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Montag, 31. März 2014

Freude im Leben

- Rosenworte zum Montag - 

Heute ist so ein Tag voller Angst und Panik: Cortisol und Adrenalin rasen wie ferngesteuert auf Hochtouren durch meine Adern und verbrennen mich innerlich.

Das HartzIV-Amt zahlt nicht, wie es sollte. Laut Bescheid hätte heute das monatliche Arbeitslosengeld eintreffen sollen - mit dem ich dann morgen die Miete, den Strom, die Krankenkasse, die Versicherungen und was nicht sonst noch alles hätte bezahlen können.

Rosen des Frühlings: Ranunkeln

Es ist aber nichts überwiesen worden. Woran das liegt, kann ich nicht herausfinden. Im Jobcenter ist - wie üblich - niemand zu erreichen.

Mein Dispo-Limit ist am Monatsende knapp am Anschlag. Ich versuche seit Jahren vergeblich, da wieder herauszukommen.

Was immer morgen zum Monatsanfang bezahlt werden muss, kann also diesmal nicht abgebucht werden. Oder es wird abgebucht und kurz darauf zurückgebucht wegen fehlender Deckung. Dann werden zusätzliche Mahn- und sonstige Gebühren fällig. Wo ich doch ohnehin schon nicht mehr weiß, wie ich meinen kargen Alltag überhaupt finanzieren soll.

Hinzu kommen peinliche Erklärungen und Entschuldigungen für mein verspätetes Bezahlen (das noch nicht einmal in meiner Verantwortung liegt), bei denen ich vor Scham in Grund und Boden versinken möchte.

Ganz früher hätte ich mir jetzt die Kante gegeben und mich besinnungslos besoffen. Das fällt aus.

Bis vor kurzem noch hätte ich zur Beruhigung erst einmal zwei Tafeln Schokolade gegessen. Auch das fällt aus.

Ich weiß nicht, wie ich diese Katastrophe ertragen soll. Tigere in der Wohnung auf und ab, kann mich auf nichts konzentrieren. Es ist schrecklich. Gegen Bürokraten ist weder Durch- noch Ankommen.

"Irgendeine dritte Person entscheidet über dein Leben: 
Das ist die ganze Essenz der Bürokratie."

Dieses Zitat ist nicht neu. Es stammt aus dem Werk "Die Arbeiteropposition" von 1921, verfasst von der der russischen Revolutionärin, Diplomatin und Schriftstellerin Alexandra Michailowna Kollontai. Sie wurde am 31. März 1872 in Petersburg geboren.

Ob und wie es mich trösten kann, dass ich mit diesen Erlebnissen und Erkenntnissen nicht alleine bin, darüber könnte ich mir nun in Betrachtung meiner zauberhaften Ranunkeln auf dem Balkon ein paar Gedanken machen. So zwei, drei Stück.

Ändern kann ich an dieser Situation allein durch positive Gedanken hingegen überhaupt nichts mehr.

"Es ist wie es ist und es gefällt mir nicht."
(mo jour, heute)

Auch das muss einmal gesagt werden dürfen!


Nachtrag am 1. April 2014
(Nein, kein Scherz):
  • Gestern am Vormittag hatte ich meinem Sachbearbeiter beim Jobcenter auf den AB gesprochen, dass mit der Zahlung für April offensichtlich etwas schief gelaufen ist und um Rückmeldung gebeten. Seine Durchwahl steht auf all seinen Schreiben. Im Jobcenter Breisgau-Hochschwarzwald machen sie aus den Telefonnummern kein Geheimnis.
  • Am Nachmittag war ich persönlich bei der Sparkasse meines Vertrauens und habe die Situation erklärt und um Kulanz gebeten. Eine Kopie meines letzten Arbeitslosengeldbescheides hatte ich dabei als Nachweis dafür, dass Geldeingang unterwegs ist.
  • Heute ist das ALG für April, das gestern hätte eintreffen sollen, immer noch nicht angekommen.
  • Trotzdem hat die Sparkasse alles abgebucht, was anstand. Ohne Deckung, in vollem Vertrauen auf meine Angaben. Ich muss nirgendwo sonst betteln gehen oder Erklärungen abgeben. Natürlich zahle ich jetzt ordentlich Zinsen für die Kontoüberziehung, aber das Schlimmste ist erst einmal verhindert (nämlich dass zum Beispiel mein oller Vermieter wegen verspäteter Mietzahlung Grund hätte für eine fristlose Kündigung).
  • Im Laufe des Vormittags rief mein Sachbearbeiter vom Jobcenter mich persönlich zurück und teilte mit, dass er sich das nicht erklären könne, die Zahlung für April sei pünktlich angewiesen worden.Er hat mir sogar von sich aus angeboten, mir den Betrag unverzüglich in bar auszuzahlen.
  • Wir sind so verblieben, dass ich erst einmal diese Woche abwarte. Wenn die Zahlung angewiesen ist, muss sie ja irgendwann demnächst eintreffen. Der Weg in die Stadt zum Jobcenter ist weit und teuer.
  • Ich warte also ab - und bin sehr erleichtert, dass da nicht nur Monster im Jobcenter und in der Sparkasse arbeiten. Ich habe mich bei beiden brav und artig bedankt.


Nachtrag am 4. April 2014
Bis heute hat es gedauert. Nun ist das Arbeitslosengeld für April endlich angekommen. Ich kann also auch wieder am Goldautomaten ein bißchen Bargeld abheben und mir etwas zum Essen kaufen.
Für satte 4,63 Euro am Tag. Offiziell.

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Kommentare :

  1. Liebe mo jour, den Schreck hatte ich gestern früh auch. HUCH keine Rente da. Das vom Sozi kam zwar, aber das reicht ja nicht mal für die Miete.
    Nachmittags war aber alles da.
    Ich wünsche Dir auch so einen frohen Ausgang. Immerhin hast Du mal 2 ordentliche Leutz erwischt.
    Alles Gute!!

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    1. Liebe Regenfrau,

      na, da hast du ja richtig Glück gehabt!
      Heutzutage ist eine ja wirklich schon froh, wenn die Katastrophe nicht ganz so katastrophal ist ;-)
      Deswegen bin ich jetzt einfach mal zuversichtlich und gehe davon aus, dass das alles gut ausgeht ohne zusätzlichen meine ohnehin schon blanken Nerven zusätzlich zerreibenden Aufwand und Ämterkoks.

      Ein lockeres Durchkommen wünsche ich dir!

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  2. Ach Mo, ich fühle mit Dir. Und freue mich über den guten Ausgang. Das Mitfühlen hat 'ne neue Qualität angenommen, denn ich darf jetzt auch wieder Richtung Agentur wandeln. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, sage ich zukünftig: Stehaufweibchen. Herzliche Grüße.

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    1. Möönsch Karin,

      was ist denn da passiert? Wie unerfreulich.
      Was für ein beklopptes Auf und Ab in diesem Leben für uns gebildete, kluge und intelligente Frauen.
      Ich wünsche dir Kraft!

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