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Mittwoch, 16. März 2011

insel des glücks

wohl die größte ironie an der ganzen katastrophe rund um das kernkraftwerk in der japanischen präfektur fukushima:

fukushima - japanisch 福島 - bedeutet ‚insel des glücks‘. ausgerechnet.


fukushima ist knappe 14.000 quadratkilometer groß, also etwas kleiner als schleswig-holstein. mit rund 2 millionen einwohnern ist es etwas dünner besiedelt als unser nördlichstes bundesland. städte und dörfer konzentrieren sich dicht gedrängt entlang der küste. die berge – wie in japan üblich - sind fast unbewohnt.

an der küste entlang gibt es die wichtigsten straßen und eisenbahn-verbindungen. ein großteil davon wurde durch das erdbeben und die anschließende tsunami zerstört. deswegen ist es derzeit so schwierig, dorthin zu gelangen – für lieferungen mit nahrungsmitteln, medikamenten, aufräumgeräten, akw-rettungs-equipment gibt es fast keine transportwege mehr.

auf seiner webseite wirbt fukushima um investoren und die ansiedlung von firmen mit sechs großen vorteilen. einer davon:

„Fukushima supplies a stable industrial infrastructure with few earthquakes and disasters, as well as plentiful water resources.“ (Fukushima verfügt über eine stabile industrielle Infrastruktur mit nur wenigen Erdbeben und Katastrophen sowie reichliche Wasserquellen.)

fukushima - seit fünf tagen insel des unglücks, hilflos. ein beben, ein großes wasser, eine schier endlose reihe atomarer katastrophen.

jiji, eines der größten japanischen online-nachrichten portale, meldet 6.600fache strahlung, 20km vom akw fukushima entfernt.

nun sollen die schmelzenden reaktorkerne mit wasserwerfern gekühlt werden. heute schneit‘s. hilft das vielleicht ein bißchen?

für die obdachlos gewordenen und evakuierten hunderttausende menschen hingegen macht das winterwetter die situation nur noch schwieriger.

mein gehirn will die bilder und informationen, die es im TV und internet sieht, einfach nicht zu einer realität koordinieren. es ist alles so surreal.

fukushima hat ein angenehmes klima am meer, den gleichen breitengrad wie sizilien. in knapp zwei wochen wird in japan die kirschblüte beginnen: ein landesweites frühlingsfest, das dem verlauf der kirschblüte von süden nach norden folgt und sich alljährlich über mehrere wochen hinzieht.

so sehr ein japanisches symbol für frieden und wohlstand, dass es im japanischen völlig ausreichend ist, „hanami - 花見 - blüten-sehen“ zu sagen. ohne den zusatz ‚kirschen‘: jedeR weiß, dass damit immer und ausschließlich kirschblüten gemeint sind.

falls es dann im land der glücksinseln und den anderen von den katastrophen betroffenen landesteilen japans noch kirschbäume gibt, wird das ein seltsamer anblick. zartrosafarbene, duftige pracht zwischen trümmern und geborstenen atommeilern.

ich sage jetzt, dass bis dahin das allerschlimmste nicht passiert sein wird, dass es nach all den katastrophen doch noch ein wunder gibt. das sage ich jetzt! ich sage es dem universum und amatarasu omikami - der großen mutter sonnengöttin - und allen anderen kosmisch zuständigen.

die menschen in fukushima können doch nichts dafür, dass machtgeile regierungen und geldgeile energiekonzerne weltweit so eine schreckenstechnik forcieren. bloß, weil man aus dem angereicherten uran für die brennstäbe auch bomben bauen könnte - aus nem windrad aber nicht. könnte man diejenigen verantwortlichen jetzt mal bitte alle zum löschen und kühlen einteilen?!


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Kommentare :

  1. Kirschblüten und Erdbeben/Tsunami sind zwei Seiten der gleichen Medaille - des regelmäßigen Rhythmus und der gleichzeitigen Unberechenbarkeit der Natur. Vielleicht schätzen die Japaner die immer wiederkehrende Kirschblüte auch deshalb so sehr, weil sie so häufig mit der anderen Seite konfontriert werden?
    Ich hoffe sehr, dass die jetzt bevorstehende Kirschblüte vielen Menschen wieder Hoffnung gibt und Anreiz, weiterzumachen, aufzubauen, nach vorne zu blicken.

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  2. Das ist wirklich eine fatale Ironie ... "Insel des Glücks". Ich wünsche den Menschen dort, dass sie bald wieder zum normalen Leben zurückkehren können und frage mich, warum das Leben und seine Umstände so ungerecht verteilt sind. Genauer gesagt frage ich mich, womit wir unsere einigermaßen friedliches Leben "verdient" haben. Angesichts der Katastrophe in Japan bin ich noch dankbarer für mein ruhiges und geschütztes Leben.

    Liebe Grüße
    Renate

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  3. liebe Frau Dinctoc - ja. das ist ein schöner aspekt. die sicherheit durch die immer wiederkehrenden rhythmen der natur - im gegensatz zu ihren völlig unvorhersehbaren ausbrüchen.

    gerade eben habe ich noch einmal bilder gesehen aus dem gebiet, wo die tsunami am heftigsten war, bis 5km ins landesinnere alles mit sich gerissen hat (rikuzen-taka-ta 陸前高田). die kirschblüten können natürlich nicht die zeit zurückdrehen, können nichts ungeschehen machen. dennoch bin ich sicher, dass sie mit ihrer energie auch einen hauch von linderung und neuer hoffnung bringen.

    liebe renate, ich denke nicht, dass es ums 'verdienen' von gutem leben oder schlechten ereignissen gehen kann. das ist eine sehr christlich geprägte denkart; die christen haben diesen grausam lebenslustfeindlichen, strafenden gott, der niemals lacht.

    die japaner fühlen anders, sind im shintoismus verwurzelt. da kann es auch schon mal vorkommen, dass götter oder göttInnen oder naturgeister sich streiten und die menschen den zoff dann dummerweise abkriegen.

    andererseits müssen wir in D-land unseren "wohlstand" auch ziemlich teuer bezahlen: mit einer gesellschaft, in der (fast) nur geld oder status zählen; die geprägt ist von neid und missgunst.

    ich würde sehr gerne in einer etwas "schlichteren" kultur leben, dafür aber mehr lachen und unbeschwert sein dürfen.

    nichtsdestotrotz bin auch ich sehr dankbar dafür, in einem ziemlich sicheren land zu leben - zumindest was die ausmaße von naturkatastrophen angeht. menschlich habe ich hier oft große angst. die deutschen können sehr garstig sein.

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