Diamenten um den Hals.]

rosenkeramik: Gisbert Klemm
same here!

Emma Goldman war Jüdin, Hebamme, Publizistin, Feministin, Anarchistin, Kosmopolitin, Friedensaktivistin, Freiheitskämpferin ... eine kurze Biographie gibt es zu lesen bei fembio.org.

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Mittwoch, 3. Juli 2013

lebenszeichen

es ist wichtig, ganz genau und konkret zu sagen, was man sich wünscht. bestellungen ans universum sollten möglichst positiv und detailliert ausformuliert sein. zusätzlich versetze dich gedanklich und spirituell in die gewünschte situation hinein, gerade so als ob der wunsch bereits in erfüllung gegangen sei.


also nicht „ich will stark, schön, schlau & glücklich sein“ sondern „ich bin stark, schön, schlau & glücklich“. sonst bleibt die bestellung beim 'ich will' hängen, und das hilft uns nicht weiter.

das ist wichtig, damit der kosmische kellner weiß, was er servieren soll, wenn er im team mit der kosmischen weisheit und dem kosmischen terminplaner die bestellungen bearbeitet, die unsereins so ans universum schickt.

ungefähr das ist vorige woche passiert: als ich so tat, als ob ich dieses kleine rote buch noch hätte, das vor mehr als dreißig jahren im 'verlag kleine schritte' erschienen ist – 'Lebenszeichen' von Brigitte Heidebrecht – und fast fehlerfrei aus der erinnerung ein gedicht daraus zitierte.

wenige tage später erhielt ich einen wattierten briefumschlag vom universum via medimops. das kleine rote buch lag darin. für mich. wie aufmerksam! und wie schnell!

es sieht dem, das ich damals hatte, sehr ähnlich: leichter altersgilb im innern, außen der für mich typische kaffeetassenrand (ich kann doch keine heiße tasse einfach so ohne unterlage auf die tischplatte stellen).

ein lieferschein lag nicht dabei, auch kein gruß von der auftraggeberin. deswegen gehe ich davon aus, dass das kosmische dreigestirn da ganze arbeit geleistet hat. danke schön, liebes universum! ich habe mich sehr darüber gefreut.

noch mehr aber täte ich mich freuen, wenn ich wüsste, in welche richtung ich meinen dank konkret denken und senden darf. vielleicht mag diejenige ja ein kurzes lebenszeichen von sich geben?

bis dahin und für alle andern hier noch ein weiteres lieblings-lebenszeichen-fundstück – zum merken und immer wieder aufsagen, zum murmeln wie ein mantra oder zum abschreiben und an die wand pinnen:
Jetzt
Die Nacht hat sich ausgeweint
und einem blauen Himmel
Platz gemacht.
Dies ist ein Tag
der nach Aufbruch riecht.

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Montag, 1. Juli 2013

rosenausflug

- rosenworte zum montag - 

wie jedes jahr zur schönsten rosenblüte, habe ich heute meinen alljährlichen ausflug ins landhaus ettenbühl gemacht. da ich diesen mini-urlaub bereits vor drei jahren zur besonderen maßnahme erklärt habe, wäre heute eigentlich die aufnahme in den club der rituale an der reihe gewesen.

nun ist aber heute montag. deswegen gibt es statt dessen ein paar rosenworte dazu. rituale laufen nicht davon.

Ettenbühler Rosen-Restaurant - Entrée


im rosenduftigen schatten sitzen an einem der schönsten sommertage ... nicht zu heiß mit leichter brise, von kelch zu kelch die nase wandern lassen, so lang die füße tragen ... dazu die begleitung einer lieben freundin, die genauso verzückt und rosenberauscht ist wie man selbst ... so eine rosen-wandel-schnupper-kur sollte eigentlich jede frau sich regelmäßig gönnen.

ob's verjüngt? ob's schön macht?! schnurzpiepenwurscht! denn glücklich macht es und stark - und solche augenblicke sind selten im prekären alltag.

die rosenworte dazu heute von der dichterin Emily Elizabeth Dickinson (1830-1886):
Ein Kelch, ein Blatt, ein Dorn
An irgendeinem Sommermorgen –
Ein Schälchen Tau – Bienen, ein oder zwei –
Ein Windhauch – Rascheln in den Zweigen –
Und ich bin eine Rose!
was sonst?!

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Freitag, 28. Juni 2013

zyklen

ein wortgeplänkel

keine drei tage mehr, dann ist das jahr 2013 zur hälfte vorbei. vergangene woche war sommersonnenwende. seither werden die tage schon wieder kürzer.

mittsommerberg 2013

die zeit rast, gnadenlos wie eine planierraupe. wenn sie einer doch wenigstens auch die falten glätten würde! es kommt mir vor wie ein fingerschnipp, diese sechs monate seit der letzten wintersonnenwende. als ich mich so gefreut habe, dass die tage nun wenigstens nicht mehr kürzer werden.

woran liegt das, dass die zeit kürzer zu werden und schneller zu vergehen scheint, wenn wir älter werden?

zum einen, denke ich, liegt es an einem 'mehr' an insgesamt gelebter zeit. das mathematische verhältnis einer gewissen zeitspanne zur insgesamt gelebten zeit verändert sich und erscheint uns dadurch weniger lang. ein beispiel:

ist eine fünf, dann macht ein halbes jahr satte zehn prozent des bisherigen lebens aus. das ist viel! mit fünfzig, da sind sechs monate gerade mal noch ein prozent. ein prozent ist viel weniger als 10 prozent, das ist allen klar und logisch. also kommen uns auch im alter sechs monate verhältnismäßig kürzer vor als in der jugend – auch wenn objektiv gesehen sechs monate natürlich immer gleich lang sind.

und: ein prozent von irgendetwas – was ist das schon?! falls wir das verlieren, das ist nicht so schlimm. wir haben ja noch 99 andere!

ein anderer aspekt erscheint mit der, dass es im alter weniger neues gibt. als kind traf ich fast täglich auf neues, entdeckte ich ständig unbekanntes, es gab mehr überraschungen!

jetzt im alter … nun ja. ich drehe mich im hamsterrad meiner nicht einmal selbst gewählten verpflichtungen und komme nicht vorwärts. nichts schönes passiert mehr. nichts wirklich spannendes gibt es mehr zu entdecken. nur katastrophen geben noch eine zäsur.

wenn man zum beispiel drei wochen lang urlaub macht – was ja heutzutage eine seltenheit ist, aber stellt euch das einfach mal vor, so wie es früher üblich war – drei wochen am stück irgendwo anders, wo man noch nie war, wo es schön ist und spannend!

da kam einem die erste woche auch immer verhältnismäßig länger vor, weil es so viel neues zu entdecken gab, weil so viel noch unerlebtes wirklichkeit wurde. welch ein genuss! in der mittleren woche wurde dann das „neue“ zur gewohnheit und in der letzten woche dachte man schon wieder ans kofferpacken. von tag zu tag schien der urlaub schneller zu vergehen! obwohl doch jeder tag 24 gleich lange stunden hat.

und erst die großen ferien, damals! sechs unendlich lange wochen am stück! voller abenteuer, voller ungewissheit, auf jeden fall aber ohne diesen schrecklichen zwang, jeden morgen denselben weg in die immer selbe schule latschen zu müssen. welch eine freiheit!

was aber sind heute noch sechs wochen? die vergehen im alltagstrott und sind nicht weiter der rede wert, weil es mindestens so lange braucht, bevor man einen arzttermin bekommt. oder eine antwort auf das schreiben ans amt – wenn überhaupt. da passiert nicht groß etwas in der zwischenzeit.

es scheint gerade so, als ob sich andere von meiner zeit ernähren. oder zumindest ziemlich verschwenderisch damit umgehen.

ein tag ist ein guter tag, wenn nichts kaputt geht, wenn ich nicht betrogen, nicht bedroht und nicht belogen werde. wenn kein scheußlicher brief vom jobcenter auf dunkeldeutschgrauem papier im echten postkasten liegt und auch keine böse email im virtuellen online-speicher eintrudelt.

dann muss man schon froh sein. wenn aber leben nur noch die abwesenheit von unglück und schikanen bedeutet, dann ist vom leben nicht mehr wirklich viel übrig – und es ist auch kein gelungenes.

gelungenes leben bedeutet doch freiheit! sollte es zumindest. so steht es im grundgesetz. wenn eine nicht in freiheit lebt, fühlt die gelebte zeit sich seltsam schal an und vergeht – in der rückschau – schneller. viel zu schnell. weil die tage sich gleichen wie ein ei dem anderen.

genau umgekehrt verhält es sich mit der aktuell gelebten zeit im sogenannten hier und jetzt, der erlebten gegenwart: wenn eine das hier und jetzt nicht liebt, wenn sie unfrei ist, dann vergeht die gegenwart zäh und klebrig wie kaugummi. nämlich fast gar nicht. alle stunden, alle tage fühlen sich irgendwie gleich an.

in freiheit gelebte aktuelle gegenwart hingegen vergeht sehr schnell: „wie im flug,“ sagt man auch so schön. frei und fliegend, ein sehr lebendiges bild. in der rückschau erscheint einem die in freiheit gelebte zeit dann länger, weil man so vieles zu erinnern und zu erzählen hat.

wer aber im hamsterrad gefangen ist und nur hofft, dass es nicht aufhört sich zu drehen, weil das leben sonst vorbei wäre, die hat später weder etwas schönes zu erinnern noch zu erzählen.

da ist es egal, ob eine sich sechs tage, sechs wochen, sechs monate oder sechs jahre leben lang im kreis gedreht hat.

das, denke ich, macht den größten unterschied.

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Montag, 24. Juni 2013

selbstverständnis

- rosenworte zum montag -

dass eine älter wird, merkt sie auch daran, dass die dinge, ereignisse und menschen, an die sie sich erinnert, immer länger zurückliegen.

da ist bisweilen schönes, trauriges, nutzloses, wahres und lustiges dabei.

Veronique B.
eine meiner erinnerungsperlen aus der jugend ist ein kleines rotes buch, "Lebenszeichen" hieß es, von brigitte heidebrecht. ich war 17 oder 18, also offiziell so gut wie erwachsen, als sie es im selbstverlag veröffentlichte und ich es in einer kölner buchhandlung neben der kasse fand.

heidebrecht schrieb klare, kurze worte. lyrische prosa. eingängig. bei fast allem habe ich heftig genickt.

das büchlein habe ich nicht mehr, aber meine erinnerung hat die worte noch fast alle beieinander. diese zum beispiel:
Seit ich mich selbst
einigermaßen
verstehe
bewege ich mich
mit einer gewissen
selbst-verständlich-keit
meine persönliche selbstverständlichkeit scheint über die jahrzehnte hinweg im wandel zu sein. das ist in ordnung für mich, denn ich lerne und lebe erfahrungen, lebenslang. dennoch gibt es auch konstanten, die bleiben.

mein 'rosiges' selbstbild etwa, das immer aus den drei komponenten "duftende blüten, üppige blätter und wehrhafte stacheln" besteht. zeitweilig bin ich auch nur ein stock mit nix dran - aber sehr winterhart.

es ist doch immer wieder spannend, was mein langzeitgedächtnis so als be-merkenswert selektiert.

ich wünsche euch eine rosenduftige woche!

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